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Es heißt, dass kein anderes Instrument im Jazz dem Ausdruck der menschlichen Stimme so nahe kommt, wie das Saxophon. Wie nahe es tatsächlich kommen kann, belegt Ingrid Leibrock in einer Solopassage ohne Mundstück. Da lässt sie die Atemluft mit alle ihren Soundmöglichkeiten im Instrument „sprechen“. Liam Noble, weitet seinerseits die Klangfülle des Instruments durch Griffe in die Saiten im Innern des Flügels aus, übernimmt einmal gar mit Handballen und Fingern die Funktion des Basses in diesem an sich Bass-losen Trio. In Verbindung mit dem pulsierenden Spiel Raineys auf Trommeln und Becken wird zugleich bewiesen, dass freies Spiel auch ohne konkrete Metren „swingen“ kann. Und immer wieder verdichten sich die Interaktionen der drei Musiker - zumeist nach einem der expressiven Saxophon-Soli - zu einem verwobenen Kollektiv, quasi ein musikalisches Spinnennetz, das in seiner Komplexität dennoch transparent bleibt. Keine Frage, das Konzert belegt, dass die Saxophonistin, die lange in London gelebt hat und vor einem Jahr nach New York gezogen ist, zu Recht den mit 15 000 Euro dotierten Jazzpreis erhalten hat. SWR-Musik-Chefin Dorothea Enderle überreicht die gemeinsam vom Land Rheinland-Pfalz und dem Sender finanzierte Auszeichnung mit dem Hinweis auf die „Leichtigkeit des Free Jazz und die neue unverkrampfte Freiheit“, die die Tradition einbezieht und sich zugleich über sie erhebt. Der Peisträgerin sei es gelungen, „völlig freien Improvisationen einen formal strukturierten Rahmen zu geben“ begründet die Jury ihre Wahl. Reinhard Kager, Leiter der SWR-Jazzredaktion, spricht von frei improvisierter Musik mit hohem Expressionsgrad.Die Preisträgerin selbst erläutert ihre Polystilstik damit, dass stets „alle Sensoren auf Empfang geschaltet sind, um Partikel davon in abstrahierter Form beim Improvisieren wieder auszuspucken“. |
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Text &
Photographie Klaus
Muempfer im Juli 2009 |