|
Zu lesen
in der
CONCERTO Ausgabe 5-08,
www.concerto.at
Flamenco Meets Jazz Manche kennen ihn schon seit André Hellers Show „Magneten“: Antonio Andrade, einer der profiliertesten und wagemutigsten der jüngeren Flamenco-Gitarristen Spaniens, arbeitet seit einiger Zeit auch mit Sigi Finkel zusammen. Ein CONCERTO-Gespräch zur neuen CD und Tournee.
CONCERTO: Sigi, wie siehst du die kommende Herbsttournee? Sigi Finkel (SF): Einerseits freue ich mich sehr auf die Tour, weil das eine schöne, sehr große, Tour ist. Wir spielen wirklich in großen Häusern, in Sevilla, aber vor allem auch in Deutschland. Andererseits ist man da auch sehr lange unterwegs. Da braucht man schon eine Vorbereitungs- und Probenphase und muss physisch und mental gut vorbereitet sein. Antonio Andrade (AA):
Kann Sigi denn gut
Spanisch? SF: Ich bin ja dann leider mit dem Spanisch nicht weiter gekommen, weil für mich Ungarisch so wichtig wurde, wegen meines Hauses in Ungarn. Und zwei Sprachen gleichzeitig konnte ich nicht lernen. Wenn du 4 oder 6 Wochen mit 8 Spaniern in einem Bus sitzt, dann schnappst du ja viel auf. Es ist dann schon ein wenig öd, wenn du nur ein paar Fetzen verstehst. Die lachen da und haben Spaß, natürlich kann man da übersetzen, aber wenn du unmittelbar in der Gesprächsfolge dabei bist – das ist einfach etwas anderes. Aber jetzt werde ich das sehr ernsthaft angehen. Wie habt ihr euch kennen
gelernt? Ich bin dann nach Spanien gekommen, da haben wir schon an „Vaya con Dios“ gearbeitet. Plötzlich kommt die Nachricht: Der Saxofonist für die aktuelle Tour (also „Noches de Amor“) fällt aus. Die begann aber schon in vier Wochen. Und Antonio meinte zu mir, das wäre ein super Einstieg. Und dann habe ich in diesen paar Wochen versucht, das Programm auf die Reihe zu kriegen. Sie gaben mir einfach eine CD. Als ich nach Noten fragte, meinten sie: Ja, der hat schon irgendetwas aufgeschrieben, aber wir wissen auch nicht so genau… Dann habe ich mir das alles runtergehört. Das war heftig. AA: Ja, also „Hut ab“.
AA: Auf Birgit sind wir damals gekommen, weil André Heller die „Magneten“-Show gemacht hat, bei der ich auch dabei war. Und daraus hat sich dann eine Freundschaft entwickelt, auch mit Sigi. Das ist die Achse Sevilla-Vienna. Die Klangvorstellung
einer
Flamenco-Gruppe mit einem
Saxofonisten/Flötisten neu?
Arbeitet ihr mit Arrangements schon bestehender Musik oder
schreibt ihr neue Kompositionen?
AA: Mir war es auch deshalb wichtig, Sigi Finkel in der Band zu haben, weil der Jazz ja der derzeit letzte große Einfluss im Flamenco ist. Wir haben den Einfluss der Juden, der Zigeuner, der Mauren und so weiter, aber jetzt ist es der Jazz und die Latin Music. Das beweist auch, dass der Flamenco weiterhin lebt und sich ständig entwickelt, da gibt es ständig neue Impulse und Tendenzen.
Gilt Flamenco in Spanien wieder als hip, oder ist er eher
etwas für Traditionalisten? SF: …Ich würde sie gar nicht als experimentell bezeichnen. Wir nehmen neue Elemente dazu, denn für einen, der traditionellen Flamenco hören will, gehört kein Bläser in die Band. Gesang – ja, eventuell noch Gitarre. AA: Ich würde sagen, wir machen einfach unseren speziellen Flamenco. Aber 3 Wochen vorher spiele ich bei einem Festival in Malaga, und da begleite ich einen Sänger, der traditioneller nicht sein kann. Da spiele ich eben total traditionell, wie unsere Vorfahren. Natürlich haben wir die Technik ein bisschen verfeinert… Und ich liebe das auch! Ich mache das nicht, um mich an den Sänger anzubiedern, sondern ich gehe zurück zu meinen Wurzeln, ich denke an meinen Vater, an meinen Großvater, an Andalusien… und das ist ein wunderschönes Erlebnis.
