TheJazzPages
Musiker/Aktuelle CD

Hank Roberts: 22 Years from now

Hank Roberts: 22 Years from Now

"7 Years from now" - das Konzert fand damals im Romanischen Keller in Heidelberg statt: Hank Roberts Solo. Anfang 1990 war er bereits mit Mark Feldman und Mark Dresser in der Formation ARCADO im dortigen Jazzkeller aufgetreten, und die drei hatten ein prächtiges, gutgelauntes Konzert abgeliefert. Mark Feldman kam mit einer abnehmenden Flasche Rotwein in zunehmende Spiellaune und das ganze Konzert war von einer ungewöhlich heiteren und gelösten Atmosphäre. Entsprechend groß dann die Freude über die Ankündigung eines Solokonzerts von Hank Roberts Ende des gleichen Jahres. Hank Roberts mit seinem Cello und ein paar elektronischen Spielerein, mit Spielfreude und Spielwitz. In diesem Konzert präsentierte er viele Stücke aus seiner damals aktuellen CD Black Pastels. Eine kurzweilige Tour de Force durch verschiedenste Musikstile, Jazz gemischt mit Rock, Countryelementen, Blues, Folk. Ein großartiger Musiker der das Publikum begeisterte.

Seine jetzige CD - die späte Antwort auf einen spontanen Wunsch der einem nach dem Konzert sofort in den Sinn kam: SOLO.

Sieben Jahre später liegen die erhofften Aufnahmen nun vor, und diese Zeit scheint an Hank Roberts nicht spurlos vorübergegangen zu sein. Schon auf den Bildern, die sich im Booklet der CD finden sieht man einen anderen Hank Roberts, kein neckischer Pferdeschwanz ziert mehr den Nacken, auf den Photographien ist ein ernster Roberts zu entdecken. Auch die Musik durchzieht dieser Ernst. Wo vor Jahren noch der Schalk an allen Ecken und Enden in Musik und Auftreten durchblitzte ist die Musik dieser CD elegisch. Technische Mittelchen werden nur sparsam in Form einiger im Studio eingearbeiteter Overdubs eingesetzt, ansonsten dominiert auf der CD der unverfälschte Klang des Cellos. Einen wesentlichen Anteil am kontemplativen Charakter dieser CD hat mit Sicherheit der Aufnahmeort: ein abgelegenes Kloster.

In den Liner-Notes schreibt Hank Roberts: "Mein Freund und Aufnahmeleiter, Larry Helmeczy, entdeckte den Platz und half mir dort einige Aufnahme-Sessions spätabends anzusetzen. Wir nahmen in der unterirdischen Krypta und in der weitläufigeren Kapelle auf. Ich genoß die abgeschiedene Stille und die akustische Qualität der beiden Räume. Im Grunde war es mein Ansatz, was immer mir in den Sinn kam zu spielen und zu singen, ergänzt um einige wenige auskomponierte Stücke und einige im Studio bearbeitete Kompositionen."

Dieser charakteristische Ort hat Roberts Improvisationen stark beeinflußt. Eher klassisch und aus einem Guß wirkt die CD. Obwohl das Gros der CD frei improvisiert ist wirken diese Improvisationen niemals auch nur einen Hauch beliebig. Die klösterliche Atmosphäre umfängt alle Stücke dieser CD. Kontemplative Musik, oft langgezogene Bögen, man spürt die Konzentration des Musikers und den inspirierenden Geist der Umgebung. Trotzdem erkennt man immer "seinen" Hank Roberts. Alle Stilelemente, die man von ihm kennt sind vertreten: der Gesang - eher spärlich eingesetzt, die raumgreifenden hymnischen Linien, die flageolettierten Akkorde, die flink gesetzten Läufe.


Immer wieder - und das ist sicherlich das prägende Merkmal der Aufnahmen - nur die einfachen Linien des Cellos die im Zusammenspiel mit dem Raum eine spezifische Atmosphäre von Intimität schaffen. Schließt man die Augen so sitzt man sofort mit in der Kapelle.