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Eine
der Kompositionen aus den Reihen des Absinto Orkestras trägt den
Titel „No more Klezmer“. Er könnte ironisch aufgefasst werden, denn
sowohl die Intro des Klarinettisten Cludio Puntin als auch der
weitere melodische Verlauf sind stark von Klezmer-Stimmung geprägt.
Die weitere Besetzung mit Geigen, Kontrabass kommt ebenfalls dieser
traditionellen Instrumentalmusik der jiddischsprachigen Juden
Osteuropas entgegen und vermischt sich in den beiden Gitarren, der
Mandoline und der Percussion mit der Zigeuner-Folklore aus dem
Balkan sowie dem Sinti-Jazz eines Django Reinhardt oder Stephane
Grappelli. Dass diese Ethno-Mixtur der Definition „Jazz“ im engen
Sinne nicht genügt, mag allenfalls Puristen stören. Die Musik des
Absinto Orkestras swingt auf jeden Fall ungemein.
Die Selbstdarstellung der Formation um den Gitarristen Stefan Ölke
kommt der Realtität beim Auftritt im Rüsselsheimer Kultursommer sehr
nahe, wenn sie von Balkan-schwangerem Ethno-Jazz mit der rasanten
Zigeuner-Gitarre von Joachim Schappert, der melancholischen
Mandoline von Stefan Ölke, dem Balkan-Beat pumpendem Kontrabass Hans
Benders, dem frankophilen Akkordeon Thomas Rohoskas und der
heißblütigen Kosakengeige von Jolly Reinig spricht.
An
Reinigs Stelle spielt an diesem Abend in Rüsselsheim die Geigerin
Almut Ritter aus der Irisch-Rock-Formation „Paddy goes to Holyhead“,
die nicht nur in ihrer Komposition „Irish Coffee“ gälische Elemente
ins Ensemblespiel einbringt. Für die Klezmer-Impressionen sorgt
Puntin, ein musikalisches Chamäleon, das im freien Jazz ebenso zu
Hause ist wie in der Tradition, Folklore und Klassik. Der Kölner
lässt seine Klarinette lautstark in den Höhen jubilieren, in den
Mittellagen sanft hauchen und leitet den glücklicherweise von
jeglicher Sentimentalität bewahrten Evergreen “Bei mir bist du
scheen“ mit imitierten Vogelgezwitscher ein. In „Misirlou“ mit
seinem getragenen Tempo und den exotischen Harmonien wechselt Puntin
zwischen dem aufgerauten, vibratoreichen Ton der Bassklarinette und
dem hellen Klang der Klarinette, formt Rohoska mit dem Akkordeon die
melodische Basis.
Kennzeichnend für alle Kompositionen sind die Tempowechsel zwischen
Einleitung und Mittelteil, die enormen Dynamiksprünge.
Unisono-Passagen von elektrifizierter Geige, Akkordeon und
Klarinette wechseln mit reizvoll kontrastierenden Duos etwa von
Geige und Akkordeon in „Frankas Reich“. Humorvolle Einlagen wie ein
Zitat des Kinderliedes „Hänschen klein“ in einem melodisch
gestimmten Percussions-Solo von Frank Völker sorgen für zusätzliche
Abwechslung.
Fast zehn Jahre arbeiten nun die beiden Gitarristen Jo Schappert und
Stefan Ölke zusammen, seit fünf Jahren pflegen sie den
„Gadjo-Swing“, jenen Swing der Nicht-Zigeuner in einer gefälligen,
aber keineswegs beliebigen oder gar anbiedernden Weise. Das
Rüsselsheimer Konzert hat dies eindrucksvoll bestätigt.
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