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Maria
Pia de Vito scattet in der sanglich-weichen Ausdrucksform ihrer
neapolitanischen Heimat. Sie gurrt und schnalzt, seufzt und
schreit verhalten, nimmt ihre Stimme in den Sampler, singt mit
sich selbst mehrstimmig über Loops und Schleifen, lässt ihre
Worte und Vokalisen über Hall und Echo weit in das Dunkel des
Wormser Theatersaales tragen. „Nel respiro“ fasziniert in
der Verbindung des traditionellen mediterranen Gesangs und der
modernen Elektronik – wie das gesamte Konzert der
International Skoda All Star Band von der Integration
unterschiedlichster Individualstile und Kulturkreise lebt.
„Child Song“, der Opener dieses
Abschlusskonzertes der diesjährigen Tournee der
Jazz-Professoren und Dozenten, ist typisch für die Band. Er
beginnt mit ein paar perlenden Melodiefiguren und Akkorden von
Glauco Venier auf dem Piano. Uli Beckerhoff kommt mit weichem,
weit tragendem Ton auf der Trompete hinzu, Gunnar Plümer und
Bruno Castellucci steuern einen durchlaufenden Rhythmus bei. Die
beiden Sängerinnen Norma Winstone und Maria Pia de Vito scatten
beim Ruf-Antwort-Spiel im Duett, Matthias Nadolny lässt sein
Tenorsaxophon in sonorem und leicht aufgerautem Lauf förmlich
atmen, während Peter O´Mara mit der Gitarre eine filigrane
Gitarrenlinie unterlegt. Die Band steigert im Tutti Dynamik und
Intensität, bis dann das „Kinderlied“ mit ein paar
hingetupften Single-Notes auf dem Flügel endet.
Im Kontrast dazu steht Peter O´Maras
„Another Avenue“, das nach einem Duett der Sängerinnen und
einem Duell der Bläser in ein Gitarrensolo mit einem
extrovertierten, rasenden Lauf auf den hart angerissenen Saiten
sowie gleißenden und knalligen Glissandi mündet, ein Ausflug
in einen rockenden und freien Jazz, der vom Schlagzeug
pulsierend unterlegt und vorangetrieben wird.
Das
Konzert der All Star Band lebt von der Abwechslung der
musikalischen Ausdrucksweisen, ohne dass sie in einen
Stilmischmasch verfallen würde, und von den unterschiedlichen
Zusammensetzungen vom A-Capella-Gesang über Trios bis zum
Oktett. Traditionell im klassischen Bebop swingt das Trio mit
Piano, Bass und Schlagzeug. Die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme
beweist Norma Winstone mit weichen schmiegsamen und klar
intonierten Lyrics in Wayne Shorters „Diana“ sowie mit einem
herrlich lasziven und betont ironischen Gesang in Steve Swallows
„Ladies in Mercedes“.
Die Musik der International Skoda All Star Band ist stilsicher
und vielfältig in den Schattierungen, aufregend nicht durch
Aufgeregtheit, sondern durch die Souveränität in einem
eigenwilligen Gruppenspiel, das beim aufmerksamen Zuhörer immer
wieder für Überraschungen sorgt. Die Musiker und Sängerinnen
schöpfen aus den Quellen des zeitgenössischen Jazz, der
klassischen Musik des 20. Jahrhunderts, aus der Vokalmusik des
Mittelmeerraumes und der Jazztradition des Cool-Jazz und
Bebop.Große emotionale Ausdruckskraft sowie virtuose Behandlung
der Instrumente und Stimmen bestechen ebenso wie Spielfreude und
Humor. Die Band verdient mehr Zuhörer als in Worms dem Konzert
lauschten. |