
Cheikh, Pathe und Madieng, die Trommler meiner "African Heart" Band, spielen
eine spontane Trommelsession. Wir sind in der Heaven's Mountain Lodge in
Chimanimani/Zimbabwe, am Tag nach unserem Festival-Konzert. Es wunderschöner
Platz hier, sehr grün, umgeben von hohen Bergen, fast wie in den Bergen
in Österreich oder der Schweiz. Benny Hoffart, ein deutscher Entwicklungshelfer
und gleichzeitig Festivalchef, hat uns erklärt, dass die Berge schon zu
Mozambique gehören. Wir sind nur ca. 8 Meilen von der Grenze entfernt. |
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Kurzer
Rückblick: Nach einem fast 18-stündigem Flug von Wien über Frankfurt und
Johannesburg nach Harare werden wir von Mathias Bangure, unserem örtlichen
Manager, abgeholt. Ein Teil unseres Instrumentariums ist in Johannesburg
hängengeblieben und soll nachgeliefert werden. Wir haben noch eine 7stündige
Busfahrt vor uns, die uns in die Grenzregion zwischen Zimbabwe und Mozambique
zum Chimanimani Arts Festival bringt. Ziemlich erledigt kommen wir an, doch
am Festivalgelände ist die Hölle los: Ca. 5-6000 Besucher hören sich die
Bands des ersten Abends an. |
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Benny erzählt uns am nächsten Tag von der grossen Bedeutung des Festivals
für die Region; durch die Besuchermengen profitieren sowohl das örtliche
Kleingewerbe und Kunsthandwerk als auch die Gastronomie. Die Wertschöpfung
bleibt in der Region - da es sonst wenig Jobs gibt eine wichtige Einnahmequelle.
Unsere Instrumente treffen noch rechtzeitig vor Konzertbeginn ein. Um 21
Uhr sind wir auf der Bühne und haben die ersten 2-3 Nummern mit der Technik
zu kämpfen. Dann läuft es ganz gut. Während unseres Konzertes sind im abgesperrten
Raum zwischen Bühne und Publikum vier Feuerjongeure am Werk, die zur Musik
mit Stäben und Ketten Feuerbälle durch die Nacht wirbeln. Eine magische
Situation. Nach dem Konzert begeisterte Glückwünsche - unser Ruf sollte
uns bis zum letzten Konzert der Tour beim HIFA ( Harare International Festival
of the Arts) vorauseilen. Verschiedene Leute sagen mir: "Keep the spirit
of this band!"
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In den nächsten Tagen spielen wir noch zwei weitere Konzerte in Mutare und
Bulawayo. Immer wieder wird über die politische und gesellschaftliche Situation
im Land gesprochen, mit Konzertbesuchern, Österreichern, die im Land leben,
im Hotel .... und jedesmal tut sich eine neue Facette auf. Und oft genug
hört man in einem Gespräch das genaue Gegenteil von dem, was man vorher
gehört hat - was den mitreisenden Journalisten Andreas Felber nach ein paar
Tagen zu einem Stossseufzer über die komplizierte Lage veranlasst.... Während
man hierzulande vor allem von den Farmbesetzungen im letztem Jahr ein eher
beunruhigendes Bild von den Medien vermittelt bekam, stellt sich für den
Besucher die Lage vor Ort anders dar: Das Land ist an der Oberfläche ruhig
und friedlich ( und um auch das zu erwähnen: wunderschön), doch im Gespräch
mit den Leuten ist die Unzufriedenheit mit der sich ständig verschlimmernden
Wirtschaftslage unüberhörbar. Beispiel Devisenkrise: Der US $ hat offiziell
einen derzeitigen Wert von ca. 55 ZIM Dollar; am grauen Markt wird er mit
110 ZIM Dollar gehandelt. Bei der Unabhängigkeit waren die beiden Dollarwährungen
jedoch noch fast gleich stark! Beispiel Benzinkrise: Es gibt nicht genügend
Treibstoff, was dazu führt, dass sich lange Schlangen vor den Tankstellen
bilden, wenn es das Gerücht gibt, dass ein Tanklaster kommen wird. Einmal
mussten auch wir diese Erfahrung machen und stundenlang suchen und warten,
bis wir Benzin für die Weiterfahrt hatten ....
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Szenenwechsel: |
Nach einer Woche Zimbabwe fliegen wir nach Johannesburg/Südafrika, um dort
weitere Konzerte und vor allem Workshops in diversen Highschools zu geben.
Wir werden am Flughafen von Frau Dr. Gudenus von der österreichischen Botschaft
und von Geoff Mphakati in Empfang genommen. Geoff, unser örtlicher Organisator
vom AACA (Association for the Advancement of Creative Artists) ist ein imposanter
60er mit weissem Bart und vielen Erfahrungen, die er uns im Laufe der nächsten
Tage Geschichte für Geschichte erzählt. Dabei wird deutlich, wie tiefe Wunden
die Apartheit geschlagen hat. |
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Geoff kämpft für ein geistig befreites Afrika
- eine Entkolonialisierung auch des Denkens, das noch immer von englischen
Sprachmustern, westlicher Kleidung, Musik, Fernsehen ect. dominiert wird.
