Porträt im Musikermagazin "Gitarre & Bass"
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Nach vorne The Big Boogaloo renoviert alte Klassiker und rockt den Frankfurter Jazzkeller
von Tim Gorbauch
Nächtliche Diskussionen über die Frage, was denn nun gute Musik ausmache, beendet ein langer Freund immer rabiat: Sie braucht einen Arsch in der Hose. Darauf herrscht dann meistens eins, zwei Minuten Schweigen, bis einer sagt: Genau. Und dann gehen wir zum nächsten Thema.
Natürlich ist das ganz schön verkürzt, weil ein Arsch in der Hose ja bekanntlich nicht alles ist, aber eben auch nicht wenig. Ein wirklicher Vorteil dieser Grundformel aber ist, dass sie eine Menge Musik beschreiben kann, also eben nicht nur Rock, sondern zum Beispiel auch Jazz. In den 60er Jahren war das vielleicht noch etwas greifbarer als heute, denn da entwickelte sich parallel zum Hard Bop eine Musik, die man gerne Soul Jazz nennt und die so viel Hitze und Feuer in sich trägt, dass es immer wieder lohnt, sie mal wieder auszugraben.
Robert Lochmann weiß das. Robert Lochmann ist Bassist und ein großer Fan von Gitarristen wie Wes Montgomery, dem frühen George Benson und vor allem Grant Green, dem Meister des Soul Jazz. Und irgendwann war es Lochmann ein bisschen zu langweilig, immer nur das alte Vinyl auf seinen Plattenteller zu legen, und so gründete er eine eigene kleine Band. Ein Bruder im Geiste war schnell gefunden: Martin Lejeune, praktischerweise Gitarrist und noch praktischer gleich auch einer der besten der Region. Anfangs nannten sie ihr Projekt schlicht Souljazzmeeting, doch das war ihnen bald zu akademisch.
Inzwischen ist ein festes Quartett daraus geworden, mit Timo Neumann am Schlagzeug und Hakan Türközü an der Hammond C3. Den Namen könnte man sich merken: The Big Boogaloo. Ihr Programm: "Zeitloser Dance Jazz im authentischen Retro-Groove-Style". Zum zweiten Mal ist The Big Boogaloo im Frankfurter Jazzkeller zu Gast, und gerechterweise ist es diesmal richtig voll, und alle sind gut gelaunt.
Und das obwohl Türközü wegen eines gerissenen Antriebriemens nicht an der C3 sitzt, sondern am Fender Rhodes. Das nimmt der Musik natürlich etwas von ihrer schweren, blubbernden, schwitzenden Tiefe, aber nach vorne geht es trotzdem. Mit Rockappeal und jeder Menge Spiellust werden alte Klassiker frisch renoviert, nicht buchstabengetreu, sondern angriffslustig, mutig von heute aus. Stücke wie Grant Greens Cantaloupe Woman sind in ihrem Repertoire oder Wes Montgomerys Road Song oder George Bensons grandiose Shadow Dancers , das verhangen beginnt, nur um dann Schicht um Schicht draufzulegen, bis sich die angesammelte Sprengkraft eruptiv entlädt, ach was: entladen muss. In Saarbrücken wurde dazu kürzlich ausgelassen getanzt. In Frankfurt wird das bald so sein.
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004, Erscheinungsdatum 06.01.2004
Ballett mit Ente, federleicht - "Peter und der Wolf" in einer wunderbaren Bearbeitung für Jazzensemble im Gallus Theater
von Tim Gorbauch
Es ist allerhand los. Die Posaune quäkt seltsam, die Flöte wagt sich gerade in die höchsten Höhen, das Schlagzeug gibt energisch den Rhythmus vor, den das Banjo mit lässiger Eleganz umspielt. Auf einem von roten Tüchern verhangenen Sessel sitzt Cornelia Niemann und erzählt die Geschichte von Peter und dem Wolf, die Sergej Prokofiev vor vielen, vielen Jahren als sinfonisches Märchen für Kinder erdachte.
Niemann rezitiert im Gallus Theater nicht den originalen Text, sondern eine von F. K. Wächter überarbeitete Fassung. Wichtiger ist aber noch, dass kein Sinfonieorchester neben ihr thront, sondern ein kleines, wunderbares, virtuos bewegliches Ensemble: die Frankfurt Jazz Hunters. Corina Danzer spielt da Saxofon und Klarinette, Annemarie Roelofs Geige und Posaune, Jens Hunstein vor allem Flöte oder Triangel, Martin Lejeune Gitarre, Banjo und Mandoline, Timo Neumann sitzt am Schlagzeug und Jonas Lohse steht am Kontrabass. Sie selbst haben Prokofievs Partitur überarbeitet, die zentralen Motive aufgegriffen und in ein Jazzumfeld übertragen, in dem der Klang sich frei entfalten kann, weil spontane Kommunikation ausdrücklich gestattet ist.
Manchmal erinnert der instrumentale Satz in seiner leuchtenden Transparenz an Igor Strawinskys Geschichte vom Soldaten , an anderen Stellen tritt das Lautmalerische derart in den Vordergrund, dass ein federleicht hüpfendes musikalisches Ballett draus wird, in dem alle ihren Platz haben: die Ente, der Vogel, der Wolf und natürlich Peter.
Spaß ist es jedenfalls immer. Eine Stunde lang. Und nicht nur für Kinder.
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004, Erscheinungsdatum 18.12.2003
Geschnatter und Gezwitscher - "Peter und der Wolf" mit den "Jazz Hunters" im Gallus Theater
von Kristina Michaelis, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.12.2003
Sergej Prokofjew hat wohl die Ohren gespitzt, im Grab umgedreht hat er sich aber höchstwahrscheinlich nicht. Denn was die Frankfurt Jazz Hunters im Gallus Theater mit seinem Orchesterwerk gemacht haben, war wohl doch ganz in seinem Sinne: den Kindern die Instrumente des Orchesters nahezubringen, in diesem Fall eben die typische Instrumentierung des Jazz.
