David Torn mit dem Projekt „Prezens“
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Spontan
drängen sich den Zuhörern Schlagworte wie „Soundgewitter“ oder
„Klangorgie“ auf. Die Musik der Quartetts um den Gitarristen David
Torn steigert sich von unruhigem, flächigem Ambiente zu
verstörenden, aggressiven und die Ohren strapazierenden Ausbrüchen.
Dazwischen geschoben sind Passagen schwebender Ruhe. Und so beginnt das Konzert der Rüsselsheimer Jazzfabrik auf der Hinterbühne des Theaters mit einer verhaltenen, percussiven Intro des Schlagzeugers Tom Rainey auf den kleinen Trommeln sowie flirrenden Sounds von Gitarren und dem Rhodes-Piano. Die Intensitätswellen wirken mal transparent gleitend, dann wieder hart pulsierend. Time Berne formt Melodiefragmente auf dem Altsaxophon und stellt sie polarisierend sowie zugleich ergänzend den verzerrten Gitarrenläufen Torns gegenüber. Die ekstatischen Stakkati und klirrend angeissenen Saitengriffe enden in einem Crescendo, dem eine überraschend melodische Mehrstimmigkeit von Saxophon und Gitarre folgt. Mit seinem Projekt „Prezens“ erkundet David Torn collagenhaft die musikalische Landschaft jenseits der Grenzen des puren Jazz. Das
ist wohl das Faszinierendste dieser avantgardistischen
Klanglandschaft: Naturklänge des Saxophons reiben sich an den
elektronischen Sounds der Gitarre und gehen dennoch eine Symbiose
ein, die keine Vergleiche zulässt. Torn, der Wanderer zwischen Jazz,
Rock, Minimalmusik und Avantgarde, diagnostiziert selbst eine
„musikalische Schizophrenie“.In einem Moment reißt der Gitarrist noch einen „sauberen“ Oktavenlauf an, im nächsten schon dröhnt eine verzerrten Glissandolinie, spielt Torn mit Überlagerungen durch Loops, Delays und Echos, reizt die Möglichkeiten der elektronischen Verfremdung aus, lauscht den so eruptiven und aufwühlenden Soundscapes nach. Berne setzt dagegen ein paar melodische Linien, bricht dann aber in Stakkati aus, die in den High-Notes überspitzt quietschen, in den mittleren Lage rau hinausgeschleudert werden.
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Text &
Photographie Klaus
Muempfer, Januar 2008 |