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Mit
Billy Hart zu spielen kann süchtig machen, sagt der Saxophonist
Johannes Enders bei der Vorstellung des Trios „Triotope“, in
dem neben ihm und dem amerikanischen Schlagzeuger der Münchner
Martin Zenker den Kontrabass zupft. Nach dem ersten Solo Hart´s
können die Zuhörer beim BlueNite-Konzert im Wormser
Stiftskeller es dem Weilheimer Hünen am Tenorsaxophon nachfühlen.
Mit welch motorischer Präzision und gleichzeitig flexibler Einfühlsamkeit
Hart die Becken und Trommeln bearbeitet, kraftvoll groovt und
mit afrikanischer Ursprünglichkeit komplizierte Polyrhythmik über
einen durchlaufenden Beat des linken Fußes auf den Becken
setzt, fasziniert. Hart ist ein Wanderer zwischen den
stilistischen Welten, im Hardbop ebenso zu Hause wie in der
Avantgarde und im Fusion-Bereich. Als Begleiter stützt er mit
einem gradläufig gehaltenen Metrum, in seinen Soli klingt das
fein abgestimmte melodische Trommelspiel nahezu
impressionistisch.
Ideal dazu tönt der erdig-runde Kontrabass
von Martin Zenker, der ebenso in ausgedehnten Solo-Ausflügen
mit harmonisch reizvollen Linien die Themen phantasievoll
aufbereitet, mit Verzierungen und Wendungen überrascht sowie in
der Begleitung sein Instrument auch in straight gezupften Läufen
marschieren lässt.
Dazu spielt Johannes Enders seine lyrische
Variante des Hardbop mit kleinen Ausflügen ins freie Spiel, mit
leichter Überblastechnik und Schleiftönen, ansonsten aber
einem runden und sonoren Sound von melodischer Ästhetik. Weiträumig
und ausschwingend sind die Läufe von reifer Schönheit auf dem
Tenor-, etwa nervöser, spitzer und schneller auf dem
Sopransaxophon.
Und
so beginnt das BlueNite-Konzert in einem eher ruhigen Tempo,
wechselt in einen schnelleren Saxophon-Lauf in den mittleren
Lagen in Ornette Coleman´s „Turnaround“, gefolgt von „I
mean you“ mit den typischen hüpfenden Verschleppungen Monk´s.
Mit einem Bass-Solo voller harmonischer Verschränkungen sowie
zurückhaltend sanften Saxophon-Einsprengseln beginnt die
Enders-Komposition „Voices & Choices“, liedhaft schlicht
und melodiös „Alone together“ mit einfühlsamer Besenarbeit
auf den Fellen und sonoren Saxophonlinien zu einem ausgedehnten
Bass-Solo. So viel Coltrane-Hymnik verlangt nach einem frei
pulsierenden Untergrund und attackierenden Saxophon-Läufen, wie
sie in der Enders-Komposition „Overground“ nach effektvollen
Steigerungen der Intensität und nach Dynamiksprüngen zu hören
sind. Unruhig, fast nervös, flicht das Trio seine komplexen und
dichten Strukturen, die aus einem Guss sind, wechselt mit einem
ruhigeren Sopransaxophon-Solo und einer Bass-Linie nahtlos in
das nächste Stück sowie im Kollektiv wiederum das Thema. So
spannt sich der Bogen von „Overground“ über die
Horace-Silver-Komposition „Peace“ zu Sam River´s
„Beatrice“, um schließlich mit schnellem Pulse und
attackierendem Ton in Kenny Barron´s „Voyage“ zu landen.
Am Abend zuvor hatten der Bassist Ralf Gauck, Schlagzeuger
Peter Götzmann und die Flötistin Petra Erdtmann im
Trio-Projekt „Blue Line – Classic ´n Jazz“ unter anderem
Johann Sebastian Bach mit Miles Davis verschmolzen. Da fing eine
Cello Suite von Bach mit einer unterlegten Basslinie aus „All
Blues“ zu grooven an und die Flöte spielte das Thema drüber.
Vivaldi´s „Frühling“ lebte in den Ostinati im Stil der
Pat-Metheney-Interpretationen auf, und Mozart verbändelte sich
mit Chick Corea. Mit vollendeter Technik und einer gehörigen
Portion Humor hob das Trio bei diesem ersten der beiden
BlueNite-Abende eine erneute Verbindung von Klassik und Jazz mit
kraftvollen und originellen Interpretationen aus der Taufe.
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