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Rotlicht
verbirgt die kahlen Wände der Autowerkstatt, grelle Lichtfinger aus
kleinen Scheinwerfern stechen ins zigarettenrauchgeschwängerte
Dunkel. Auf der Bühne schälen sich aus dem Soundteppich des
Rhodes-Pianos ein paar verschmierte Gitarrenakkorde und die ostinate
Bass-Figur vor dem Beat des Schlagzeugs. Aus der verhaltenen
Einleitung von „Secret Loveliness“ entwickelt sich ein groovender
Bandsound mit dynamischen Steigerungen, drängender Intensität und
weitem Spannungsbogen, der in ein Orgel-Finale auf der Hammond
mündet. Und über allem schwebt der hohe, energische und zugleich
warme Ton der gestopften Trompete. Die „Nighthawks“ kamen auf
Einladung der Kulturinitiative Klein-Winternheim und nehmen beim
„Jazz in der Garage“ des Kfz-Betriebes Kilicaslan das Publikum vom
ersten Akkord an gefangen.
Die Kultband des Nu- oder Lounge-Jazz, der Dancefloor-Music - oder
wie man es sonst nennen will – um den Bassisten Dal Martino und den
Trompeter Reiner Winterschladen, den Schlagzeuger Thomas Alkier, den
Organisten und Conga-Spieler Jürgen Dahmen, den Gitarristen Markus
Wienstroer und den Keyboarder Oliver Jäger sind zum zweiten Mal in
der Rheinhessen-Gemeinde und können sich auf ihre treue Fan-Gemeinde
verlassen. „Nighthawks“ sind – wie auf dem namengebenden Gemälde von
Edward Hopper zu sehen ist, Menschen, die die Nacht zum Tag machen.
Kein Wunder also, dass die Zuhörer selbst kurz vor Mitternacht die
Musiker noch immer frenetisch feiern.
Vorangegangen
ist ein fast dreistündiges Konzert mit hart groovender und zugleich
melodiöser Mixtur aus Jazz und Rock, Punk und Funk, House sowie
Drum&Bass, Techno und Disco, aus vorgefertigten Samples und
Live-Improvisationen. Mit Klangspielereien gefüllt ist die Ballade
„Back, where I belong“ aus der Feder des polnischen Pianisten
Vladimir Sendecki, mit einem getragenen Trompeten-Solo. Stechend und
gleißend klingt das Instrument dagegen in dem schnellen „Casino“.
Lyrisch wiederum bläst Winterschladen das weich klingende Flügelhorn
in „Jetlag“ vor einem verzweigten, fast filigranen Gitarrenausflug
Wienstroers - mal ergibt er sich High-Speed-Läufen, mal zupft er
psychedelisch wie bei Pink-Floyd, dann wieder jazzig-perlend. Das
pulsierende „Motorcycle“ ist eines der Paradestücke der „Nighthawks“
mit einer ausgedehnten Passage ohne Bläser, virtuosen, glänzenden
Gitarrenglissandi, motorisch die Rhythmusgruppe mit stupendem Beat
und einem Finale mit schneidendem Trompetenton. „Norways“ wird neu
aufgelegt mit Trompetenlinien bis in die High-Notes, bevor das Stück
flirrend ausklingt, schwellende Orgelsounds bestimmen die „Hard
nights day“. Alkier erhält an diesem Abend Gelegenheit zu einem
Percussions-Battle mit Dahmens Congas und einem ausgiebigen
variationenreichen, melodiösen Schlagzeugsolo mit durchlaufendem
Metrum. Dal Martino schließlich versucht sich im Sprechgesang á la
Tom Waits oder Leonard Cohen.
Drei Stunden lang halten die „Nighthawks“ die Zuhörer in ständiger
Bewegung. Zum Tanzen reicht der Platz nicht, so dicht gedrängt
stehen die Fans in der Halle, doch sie wippen und winden und biegen
sich im Puls der Musik. „Da muss man einfach mitmachen“, sagt eine
nicht mehr ganz junge Frau und spricht wohl allen aus dem Herzen
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