„Change
of Pace“ ist eine Art Glaubensbekenntnis der Organistin Barbara
Dennerlein. Die Münchnerin bewegt sich zwar elegant und
geschmeidig im Hauptstrom des Jazz bewahrt sich zugleich aber
mit zum Teil abrupten Wechsel in Klangfarben, Tempi, Metren,
Dynamik und Intensität vor Eintönigkeit und allzu großer
Vorhersehbarkeit. In das Stück, das eigentlich für Orgel und
Orchester geschrieben wurde und das mit Variationen des Themas
zu einer ostinaten Bassfigur des Fußpedals anhebt, fügt die
Künstlerin eine musikalische Pause ein, die zum Applaus anregt,
aber eigentlich zu einem tastenden Single-Note-Spiel überleitet,
das schließlich in ein swingendes Finale einmündet, das nach
endlosen spannungsgeladenen Ostinati und Intensitätssteigerungen
in einem expressiven Crescendo endet. Dazu lässt Andreas
Neubauer die Becken unter den Sticks erzittern und quietschen,
reibt die Felle und verfällt in einen rasenden
Schlagzeug-Parcours.
Seit zehn Jahre pflegt Barbara Dennerlein das auf sensibles
Kommunizieren angewiesene Duo-Spiel von Orgel und Percussion.
Der Frankfurter Andreas Neubauer hat nun nach dem kürzlichen
Ausscheiden des Argentiniers Daniel Messina eine schweres Erbe
angetreten. Er entzieht sich bei dem Konzert im überfüllten
Mainzer SWR-Foyer einem Vergleich durch eine weniger
percussions-, sondern eher jazzrockorientierte Spielweise. Die
Musik des Duos ist damit etwas härter und weniger verspielt
geworden. Die Organistin reagiert mit mehr Drive und Groove,
greift öfter komplexe Cluster und zu glissandoartigen Läufen
über das gesamte Manual. Ohne die zurückliegenden neun Jahre
abzuwerten,
ist der Zuhörer fast geneigt zu sagen, dass dieses dem Spiel gut
tut.
Barbara Dennerleins percussive Spielweise kommt in
Up-Tempo-Stücke wie „Just Play“ ebenso zur Geltung wie in der
Ballade „Little darling“ oder in dem Jimmy Smith gewidmeten „The
unforgettable“. Die Kompostion bietet ihr Gelegenheit auf dem
elektronisch gesteuerten Fußpedalen eine ausgedehntes
„Kontrabass“-Solo einzuschieben – eine faszinierende
Kunstfertigkeit, mit der sie auch in der Blues-Zugabe besticht.
In solchen Blues-Interpretationen zieht die Organisatin die
Zuhörer am stärksten in ihren Bann. Sie besitzt ein ungeheures
Feeling für die schleppenden und verschleppten Rhythmen, die
verschmierten Blue-Notes und Sounds. Und die Hammond-B3, jener
musikalische Dinosaurier, der mit schier unerschöpflichen
Klangfarben faucht und jubiliert, funky sprüht und röhrt eignet
sich für den Blues ideal.
Dass die charmant moderierende Barbara Dennerlein sich einen
verbalen Faux-Pas leistet, indem sie Mainz nach Hessen verlegt,
verzeihen ihr die begeisterten Zuhörer rasch. In ihrem Spiel,
dem präzisen Time, der Griffsicherheit in rasenden Läufen und
der flexiblen Fußarbeit auf den Bass-Pedalen ist andererseits
nicht der kleinste Fehler zu hören. |
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