Erika Stucky „Jimi Hendrix Project“
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Es ist nach elf Jahren der
Rüsselsheimer Jazz-Fabrik das letzte Konzert in diesem Raum, der
bald der Abrissbirne zum Opfer fällt, doch eine gewaltige Klangorgie
wischt an diesem Abend jegliche Sentimentalität beiseite. Ein leises Duo mit filigran gezupften
Singelnote-Linien und Akkordreihen auf der akustischen Gitarre sowie
der folkloristisch angehauchten balladesken Stimme in „Little Wing“,
ein späteres sanftes Schlagzeug-Solo mit kreisenden Besen auf Fellen
und Becken, aber mit Dynamiksprüngen bei härter werdenden drivenden
und groovenden Schlägen der Sticks oder das getragene „Hey Joe“ mit
der überdehnten Stimmführung, dem ostinaten Bass-Fundament und der
in den Mittellagen vibrierenden Gitarre sind die Ausnahmen in diesem
hart rockenden Programm zwischen Avantgarde, Free-Blues und
Noise-Jazz. Jimi Hendrix hätte „If 6 was 9“ gemurmelt, sich lustvoll
die Locken gezwirbelt und die Gitarre übers Knie gebrochen, wäre ihm
dieses Geburtstagsständchen zu hören vergönnt gewesen. Man kann Jimi Hendrix nicht kopieren,
ist die einhellige Meinung der Fans. Aber man vermag ihn und die
jung gebliebenen Songs in seinem Geiste neu erfinden. Wer könnte
dies besser als der irische Schweizer Christy Doran, der mit
aberwitzigen Ideen die Klangmöglichkeiten der elektronischen
Verfremdungen auskostet, das Instrument kreischen, jaulen, schreien
lässt, vieles was aus Erika Stucky mit ihrer Stimmakrobatik
ebenfalls vollendet herausbricht, so dass manchmal nicht zu sagen
ist, ob die Gitarre die menschliche Stimme, der jene die Gitarre
ersetzt - oder beide im Unisono erklingen.
Doran übersetzt die Licks und Melodien
des legendären Hendrix in den freien Jazz. Tacuma wirkt mit seinen
groovenden Basslinien dagegen fast konventionell. Und Stucky
widersetzt sich jeglicher Kategorisierung. Es ist weniger ihr
oktavenüberschreitender Stimmumfang als die ausgefeilte
eigenständige Verbindung von Jodeln, Scatten, Singen und ironischer
Überspitzung, die das Publikum in atemlose Faszination versetzt.
Ganz abgesehen vom schauspielerischen Talent, mit der die Sängerin
ihre Performance abrundet - in die sich selbst das vokale
Zwischenspiel mit einem Kinder-Rekorder passend einfügt. Ihre
eigenwillige Klangästhetik fördert immer wieder neue Erkenntnisse zu
Tage. Auch darin gleicht sie Hendrix. So explodiert eine Klangwelt, wenn
Doran die Stratocaster verzerrt aufschreien lässt, wenn Studer den
Drum-Beat gegenläufig zu dem Bass-Ostinati setzt, um dann mit harten
Trommelschlägen die andere voranzutreiben und Erika Stucky mit ihren
vokalen Exzessen diesen orgiastischen Kosmos vollendet. Solch
intuitive Musik trifft das Publikum in voller Breitseite. „Ihr seid
wie ein Schwamm“ lobt sie die Zuhörer. Kein Wunder, dass diese
frenetisch Zugaben forderten. |
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Text &
Photographie Klaus
Muempfer, Dezember 2007 |