
Drei muskulöse, buntgewandete westafrikanische Trommler, die so manch einen Klischeetraum ausgelöst haben mögen, entfesseln vom ersten Takt an eine ausschweifende Percussion-Orgie für und gegen Trommelfelle. Alles schlägt, wirbelt, pulsiert, vibriert. Zwei fröhliche Österreicher flechten mit Blasinstrumenten und Keyboards jazzige Elemente ein, ein dritter sorgt mit fetten Bässen für die erschütternde Basis. Es ist eine doppelt geglückte Kooperation: In Zusammenarbeit mit dem Eine-Welt-Forum Düsseldorf stellt die Jazz-Schmiede "Sigi Finkel & African Heart" vor. Und die seit April 1997 bestehende afroaustria kische Formation präsentiert ihre neue CD "Spirits of rhythm" und lebt ihren Slogan "Two continents - one music" vor.
Der Senegalese Lamzo Ba, Leadsänger der Band, bedient nicht nur diverse Trommeln, sondern tanzt auch afroartistisch und rappt afroenglisch. Mamadou Diabate aus Burkina Faso fasziniert auf der Djembe, brilliert aber auch am Balaphon. Sein Landsmann Madou Kone trommelt wild, singt fröhlich und zeigt eine entwaffnende Zahnlücke.
Bandleader, Komponist und Arrangeur Finkel liefert an Tenor- und Sopransaxophon sowie Flöte gemeinsam mit dem Posaunisten Werner Wurm jazzinspirierte Bläsersoli, heiße Riffs, die mit den Trommelwirbeln wetteifern. Martin Mondl lässt mit seinen E-Bässen den Schmiede-Boden seismisch zucken.
Die Absicht dieser lebensbejahenden Musik sei, so Finkel, die bösen Geister zu vertreiben und die guten herbeizurufen. Also beteiligen sich fast alle Musiker an den mystischen afrikanischen Gesängen, schütteln Rasseln, trommeln, zupfen, blasen. Der Raum platzt vor Rhythmus.
Das Publikum in Afrika applaudiere nicht, sagt Finkel; es zolle Anerkennung, indem es tanze. Sogleich tun dies auch zahlreiche Schmiede-Gäste. Denn selten hat man so lebensfrohe Töne aus Felix Austria und dem sonst so unglücklichen Schwarzen Kontinent gehört.
SRDJAN KEKO