Warum heißt das neue Programm „Vaya con Dios“?
Antonio, in deiner Band spielt die Perkussion eine wichtige Rolle. Warum? Das geht also in die Zeit zurück, als Spanien ein Schmelztiegel aus maurischen, jüdischen und Zigeunereinflüssen war? AA: Ja, der Flamenco ist ja eine Mixtur. Die interessanteste Zeit in Spanien war eindeutig jene, in der Vertreter dieser Kulturen friedlich Seite an Seite gelebt haben. Da gab es einen ständigen Austausch. Deswegen ist Flamenco ja auch so interessant und überraschend. Je mehr du dich damit beschäftigst, desto mehr kommst du drauf, was da alles abgeht. Es ist schon musikalisch anders als alles andere, obwohl es eine europäische Musik ist. C: Arbeitet ihr mit Arrangements schon bestehender Musik oder sind das neue Kompositionen? AA: Nein, nein, das ist alles neu komponiert. SF: Man geht zum Teil von gewissen traditionellen Rhythmen aus – Soleá, Alegría, Buleria – und entwickelt dann selbst Melodien darüber. Genauso wie wenn du sagst: Wir nehmen jetzt diesen Latin Groove oder diesen Salsa-Rhythmus und machen unser Arrangement. Es entsteht auf der Basis dieser Wurzeln. Wie bei einem Jazz-Standard oder einem Blues-Schema… SF: Ja, so in der Art. Obwohl – es gibt jetzt auf der neuen CD zwei, drei Songs… da haben wir z.B. einen Tabla-Rhythmus verwendet, der über die traditionellen 12er-Rhythmen des Flamenco hinausgeht. AA: Mir war es auch deshalb wichtig, Sigi Finkel in der Band zu haben, weil der Jazz ja der derzeit letzte große Einfluss im Flamenco ist. Wir haben den Einfluss der Juden, der Zigeuner, der Mauren und so weiter, aber jetzt ist es der Jazz und die Latin Music – obwohl das schon früher von den spanischen Emigranten wieder zurück nach Spanien kam. Das beweist auch, dass der Flamenco weiterhin lebt und sich ständig entwickelt, da gibt es ständig neue Impulse und Tendenzen. Siehst du in der Rezeption eurer Musik einen Unterschied zwischen Spanien und dem Rest von Europa? Und gilt Flamenco in Spanien wieder als hip, oder ist es eher etwas für Traditionalisten? AA: Da gibt es eine große Bandbreite: Traditionalisten, Avantgardisten, Gemäßigte… Im Moment kann das in Spanien gut koexistieren. Es gibt eben nicht nur einen Flamenco. Wir werden jetzt in Sevilla auftreten, also in der Hochburg des Flamenco, und wir werden unsere neue Show vorstellen, die sicher sehr experimentell ist… SF: …Ich würde es gar nicht als experimentell bezeichnen. Wir nehmen neue Elemente dazu, denn für einen, der traditionellen Flamenco hören will, gehört kein Bläser in die Band. Gesang – ja, eventuell noch Gitarre. AA: Ich würde sagen, wir machen einfach unseren speziellen Flamenco. Aber 3 Wochen vorher spiele ich bei einem Festival in Malaga, und da begleite ich einen Sänger, der traditioneller nicht sein kann. Da spiele ich eben total traditionell, wie unsere Vorfahren. Natürlich haben wir die Technik ein bisschen verfeinert… Und ich liebe das auch! Ich mache das nicht, um mich an den Sänger anzubiedern, sondern ich gehe zurück zu meinen Wurzeln, ich denke an meinen Vater, an meinen Großvater, an Andalusien… und das ist ein wunderschönes Erlebnis.
Artikel und Interview:
Martin Schuster
CD-Tipp: Web-Tipp: Zu lesen
in der
CONCERTO Ausgabe 5-08,
www.concerto.at
|