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“Walter Lang’s Romance erzählt wundersame Episoden aus der im Umbruch
befindlichen Musikwelt des 21. Jahrhunderts, in der alles möglich
erscheint und bei einer Besetzung wie dieser tatsächlich auch
funktioniert.“
„Walter Lang’s Kompositionen sind Rückschau und
Ausblick, Arrangement und Improvisation, Bewusstes und Vages,
Schwebendes und klare Linien. Europäischer Jazz und amerikanische
Kammermusik von einem ganz und gar ungewöhnlichen musikalischen
Kosmopoliten“. (R. Köchl)
Walter Lang
Der 1961 geborene Pianist und Bandleader
studierte Jazzpiano und Komposition an der Beklee School of Music und
der Amsterdam School of Arts.
1990 gewann er den European Jazz Contest in
Belgien.
1997 wurde ihm der Kunstpreis der Stadt
Gershoven verliehen.
Seine subtile Art zu begleiten und die kreativen,
immer überraschenden Soli brachten ihm Engagements unter anderem in den
USA, Europa und Japan ein.
Er spielte zusammen mit Jazz Ikonen wie Lee
Konitz, James Moody, Chico Freeman oder Don Menza, aber auch mit Top
Solisten wie Roy Hargrove, Ray Pizzi oder Dusko Goykovich.
Lange Zeit galt Walter Lang als Beboper reinster
Natur. Jedoch spätestens seit der Veröffentlichung seiner vielbeachteten
Hommage an das oft verkannte musikalische Genie Charlie Chaplin, bei der
er die „Standard Karte“ beiseite legte und einen völlig abseitigen
„Joker“ zog, wurde klar, dass es tatsächlich auch Europäer mit einem
weitschweifenden und bikulturellen Verständnis für Klang, Raum und Zeit
gibt.
Henning Sieverts
gehört zu den gefragtesten Bassisten in
Europa. Er war Mitglied im Bundesjazzorchester unter Peter
Herbolzheimer. Sieberts erhielt den Musikförderpreis der Stadt München
und gewann den Preis der International Society of Bassists; 1994 wurde
er mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Mit seinem Trio (Bill
Elgart und Rudi Mahall) veröffentlichte er eine CD unter eigenem Namen.
Er unternahm Tourneen in die USA, Australien und Portugal. Er arbeitete
mit Benny Bailey, Jim Black, Robin Eubanks, Frank Foster und Christoph
Lauer zusammen.
Peter Tuscher
ist ein feiner, von allen Klangfarben
durchtränkter Trompeter.
Er ist Professor für Trompete am Konservatorium
in Linz und Kulturpreisträger der Stadt München. Er kam durch die Liebe
zur Musik Louis Armstrongs zur Trompete und studierte zeitweise in den
USA bei Marcus Belgrave.
Das Jazzpodiumm schreibt über Peter Tuscher: „Er
phrasiert rund unnd voll und zeigt an Klangschattierungen alles, was in
der modernen Jazztrompete Gewicht hat.
Rick Hollander
Der flinke, die Gedanken seiner Mitspieler stets
im voraus erahnende amerikanische Drummer vervollständigt das Trio. Rick
Hollander lebt seit 1987 in Europa und war unter anderen mit folgenden
Kollegen zu hören: Tim Hagans, Woody Shaw, Cameron Brown, Roy Hargrove.
Rick gilt als einer der versiertesten
Schlagzeuger Europas. Er beherrscht das Spiel mit den Besen wie kein
anderer und arbeitet die Stimmungshöhe der Musik mit unvergleichlicher
Effizienz heraus.
Ekkehard Rössle
Der preisgekrönte Sopran- und Tenorsaxophonist
hat eine Neigung zu „tönenden Sturzbächen“, die er zu einem Stilmittel
ausgebaut hat, in dem sich Kühle, Intensität, Eleganz, Disziplin und
Wildheit eigenartig mischen. Vieles aus der Tradition der europäischen
Impressionisten und Romantiker fließt in Rössles Spiel ein.
