
Fotos und Text: Klaus Mümpfer

Berühmt und gefeiert sind die unterschiedlichen Metheny Groups.
Doch zu den Trios ist er immer wieder zurückgekehrt. „Sie sind
weit offen und voller Entdeckungsfreude“, begründet der Musiker
diese Vorliebe. In der Tat klangen die Kombinationen mit Charlie
Haden, Dave Holland, Bob Moses, Roy Haynes, Jack deJohnette,
Christian McBride oder Antonio Sanchez extrem unterschiedlich.
Dieses Mal hat er das Zusammenspiel mit dem Schlagzeuger Bill
Stewart und dem Bassisten Larry Grenadier zu neuem Leben erweckt
- ein Trio, das in den Jahren 1999 und 2000 Kritiker und
Publikum zu überschwänglichen Lobeshymnen verleitete.
Auch dieses Mal war das Publikum beim Konzert der Rüsselsheimer
Jazzfabrik enthusiasiert.
Man bewundert die Kunstfertigkeit und die Ästhetik, die
Klangfülle und die Leichtigkeit, das traumhaft sichere
Zusammenspiel und die kreativen Interaktionen. Pat Metheny ist
zweifellos ein grandioser Jazzmusiker. Sein extrovertiertes
Spiel steht in reizvollem Kontrast zu der sinnlichen
Innerlichkeit der Kompositionen. Dennoch wollten sich Spannung
und emotionale Erregung beim Rüsselsheimer Konzert nicht so
richtig einstellen – mit Ausnahme eines elektrifizierten
Up-Tempo-Stückes.
Pat Metheny kann mit den Gitarren so ziemlich alles Erdenkliche
anstellen. Er zupft die Saiten im filigranen Fingerpicking, er
schabt und kratzt, entlockt dem Instrument beim Umgreifen
Quietschtöne und surft durch wilde Obertonreihen. Sein
vielschichtiges Solospiel ist Beweis für Perfektion und
Raffinesse sowie für das nahtlose Wechselspiel von Dissonanz und
Harmonie. Im Duo mit Grenadier führt Metheny in einer langen
Linie die Melodie, nimmt sich beim Solo des Bassisten zurück und
unterlegt dessen harmonisch reizvollen sowie mit überraschenden
Wendungen gespickten Lauf mit kurzen Akkordeinwürfen.
Schlagzeuger Stewart unterstreicht das Trio-Spiel sensibel,
selten hart, und in einer wunderschönen Ballade mit sanftem
Besenstrich.
Helfer reichen dem Star aus dem Dunkel die unterschiedlichen
Gitarren wie die Kelche einem Gralshüter. Sie enthüllen auch
gegen Ende des Konzertes das vielfältige Überbleibsel des
Orchestrions, mit dem Metheny im vergangenen Jahr die Verbindung
zwischen vitalem Gitarrenspiel und Mechanik gewagt hatte.
Dramaturgisch war das anschließende akustische Finale ein
geschickter Schachzug. Das Publikum feierte den Gitarristen
stehend mit schier endlosem Beifall und Pat Metheny bedankte
sich gleich mit mehren Zugaben.