F.K.Waecher hat dem ursprünglichen Märchentext dazu noch eine treuherzig schnoddrige Note verliehen, und Erzählerin Cornelia Niemann räkelte sich -- wenn sie nicht gerade in knarzendem Trotzton verkündete, wer gerade wen "doof" fand -- so gemütlich auf ihrem roten Samtsessel, dass man am liebsten mit ihr getauscht hätte. Lange dauerte es nicht, da begannen ihre Knie zu wippen, dem Publikum zuckte es in den Schultern, und rhythmische Trippelschritte aus den Rängen begleiteten den siegreichen Peter und seine Tiere auf dem Weg ins Dorf. Keine Frage: die originelle Neufassung des bekanntesten und populärsten Werkes Prokofjews improviserte meisterhaft die bekannten Melodien und Motive, setzte dramatische Akzente, ließ zart verspielte Leichtigkeit aufkommen, ergoß sich dann wieder lautstark in verschwenderischem Leichtsinn und riskierte es, ungezähmt komisch zu sein.
Wie Prokofjew hatten die sechs Jazz Hunters mit ihren prominenten Protagonistinnen Annemarie Roelofs und Corinna Danzer einer jeden Figur eine eigene Melodie und ein eigenes Instrument zugedacht: die Gitarre (Martin Lejeune) für den gewitzten Peter, die Klarinette (Corinna Danzer) für die verschlagene Katze, der flatterhafte "Wiesenpieper" erhielt die Flöte (Jens Hunstein), Großvater den Kontrabass (Jonas Lohse) und die träge Ente schließlich die Posaune (Annemarie Roelofs). Nicht zu vergessen die Gewehrschüsse, die die Pauke (Timo Neumann) simulierte. Mit Witz und Virtuosität entlockten die Musiker ihren Instrumenten mal schroffe, mal liebliche, mal klägliche Eigenheiten, am schönsten gelang das wohl der "Ente" Annmarie Roelofs: Obwohl die Ente -- die zwar findet, das "Wiesenpiper doof" ist und "alle spinnen", dem Wolf dann aber als erste direkt ins Maul watschelt -- nicht gerade die Hauptrolle hat, quäkte sie sich durch die Posaune in ihrem weinerlichen Maulheldentum überzeugend in den Vordergrund, sogar noch aus dem Bauch des Wolfs heraus.
Doch meist hob sich das Geschnatter und Gezwitscher ohnehin schnell in verschiedenen Instrumentalkombinationen und eigenwilligen Arrangements auf -- spätestens hier merkte man den Musikern, von denen jeder mindestens zwei Instrumente mitgebracht hatte, die langjährige Bühnenerfahrung an. Schnelle Rhythmus- und Stimmungswechsel gaben dem Stück ein Tempo, dass man wohl so noch nicht gehört hat -- schade, dass der Triumphzug schon nach 50 Minuten vorbei war."
Enthüllungen
Fancy Free
Nie bekommt man so viel zu sehen, was sonst verborgen bleibt: Der Sommer ist die Zeit der Enthüllungen. Wir werden im Laufe des Augusts Antworten auf die Frage suchen, was man alles enthüllen kann.
Selbst das Gelb des Mondes ist heute Nacht warm. Wie eine akkurat halbierte Torte hängt der Trabant über der Stadt. Drunten am Fluss schwimmt der Klang einer Jazzgitarre auf einem swingend gut gelaunten Basslauf, der Schlagzeuger gibt trocken seinen Kommentar - ungewohnte Klänge um diese Zeit, an diesem Ort.
Einen dieser Kähne am Mainufer hat seit ein paar Wochen neues Leben geentert. Ein paar junge Leute aus dem Umkreis der Städelschule - natürlich - bewirtschaften das Hausboot, und heute spielt die Musik dazu. In einer Ecke am Heck hat sich das Roberto Bucone Trio eingerichtet, das erstens ein Quartett ist, zweitens mit Frankfurts Vorzeige-Gitarristen Martin Lejeune spielt und drittens keinen Boss namens Bucone hat: Der Dj und Musiker Robert Lochmann verbirgt sich dahinter, und er bedient seinen fünfsaitigen Bass mit soviel vergnügter Routine, dass es ansteckt.
Fancy Free heißt eines der Stücke, und so ist der Abend: Die Bierbänke im Heck wippen mit ihren Besetzern und sind proppenvoll, am Ufer haben sich Paare und Picknicker neben ihre Räder ins Gras gelegt, die Passanten vom Skater-Treff bleiben erstmal stehen und lauschen. Wer einen Platz erwischt hat, kann die Lichter der Großstadt mit Untermalung durch George Bensons Shadowland-Groove genießen.
Die Dom-Kopie am Ostufer, der Kollhoff-Turm, ist in der durchbrochenen Kuppel mit einem albernen Orangerot bestrahlt, gegenüber grüßt die blinkende Nackte am Puff, und ganz leise zieht die Tram über die Brücke. Derweil malt der Saxophonist, frei von der Versuchung, den Coltrane zu geben, ein gepflegtes Solo, als sei er Talking back to the Night an diesem Sommerabend, der seinen Namen verdient wie selten einer und der uns schließlich vor allem eines enthüllt: Dass es in Frankfurt inzwischen, abseits von lackierten Neubauvierteln oder Touristen-Nepp, doch ein Leben am Fluss gibt.