Walter Lang’s Tales of 2 Cities
eine Betrachtung von Reinhard Köchl
Europäischer Jazz? Wenn es so etwas überhaupt
gibt, dann wurden dessen Duftmarken nicht in der alten Welt gesetzt. Den
authentischsten europäischen Jazz spielen längst die Amerikaner: Keith
Jarret, Bill Evans, Paul Bley, Brad Mehldau oder ewa Uri Caine. Allesamt
Pianisten, Kosntrukteure, Denker, Abenteurer. Männer mit einem
weitschweifenden, bikulturellen Verständnis für Klang, Raum und Zeit.
Auch ein weig der Typ „hoffnungsloser Romantiker“. Insrumentalisten, die
sich magnetisch zu schmerzlich-aufrührenden Eligien hingezogen fühlen,
ihren emotionalen Neigungen allen Vorbehalten zum Trotz immer wieder
nachgeben, dabei aber niemals die peinliche Grenze zur Rührseligkeit
unterschreiten. Sie tauchen vielmehr ein in eine besondere Welt, fogen
blind ihren klasischen Wurzeln, begeben sich ohne Furcht auf die Fährte
ihrer kaum zu leugnenden Pop-Einflüsse, und landen schließlich ganz
intuitiv doch wieder beim Jazz, der flexibelsten aller musikalischen
Plattformen.
Nur Europäer selbst haben mit dieser
unpuristischen Form des Tonsetzens, die wegen ihrer nicht unmittelbar
vom Swing dominierten Grundausrichtung vermeintlich europäisch klingt,
meist Problelme. Entweder kopieren sie hemmungs- und persönlichkeitslos
die Vibes und Grooves der verehrten Kollegen aus New Orleans, Kansas
City und Brooklyn oder aber sie verzetteln sich in stocksteifen
Bigband-Arrangements und trotzigen Free-Experimenten. Das ist typisch
europäisch. Es fehlt an der nötigen Lockerheit. Nur ja in kein
Klischee-Fettnäpfchen treten und dabei dem unseligen Ruf neue Nahrung
geben, der europäische Musiker würde kläglich versagen, wenn man ihm die
Noten wegnimmt. Dabei halten nicht wenige Amerikaner in der Tat Johann
Sebastian Bach für den heimlichen Erfinder des Blues und Bèla Bartòk für
den wahren Urvater des New Thing. Ganze Heerscharen von etablierten
Jazzern träumen sogar offen von einem Projekt mit einem symphonischen
Orchester. Brücken gäbe es eine ganze Menge. Aber nur wenige besitzen
den Mut und das Zutrauen in ihre eigenen Qualitäten, diese auch zu
betreten.
Deshalb verkörpert Walter Lang mehr, als bloß die
oft zitierte Ausnahme einer fatalen Regel. Der 1961 im süddeutschen
Schäbisch Gmünd geborene Pianist studierte am Berklee College Of Music
in Boston sowie an der Amsterdam School Of The Arts, spielte mit Ikonen
wie Lee Konitz, James Moody, Chico Freeman oder Don Menza und galt lange
Zeit als Beboper reinsten Wassers. Doch spätestens mit seiner
vielgeachteten Hommage auf den oft verkannten musikallischen Genius von
Charlie Chaplin in der er unspektakulär, aber anders, riskant und doch
vertraut, die sichere Standartkarte beiseite legte und einen völlig
abseitigen Joker zog, der noch in der Lage ist, alle Klischees Lügen zu
strafen?
„Ich hatte einen Klang im Kopf, der völlig anders
war als alles, was ich bislang gemacht habe und gerade Rhythmen anstelle
des traditionell Swingenden“. Lang wirkt gelassen, wenn er seine
Intention beschreibt, obwohl es doch für ihn um nichts weniger, als die
Definition eines Neubeginns geht. Nennen wir es ruhig seine
künstlerische Menschwerdung. Die Befreiung eines außergewöhnlich
talentierten Jazzmusikers aus dem Glashaus seines Genres. Das
öffentliche eingeständnis, dass es neben Ellington, Carmichel und
Gershwin auch absolut hörenswerte Popkomponisten wie Sting, Simply Red
und die Beatles oder frappierende klassische Notenzauberer wie
Rachmaninov, Scriabin und Schumann gibt, die für eine imaginäre Session
zusammenzubringen sich allemal lohnen würde. |