
Fotos und Text: Klaus Mümpfer
Ein meditativer Sound schwebt bereits vor dem eigentlichen
Konzert durch den weiten Raum des Gotteshauses. Für den
Soundtüftler und Gitarrist Christian Eckert sowie den
Saxophonisten Ulli Jünemann ist die Elektronik auch beim
späteren Konzert nur die Erweiterung und Fortsetzung des
Naturklanges. Wohl deshalb fügt sich die teilweise instrumental
geführte Stimme der Vokalistin Eva Mayerhofer so nahtlos in das
Spiel und in die Interaktionen von „Sapporo 3“ ein.
Jazzmusik und Kirchenraum treten in einen Dialog ein, sagt die
Dekanatskirchenmusikerin Barbara Pfalzgraff und behält recht.
Fasziniert lauschen die Zuhörer in der Mainzer Christuskirche,
wie die Raumakustik des Gotteshauses den Klang des Altsaxophons
trägt, ihm in den cantablen Läufen zu sakralem, fast hymnischem
Charakter verhilft.
In diesen singenden Linien vermischen sich die Klangfarben des
Altsaxophons mit der instrumental eingesetzte Stimme der
Sängerin im Dialog und auf dem Soundteppich der Gitarre und
ihrem elektronischen Gewebe. Die Stücke behalten ihren
meditativen Grundcharakter, auch wenn elektronische Beats das
filigrane Soundgewebe immer wieder aufbrechen. Das Trio schafft
einen intimen Gruppenklang. Durch die Architektur der Kirche
verläuft sich der Hall nicht, sondern unterstreicht den
kammermusikalischen Charakter der freien Improvisationen. Diese
Besonderheit hat der Sakralbau bereits bei früheren Konzerten
der Reihe „Jazz in der Christuskirche“ unter Beweis gestellt.
Duke Ellington komponierte sein „In a sentimental mood“ 1935 für
eine morbide Gefühlswelt voller Sehnsüchte. Eva Mayerhofer
interpretiert den Song ebenso wie den Walter-Gross-Hit „Tenderly“
mit schwebender Leichtigkeit und Sinnlichkeit in ganz
eigenständiger Phrasierung. In Artikulation und Intonation sowie
reizvoller rhythmischer Variation verhilft die Sängerin auch dem
Elvis-Presley-Song „Love me tender“ zu neuer Expression. Dabei
kostet die Vokalistin die stimmlichen Möglichkeiten vom
Sprechgesang in „Knopf & Zwiebel“ bis zu Gurren, Geräuschen,
Zwitschern und Pfeifen aus. Sie scattet klassisch sowie free in
Vokalisen.
Versunken beugt sich Eckert über die Elektronik, schiebt Regler
am Laptop oder streicht übers Pad, während er aus den Saiten
filigrane Linien zupft. Bei solchen Improvisationen tritt er in
den Dialog mit Jünemann, der das Altsaxophon in singenden Läufen
schwelgen lässt, aber auch leicht überblasene, mehrstimmige
Stakkati bläst. Hin und wieder greift er zur Querflöte, um den
Gesang sensibel zu verzieren, wie die Sängerin der Melodica
sanfte und schwebende Melodien entlockt. In „Knopf & Zwiebel“
ist vom Märchenland und Traumstadt-Spiel die Rede. Die Worte
treffen auch auf die Musik von „Sapporo 3“ zu.