Copyright © Frankfurter Rundschau 2003, Erscheinungsdatum 07.08.2003
Freude, schöner Schredderfunk - Jazz im Palmengarten mit Maggy Scotts Organ & Percussion Ensemble und dem European Groove Orchestra
Sonderlich viel haben die beiden Bands des Jazz-Konzerts im Palmengarten nicht gemein. Doch was das Organ & Percussion Ensemble von Maggy Scott und das European Groove Orchestra um den Gitarristen Martin Lejeune und den Saxofonisten Ulli Jünemann eint, ist ein polyglottes Musikverständnis. …
Eher zum Drallen neigt das zweite Ensemble dieses gemischten Frankfurter Doppels. Das European Groove Orchestra, (EGO) vor gut einem Jahr von Martin Lejeune und dem Mainzer Ulli Jünemann aus Anlass eines Satellitenstarts gegründet, steht für ein jazzmusikalisches Entertainment auf hohem Niveau. Die achtköpfige Band stellt die Bebop-Phrasierungen der Bläser Jünemann und Christoph May (Saxofone, Flöte und Klarinette), Georg Maus (Posaune und Tuba) und Thomas Siffling (Trompete und Flügelhorn) in den Zusammenhang funkiger Grooves. Die kommen von Lejeune und dem eingesprungenen Hans Höhn am Kontrabass, Schlagzeuger Golo Michel und Ulf Kleiner an den Keyboards.
Ulf Kleiner steuert die elektronische Seite bei. Er spult Drum'n'Bass- und Housebeats aus dem Speicher. Das wirkt wie selbstverständlich dazugehörig und nicht wie im Bestreben nach Modischem wollender Zeitgeisttümelei aufgepfropft.
Überhaupt ist alles sehr rund beim EGO. Die Musik soll in allererster Linie Spaß machen, in die Beine gehen, vernachlässigt indes auch nicht intellektuelle Ansprüche. Da gerät Freude schöner Götterfunken in den Funk-Schredder, und mit einer Hysteric Trash Polka kann man natürlich seit je beim Publikum punkten. Den Musikern bleibt Raum zur solistischen Entfaltung - immer aber nur so weit, dass die Homogenität des Gruppenklangs nicht Gefahr läuft, sich in Egotrips zu verlieren.
Nur eines ist an diesem Abend im Palmengarten nicht gelungen. Die Zugabe, den lateinamerikanischen Standard Tico Tico, hatte Martin Lejeune situativ zum No-Rain-Song umgewidmet. Er half nichts.
Frankfurter Rundschau, Stefan Michalzik, Aug. 2003
Unbedingt hingehen
Elektro also. Und Jazz. Sie sind nicht die ersten, die sich an einer Verbindung versuchen. Und zu sagen, sie wären die besten, wäre auch etwas vermessen. Aber sie gehören zu den besten, so viel ist für jeden sicher, der sie einmal gehört hat.
Das European Groove Orchestra, ein Projekt des Frankfurter Gitarristen Martin Lejeune und des Mainzer Saxofonisten Ulli Jünemann, spielt unglaublich charmant mit den Versatzstücken, die Jazz und Elektronik hinterlassen haben, und schafft es auf wunderbare Weise, dass sich beides nicht im Wege steht oder einengt oder beschneidet, sondern ganz selbstverständlich nebeneinander funktioniert. Als sei das immer schon so gewesen. Als seien Jazz und Elektro eines der schönsten Paare der Musikgeschichte.
Die Basis der Rare Groove Studien des EGO ist ein kompakter, vielseitiger Bläsersatz, unter den sich Bass, Drums, Fender Rhodes und die Gitarre Martin Lejeunes schieben, dazu die elektronischen Sounds einer von Ulf Kleiner gesteuerten Beat Box.
Manchmal klingt das, als blicke man durch ein Fenster in die 70er Jahre zurück, manchmal atmet man die Luft der großen Tanzsäle, manchmal den Schweiß der Clubs. Die Zeitlinie biegt und biegt sich, bis sie eine Kugel wird, in der das Gestern, Heute und Morgen miteinander verschmilzt.
Währenddessen erinnert der beweglich-präsente Rhythmus unsere Füße, Hüften und Köpfe daran, dass das European Groove Orchestra seinen Namen nicht umsonst trägt. Und auch die Hysteric Trash Polka, eines der Stücke, die Lejeune für das EGO geschrieben hat, heißt nicht ohne Grund so. Man sollte also seine besten Schuhe anziehen, wenn man am Donnerstag in den Palmengarten geht, um das EGO zu hören. Es könnte getanzt werden.
Frankfurt: Das European Groove Orchestra spielt mit dem Maggy Scott Organ & Percussion Ensemble am Donnerstag, 24. Juli, im Palmengarten. Beginn 19.30 Uhr. Karten an der Abendkasse. Vom European Groove Orchestra ist zudem bei Rodenstein Records eine CD erschienen: "jazz & electro" (ROD 07). Zu beziehen ist sie im Internet über www.jazz-network.com
Frankfurter Rundschau, Tim Gorbauch, Juli 2003
Retro Groove - The Big Boogaloo
Am Anfang steht die Lust. Die Lust, sich im Funk auszutoben, ohne den Jazz verlassen zu müssen. So geht es im stilechten, schlanken, von keiner Elektronik aufgemöbelten Retrostyle auf der Zeitlinie zurück in die 60er und 70er Jahre, als das schöne Wort von den Rare Grooves noch seine Berechtigung hatte. Im Ganzen geht es also um einen Retro-Rare-Groove-Style, was sich als Musik genauso nett anhört, wie es sich als geschriebenes Wort schlecht liest. Jedenfalls wabert die Hammond C 3, der Bass schreitet erhobenen Hauptes und mit weicher Hüfte durch die Soullandschaft, die Gitarre zündelt mit dem Funk, das Saxophon spielt heisere Linien. Das Leben muss so schön gewesen sein früher.
Zu hören sind die großen Stücke von Grant Green, von Kenny Burrell, von Pat Martino, Cannonball Adderly, George Benson und Horace Silver, frisch renoviert und sehr lebendig. Für das Programm ist der Bassist Robert Lochmann verantwortlich, eine riesige Plattensammlung soll die Quelle seiner Inspiration sein. An seiner Seite steht mit dem Gitarristen Martin Lejeune einer der mit Abstand interessantesten Jazzmusiker der Region.
