Jane
Monheit würde sich verleugnen, wenn sie nicht in der
Vorweihnachtszeit ein gefühlvolles „Merry Christmas“ präsentieren
würde, an das sie noch ein paar Takte „Jingle Bell“ anhängt , um
dann das offizielle Programm mit „Santa Claus is coming to town“ zu
beschließen, dessen Komponisten Fred Coots und Haven Gillespie eher
Insindern bekannt sind, während den Song jedes Kind in Amerika
trällert. Das übervolle Herz des Mainzer Publikums trifft die
amerikanische Sängerin endgültig, als sie in der Zugabe besinnlich
beseelt und quasi auf Zuruf „Somewhere over the rainbow“ mit
leichtem Vibrato und leicht brüchig ins Mikrophon haucht. In solchen
Balladen fühlt sich die inzwischen dreißigjährige Mutter eines
gerade mal sechs Monate alten Sohnes Jack zuhause.
Der Nachwuchs schläft derweilen in behütet von der Kinderfrau in der
Garderobe des Frankfurter Hofes. Er mag erschöpft sein, denn beim
Soundcheck hat er auf dem Schoß der Mutter wild in die Tasten des
Flügels gehauen. „He loves ist“, strahlt die stolze Jane. Jetzt
sitzt ihr bewährter Begleiter Michael Kanan an Flügel und Keyboards,
den Bass zupft in langen melodischen Linien oder verzierenden
Sololäufen Neal Minder und sensibel unterstreicht Rick Montalbano
mit dem Besen die soften Songs seiner Ehefrau. Jane Monheit
präsentiert auf der Bühne ein Programm, das von Balladen, zarten
Liebesliedern bis zu swingenden Up-Tempo-Kompositionen reicht -
erfrischender und lebhafter als die Einspielungen auf der jüngsten
CD, die just an diesem Tag ihres Mainzer Auftrittes in den Handel
kommt.
Es
sind die Großmeister des Jazz und Musicals von Georges Gershwin und
Leonard Bernstein bis Duke Ellington, die es der Sängerin angetan
haben. Sie ist in dieser Tradition und in einer musikalischen
Familie aufgewachsen und will auch nicht ausbrechen. Im privaten
Kreis experimentiert sie schon mal mit Scats und Vocalisen zu
Free-Jazz-Kompositionen, aber eher, um ihre Stimme zu schulen, als
damit auf die Bühne zu gehen. Und dass sie stimmlich gut ausgebildet
ist, nicht zuletzt auf Grund ihres Klarinetten-Studium jazzmäßig
präzise und stilgerecht phrasiert, dass sie über einen großen
Oktavumfang die Nuancen vokaler Textausgestaltung auskostet, die
Verschleifungen und Verzierungen wie ihre Vorbilder von Bessie Smith
und Ella Fitzgerald beherrscht, das macht ihre Songs auch dann noch
aufregend, wenn sie ohne diese perfekte Interpretationskunst
sentimental wirken würden. So klingt ihre Stimme mal verrucht, mal
schmollend, mal triumphierend, dann wieder schmachtend, oder liebend
gehaucht. Einzig ein manchmal dramatisch überspitzter Ausdruck steht
dem vollkommenen Genuss entgegen.
Kanan lässt eine lange Notenkette aus dem Flügel perlen, bevor Monheit mit warmer Stimme in das morbide „In a sentimental mood“ von Duke Ellington einsteigt. Gleich danach widmet sie sich nach einem mit hartem Anschlag geführten Piano-Solo der schnellen Revue-Komposition „Cheek to cheek“ von Irvin Berlin. Mit zwei Sambas belegt die Jazz-Sängerin ihre Erläuterung, dass die brasilianische Musik „has changed my life“. Das Publikum im gut besuchten Frankfurter Hof seinerseits wird dem Lob gerecht, das Jane Monheit ihm während ihrer Moderation zollt. Es lauscht intensiv und feiert die Sängerin zum Schluss stehend mit Ovationen.