Das
Solo des Tenorsaxophonisten Eric Plandé entlädt sich in ekstatischen
Aufschreien, die Schläge des Drummers Dieter Arnold hämmern einen
durchlaufenden Beat oder pulsieren frei vom Metrum über den
gestrichenen Becken. Als Dritter im Bund steuert Bassist Christian
Spohn eine klangmalerische Arco-Passage auf dem elektronisch
aufgepeppten Instrument bei. Das neue Trio des Schlagzeugers Arnold
steigert den Sound im intimen Rund des Rüsselsheimer Jazz-Cafés „das
Rind“ zu einem heftigen Klanggewitter. Extreme Dynamiksprünge,
intensive Stakkato-Läufe auf dem Saxophon und der Wechsel zwischen
gestrichenen sowie gezupften, teils mit knallender Slaptechnik
angerissenen Saiten kennzeichnen die großteils notierten
Kompositionen Arnolds, die dann teilweise im Trio ausgearbeitet und
mit viel Freiheit zur Improvisation interpretiert werden.
Spohn
arbeitet, wo er darf, mit Klangverfremdungen durch Loops und
Schleifen, Plandé mit Echos und Hall. Dennoch bleibt der späte
Hardbop mit kleinen Ausflüge in den freien Jazz Grundlage der Musik.
Stimmungsprägend ist über weite Strecken hinweg der Saxophonist, der
den legendären John Coltrane mit seinen „Sheets of Sound“, jenen
rasanten Reihen kleiner Tongruppen, verinnerlicht und in
eigenständiger Form umgesetzt hat. Sein emotionales und
ausdrucksstarkes Spiel von den tiefen Lagen bis zu den überblasenen
Highnotes entspannt sich immer wieder bei melodischen Linien in den
Mittellagen. Auf der Bühne des „Rind“ windet sich der Franzose,
beugt den Oberkörper vor, als wollte er den Akkordfolgen
nachlauschen.
Spohn
lässt bei Up-Tempo-Stücken wie „schlipp-schlapp“ den Bass gradlinig
marschieren und bricht dieses Straight-Spiel mit rasender
Slap-Technik auf, wenn die Saiten angerissen werden und auf den Hals
zurückknallen. In „rue dardanielle“ beginnt das Trio in bester
Hardbop-Tradition mit Themenvariationen, bevor Arnold dem Bassisten
das Zeichen für ein gestrichenes Solo gibt, bei dem Spohn sich hin
zur E-Avantgarde bewegt, um den Sound später mit Loops schweben zu
lassen, während Plandé die Elektronik zu grellen Echos seines
Tenorsaxophons nutzt. Das Trio steigert das Spiel mit verdichtender
Intensität und wachsender Lautstärke, bis die Spannung sich
schließlich mit der Wiederaufnahme des Themas in einem ruhigen
Ausklang entlädt. Elektronische Einspielungen, schrille Lautfetzen,
sonore Saxophonläufe und eine Percussion, bei der Arnold auch mal um
das Schlagzeug herumwandert oder mit kräftigen Schlägen auf große
Gongs Akzente setzt, sorgen für Überraschungen.
Das komplexe Spiel des Trios nimmt gefangen, ist als
Hintergrundmusik wie viele Kompositionen aus dem Mainstream des Jazz
völlig ungeeignet. Diesem packenden Jazz des Dieter-Arnold-Trios
muss sich der Zuhörer hingeben, was die leider nur wenigen Zuhörer
an diesen „Jazzcafé-Spezial“-Abend auch taten.