Früher schon haben Lejeune und Lochmann sich den Souljazz-Classics ("with a touch of Latin Tinge") gewidmet, ihr erster Projektname, Souljazzmeeting, erscheint ihnen rückblickend allerdings etwas akademisch.
Inzwischen haben sie sich neu formiert, mit Timo Neumann an den Drums, Hakan Türközü an der Hammond C 3 und (noch) als Gast dem Saxofonisten David Milzow, und auch neu benannt: The Big Boogaloo heißen sie nun, was als Name eindeutig mehr hermacht und also sehr adäquat ist. Denn ihre Musik, die sie an zwei Tagen hintereinander im Jazzkeller präsentierten, ist nicht nur gut, sie ist auch heiß. "Free your mind, your ass will follow" lautet das Motto der fünf Soulworker. Und das ist kein leeres Versprechen.
Frankfurter Rundschau, Tim Gorbauch, Juli 2003
Martin Lejeune erhält das Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt
Komischerweise will Martin Lejeune nicht nach New York reisen. Das ist selten bei den Musikern, die das Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt erhalten. Das Stipendium ist mit 5500 Euro dotiert, davon kann man sich dort schon ein paar Tage aufhalten, und New York ist schließlich für den Jazz nach wie vor die wichtigste Stadt auf diesem Planeten. Martin Lejeune war aber schon ausgiebig dort und hat viel gelernt und aufgeschnappt. Das kann man in seiner Musik auch hören. Mit dem Geld für das Arbeitsstipendium Jazz will er nun nach Rio de Janeiro reisen und bei Hermeto Pascoal, dem Nestor des brasilianischen Jazz, Komposition und Arrangement studieren.
Wenn man Martin Lejeune in den letzten Jahren gehört hat, kann man sich allerdings auch fragen, was er bei Hermeto Pascoal eigentlich noch lernen will. Die Band "Martin's Horns", mit der er unter anderem im Herbst 2000 auf dem Deutschen Jazzfestival im Sendesaal des Hessischen Rundfunks und 2001 beim Jazz im Hof des Historischen Museums in Frankfurt zu hören war, ließ eine schon erhebliche Eigenständigkeit seiner kompositorischen Qualitäten erkennen. Scheinbar mühelos und mit intelligentem Humor gelingt ihm Integration, wo andere immer noch prinzipielle Unvereinbarkeiten sehen zwischen tänzerischer Rhythmik und einer Zwölftonreihe, zwischen prägnanten Bläsersätzen und elektronischer Klangbearbeitung, zwischen Stapeln von beschriebenem Notenpapier und den eher freigeistigen Auffassungen von Musik, die er mit seinen Mitmusikern teilt.
Traditionsgemäß wurde der Preisträger jetzt bei einem Konzert im Theaterhaus vorgestellt, das die Jazzinitiative ausrichtet. Nach der feierlichen Scheck-Übergabe durch den Frankfurter Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff und nach dem einleitenden Set eines Quartetts um den Schlagzeuger Keith Copeland (mit den hr-Bigband-Musikern Harry Petersen, Saxofone, Thomas Heidepriem, Bass, und Peter Reiter an einem leider kaum hörbaren Klavier) kam also Martin Lejeune mit seinem Oktett auf die Bühne, das sich stolz und passend European Groove Orchestra nennt. Die Band besteht aus einer elektronischen Sektion (Ulf Kleiner, Elektronik und E-Piano, und Gitarrist Martin Lejeune), einer Rhythmusfraktion (Jens Biehl, Schlagzeug, Jens Loh, Bass) sowie einer Bläser-Gruppe (Frank Spaniol und Uli Jünemann, Saxofone und Flöten, Thomas Siffling, Trompete, Georg Maus, Posaune).
Lejeunes Kompositionen finden sofort ihren Weg zum Publikum mit ihrer rhythmischen Prägnanz, aber sie verharren keinen Augenblick in Vordergründigkeit. Sie blättern einen Reichtum an originellen, dabei wohl abgewogenen Ideen auf, spielen mit Anklängen und geben sich souverän polystilistisch. Sie sind sorgfältig ausgetüftelt, wirken klar gebaut, enthalten aber mit Sicherheit mehr Vertracktheiten als man beim ersten Hören würdigen kann. Nie rempeln sich in diesen Stücken Elektronik und Bläsersätze an, nie steht die Rhythmusbox dem Schlagzeuger im Weg, und mittendrin bewegt sich Gitarrist Lejeune, handwerklich brillant, der auf allen Hochzeiten dieser Musik zugleich zu tanzen versteht, ohne ein Spektakel daraus zu machen. Denn keineswegs hat er die Musik nur um sich selbst herum gruppiert. Jeder in der Gruppe hat den gleichen Spielraum, und umso besser funktioniert das Gesamtkonzept.
Wer weiß, wie Hermeto Pascoals Musik klingt, wenn Martin Lejeune von seinem Studienaufenthalt in Brasilien zurückgekehrt ist.
Frankfurter Rundschau, Hans-Jürgen Linke, Mai 2003
Überraschende Wendungen - Arbeitsstipendium für Lejeune
Der Gitarrist, Komponist und Arrangeur Martin Lejeune ist mit dem 13. Arbeitsstipendium der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden. Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff (SPD) überreichte ihm die mit 5500€ dotierte Auszeichnung im Theaterhaus an der Schützenstraße. Lejeune wurde aus 26 anonymisierten Tonträger-Bewerbungen ausgewählt. Die Fachjury lobte vor allem seine ungewöhnlichen Arrangements. “Zudem beeindrucken seine Kompositionen durch überaschende Wendungen”, zitierte Nordhoff aus der Begründung.
Unterschiedlichste Genres werden dabei ”zu etwas Neuem zusammengeführt”.
