Im folgenden werden die Artikel auszugsweise zitiert.
1958 "Laßt die Kalebassen schnarren!" / Heim und Werk, 11, 1958, S. 28-29
"Jazz scheint Musik für Leute zu sein, die es eilig haben" . Der (anonyme) Autor des Artikels scheint vom Tempo des Jazz als ihm wesentliches Charakteristikum sehr beeindruckt zu sein und erklärt die Etymologie des Wortes Jazz damit, daß es von dem englischen chase, was soviel wie hetzen bedeuten soll, herrührt (Kluges etymologisches Wörterbuch 1989 stellt fest, daß die Herkunft des Wortes Jazz ungeklärt sei). Geht es nach dem Autor, so "ist Jazz eine ganz neuartige Musik aus den Südstaaten der USA, die heute alles was jung ist, auf ihrer Seite hat." Wir dürfen anhand dieses Satzes annehmen, daß der Autor wohl nicht mehr ganz so jung ist und sich zudem über sein Sujet nicht allzu eingehend informiert haben kann, sonst wäre ihm vielleicht nicht entgangen, daß Jazz doch nicht mehr eine so ganz neuartige Musik aus den USA ist. Schließlich gab es schon einige Aufnahmen von Bird...
Der Autor ist allerdings der "neuen" Musik nicht grundsätzlich feindlich gesonnen, stellt er doch fest, daß "Jazz an sich ... weder kitschig noch gar unanständig (sei), wie seine Gegner einwenden" zu denen er sich offensichtlich nicht zählt. Eine gewisse Furcht erfüllt ihn dann aber doch wenn er feststellt "Jedenfalls können wir unsere Augen und unsere Ohren kaum mehr davor verschließen, daß mit dem Jazz etwas neues in die Welt gekommen ist, das über die Gemüter unserer Jugend mehr und mehr Macht gewinnt. Der Wiener Walzer war auch einmal so eine singende, klingende Betörung. Er ist es heute längst nicht mehr im gleichen Maße: Die flüsternden Geigen sind verdrängt worden durch Eselskiefer und Kalebasse." Rhythmusinstrumente der abstruseren Art scheinen es dem Autor des Artikels ganz besonders angetan zu haben:
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"Der Eselskiefer hat es offenbar in sich, das wahre, echte rhythmische Geklapper, ohne das auch die schönste Musik für die Ohren unseres musikbegeisterten Nachwuchses nichtssagende ""Schnulze"" ist. Schnulze - ein Todesurteil! Aber wie, wenn einer der Champions des Dixieland das Lied vom treuen Husar oder von der Waldeslust auf einem Eselskiefer intonierte oder begleitete? Das wäre dann ein Ohrenschmaus - oder etwa nicht?" Interessant hier auch die dezente Aufschrift "Cuba" auf dem Kiefer... |
| "Urwaldfrüchte, wie sie im morastigen Stromgewirr des Amazonas an den Bäumen hängen mögen... Das Klappern gehört eben im Reich des Jazz auf so bezeichnende Weise zum Handwerk, daß man sich Ver- dutzt fragen muß: Was kam zuerst - Das Ei oder die Henne? Die Klapper oder die Musik?" |
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"...wenn die Teenager sich selbst überlassen bleiben, greifen sie nur allzu gern zu Trommel und Schlagzeug, von Kopf bis Fuß auf Rhythmus eingestellt." Es besteht allerdings Hoffnung, denn "gerade die musikalisch Begabtesten, bringen allerdings nach einiger Zeit das bloße Rhythmusklopfen wie eine Art Kinderkrankheit hinter sich und ringen sich eines Tages doch zur Harmonie durch. Der Weg von Jazz zu Bach ist gar nicht mehr so ungewöhnlich." Der Schreiber des Artikels kommt schließlich zu einem geradezu versöhnlichen Schluß wenn er meint, daß man es mit denjenigen Musikpädagogen halten solle, die der Meinung sind: "" Nur austoben lassen! Sogenannte Urwaldmusik "" - der Jazz ist allerdings nach Auffassung auf kritischer Fachleute weit mehr als nur ein primitiver Dschungelradau!"" - ist immer noch besser als gar keine Musik. Wer Ohren hat zu hören, der wird' s schon hören"".
Heim und Werk: "Jazz in der Freizeit"
1960