
Das Ruf-Antwort-Spiel des Duos ergänzt sich ebenso sicher und nahtlos wie in den parallelen Linien. Bruchlos sind die steten Wechsel von Gesang zu Scat, von Groove zu freiem Spiel. Es entwickelt sich eine Musik, die sowohl kraftvoll als auch zerbrechlich, noise-artig als auch sensibel ist. Cusas verschmitzter Humor sorgt für Kurzweile und ebenso für Spannung wie die auf- und absteigenden Ostinati von Melodiekürzeln der Sängerin. Cusa, der die Tradition der italienischen Bandas mit Freejazz-Percussion verbindet und selbst in ungebundener Polyrhythmik einen unterschwelligen „Pulse“ durchlaufen lässt, nutzt praktisch alles, was ihm in die Hände kommt zur Geräuscherzeugung: Töpfe und Deckel, Kunststofftücher und Glocken. Er trommelt auf seinen Oberschenkeln, reibt die Becken mit den Sticks oder schlägt seine Wirbel auf den Metallrändern des Drumsets.

„Skinshout“, so der Name des Duos, steht für die Felle der
Trommeln und das Shouting im expressiven Gesang. Das Duo schöpft
aus der reichen Quelle des Musikethnologen Alan Lomax, der das
weite Feld der folkloristischen Wurzeln der amerikanischen Musik
vom Blues bis zu Cajun und kreolischen Rhythmik bearbeitete.
Doch die Adaptionen sind eher archetypischer Art. „Modern Sense
of Lomax“ umschreibt Cusa diese Weise der Bearbeitung. Die
melodische Nähe zum Worksong wie in „Be my husband“ oder zum
Gospel in „Go down Moses“ sind die Ausnahme und werden
harmonisch verfremdet und variiert. Dennoch swingt die Musik
vehement, wenn Cusa die Felle mit den Besen streichelt, groovt
wenn er drängend trommelt und Mattiuzzi durchdringend Gospel
shouted. Fernöstliche Stimmungen bestimmen „Ba ba orio“, wenn
die Sängerin über einer Synthesizer-Grundierung krächzt und
seufzt, bevor sie plötzlich hymnische Sounds intoniert. In der
Zuage verschmelzen Stimme und Synthesizer-Klänge gar zum
Unisono.