Martin Lejeune wurde 1964 in Biturg gebohren und studierte Klassische Gitarre am Mainzer Konservatorium. Nach frühen Erfolgen als Jazzmusiker studierte er in Amsterdam im Hauptfach Jazzgitarre. Er spielte und lernte mit vielen renomierten Jazzmusikern und unterrichtet seit 1988 am Mainzer Konservatorium. Seit neun Jahren lebt er in Frankfurt. Das Preisgeld des Stipendiums will er für einen Studienaufenthalt in Rio de Janeiro verwenden, wo er sich von Hermeto Pasoal unterrichten lassen möchte. Im Anschluß an die Vergabe stellte Lejeune mit dem European Groove Orchestra Kompositionen und Arrangements vor.
F.A.Z., gui, Mai 2003
"DonnAcapella" im Frankfurter Gallus-Theater
… Deutlich besser "Jampoo": Bettina Hackenspiel und der bekannte Gitarrist Martin Lejeune. Als Tribut an "Her Hair" brachte das Paar "haarige" Titel der Jazz- und Pop-Literatur rund um die Liebe, was in Fällen wie Diana Kralls "Devil May Care" nur über Redewendungen ("devil make hair") funktionierte. Eine geschmackvolle Auswahl ("If I Needed You" von Townes Van Zandt, Cassandra Wilsons "Drunk As Cooter Brown", Antonio Carlos Jobims "Dindi", Gershwins "But Not For Me" . . .) von klassischem Jazz über Lieder im Marilyn-Ton bis zum Pop, mit einem Gesang auf gleicher Höhe mit den exzellenten Gitarrensoli.
Frankfurter Neue Presse, dek, Juni 2003
Gegen den Strich - Donnacapella spielt im Gallustheater "Her Hair"
… Angesichts solcher Kracher hatten es die leisen Töne manchmal schwer. Die
kamen in Gestalt des neu gegründeten Duos Jampoo: Jazz-Sängerin Barbara
Hackenspiel und Gitarrist Martin Lejeune, Hochschuldozent und Jazz-
Stipendiat der Stadt Frankfurt, leiteten den Abend so professionell, subtil
und edel ein, dass die prallbunte zweite Hälfte dazu ungefähr so gut passte
wie ein Irokesenschnitt zu Nofretete. Aber einen schönen Menschen entstellt
nichts. Oder alles. Haarig.
F.A.Z., Annette Becker, Mai 2003
Wenn die Verhältnisse ins Zappeln geraten - Das Ensemble 9. November hat sich Gogols "Nase" vorgenommen und begibt sich damit auch mal ins Kabarett
“… Die Regisseurin Helen Körte und das Ensemble 9. November, das literarische Vorlagen bevorzugt, haben sich im Gallus-Theater der 1836 erschienenen Novelle Die Nase von Nikolai Gogol angenommen. Die surrealistische Schilderung erscheint wie eine Steilvorlage für die Gruppe, die sich mit ihren bildintensiven Findungen immer wieder in ein ästhetisches Zwischenreich zwischen Wirklichkeit und Fantastik begibt. Nach einer kurzen Einführung ins Geschehen erlebt der Zuschauer das Leben zuerst einmal von einer ganz anderen Seite. Die Verhältnisse geraten ins Zappeln, wenn sich beim Frühstück des Barbiers Iwan Jakolewitsch und seiner Frau eine abgesäbelte Nase im Brotlaib findet. Das im Zänkischen erprobte Paar wippt und pendelt an Gummi-Strängen über dem Boden. Von der Seite her wird Rossinis Figaro-Arie aus dem digitalen Speicher heraus furios zerschreddert.
Das Ensemble 9. November setzt Sprache, Musik, Tanz/Spiel und künstlerische Bühnenobjekte stets in eine enge dialogische Beziehung. Der bislang vor allem als hörenswerter Jazzgitarrist in Erscheinung getretene Martin Lejeune beackert als Komponist und Multiinstrumentalist gemeinsam mit der Bratschistin Ina Kleine-Wiskett eine fruchtbare Klangebene zwischen verwegener digitaler Opernphrase, ariosen Koloraturen im Ensemble, atmosphärisch dichtem Kontrabassspiel und lärmiger Gitarrenimprovisation. ... “
(Frankfurter Rundschau, Stefan Michalzik, März 2003)
Riechorgan im Brotlaib - Nikolaj Gogols Novelle „Die Nase“ im Frankfurter Gallus-Theater
"... Die Inszenierung zerlegt den Text in 13 bunte Bilder voller absurder Komik, verschmilzt, wie es für das Ensemble typisch ist, Elemente aus Oper, Ballett, Schauspiel und Musical. ... Ein munteres Crossover, das sich in der von Martin Lejeune eigens komponierten und aus Versatzstücken von Oper bis Jazz arrangierten Musik noch eimal aufs schönste spiegelt. ..."
F.A.Z., Christoph Schütte, März 2003
Für jeden eine lange Leine - Das Sextett Martin's Horns bei der Jazz-Matinee im Historischen Museum
Das lateinische Ovulum bonum quam übersetzt der Hesse lax mit "Ei gude wie". Meint jedenfalls der Gitarrist und Bandleader Martin Lejeune und eröffnet das Konzert seiner Band Martin's Horns im Hof des Historischen Museums mit diesem volkstümlichen Titel. Man sieht daran, dass er seine Stücke bis in die Titel hinein durchkomponiert, und Die Schweinekopfsülze räumt dem Text - einem lyrisch aufgeladenen Rezept von Günther Grass - sogar einen großen Klangraum ein und kommt in der kompliziert skalierten Begleitmusik immer wieder auf die Tonfolge b - es - e zurück.
