Schier
endlose Ostinati kurzer Melodienfragmente auf der Kora unterstreichen
das polyrhythmische und komplexe Schlagzeugspiel. Der groovende Bass
legt die Basis unter dieses Duo. Der Spannungsbogen wird immer
weiter gespannt, zwingt die Zuhörer mit der hypnotischen Kraft der
treibenden Rhythmen und hymnischen Melodik zum körperlichen
Mitgehen. Assoziationen zu den früheren Südafrika-Projekten von
Abdullah Ibrahim/Dollar Brand schleichen sich ins Unterbewusstsein.
Nur ist das Spiel auf der Hinterbühne des Rüsselsheimer Theaters
ungleich dynamischer, intensiver und zupackender.
Jack DeJohnette hat hinter dem Drum-Set mit einer Vielzahl von
Trommeln, Tom-Toms, Snares, großen und kleinen Becken mit
Glockenklang Platz genommen, klopft mit den Sticks auf den
Trommelrand und die Felle. Feine dynamische Differenzierungen
innerhalb komplizierter metrischer Schichtungen sind das Kennzeichen
des Schlagzeugers, der seit seiner „Bitches Brew“-Zeit bei Miles
Davis eine Schlüsselposition im modernen Jazz einnimmt. Ob es eine
Rückbesinnung auf die Wurzeln ist, mag offen bleiben, wenn
DeJohnette jetzt mit den Foday Musa Suso aus Gambia auf der Bühne
sitzt und mit der Kora in Duetten und Duellen die afrikanische
Tradition mit dem Jazz verschmelzen lässt.
1977
schon aus seiner Heimat nach Amerika gewechselt, hat Suso die in der
„Härte“ westafrikanisch gespielte Kora, ein Zupfinstrument mit mehr
als 20 Saiten am langen Steg über dem Flaschenkürbisresonator, zu
einem Melodie bestimmenden Partner des Schlagzeugs entwickelt. Dazu
kommt im gut besuchten Konzert der Rüsselsheimer Jazzfabrik der
Bassist Jerome Harris, der zwischendurch die Percussion mit kleinen
Rahmentrommeln, Rasseln und Tambourin ergänzt.
Ein afrikanischer Minnesänger und ein musikalischer Drummer, der zwischendurch am Flügel als Pianist mit perlenden Melodielinien die seelische Verwandtschaft mit Ibrahim bestätigt, rühren eine betörende Afro-Jazz-Mixtur an, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Suso lächelt verklärt bis genüsslich, während er die Kora zwischen den Knien mit sechs Fingern an den Griffen umspannt und mit vier Fingern die Saiten „schlägt“. Einfache Melodievariationen aus der afrikanischen Tradition, zu denen der Bassist in den furiosen Soli Harmoniefortschreitungen zupft. In seiner Heimat hat Suso gelernt, Stammes- und Alltagsgeschichten zu den Klängen des Instruments zu erzählen, vom „Makala Market“, dem offenen Markt in Ghana, einer Komposition, die so typisch ist für das Trio: ein dicht gewebtes Netz aus vielen Rhythmen und Melodien, mit extremen Dynamiksprüngen und Intensitätssteigerungen, in dessen Verlauf Suso seine Ostinati immer wieder mit einem „herausgerissenen“ Ton akzentuiert, um DeJohnette zu weiteren präzise gesetzten Drum-Explosionen zu motivieren.
Ansonsten präsentiert das Trio an diesem Abend fast ausschließlich Kompositionen aus ihrer CD „Hearts of the Masters“, die im Januar 2007 auf den Markt kommen wird: „Mountain Love Dance“ mit der elektronischen Naturgeräusch-Einspielung hinter der Kora-Intro und dem filigranen Schlagzeugspiel sowie dem tänzerischen Trio-Part, „Sunjatta Keita“ als Opener oder „Rose Garden“ mit perlendem Saitenspiel und dem sanften Klöppeln auf den Fellen. Mit einer eher besinnlichen traditionellen afrikanischen Folklore-Komposition beschließen Jack DeJohnette, Foday Musa Suso und Jerome Harris den mitreißenden Abend.