Und seltsam genug: In Südafrika sieht man keine traditionelle afrikanische
Kleidung mehr auf den Strassen, man hört Afro-Pop (Betonung auf Pop) im
Radio. Welch ein Gegensatz zu unseren Erfahrungen im Senegal letztes Jahr:
Dort konnte man alle diese Elemente noch finden, die Menschen sind stolz
auf ihre afrikanische Kultur. |
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Unser Programm für diese Woche besteht aus vier Workshops, die wir in den
Townships von Pretoria und Johannesburg abhalten sowie 3 Konzerten in diesen
Städten (zwei davon im renommierten State Theatre in Pretoria, dem ehemaligen
Staatstheater der Apartheitsregierung). Vor allem die Workshops sind für
die ganze Gruppe (neben Madieng Fall, Pathe Beye und Cheikh M'Boup aus dem
Senegal auch noch die Österreicher Werner Puntigam/Posaune und Martin Mondl/Bass)
bewegende und eindrucksvolle Erlebnisse. |
Da sitzen diese 11-16jährigen Jungen
und Mädchen in ihren Schuluniformen, wir erklären unsere Instrumente und
fangen einige Stücke an zu spielen - und plötzlich ist ein Leben in der
Bude, es wird gesungen, gejohlt und getanzt! Und auch hier wieder: Zwei
Lehrer kommen und sagen zu mir: "Keep the spirit of the band!" |
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Nach einem der Workshops fragt ein 12jähriges Mädchen unseren Leadsänger
Cheikh voller Verwunderung:"Sag mal, wie bist Du eigentlich mit diesen Weissen
zusammengekommen?" Eine Frage, die mehr als deutlich ein Schlaglicht auf
die de facto immer noch bestehende Trennung der Gesellschaft in Südafrika
wirft. Hier die Weissen in ihren Wohngegenden, Shopping-Centern, Schulen
ect. ...man hat das Gefühl, in einer euro-amerikanischen Grossstadt zu sein
- und alles ist mit Stacheldraht umzäunt. Und auf der anderen Seite die
schwarze Bevölkerung in den Townships, schlechte Infrastruktur, niedriges
Bildungsniveau ... und plötzlich ist man wieder in der 3. Welt. |
Am letzten Tag vor unserer Abreise werden wir von unseren südafrikanischen
Organisatoren noch auf einen Trip nach Soweto mitgenommen. Nahezu 6 Mio.
Einwohner leben hier auf engem Raum zusammen, allgegenwärtig sind die kleinen,
ebenerdigen Ziegelhäuser, die die Apartheitsregierung bauen ließ, um die
schwarze Bevölkerung aus den Städten abzusiedeln und buchstäblich an den
Rand (der Stadt, der Gesellschaft...) zu drängen. |
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Szenenwechsel: |
Wir fliegen wieder zurück nach Harare/Zimbabwe, um am HIFA teilzunehmen.
Festivalchef Manuel Bagorro hat hier einen Event kreiert, der allein schon
ob seiner Größe beeindruckt. Tanzperformances, Klassische Konzerte, Workshops,
Ethnobands und natürlich auch Jazz finden sich im Programm des Festivals,
das hervorragend organisiert ist.
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Ich höre mir den Eröffnungsabend an, eine grosse Produktion als Hommage
an Duke Ellington mit Big Band, Chor, Gesangssolisten, Sprecher, Step- und
Showtänzer. Und wieder beschleicht mich ein seltsames Gefühl: Wir sind mitten
in Afrika, und sowohl auf der Bühne als auch im Publikum (das in Massen
mit Campingsesseln und Kühlboxen anrückt) sieht man fast nur weisse Gesichter.
Dabei wird hier die Musik eines der grössten afroamerikanischen Komponisten
gefeiert! |
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Am nächsten Tag stehen wir auf der gleichen Bühne, um unser Konzert im Rahmen
des Festivals zu geben. Erfreulicherweise ist das Publikum gemischter als
am ersten Abend. Die Band spielt sehr motiviert, und als dann in den ersten
Reihen die Leute (z.T. mit richtigen Choreographien!) zu tanzen anfangen,
steigert sich die Band zur Höchstform. Und wieder höre ich nach dem Konzert
diese Stimmen: "Keep the spirit of this band!"
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Tags darauf gibt der österreichische Botschafter in Zimbabwe, Herr Leitenbauer,
anläßlich unseres Konzertes einen Empfang in seiner Residenz. Wieder ist
viel von der derzeitigen Wirtschaftskrise die Rede und ich höre, dass die
Investitionen dieses Jahr um katastrophale 90 % (!) gegenüber dem Vorjahresvolumen
gesunken sind. Langsam neigt sich unser Aufenthalt dem Ende zu.
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Am letzten
Tag vor unserem Abflug werden wir von Freunden auf einen Ausflug in die
Hügel um Harare mitgenommen - es erwartet uns eine wunderschöne Landschaft
und als krönender Abschluss ein spektakulärer Sonnenuntergang - Bilder,
die wohl noch lange haften bleiben. Am Abend höre ich mir noch die englische
Sängerin Juliet Roberts mit dem Saxophonisten Denys Baptiste an; eine gut
disponierte Band mit einer Sängerin, die auch Entertainment-Qualitäten beweist.
Der Tag unserer Abreise ist gekommen. Wehmütig verabschieden wir uns von
allen Bekannten. |
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 Good bye, Zimbabwe; ich hoffe, ich kann all die Versprechen wiederzukommen
bald einlösen! |
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Mein abschliessender Dank gilt dem österreichischen Aussenministerium,
Red Bull sowie den
Casinos Austria
, ohne die diese Tournee nicht hätte realisiert werden können.
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