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Rasende
Bebops und schleichende Balladen, jene unverwechselbaren
leichtläufig swingenden und doch kraftvollen Passagen auf dem Piano
und dazu das so markante, sprechende Singen, wie es Frank Sinatra
zur Perfektion brachte – kein Zweifel: Paul Kuhn ist mit seinem Trio
und einigen Freunden in Hochform. Da kann der Zuhörer das mehr als
zweistündige Konzert im Frankfurter Hof in vollen Zügen genießen,
auch wenn Besetzung und Programm in weiten Teilen jenen der Tour zum
75. Geburtstag im Jahr 2003 gleichen.
Paul Kuhn ist ein Swing-Pianist, was ihn keineswegs daran hindert,
sich mit den exzellenten Musikern an seiner Seite an heiß kochende
Bebop-Stücke wie Sonny Stitts „Stitt´s Tune“ oder Dizzy Gillespies
„OW!“ zu wagen. Rasante Stakkato-Läufe von Peter Weniger auf dem
Tenorsaxophon sowie Dusko Goykovic auf der Trompete, Duelle der
beiden Bläser, die sich zu Duellen entwickeln, treibende Breaks und
ein Solo von Willy Ketzer auf dem Schlagzeug und dazu immer wieder
das ökonomische und dennoch leitende Spiel Kuhn auf dem Piano – das
expressive Stück belegt, welche Kraft und welches Feuer in dieser
Mannschaft steckt.
Paul
Kuhn vollendet in drei Monaten immerhin das 79. Lebensjahr. Vor dem
Konzert sieht man ihn im Trenchcoat noch auf dem Bechstein-Flügel
versonnen suchend klimpern und mit dem Posaunist Jiggs Whigham über
Titel rätseln, später im Konzert spielt der Senior die Standards mit
bewundernswerter Souveränität, Stilsicherheit und Kraft, die die
Mitspieler inspiriert. So arrangiert Kuhn Thelonious Monks „Well you
needn't“ auf seine humorvoll lässige Art und verleiht dem sperrigen
Stück des Piano-Exzentrikers ein neues Gesicht, ohne dessen
Charakter zu verleugnen.
Im Duo mit Peter Weniger über John Greens „Boy and Soul“ leitet eine
verspielte, perlende Intro auf dem Flügel zu getragenen
Saxophon-Läufen mit warmem Ton und anhaltendem Vibrato über. „London
by Night“ oder „Lady be good“ wiederum erinnern in ihrem Feeling an
jene klassischen Bar-Trios, deren Bedeutung für den Jazz keineswegs
abwertend beurteilt werden darf. Bassist Martin Gjakonovski ist mit
seinen harmonisch variablen Sololäufen und der solide marschierenden
Begleitung ein würdiger Vertreter von Paul Ulrich, der regulär im
Trio das Instrument zupft.
Gustl
Mayer liefert sich mit Weniger heiße Duelle auf den Saxophonen und
pflegt in „I surrender“ einen lyrischen, singenden und zugleich
kraftvollen Ton auf dem Altsaxophon. An Stelle von Benny Bailey, der
2003 mit seinem technisch perfekten geschmeidigen Bebop-Spiel
faszinierte, steht dieses Mal Philip Harper auf der Bühne, der bei
„I close my eyes“ im Duo mit seiner Trompete die Linien Goykovics
auf dem Flügelhorn zunächst umspielt, um sich dann mit ihm in
Unisono zu treffen und wieder auseinander zu bewegen. Aus Kuhns
Feder selbst stammt die ansprechende Samba „Headed South“ für die
ganze Band.
Natürlich darf gegen Ende des Konzertes das Zugaben geradezu
herausfordernde „Route 66“ nicht fehlen. Kraftvoll und treibend mit
dem typischen Gesang des Bandleaders. Paul Kuhn ist dem Swing
verbunden geblieben. Er hat sich vorsichtig zum Bebop geöffnet, was
ihm dank der Band mühelos gelingt, und spielt seine eigenständige
Variante vital wie eh und je. |