

Eine musikalische Lesung steht auf dem Programm. Wortgewaltig
reißt der Satiriker Vincent Klink mit, doch ebenso faszinieren
die instrumentalen Solo-Stücke Bebelaars, der in einer
unbetitelten Improvisation weite Bögen aus ostinaten
Melodiefragmenten und Harmonievariationen baut, mit
Dynamikstufen Spannung erzeugt und mit hymnischen Stimmungen
Zuhörer in Trance zu setzen vermag. Später in Guy Woods „My one
and only love“ befreit sich Bebelaar aus dem Balladenthema mit
wuchtigen Akkordschichtungen, rasenden Läufen und freiem Spiel.
Sperrig und „laid back“ in den Läufen, hingehämmerte Singe-Notes
wie Ausrufezeichen. Ausgiebig schwelgt Bebelaar in der Melodik
seiner Tango-Komposition, lässt die Rhythmen akzentuiert tanz,
während Klink sein Bass-Instrument kontrastierend geschmeidig
bläst.

Gemeinsam präsentieren Klink und Bebelaar im „Frankfurter Hof“
„ein wenig Kultur in leichter Form“. Neben der Schilderung
seines kulinarische Werdeganges nimmt Vincent Klink sarkastisch
die journalistische Weinromantiker-Clique aufs Korn. Passend
dazu intoniert das Duo Henri Mancini´s „The days of wine and
roses“, das sich aus einer leichten Begleitung des Pianos
während der letzten Sätze entwickelt, in ein zunächst beseeltes,
dann kraftvolles Solo Klinks auf der Basstrompete überleitet, um
swingend mit Tempowechseln und Dynamiksprüngen im Duo angerundet
zu werden. Mit groovendem Blues unterstreicht Bebelaar Klinks
Schilderung der Fast-Food-Orgie im Frankfurter Flughafen.
Amüsiert quittiert das Publikum die bissigen und mit
Selbstironie gewürzten Erinnerungen des Meisterkochs an seine
Jugend- und Leidenszeit in Münchens Nobelrestaurants sowie
später unter dem strengen Reglement seines Vaters am heimischen
Herd. Liebevoll fast sind seine Erinnerungen an die Zeit im
katholischen Internat und an ein Asyl in einem Weingut im
pfälzischen Maikammer, bissig kommentiert Klink einen Besuch auf
dem Oktoberfest mit vier afrikanischen Küchenhelfern. Mit
Verständnis reagiert das Publikum auf die Erzählung vom ersten
Urlaub des Ehepaares Klink in Südfrankreich, wo Vincent und
Elisabeth vom rechten schwäbischen Weg abkommend, dem Genuss der
französischen Küche erlagen. Tänzerisch und mit melodischer
Schlichtheit eines Volksliedes komponiert Klink sein „Lieg in
der Wiese“. Im Sprechgesang widmet er sich der Vorgeschichte
seiner Ehe, deren 35. Jahrestag er fern der Gattin bei einem
Konzert in Aachen beging – wie er dem Mainzer Publikum gesteht.
Bebelaar reißt in der Begleitung die Saiten bedämpft im Innern
des Flügels an, Klink wechselt zwischendurch von sonor-sanftem
und geschmeidigem Trompetenklang zu wuchtigen Stößen, um
schließlich auf Thema zurückzukommen. Eigenwillig interpretieren
die beiden Künstler „Orfeo Negro“, reizvoll rau in der Zugabe
den von Klink angekündigten „einen kleinen Walzer“: die
Miles-Davis-Komposition „All Blues“ mit den Parts im
Dreiviertel- und Sechs-Achtel-Takt.