
Der Schweizer Gitarrist Tomas Sauter ist ein Meister der
Klangfarbenspiele. Eine Vorliebe für Unisono-Passagen mit dem
sensiblen Saxophonisten Domenic Landolf prägen die Kompositionen
ebenso wie die Verfremdungen durch den sparsamen Einsatz der
Elektronik auf der E-Gitarre. Melodiöse, aber akzentuierte,
schneidende Single-Note-Linien wirken auch dann luftig, wenn sie
sich in rasend schnellen Läufen verdichten und mit Akkordeinwürfen
versetzt werden.
Im Einsatz verlängerter Notenwerte und überraschender Harmonievariationen gleicht er seinem offensichtlichen Lehrmeister John Abercrombie. Beim Gemeinschaftskonzert der Rüsselsheimer Jazzfabrik und dem Jazzcafé „das Rind“ präsentierte der Gitarrist mit seinem Quartett jene zwischen Bebop und modernem Swing angesiedelten Eigenkompositionen, die besonders dann impressionistisch wirken, wenn Landolf sein Tenorsaxophon gegen die warm und sanft klingende Klarinette tauscht.
Eine kammermusikalische Pretiose genießen die Zuhörer im gut gefüllten Jazzcafé beim akustischen Duo-Stück „Piuku“, mit dem der Komponist seine Erinnerungen an ein kroatisches Dorf im melodischen Führungswechsel mit dem Bassisten Daniel Schläppi in Klangimpressionen umsetzt. In solchen Kompositionen outet sich der Bieler Gitarrist als nachdenklicher Romantiker. Ebenso assoziativ gestaltet Sauter mit der akustischen Gitarre „First day in spring“. Schwebende Sounds auf der Gitarren und gedehnte Akkorde auf dem Tenorsaxophon, einander umspielende Linien der beiden Instrumente sowie ein gestrichener Bass und ein flexibles, teilweise im Metrum wechselndes Spiel des Schlagzeugers David Meier kennzeichnen „Magic Carpet“, das Titelstück der neuen CD des Gitarristen. Die Kompositionen „Aladins wonderlamp“ und „Sinbad sets sail“ verweisen zwar auf die exotische „1001 Nacht“, bleiben aber harmonisch im abendländischen Klang-Idiom. Groovender, moderner Jazz paart sich mit spielerischer Klangmalerei. Diesem Spagat wird vor allem die vom Blues inspirierte Zugabe „Blue spirit“ gerecht.
In seinen oftmals leicht rauen, eruptiven Soli mit Stakkati, meist
aber in locker verteilten Akkordfolgen ist Landolf ein adäquater
Partner für Sauter, der auch seine virtuosen Schnellläufe auf der
Gitarre nicht zum Selbstzweck werden lässt. Selbst das mit
Schlagzeug und Bass nervös pulsierende „Fragment“ mit seinen hart
angerissenen Akkordfolgen auf der Gitarre und dem überblasenen
Saxophon klingt wie die meisten Kompositionen mit schwebenden Sounds
aus. Diese Verschmelzung von Kontemplation und Energie erweist sich
als Genuss für Klangästheten.

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Text und Photographie von Klaus Mümpfer