

Ich hatte ein bisschen ein Problem ab den 80ern mit Jazz. Es kam auf einmal zu -
so wie auch in der Gesellschaft insgesamt – einem Wandel zur
„Image-Gesellschaft“, des Business, des Managements, des Marketings; und die
Musik, finde ich, hat nicht mehr „das“ gehabt - jetzt verändert es sich
wieder - also, „das“ nicht mehr gehabt, was wir früher so gut daran
fanden. Dieses Inspirative, das Innovative, das Sich-Versenken, dieses
„Coltrane“, dieses „Miles Davis“, dieses „Ding“, dieses wirklich Tiefe.
Darf ich hier einmal einhaken? Auf der anderen
Seite gab es doch parallel immer Leute wie – ich nenne jetzt mal bewusst deinen
Mitspieler beim „Third Eye
Projekt“, William Parker –
großartige Musiker…
...sowieso.
Natürlich gab es einen Ornette Coleman, immer, und hoffentlich noch ganz lange -
das heißt, es hat nicht aufgehört. Aber was in den 80er Jahren doch passiert
ist: Der Free Jazz war noch gar nicht weg und alle haben sozusagen aus der
eigenen Musik heraus auf diese Musik geschimpft.
Es war die eigene Tradition! Ich habe das bis heute nicht verstanden, dass das
Große aus den eigenen Reihen nicht geschätzt wird. Die eigenen Leute schimpfen
und machen das schlecht. So war das nun einmal, und ja, das habe ich nie richtig
verstanden. Ich habe den Pat Metheny und die Yellow Jackets auch geliebt aber
das war dann „woanders“.
Im Nachhinein habe ich mir gedacht: jetzt weiß ich, warum ich da ausgestiegen
bin. Es war vorher eine andere Tiefe – nein - es war eher eine Höhe.
Es ging mir darum, diesen besonderen „Spirit“ für mich zu beleben und ich glaube
auch, das ist ein sehr sozialer Geist. Der entwickelt sich im Moment wieder
etwas, finde ich. Wir haben gesehen, was uns die 80er Jahre, an Entwicklung in
wirtschaftlicher und geistiger Hinsicht gebracht haben. Es brennt überall, ja?
Die Welt ist am Ende...
…ich wollte es gerade sagen: Im Moment haben
wir keine positive Entwicklung…
Das ist meiner Meinung nach alles in den 80er Jahren entstanden. Natürlich im
besten Willen, klar. Aber es ändert sich. Ich glaub‘ es wird sich total ändern;
dass das Soziale wieder eine größere Rolle spielt. Davor hörte ich seit Jahren
immer nur : „Hast du eine Band?“, „Hast du ein
Projekt?“ Es waren dauernd fünf Solisten auf der Bühne…
Im Prinzip siehst du also jetzt eine positive
Entwicklung im Jazzbereich. Dass der Zusammenhalt eher wieder wächst und man
wieder mehr auf Qualität und Kooperation achtet?
Ich kann‘s nicht sagen, ob das bereits wirklich so ist. Mir ist es immer wieder
passiert, dass ich so etwas für mich gesagt habe und dann habe ich gesehen – aha
– ich bin da zwei Jahre vor dieser allgemeinen Entwicklung. Ich fühle es in
mir...nein, man sieht es tatsächlich rundherum…
Wir haben es gesehen, 2002, bei der Überschwemmung, wie die Leute
zusammenkommen, ja, in Deutschland, Österreich - überall: Oder jetzt, heuer in
Polen – das macht sozial. Wenn es noch so schlimm ist, dass es am Ende nicht
über den Kopf geht sondern über den Tod…

Vielleicht liegt es auch an diesem ganzen
Wirtschaftschaos - von dem man mehr oder weniger mitbekommt - dass sich da eine
andere Einstellung entwickelt? Dass man gewisse Sachen mehr Wert schätzt, dass
es weniger um Hochglanz geht, sondern eher um den Kern auch von Musik oder Jazz.
Ja, das finde ich. Ich glaube, dass es so ist und dass es so sein wird, in den
nächsten Jahren, es wird so anders werden. Ich bin mir sicher! Ich habe so gern
diese Musik gehabt, diesen Coltrane Geist, Albert Ayler, dieses Tiefe, diese
Inspiration, „the Spirit“.
Dein Projekt „Third Eye“ hier in Saalfelden
fand ich großartig. Ein echtes Highlight des Festivals. Es war lebendig, es war
komponiert aber voller Improvisation und du hattest tolle Mitspieler. Vielleicht
könntest du ein paar Worte zu denen sagen. Eine großartige Besetzung mit William
Parker, Hilary Jeffrey, Tony Buck und Hayden Chisholm – ein enormer Saxophonist,
der sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt hat…
Ich habe zu meinem 40. Geburtstag vor 7 oder 8 Jahren beschlossen –
es war natürlich früher schon immer ein bisschen so - aber ich habe damals
endgültig beschlossen: Ich spiele nur mehr mit Leuten, die ich verehre. Die ich
schätze, die ich liebe, deren Musik und deren Fähigkeiten ich einfach groß
finde. Hayden – wir lieben uns seit vielen Jahren - ja, alle zwei Jahre haben
wir die Chance einmal zusammen zu spielen.
Das gleiche mit Hilary. Wir sind einfach „two brothers“ im Sound, im Fühlen und
ich wollte immer mit im spielen - aber verdammt nochmal - wer gibt uns die
Möglichkeit - den Hayden und den Hilary zusammen zu bringen und ich darf dabei
sein. Und dann mein alter Freund Tony Buck, mit dem ich musikalisch durch – man
sagt, durch dick und dünn, nein, immer fett gegangen bin (lacht) - also jetzt
menschlich und musikalisch…