Der Komponist, der hier am Werk ist, ist mit allen Wassern gewaschen. Das ist auch nötig, denn eine Gruppe, die aus Musikern derartig divergierender stilistischer Einzugsbereiche besteht, braucht Material, das niemanden langweilt und alle zumindest von Zeit zu Zeit zusammen führt. Das Stück Frankfurter Karambolagen ist insofern reine Programmmusik: eine Bestandsaufnahme des Divergierens und Zusammenprallens. Und an anderer Stelle nimmt Lejeune einen irischen Jig auseinander und setzt ihn so neu zusammen, dass das Irische darin wie ein Fledermausschwarm vorbei flattert und mitten in der Dekonstruktionsarbeit erstaunlich schöne Klangbilder entstehen.
Trotz des kompositorischen Niveaus in der Musik dieses Sextetts ist das Matinee-Konzert keine intellektuelle Anstrengung, sondern eine reine Freude. Das Geheimnis ist nämlich nicht, dass jeder ein bisschen von dem bekommt, was er am liebsten mag, sondern dass alle zusammen etwas bekommen, was farbig und formvollendet und voller Bezüge ist, die man gleichermaßen lustig, intelligent und virtuos finden kann. Das Material, das Lejeune für die Band geschrieben hat, bildet keine thematischen Plattformen für expressive Losgeh-Soli, sondern dichtes kammermusikalisches Flechtwerk, das die vorzügliche solistische Arbeit der Bandmitglieder an zahlreiche lange Leinen nimmt und dennoch Spielfreude zulässt. Die drei Bläser - Annemarie Roelofs, Thomas Siffling und Jens Hunstein - müssen von ihrem Temperament keine Abstriche machen, die Rhythmusgruppe - Dietmar Fuhr, Bass, Sebastian Merk, Schlagzeug - ist auch klanglich mit vertrackten Dingen beschäftigt, und Komponist Lejeune gibt sich auch als Gitarrist wiederholt die Ehre.
Die druckfrische CD von Martin's Horns "Alles wird gut" kann unter Tel. 069 / 82362057 oder per Email bei MartinLejeune [at] web.de bestellt werden.
Frankfurter Rundschau, Hans-Jürgen Linke, Aug. 2001
Die Frankfurter Jazz-Formation "Martin's Horns" im Hof des Historischen Museums
Facettenreich sind die Wurzeln, aus denen sich Frankfurts junge Jazzszene ihre Inspiration holt. Mit den "Martin's Horns" beherbergt sie ein Sextett in ihren Reihen, bei dem Tradition, Spielfreude und Experimentierlust perfekt harmonieren. In der Reihe "Summer in the City" präsentierte sich die Entdeckung des Frankfurter Jazzfestivals 2000 bei einem Konzert im Hof des Historischen Museums.
Die bewußte und doch spontane Verknüpfung verschiedener Jazzstile liegt Martin Lejeune - Frankfurter Gitarrist der Extraklasse und Gründer der "Martin's Horns" - am Herzen. Das macht sich nicht nur im lebendigen Spiel des Sextetts bemerkbar, sondern das unterstreicht Lejeune auch immer wieder mit launigen Zwischenconférencen. Im Lauf der Jahre konnte sich der drahtige Musiker und Komponist für mancherlei Genres und Stile begeistern. Vieles davon fließt in das offene Konzept der "Martin's Horns" ein, ohne dabei jedoch eine musikalische Inflation auszulösen. Obwohl Lejeune Namensgeber des Projekts ist und das Geschehen auf der Bühne dominiert, gilt für seine Mitmusiker und ihn das Gebot der Gleichberechtigung.
Die kammermusikalischen Jazz-Impressionen mit ausgedehnten Ausflügen in den Hard Bob, Third Stream, Folk, Rock, Cool und Free Jazz leben nicht nur von Lejeunes außergewöhnlichem Kompositionsstil, sondern auch von der Interaktion der einzelnen Persönlichkeiten des hervorragend besetzten Ensembles.
Mit dem Brass-Section-Trio Annemarie Roelofs, Thomas Siffling und Jens Hunstein sowie mit Sebastian Merk am Schlagzeug und Dietmar Fuhr am Baß hat wirklich eine Traumbesetzung zusammengefunden. Eigentlich verdankt das sehr geschlossen wirkende Team seine Gründung dem Zufall: Im vorigen Jahr erhielt Lejeune vom Hessischen Rundfunk einen Kompositionsauftrag für das 31. Deutsche Jazzfestival in Frankfurt. Seither offerieren die sechs Musiker inspirierte Klanglandschaften im Spannungsfeld zwischen raffinierten Arrangements, technischer Brillanz und aufblitzender Improvisationsfreudigkeit. Von der vertrackten, fingerfertigen Suite mit flinken Achtelnoten über wild-zappaeske Melodiesprünge bis hin zu den Wurzeln von Blues und Jazz - der lockere, ja mitunter ironische Umgang mit dem Handwerk und die kollektive Intuition beeindrucken.
Der Sinn fürs Skurrile steht nicht nur Lejeune auf die Stirn geschrieben: Schrägheiten wie das angeblich für die hessische Fleischerinnung verfaßte "Fleischige Lieschen" mit zwei derben Tuben und opulenten Baßläufen sowie muhenden Kühen im röhrenden Marschrhythmus und das von Annemarie Roelofs unter delikater Bandbegleitung üppig garnierte Rezeptezitieren von Günter Grass' "Schweinskopfsülze" dürften der Formation bundesweite Reputation bescheren.
