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Jacques
Berndorf hat nicht nur Eifel-Krimis geschrieben, in denen Jazz
und Blues eine Rolle spielen. Der Schriftsteller spielte selbst
Gitarre und Klarinette, seine Band zählte zur Schüler- und
Studentenzeit zu den Local Heros in Mittelhessen. Was lag
also näher, als Berndorf eine Laudatio auf Louis Armstrong
lesen zu lassen, jenen Musiker, der dem SWR-Preis
„Blues-Louis“ den Namen lieh – eine Auszeichnung, die in
diesem Jahr Tom Schröder ereilte, ohne den das Lahnsteiner
Blues-Festival nicht wäre.
Jacques Berndorf hat also seine „Worte über
Louis Armstrong“ vor der sensiblen Piano-Begleitung von
Christian Willisohn mit dem Publikum des 24. Lahnsteiner
Blues-Festivals geteilt, das sich der Rührung nicht erwehren
konnte, als Lilian Boutté „What a wonderful world“
interpretierte. Armstrong hatte das Lied schon 1967 für
den „bitterbösen, zynischen und wunderbaren Film Good Morning
Vietnam“ aufgenommen – doch erst 17 Jahre nach seinem Tod
schoss es in die Charts.
Armstrong, Berndorf, Schröder – drei
Namen im Zwischenspiel des Bluesfestivals, das den Bogen von
„Christian Willisohn´s Southern Spirit“ über „Michael
Burks Band“ bis zu „Georgie Fame & The Blue Flames“
spannte.
„We can make it“ stimmt Willisohn an
und tut es mit seiner kraftvollen aufgerauten Reibeisenstimme zu
den Blue-Notes. Flirrende Bläsersätze mit Trompete und
Tenorsaxophon setzen Unisono-Akzente, das Piano leiht sich
rollende Ostinati aus dem Boogie oder geht noch weiter zurück
in die Ragtime-Zeit. Dazu mixen der Pianist und seine Band
Gospel und Funk sowie Cajun und Creole – und eine Stimme, die
intensiv und ausdrucksstark gerade im langsamen Blues fasziniert
– Lilian Boutté. Ihr überschäumendes Temperament lebt sie
in den kreolischen Rhythmen aus, bevor die Band im Finale den
Sound der Hammond-Orgel und der Bläser mit einem Schuss
Memphis-Soul abrundet.
Energetischer
und treibender Big-City-Blues mit rasenden Glissandi-Läufen auf
der Gitarre sowie durchdringendem Gesang sind das Zeichen von
Michael Burks. Vor der groovenden Rhythmusgruppe führt Burks
Zwiegespräche mit seinem Instrument, lässt er seine
Talking-Guitar Geschichten erzählen. Sie schreit mit hart
angerissenen Saiten auf, blubbert in Vibrati vor sich hin, jault
in lang gezogenen Glissandi. Es ist die Zeit für die ersten
„Yeah“-Lustschreie aus dem Publikum. „Talk me to my
baby” singt Burks soul-satt, “One more chance” bittet er
nach einer knappen Stunde und kommt dem Publikum zuvor, das
frenetisch einige Zugaben erzwingt, die der Mann aus Arkansas
mit einem kurz angespielten, hymnischen „Amazing grace“
abschließt.
Sein Superhit war die Musik „Bonny and
Clyde“. An diesem späten Bluesabend in der Stadt an dem Fluss
mit den „Blue Waves“ – so das Motto des Festivals –
unternimmt der Brite Georgie Fame eine Zeitwanderung durch die
Geschichte seiner musikalischen Erfolge, erinnert an die
Legenden wie Ray Charles und John Hendricks. „The Burdee
Song“mit dem kochenden Tenorsaxophon-Ausflug von Art Theman,
das 1965 entstandene „Yeh, Yeh“, der „Cool cat Blues“
mit einem gleißenden Trompetensolo von Guy Barker in den
High-Notes, „Singing Horn“ oder „Flamingo Allnighter“
bringen die Leute in der Halle endgültig zum Tanzen und zum
rhythmischen Klatschen. „I´m still learning” kokettiert
Fame mit dem Hinweis auf seinen Lehrer Hendricks. Niemand glaubt
es ihm an diesem Abend, an dem der Perfektionist an der
Hammond-Orgel sowie der gleichermaßen einschmeichelnden wie
expressiven Timme mit den Blue Flames ein routiniertes Programm
ohne den geringsten Makel abspult. So lässt sich das Publikum
auf den „blue waves“ der Begeisterung in den frühen Morgen
tragen. |