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Harmonie
prägt diesen Abend in Trier, die auch der zuweilen harte und
attackierende Anschlag der Pianistin Katrin Reifenrath in Edvard
Griegs „Konzert für Klavier und Orchester A-Moll, Opus 16“ oder die
kraftvollen Improvisationen der Skoda All Stars nicht brechen können
– und sicher auch nicht wollen. Als geglückt erweist sich die
Zusammenstellung des Programms von Edward Elgars sinfonischer
Dichtung „In The South“ und Griegs Klavierkonzert als Counterpart zu
der Uraufführung von „Two Worlds – One Music“ – jenem Projekt, das
der Komponist, Arrangeur und Bigand-Leader Michael Gibbs sowie der
Leiter der Skoda All Star Band, der Trompeter Uli Beckerhoff,
gemeinsam aus der Taufe gehoben haben. Geglückt ist auch die
Zusammenarbeit des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier mit
der Allstar-Jazzband, die von gegenseitigem Verständnis geprägt ist
und deshalb auch jegliche Disharmonie im doppelten Sinne vermeiden
kann.
Ungewohnte Instrumentenmischungen sowie die daraus resultierenden
Klangverschränkungen waren schon jeher ein Charakteristikum der
Gibbs´schen sinfonischen Bearbeitungen von Materialien des Jazz.
Seine Vorliebe für Lyrizismen erinnern auch an diesem Abend in Trier
an die Orchestereinspielungen der coolen Phase von Gil Evans. Und so
bleibt es nach Elgarund Grieg bei soften Sounds, bei vielschichtigen
Klangflächen, ein wenig impressionistisch, pastellfarben,
transparent und doch aufregend im Zusammenklang von Jazzband und
Orchester, in den Bop-Ausflügen der Solisten sowie vor allem in der
virtuosen Stimmführung und in den experimentellen, Free-Vokalisen
der beiden Sängerinnen Norma Winston und Maria Pia de Vito.
„Ich
gehe vom Jazzdenken aus, verwende aber alles, was mir gefällt, ganz
gleich aus welcher Musik dieses oder jenes stammt“, hat Gibbs einmal
bekannt. „Jede Musik ist für mich Fusion.“ Seine einfach klingenden,
aber dennoch dichten Arrangements bekannter Songs von Sting und Joni
Mitchell, aber auch der verzwickten Kompositionen der Sängerin de
Vito, des Trompeters Beckerhoff oder des französischen Gitarristen
Philip Catherine scheinen den Musikern der Trierer Philharmonie zu
liegen – von denen einige zudem über Crossover-Erfahrungen verfügen.
„Two Worlds – One Music“ wandelt sich so zu einem Erlebnis, das dem
Bekenntnis gerecht wird.
Mit seinem strahlenden und dennoch warmen Solo auf dem Flügelhorn
spannt Uli Beckerhoff in Fred Herschs „Child Song“ weite
Melodiebögen, die von perlenden Single-Note-Einwürfen des Pianisten
Glauco Venier unterbaut werden. Das Solo klingt sanft aus und wird
von einem zweistimmigen, swingenden A-Capella-Scat-Gesang
aufgefangen. Matthias Nadolny bläst das Tenorsaxophon mit sonorem,
abgerundetem Ton, zu dem das filigrane Saitenspiel von Peter O´Mara
kontrastiert. Mit klarer Kopfstimme interpretiert Norma Winston Joni
Mitchels „Blue“, Maria Pia de Vito singt ihr neapolitanisches Lied
„Scuggnizeide“ über die Straßenjungen vor einem Orchesterarrangement
mit Filmmusik-Touch. Catherines „Nairam“ zieht einen Teil der
Spannung aus den ostinaten Piano-Melodiefiguren und O´Maras
Gitarrenkürzeln hinter Nadolnys Tenorsaxophon-Solo und den dunkel
timbrierten Streichersätzen. Gunnar Plümer zupft im Solo harmonisch
aufregende Bass-Linien, während in allen Stücken Bruno Castellucci
mit präzisem Time und dennoch schwebend leicht wirkender
Trommelarbeit das Metrum vorgibt.
Wer
zu Konzerten der Skoda All Stars kommt, der weiß, dass er weder
Free-Jazz noch Neutönerisches erwarten darf. Das Konzept Uli
Beckerhoffs greift eher auf die moderne Jazz-Klassik zurück. Wie
zeitlos und zugleich zeitgemäß dies ist, beweist ein Stimmexperiment
de Vitos, die mit Loops, Schleifen, Hall, Echo und
Sampler-Elektronik mit sich selbst im Duett scattet und das sich
bruchlos in das Programm einfügt. Stimmakrobatik mit Singen,
Schnalzen, Gurren, Scatten und verhaltenem Aufschrei prägt Winstons
Interpretation von Kenny Wheelers „How It Was Then“. Die Engländerin
zerdehnt die Silben, löst sie auf, reduziert die Melodie auf den
harmonischen Kern und fügt alles wieder zusammen. Pianist Venier
schichtet nach kurzen rasenden Läufen komplexe Akkordblöcken auf
einander, und wie das Konzert insgesamt mit Beckerhoffs Ballade „She
Speaks Her Name“ und Stings „A Thousand Vears“ endet, lässt Norma
Winston die Wheeler-Komposition mit hingetupften Tönen sanft
ausklingen.
Vor zwei Jahren hatten bei einer Begegnung in Essen Beckerhoff und
Gibbs dieses Projekt „Two Worlds – One Music“ angedacht. Im März
dieses Jahres begann der 69-jährige Komponist mit der Arbeit an den
Arrangements, nachdem Beckerhoff ihm einen Termin bis Ende Juni
gesetzt hatte. Das Ergebnis, das dem Publikum anlässlich des
Ereignisses „Luxembourg und die Großregion – europäische
Kulturhauptstadt 2007“ in Trier und einen Abend später in Luxemburg
präsentiert wurde, ist den Erwartungen gerecht gewoerden.
Klaus Mümpfer
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