Auf
der Bühne steht eine zierliche junge Frau. Ihre Stimme trägt weit
über den gut besetzten Innenhof der Anhäuser Mühle in Monsheim und
der Zuhörer fragt sich, woher dieses Persönchen die Kraft für den
lang angehaltenen Schlussakkord des „Stormy Monday Blues“ nimmt –
eine Stimme, die zudem das Finale von Gitarre, Bass und Schlagzeug
übertönt. Stephanie Neigel zeigt sich zum Schluss des Konzertes
nochmals als das, was man eine „Blues-Röhre“ nennt, aber sie
phrasiert auch sicher und sensibel über Jazz-Standards wie „Goodbye
Pork Pie Hat“, eine Komposition, die der expressive Bassist Charles
Mingus dem sanft und cool improvisierenden Tenorsaxophonisten Lester
Young gewidmet hat. Passend dazu lässt Jörg Teichert die Gitarre in
lang gezogenen Glissandi jaulen, zupft sie aber auch in ziselierten
Linien.
Das Repertoire der Sängerin Stephanie Neigel, einer Nichte von Jule
Neigel, ist breit gefächert. In bester Folk-Tradition steht ihre
Komposition „Part of the universe“, die sie sanft und einfühlsam zur
begleitenden akustischen Gitarre vorträgt. „Angel eyes“ singt Neigel
im Duo mit dem Bass von Christian Kussmann. Raffiniert setzt die
junge Sängerin ihre Stimme mit Schleiftönen sowie Vibrato in „Above
ground“ ein, bevor die gut eingespielte Band mit Teichert, Kussmann
und dem Schlagzeuger Philipp Schwabe im Fünf-Viertel-Takt zum
vermeintlichen „Take Five“ ansetzt, das sich dann schnell und
nahtlos in Gershwins „Summertime“ verwandelt. Der Gitarrist besticht
mit einem filigranen Gitarrensolo, Neigel scattet zwischendurch
genresicher.
Weniger gelungen ist der Übergang von „Habanera“ zu Handy´s „Saint
Louis Blues“, der wiederum mit einwandfreien Wechseln in Tempo und
Metrum bewältigt wird. Kussmann zupft seinen Bass in einem Solo mit
der Geschmeidigkeit einer Gitarre. Konzertant wiederum spielt
Teichert die akustische Gitarre in einer jener eindrucksvollen
Kompositionen Neigels, der langsamen Ballade „Over and out“ und
ebenso sensibel trägt das Trio von Stimme, Gitarre und Bass am
Bühnenrand „You don´t know, what love is“ vor. Mit elektronischen
Loop-Schleifen experimentiert die Sängerin in einer vokalen Intro
zur „Route 66“ und verfällt wie bekanntere Kolleginnen der
Versuchung, das Publikum mit Mitsingen zu bewegen. Das kann an einem
kühlen Spätsommerabend gelingen, meist aber ist es eher
stimmungshemmend als –fördernd. Da versöhnt es, dass die talentierte
Künstlerin mit lasziver Intonation den erdig-trockenen Blues „Some
as you“ anstimmt, bevor sie schließlich zu „I just wanna live“,
einer weiteren Eigenkomposition wechselt, die die Bandbreite Neigels
nicht nur als Sängerin, sondern auch als Komponistin belegt.
Ein Musette „Vacances en France“ im Duo von Gitarre und Bass bleibt
zwar als netter Gag in der Erinnerung an das Konzert hängen, fällt
aber ein wenig aus dem Rahmen. Das Stephanie Neigel-Quartett hätte
es nicht nötig, seine Vielseitigkeit so zu beweisen. Die
hervorragend eingespielte Truppe aus Sängerin und exzellenten
Instrumentalisten gefällt am besten bei Interpretationen von
modernem Jazz und stampfendem Blues.