Was
für ein schöner sonorer Ton. Vollmundig und erstaunlich kräftig
für einen Tenorsaxophonisten von sage und schreibe 92 Jahren.
Franz Jackson, der wohl älteste aktive Jazzmusiker des
traditionellen Jazz ist ein Meister der Balladen. Mit leichtem
Vibrato bläst er sein Solo vor der Rhythmusgruppe der
Frankfurter Barrelhouse Jazzband, mit der er als Gast der Gala
2004 zum Jazzklub Rheinhessen nach Nieder-Olm gekommen war. Dann
„The Sheik of Araby”! Jener Song aus dem Jahr 1921 mit dem
orientalischen Flair durch die Wiederholungen der melodischen
Struktur. Jackson erweist sich als ein unterhaltsamer Sänger,
so wie er als Saxophonist Schnalzer und Knaller beim Luftholen während
des Spiels bewusst als Gimmicks einsetzt. Die Duos mit dem
Klarinettisten Reimer von Essen, selbst einem intimen Kenner der
Jazztradition und Künstler auf seinen Instrumenten, belegen die
abgeklärte und humorvolle Reife von Jacksons Spiel deutlich.
Der
Senior aus USA war nicht die einzige erfreuliche Überraschung
dieses glanzvollen Konzertabends. Im Vergleich zu ihm ist
Wycliffe Gordon noch jung, doch sein mehrstimmiges
Posaunenspiel, jene Sounds, die Gordon durch gleichzeitiges
Singen und Blasen erzeugt, sowie die schnellen, stakkatohaften Läufe
mit der Leichtigkeit des Trompetenspiels wecken Bewunderung. Ihm
zu Seite steht Justin Kisor, ein junger Mann, der die Trompete
mit traumhafter Sicherheit in allen Lagen bläst. Da sitzt jeder
Ton auch in den spitzen High-Notes, klingt das Spiel in den
lyrischen Mittellagen makellos, die Intonation sauber. Wäre
nicht die beseelte Wärme, klänge das Spiel fast zu akademisch.
„Play,
fiddle, play“ ist ein Stück, das speziell für das Banjo
geschrieben wurde, sagt „Fast“ Eddie Erickson und nimmt dies
zum Anlass für seine Entertainer-Späßchen. Die amüsieren das
Publikum in der ausverkauften Nieder-Olmer Ludwig-Eckes-Halle
auch in „Rockin´ Chair“, ein Titel, den er als
„Schaukelstuhl“ eindeutscht, den er aber auch für mitreißende
Duos mit dem Barrelhouse-Gitarristen Roman Klöcker nutzt. Es
ist ein melodiöses Stück mit Zwiegesprächen, einigen Wechseln
von Melodie- und Rhythmus-Instrument und nach einem Tempowechsel
ein Duett beim Aufgreifen des Themas. Den „Limehouse-Blues“
leitet Erickson mit einem Solo von kinderliedhafter Schlichtheit
ein, bevor die Band heftig swingt und der Gitarrist aus USA
schließlich seinem Namenzusatz „Fast“ alle Ehre macht. Es
sollte allerdings nicht verschwiegen werden, dass im anschließenden
Banjo-Battle wie schon zuvor in den Hochgeschwindigkeitsläufen
auf den Gitarren Klöcker sich seinem amerikanischen Kollegen
ebenbürtig zeigte. Wäre als letzter Gast noch der junge
Schlagzeuger Winard Harper zu erwähnen, ein schneller Drummer
mit ausgesprägtem Time, dessen Spiel in „Caravan“ aber zu
sehr die Virtuosität in den Vordergrund stellte, während das
Melodische leider in den Hintergrund trat. Das Publikum indessen
feierte ihn frenetisch. Die Bläser frischten die
Ellington-Komposition mit einem überspitzten Sound der
typischen Ellington-Moods auf, Posaunist Gordon ahmte
Elefanten-Trompeten nach, raute den Ton in den Soli auf, währenddessen
Trompeter Kisor strahlende Stakkati blies und sich mit Gordon im
mehrstimmigen Spiel traf.
Mit
einer pulsierenden Armstrong-Komposition „You´re driving me
crazy“ hatte das fast vierstündige, kurzweilige Konzert
begonnen. Danach unternahm die Barrelhouse Jazzband einen
Ausflug zu Ellington und Sidney Bechet und landete beim
„Boogie für Mr. Haha“, einer Komposition ihre Pianisten Jan
Luley, ein Stück, das das Publikum jumpend und jivend zu
Beifallstürmen hinriss. Als ein solides und präzise
trommelndes neues Bandmitglied der Barrelhouse erwies sich Kai
Vieweg, der vielschichtige Rhythmusfiguren über einen konstant
durchlaufenden Beat legte. Mit „It don´t mean a thing, if it
ain´t got that swing“ ging das Konzert gegen Mitternacht zu
Ende – bevor sich alle Musiker in einer Jam-Session vor dem
begeisterten Publikum verbeugten und gemeinsam mit ihnen „What
a wonderful world“ anstimmten. |