F.A.Z., Michael Köhler, Aug. 2001
Experimente mit der Gitarre - Konzert von Martin Lejeune in der Bessunger Knabenschule
...“ Gitarrist und Komponist Martin Lejeune gehört zur jüngsten Generation von Musikern aus dem Rhein-Main-Gebiet, die mit frischen Ideen in vorderster Front der Weiterentwicklung stehen. Neben seinem Auftritt beim 31. Deutschen Jazzfestival mit „Martin’s Horns„, einem Sextett mit skurriler Instrumentalbesetzung, hat sein Projekt „Le jeune matin„ (Der junge Morgen) für Aufsehen gesorgt. Beim Auftritt am Sonntagabend in der Bessunger Knabenschule verblüffte Martin Lejeune das Publikum mit einer bemerkenswerten Synthese aus souligem Jazz und elektronischen Soundquellen. Untermalt vom harten Beat des Schlagzeugs (Sebastian Merk als aufmerksamer Zeitgeber) und dem unerschütterlichen Kontrabass-Gewummer von Dietmar Fuhr, entwickelt Lejeune mit seinem Partner Ulf Kleiner an Keyboards und Fender Rhodes Klangräume von ungewöhnlicher Vielfalt. Nur noch entfernt nimmt man reines Gitarrenspiel wahr, wird gefangen vom elektronischen, die Hörgrenzen sprengenden Ausreizen der Instrumente. Das Quartett lotet die Dynamik extrem aus, ohne aber durch Lautstärke die Transparenz zu überdecken. Eigenkompositionen von Martin Lejeune und Ulf Kleiner werden ergänzt durch kreative Arrangements von bekannten Melodien im Salsa-Groove oder aber im Punk-Puls. Die jungen Musiker selbst bezeichnen ihre Darbietung als „ultimate Future Sound of Jazz„ was bei ihrer gelungenen Vorstellung am Sonntag in der Bessunger Knabenschule einhellig und mit lebhaftem Beifall akzeptiert wurde.“
Darmstädter Echo, H.-D. Vötter, Jan.2001
...“Gerade für die Gitarre Martin Lejeunes machte er mehrfach Platz, ein cleverer Schachzug, denn Lejeune gehört zum Spannendsten, was der Frankfurter Jazz zur Zeit zu bieten hat, selbst in einem so klar eingegrenzten Kontext wie einem Goodman-Tribute. Unaufgeregt und gelassen spielt Lejeune, getragen von einer straighten Rhythmusgruppe und weit weg von dem, was man Innovation nennen könnte, aber eben hoch musikalisch. Und das ist doch auch mal was.“
Frankfurter Rundschau, gor, Jan.2001
...“Thilo Wagner (Klavier), Manfred Bründl (Bass) und Janusz Stefanski (Schlagzeug) standen zuerst als Trio auf der Bühne, später kamen Corinna Danzer (Saxophone) und Martin Lejeune (Gitarre) hinzu, dessen Stück Fleischiges Lieschen - einer
der greatest Hits des Deutschen Jazzfestivals Ende Oktober - trotz BSE wiederum für erhebliche Freude sorgte. ...“
Frankfurter Rundschau, Hans-Jürgen Linke, Dez. 2000
"Schön, daß beim Deutschen Jazzfestival Frankfurt die Propheten aus dem eigenen Land etwas gelten. Sonst hätte auch ein Albert Mangelsdorff wohl kaum von hier aus mit der Posaune seinen Jazzwelteroberungsfeldzug antreten können. Beim ersten Konzert des diesjährigen Festivals versammelten sich wiederum die Gläubigen, um einen Propheten aus der Region andächtig zu lauschen: dem Gitarristen Martin Lejeune, der gleich zu Beginn die Meßlatte des künstlerischen Niveaus ganz hoch legte. Unter dem provozierenden Slogan „Frankfurter Karambolagen“ spielte er mit seinem Sextett „Martin’s Horns“ eine farbenreiche Jazzkammermusik voller Spielwitz, der sich bis in die Titel vom „Fleischigen Lieschen“ bis hin zum lokalkolorierten „Ei gude wie“?“ fortsetzte. Für die dreizehn Instrumente von sechs Musikern schuf er raffinierte Arrangements zwischen Cool Jazz, Third Stream, Rock, Folk- und Free-Jazz-Splittern, die wieder einmal demonstrierten, daß die Zeit der Dogmen vorbei ist, die jungen Musiker wie selbstverständlich über alle möglichen Stile verfügen. Vor allem aber: daß man nicht beständig virtuos wirbeln muß, um zu zeigen, wie sehr man sein Handwerk versteht. Gerade der unprätentiöse Vortrag, das gute „timing“ und die Lockerheit bei aller Vertracktheit der Stücke beeindruckten hier sehr."
FAZ, Wolfgang Sander, 29.10.2000
"... . bei all den grandiosen Instrumentalisten, die mit ihren herkömmlichen Chorus-Improvisationen den neuen Klang im alten Jazz entdeckten.
Das galt vor allem für den jungen Gitarristen Martin Lejeune, einem versierten Arrangeur für die stets wechselnden Klangfarbenkonstellationen seines eigens für das Festival zusammmengestellten Sextetts „Martin’s Horns“. Wer gewohnt ist im Kollektiv zu improvisieren, das heißt ständig Klänge und musikalische Zusammenhänge zu erfinden und auf die Erfindung anderer zu hören, der hat auch ein waches Gespür für Klischees, für musikalische Versteckspiele und für Übertreibungen entwickelt. Einem Jazzmusiker kann so schnell kein virtuoser Blender ein paar rasende Achtelnoten über harmonische Alterationen für die neueste Errungenschaft der Musik verkaufen. Der Jazz hat seine eigenen Idiosynkrasien gegen technische Versiertheit entwickelt.
So war gerade der unprätentiöse Gestus von Lejeunes Musik, die Stilsicherheit, das proportionierte Spiel ohne alle auftrumpfende Fingerfertigkeit bemerkenswert. In manchen raffinierten Melodiefetzen des Tromperters und Flügelhornisten Thomas Siffling, in den skurrilen instrumentalen Liebesduetten zwischen den beiden Tubas von Annemarie Roelofs und Jens Hunstein, aber auch in den solistischen Einwürfen bei Lejeune selbst blitzen genug Originalität und Spielwitz auf, um dem Hörer zu signalisieren, daß er nur die schöne Spitze eines tiefen Eisbergs vorgeführt bekam."
