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Aus
den Lautsprechern erklingen eingespielte urbane Sounds, Klänge und
Geräusche aus den Straßen der Großstadt. Das Arte Quartet legt eine
getragene lyrische Melodielinie auf dem Sopransaxophon darüber, zu
der sich nach einiger Zeit ein zarter Lauf des Tenorsaxophons
gesellt. Schließlich steigen noch das Bariton- und das Altsaxophon
ein, zunächst mit sparsamen Einwürfen, dann im mehrstimmigen
Kollektiv. Etwas abseits schiebt der Gitarrist Fred Frith einen
Magnetresonator sanft über die Saiten und reibt verzerrte, doch
zugleich filigrane Klänge aus dem Instrument. Die gegensätzlichen
Welten von urbanen Zentren und ländlicher Ursprünglichkeit sind das
Thema der 2004 uraufgeführten, fast einstündigen
Auftrags-Komposition „Urban><Still“ des amerikanischen
Avantgarde-Künstlers Frith. Charakteristisch ist die Vorherrschaft
der den Geist der Minimalmusik atmenden ruhigen Passagen über die
noisebetonte und rastlose Expressivität. „Das war ja richtig
melodisch und wunderschön“ kommentiert eine begeisterte Zuhörerin
das Konzert in der Rüsselsheimer Jazzfabrik.
Beat Hofstetter, Andrea Formetti, Beat Keppeler und Sascha
Armbruster vom Schweizer Arte Quartet lassen ihre Saxophone in
kreisenden Läufen schnattern und schnalzen. Sie führen die strengen
Ton-Kaskaden zu mehrstimmigen Klangflächen zusammen. Später wiederum
mündet das Spiel in Unisono-Passagen ein. Sascha Armbruster nutzt
sein Feuerzeug als Percussionsinstrument auf dem Altsaxophon, singt
über einer geblasenen Phrase. Das Quartett lässt die Luftsäulen in
den Instrumenten singen und die Klappen sprechen. Unterbrochen wird
dieses hüpfende Auf und Ab der Bläser von knalligen, verzerrten
Läufen auf der Gitarre, angerissenen melodiösen Linien oder einem
flirrenden Saitenspiel. Mit dem Bogen streicht Frith sirrende
Saiten, steigert das Vibrato mit der Hand auf dem Gitarrenkorpus.
Manchmal produziert er nahezu sakrale Sounds, die dann
ausufern
und immer wieder tauchen folkloristische Melodiefragmente auf. Mit
Bürsten, Stöcken, Geigenbogen und Metalldosen auf den Saiten lotet
der Gitarrist die Klangmöglichkeiten der E-Gitarre aus. Mit
Verzerrer, Loops und Schleifen legt er immer wieder kurzfristig
rhythmische und klangfarbliche Fundamente unter die Kollektive der
Saxophonisten.
Der Zusammenklang der Bläser nimmt trotz des tonlosen Schnaufens und
percussiven Klapperns nahezu impressionistische Farben an. Mit
ostinaten Kreisbewegungen bauen die Musiker weite Spannungsbögen
auf, die dann von einer verzerrten Gitarren-Explosion zerstört
werden. Wer bei dem Einsatz der vier Ghetto-Blaster weitere urbane
Lärmeinspielungen erwartet hatte, wurde allerdings enttäuscht. Aus
den Lautsprechern erklangen weitere Saxophon-Passagen, die den
Quartett-Sound ergänzten und abrundeten oder die sanften melodischen
Läufe auf dem Sopransaxophon sowie die folkore-inspirierten, fein
ziselierten Linien auf der Gitarre unterlegten.
Fred Friths Suite von lebt von den Gegensätzlichkeiten der
klanglichen Ausdruckformen sowie raffinierten Soundschichtungen im
Zusammenspiel von Gitarre und Saxophonen. Dies gilt auch vermindert
für die vier kleinen Kompositionen für Gitarre und Saxophone, die
Fred Frith und das Arte-Quartet vor „Urban><Still“ schoben. Seine
Experimentierlust mit der Gitarre und allen möglichen Utensilien
sowie der allgegenwärtigen Elektronik frönte Fritz in einem Solo.
Mit einem eher sanften und melodischen „Nostalgia“ verabschiedete
die Ikone der Avantgarde-Szene schließlich sein begeistertes
Publikum. |