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Tatort
„Worms – Jazzclub Tunnel 64“: Der Pianist Alexander von
Schlippenbach spielt in den Quintetten von Gunter Hampel und Manfred
Schoof, als der Free Jazz in Deutschland Fuß fasst. Eine aufregende
Musik, die das Herz des Zuhörers im „pulse“ der Musik schlagen
lässt. Jetzt, 43 Jahre später, ergeht es dem Zuhörer beim Konzert
des Jazzpreisträgers 2007 im Foyer des Mainzer SWR nicht anders. Die
Musik hat nichts an ihrer mitreißenden Energie, kreativen
Spontanität, sprunghaften Dynamik und zeitlosen, herben Schönheit
verloren. Die solistischen Spontankompositionen des Pianisten sowie
die kollektiven Improvisationen des Trios mit dem Saxophonisten Evan
Parker und dem Schlagzeuger Paul Lovens belegen, dass die Jury des
mit 10 000 Euro dotierten Jazzpreises - den das Land und der SWR zum
26. Mal vergeben - zu Recht dem 69-jährigen Free-Jazz-Pionier und
–Bewahrer zugesprochen hat.
Auf der Bühne im Foyer des Funkhauses tupft der Pianist in der
tastenden Einleitung ein paar Single-Notes in den Flügel. Den
kleinen Melodiefragmenten setzt er rhythmisch verschobene
Akkordreihen entgegen. Ins freie Spiel werden rhythmisch gebundene
Passagen eingeschoben. Nach einem hart angeschlagenen, rasenden und
sperrigen Lauf wechselt von Schlippenbach abrupt zu
einigen
hingeworfenen Einzeltönen, kurzen Melodielinien, wirbelnden Läufen
und explosiven Handballen-Cluster. Nach ostinaten auf- und
absteigenden Variationen wird das Spiel betont percussiv. Der
Pianist zitiert unter anderem Monk, erinnert an den
Zwölfton-Komponisten Bernd Alois Zimmermann, der einst sein
Lehrmeister war.
Von Schlippenbach improvisiert über die „Twelve Tone Tales“, jene
Solo-CDs, die neben der seit vier Jahrzehnten andauernden Arbeit mit
dem Free-Jazz „Globe Unity Orchestra“ für die Jury ausschlaggebend
für die Verleihung des Jazzpreises waren. Von Schlippenbach sei es
gelungen, die Zwölfton-Musik-Prinzipien in den Jazz einfließen zu
lassen, erläutert Reinhard Kager von der SWR-Jazzredaktion. „Den
ungestümen und doch stets kontrollierten Free-Jazz-Musiker, der
seine geballte Kraft in hochenergetische Improvisationen
verwandelt“, lobt Hörfunk-Direktor Bernhard Hermann bei der
Überreichung der Urkunde.
Powerplay in einem dichten und komplexen sowie vielschichtigen
Kollektiv kennzeichnen denn auch die Stücke des Trios, das im
zweiten Teil des Konzertes das Publikum zu Ovationen hinreißt. Im
Duo von Piano und Percussion nutzt Lovens Metalltäfelchen zur
Lauferzeugung, während von Schlippenbach Akkordeinwürfe beisteuert.
Einige Monk-Phrasen zum durchlaufenden Beat auf den
Backen
ufern pulsierend aus. Freies Spiel wird dann zur Kunst, wenn es sich
in dieser Freiheit dialektisch zur neuen Einheit entwickelt. Das
Zusammenspiel ermöglicht nach langen Jahren der Trioarbeit
traumhafte Interaktionen der Musiker mit den sperrigen Läufen und
Akkordschichtungen auf Schlippenbachs Piano, den endlos
schnatternden Stakkati und in Zirkularatmung ungestüm voraneilenden
Läufen auf Evans Tenorsaxophon sowie der polyrhythmischen, frei
pulsierenden Percussion auf den Becken, Trommeln und allerlei
Klangwerkzeug von Lovens. So entwickelt sich ein mitreißender
musikalischer Kosmos – wahrhaft preiswürdig.
Er wünsche sich, sagt Alexander von Schlippenbach in seiner Antwort
auf die Laudatio und mit einem eindringlichen Appell an die
Rundfunkanstalten, dass man den Free-Jazz nicht nur fördere, sondern
vielmehr aufführe und sende.
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