| "7 Years from now" - das Konzert fand damals im
Romanischen Keller in Heidelberg statt: Hank Roberts Solo. Anfang 1990 war er bereits mit
Mark Feldman und Mark Dresser in der Formation ARCADO im dortigen Jazzkeller aufgetreten,
und die drei hatten ein prächtiges, gutgelauntes Konzert abgeliefert. Mark Feldman kam
mit einer abnehmenden Flasche Rotwein in zunehmende Spiellaune und das ganze Konzert war
von einer ungewöhlich heiteren und gelösten Atmosphäre. Entsprechend groß dann die
Freude über die Ankündigung eines Solokonzerts von Hank Roberts Ende des gleichen
Jahres. Hank Roberts mit seinem Cello und ein paar elektronischen Spielerein, mit
Spielfreude und Spielwitz. In diesem Konzert präsentierte er viele Stücke aus seiner
damals aktuellen CD Black Pastels. Eine kurzweilige Tour de Force durch verschiedenste
Musikstile, Jazz gemischt mit Rock, Countryelementen, Blues, Folk. Ein großartiger
Musiker der das Publikum begeisterte. Seine jetzige CD -
die späte Antwort auf einen spontanen Wunsch der einem nach dem Konzert sofort in den
Sinn kam: SOLO.
Sieben Jahre später liegen die erhofften Aufnahmen nun vor, und
diese Zeit scheint an Hank Roberts nicht spurlos vorübergegangen zu sein. Schon auf den
Bildern, die sich im Booklet der CD finden sieht man einen anderen Hank Roberts, kein
neckischer Pferdeschwanz ziert mehr den Nacken, auf den Photographien ist ein ernster
Roberts zu entdecken. Auch die Musik durchzieht dieser Ernst. Wo vor Jahren noch der
Schalk an allen Ecken und Enden in Musik und Auftreten durchblitzte ist die Musik dieser
CD elegisch. Technische Mittelchen werden nur sparsam in Form einiger im Studio
eingearbeiteter Overdubs eingesetzt, ansonsten dominiert auf der CD der unverfälschte
Klang des Cellos. Einen wesentlichen Anteil am kontemplativen Charakter dieser CD hat mit
Sicherheit der Aufnahmeort: ein abgelegenes Kloster.
In den Liner-Notes schreibt Hank Roberts: "Mein Freund und
Aufnahmeleiter, Larry Helmeczy, entdeckte den Platz und half mir dort einige
Aufnahme-Sessions spätabends anzusetzen. Wir nahmen in der unterirdischen Krypta und in
der weitläufigeren Kapelle auf. Ich genoß die abgeschiedene Stille und die akustische
Qualität der beiden Räume. Im Grunde war es mein Ansatz, was immer mir in den Sinn kam
zu spielen und zu singen, ergänzt um einige wenige auskomponierte Stücke und einige im
Studio bearbeitete Kompositionen."
Dieser charakteristische Ort hat Roberts Improvisationen stark
beeinflußt. Eher klassisch und aus einem Guß wirkt die CD. Obwohl das Gros der
CD frei improvisiert ist wirken diese Improvisationen niemals auch nur einen Hauch
beliebig. Die klösterliche Atmosphäre umfängt alle Stücke dieser CD. Kontemplative
Musik, oft langgezogene Bögen, man spürt die Konzentration des Musikers und den
inspirierenden Geist der Umgebung. Trotzdem erkennt man immer "seinen" Hank
Roberts. Alle Stilelemente, die man von ihm kennt sind vertreten: der Gesang - eher
spärlich eingesetzt, die raumgreifenden hymnischen Linien, die flageolettierten Akkorde,
die flink gesetzten Läufe.
Immer wieder - und das ist sicherlich das prägende Merkmal der
Aufnahmen - nur die einfachen Linien des Cellos die im Zusammenspiel mit dem Raum eine
spezifische Atmosphäre von Intimität schaffen. Schließt man die Augen so sitzt man
sofort mit in der Kapelle.
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