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Auf dem Altsaxophon hingegen bevorzugt
die junge Musikerin, die in Mannheim ihr Diplom ablegte und in Paris
ihr Aufbaustudium bei berühmten Lehrern wie dem Klarinettisten
Michel Portal vollendete, eher den singenden Ton, auch wenn sie das
Instrument wie in „Baggerseensucht“ nervös vibrieren lässt. Vor
allen bei Einleitungen wie bei Jeff Becks „Diamond dust“ setzt sie
die Bassklarinette ein, deren aufgerauten, resonanzreichen Ton sie
atmen lässt. Alexandra Lehmler hat inzwischen eine eigenständige
expressiv-lyrische Ausdrucksform gefunden, die ihr Spiel und den
Sound ihres Quintetts unverwechselbar macht. Beim Konzert der Jazzinitiative „BlueNite“ tritt die Saxophonistin mit zwei Musikern an, die nicht zur regulären Besetzung zählen. Der blutjungen Pianist Bruno Böhmer ist allerdings mehr als nur „Ersatz“ für Daniel Brandl, der derzeit in Finnland studiert. Böhmer meistert die tragende Rolle, die dem Pianisten in den Eigenkompositionen neben dem Saxophon zukommt, mit Virtuosität. In der Unterwelt-Komposition hämmert er die Töne mit Wucht in die Tasten, meißelt die Akkorde geradezu aus dem Fender-Rhodes-Instrument und verfällt in aggressiv rasende Läufe. In „Who knows“ wiederum reiht er die Töne wie Perlen auf die Melodiekette. Mit dem Kontrabassisten Matthias Debus führt Böhmer reizvolle Zwiegespräche, während Debus wiederum in seinen Soli - so bei der Zugabe „Letzte Runde im Haus Huckenbein“ - bei gestrichenen und gezupften verschlungenen Läufen mit überraschenden harmonischen Wendungen brilliert.
Das rhythmische Fundament des Quintetts
bilden Schlagzeuger Max Mahlert, der zumeist für einen
durchlaufenden Beat sorgt, sowie der neue Percussionist Rodrigo
Villalon, der den vielschichtigen latinorientierten Überbau klopft.
Hin und wieder ufert das eher quirlig beschwingte, aber auch
groovende Spiel in pulsierende und drängende Tutti aus, die mit
gebremstem Chaos den Free-Jazz-Gefilden nahe kommen. Dann nutzt
Alexandra Lehmler die Elektronik, um die Sounds ihrer Saxophone mit
Echo zu versehen oder zu verfremden. So wird der Wohlklang
kurzzeitig kontrolliert aufgebrochen. Für Aufregung und
Überraschungen ist das „ALQ“ offensichtlich immer gut. |
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Text &
Photographie Klaus
Muempfer, Oktober 2007 |