
„Wir wollen heute und hier eine Party feiern“, rufen die drei
Musiker des C.A.S.T. dem Publikum im Rüsselsheimer Jazzcafé „das
Rind“ zu. Und schon der Opener „Prelude“ beginnt mit einem
satten und groovenden kurzen Bass-Solo, das von einem gleißenden
und glissandierenden Gitarrenlauf abgelöst wird. Rockend, funky
und kraftvoll kommt das Trio gleich zur Sache. Ihre Mischung aus
energiegeladenem, funky Jazz und Rock sowie tänzerischen
Lounge-Sounds mag ein wenig oldfashioned sein, geht aber in die
Füße. Volle Power steckt selbst in Balladen wie dem Song vom „funky
business“ mit dem Wah-Wah-Finale, tänzerischer Schwung in
Kompositionen wie „Song about Freedom.
„C.A.S.T.“ ist die Abkürzung für Coryell, Aug
er, Sample-Trio. Doch es sind nicht die berühmten Väter, die die
Instrumente spielen, sondern die Söhne Julian Coryell, Karma
Auger und Rick Sample. Sie haben offensichtlich das Fusion-Gen
ihrer Väter geerbt, lassen sich durch die Bekanntheit der
Altvorderen nicht bremsen, sondern verstehen diese als Ansporn
für ihre eigene Kreativität.
An diesem Abend im „Rind“ präsentierten sie ausschließlich
eigene Kompositionen aus der Jazzrock- und Funk-Schublade, mal
hektisch, mal getragen, mal instrumental, mal mit Gesang – wobei
sich vor allem Julian Coryell mit tragender und ausdrucksstarker
Stimme solistisch profilierte. Lässig und locker sprachen sich
die Musiker auf der Bühne ab, erläuterten humorvoll die Songs.
„Wir sind Jungs und wir lieben nun mal Autos“, ließ Karma Auger
das Publikum bei der Ansage von „Orange Rusty“ und „Grey Ghost“
wissen, wobei das Erstere für ein Auto aus Wien und das Letztere
für einen alten Tour-Bus stand. So gar nicht klapprig, wie die
Fahrzeuge vielleicht gewesen sein mögen, sind die Kompositionen.
Da springt ein Dreiviertel-Takt mit ostinaten Thema-Fragmenten
zur eher seltenen Melodieführung des Basses über oder es
erklingen zweistimmige, verschliffene Gesangspassagen. Mit
rasenden, virtuosen Gitarrenlinien, fetten Bass-Läufen und immer
treibend rockigem Schlagzeug, durchmaßen die Musiker die Funk-
und Fusion-Welt – retro und doch frisch durch die
Unbekümmertheit beim Umgang mit dem Wohlbekannten.
„CAST ist die Möglichkeit, mit den Fertigkeiten, die mir mein
Vater Larry mitgegeben hat, umzugehen und sie in die Welt zu
tragen“, sagte Julian einmal in einem Interview. Vor allem aber
hat er die Kunst gelernt, selbst im Powerplay filigran zu
klingen. Bemerkenswert ist sein akustisch wirkendes Solo in
„Spain. Nick Sample trifft sich hin und wieder mit Julian
Coryell in einer kurzen Unisono-Passage oder Zweistimmigkeit wie
im „Go Go Blues“, sorgt im Übrigen für die erdig-satte und
groovende Basis, die auch vom gradlinigen Beat des Auger-Sohnes
mitgetragen wird. Karma trommelt dabei eher in Richtung Ginger
Baker als in der Art von Billy Cobham, mit dem er schon zusammen
auf der Bühne stand.