FAZ, Wolfgang Sander, 31.10.2000
„Wenn der Jazz eine sportliche Disziplin wäre und der Hessische Rundfunk das 31. Deutsche Jazzfestival in Frankfurt wie ein Fußballturnier organisiert hätte, dann wäre in der ersten Gruppe die Mannschaft “Martin’s Horns“ um den Frankfurter Gitarristen und Komponisten Martin Lejeune überraschend, aber auch in der Deutlichkeit verdient Gruppenerster geworden; Lejeune hätte zusätzlich den Publikumspreis für die schönsten Ansagen erhalten. ... Martin Lejeune aber pflückte seine Blumen und machte damit alle froh. Für sein Festival-Sextett „Martin’s Horns“ hatte er viel komponiert, bearbeitet, eingedampft, und was auf die Bühne gelangte, waren klangvoll konzentrierte Destillate. Lejeune hat sich im Laufe der Zeit für vielerlei Musik begeistert, und er hat manches davon einfließen lassen. Dennoch gibt es keine unstete Bewegung von Stilmittel zu Stilmittel, von einem Supermarktregal zum anderen, sondern eine sichere, präzise Intuition und eine erstaunliche Fähigkeit weit auseinander liegende Klangwelten nahtlos zu verbinden. ...“
Frankfurter Rundschau, Hans-Jürgen Linke, 31.10.2000
"... Der lokalen Szene zollte das Festival mit „Martin’s Horns Tribut, eine ungemein frische Band um den Gitarristen Martin Lejeune. Mit dem jungen Sebastian Merk am Schlagzeug gelangen dem Sextett wilde Melodie-Sprünge voller Humor, die mehr als einmal an Frank Zappa erinnerten. Junge Musiker wie Lejeune und Merk auf sie sollte das Publikum Auge und Ohr haben. Dann geht es dem Jazz irgendwann auch wieder besser."
Allgemeine Zeitung Mainz, Stephan A. Dudek, 31.10.2000
"... Den interessanten Mix der Stile leitete am Freitag der Gitarrist Martin Lejeune als Vertreter der jungen Frankfurter Jazz-Szene ein. Mit dem Projekt „Martin’s Horns“ überraschte der ironisch aufgelegte Lejeune im Programm, das insgesamt neun Einzelkonzerte umfasste. Lejeune erinnerte auch an den Trompeter Lester Bowie, der vor seinem Tod im vergangenen Jahr einen seiner letzten Auftritte auf dem Frankfurter Jazzfest hatte. ..."
dpa, Markus Elsner, 30.10.2000
"...Als Festivalauftakt Martin Lejeune (Gitarre) und seine Bläser Thomas Siffling, Jens Hunstein und Annemarie Roelofs. Hier manifestierte sich Frankfurts junge Jazz-Szene ideenreich, gekonnt und von bester Qualität."
Frankfurter Neue Presse, Jutta W. Thomasius, 30.10.2000
"Packenden, lebendigen Jazz spielte das Quintett "le jeune matin" im Fuldaer Kulturkeller. "le jeune matin" lebt von reizvollen, einfallsreichen Eigenkompositionen.Da drängte sich niemand mit virtuosem Gehabe in den Vordergrund. Feinfühliges Aufeinander-Hören und Reagieren bestimmte das Spiel."
Fuldaer Zeitung, Reiner Ruhl, Dez. 98
"Die Titel von Martin Lejeune begeistern durch harte Rhythmen, Grenzen auslotende Harmonien und durch das Ausreizen der Möglichkeiten der Instrumente bis ins Extreme. Absoluter Höhepunkt im Programm war der Titel "Kalte Sophie", bei dem sich Lejeune als Jazz-Überflieger an der Gitarre präsentierte."
Rheinpfalz, Jörg Schifferstein, Juni '98
"Martin Lejeune's Soulstation - ein ausdrucksvolles Miteinander von Bariton-
saxophon, Hammondorgel, Gitarre und Schlagzeug machte den Weg frei für Revival mit neuen Akzenten. Sogar wenn Jimmy Smith und George Benson um die Ecke luckten - Kompositionen von Martin Lejeune haben ihr eigenes Gewicht."
Frankfurter Neue Presse, Jutta W. Thomasius, Nov.96
"Das Quartett aus Frankfurt läßt nicht nur den Souljazz eines George Benson's wieder aufleben; mit vertrackten Themen und originellen rhythmischen Ideen gelingt den vier Musikern um den Gitarristen Martin Lejeune auch der bruchlose Einbezug moderner Elemente."
Frankfurter Rundschau, Oliver Günther, Nov.96
"Vor allem Martin Lejeune stößt immer wieder in Gefilde des zeitgenössischen Jazz vor. Er verfügt über ein enormes Ausdrucksspektrum, läßt quicklebendige Beboplinien in raffinierte Akkordprogressionen münden und zeigt sich erfindungsreich im Erzeugen ungewöhnlicher Klangfarben. Bei aller Agilität strahlt er stets Ruhe aus und setzt seine Improvisationen zu dramaturgischen in sich geschlossenen Kabinettstückchen zusammen."
FAZ, Jürgen Schwab, Juli '96
"Der ebenso unbekümmerte wie von großer Kenntnis zeugende Rückgriff auf harmonische und rhythmische Formen bestimmen ein Programm , das von Kurzweil und Abwechslung geprägt ist."
Arno Scheinost, Hessisch-Nassauischer-Anzeiger, März'96
"Lejeune's Gitarre überzeugt mit warmen Ton und fließenden Bögen auch in schwierigen Lagen."
Frankfurter Rundschau, Michael Rieth, März '95
"Martin Lejeune's Kompositionen verbinden mit ihrer kantigen Melodieführung auf interessante Weise Elemente des Souljazz mit einer zeitgenössischeren Auffassung."
FAZ, Jürgen Schwab, März '95