…und nun hatte ich die Gelegenheit!
Dann war ich in New York und es gab ein Trumpet Summit, das
font music - Festival for New Trumpet, mit
unter anderem Dave Douglas und Joe McPhee, Herb Robertson und vielen anderen und
ich war noch eingeladen, und John Betsch und Willam Parker haben
gespielt und da hat es bei mir mal wieder gefunkt.
Da bin ich so erwacht, dieser Musik bezüglich, und ich habe gedacht:
„Nein, das gibt’s gar nicht! Es lebt weiter, es ist total da und es ist so
stark“. Und so habe ich mir gedacht, ich frage William Parker einfach.
Er ist relativ jung, dafür, dass er echte "Jazz-Geschichte" ist. Und er ist ein
wirklicher Wächter und Träger von diesem „Gold“ und ich habe mich wahnsinnig
gefreut, wie er ja gesagt hat. Und wir hatten hier auch wahnsinnig schöne
Konditionen, nämlich eine Woche lang in den sonnigen Bergen zu üben und zu
diskutieren. Niemand sonst war hier, wir hatten wirklich eine tolle Woche und so
war das wahnsinnig schön.

Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob „Third
Eye“ ein einmaliges Projekt bleibt.
Es hängt damit zusammen, dass ich kein Mitglied der „Image-Gesellschaft“ werden
will: Ich rufe niemanden an. Ich habe auch keine Agenten oder so… Ich spiele
trotzdem sehr viele Konzerte und deswegen war das immer in den letzten Jahren
einfach so: Ein Projekt und dann das Nächste. Aber ich würde es mir wünschen,
dass wir das wieder machen können. Und ich glaube auch, dass würden alle gern…
Mein Satz war eigentlich zur Musik: Ich möchte aufhören mit diesem Wettbewerb.
Ich möchte nicht an diesem Wettbewerb teilnehmen, den Festivals bieten. Den sehe
ich auch gar nicht so: das ist eine Werkschau, es ist alles Mögliche, es gehört
zum Ganzen. Aber ich wollte herkommen mit dem „dritten Auge“ und dem „offenen
Herzen“, das war mein Wunsch und das ist gelungen. Das war wahnsinnig schön.
Es wirklich gelungen und es ist ja trotzdem
auch ein ökonomisches Thema und es gibt die Notwendigkeit für Musiker
"verbreitet zu werden" oder sich „auszubreiten“, im allerbesten Sinne. Wie kommt
man über die Runden? Ganz trivial gefragt: wie funktioniert das bei dir?
Ich spiele immer sehr viel. Normalerweise spiele ich im Jahr
mindestens hundert Konzerte, das heißt, jeden dritten Tag und in Wien ist es so,
dass ich alles Mögliche mache. Das ist meine echte Übe-Baustelle…
Jetzt bin ich gerade mit Liedermachern unterwegs, das spielt sich nur in Wien
ab, dann hatte ich ein paar Jahre arabische Musik, dann - in Wien gibt‘s ja gute
Elektroniker - sehr viel elektronische Musik und all die Mischformen - außer
Jazz. Ich habe da niemanden gefunden, der das so existenziell sieht wie ich.
Es gibt vielleicht ein paar, aber.. …naja für mich gilt einfach „gut spielen“.
Ich glaube, dass das wichtig ist – das machen eh alle… (lacht). Auch das
Soziale. Ich merke oft – ja, jetzt kommen wir wieder auf dieses Image-Thema – da
kommen Kollegen und sind einfach „besser“ oder sind „mehr“ als die anderen.
Das geht nicht, ja? Ich meine, das geht vielleicht bei Miles Davis, wenn es dann
völlig „Fantasy“ ist, dann ist es etwas anderes – aber ich finde der Respekt zu
den eigenen Leuten, der muss da sein.
„Besser“ oder „schlechter“ ist ja auch ein
unglaublich blödes Kriterium. Wenn wir über einen Trompeter wie Don Cherry
sprechen, das war technisch sicher kein grandioser Instrumentalist, darum geht
es ja eigentlich auch nicht. Und auch Miles Davis - jeder klassische
Trompeter oder ein Wynton Marsalis würde sagen, wenn er nicht ein wenig Respekt
hätte…
…ja zum Glück ist das so, weißt Du, das finde ich so schön: Eine Trompete ist
nur ein Metallding, das ist gar nichts, das hat nichts mit Kunst, nicht mit
Musik eigentlich zu tun. Das ist ein Ding. Und wenn man da herein blast, kommt
halt etwas raus. Beim einen ist es Kunst, beim anderen ist es Musik, beim
anderen sind’s Töne. Ich finde es gut, dass es so bleibt. Und ob der Herr
Don Cherry mit dem Arsch oder mit dem Ohr oder dem Mund reinblast – es war immer
genial.
Ich durfte auch noch ein paar seiner Konzerte
erleben. Es war einfach toll, wobei viele Leute nur den Kopf schüttelten. Aber
das ist immer so und bei besonders guter Musik scheinbar besonders so…
Ja, aber wenn wir uns einmal ein Symphonieorchester mit deren Dirigent anschauen
schüttelt man auch den Kopf und das macht auch nichts… Ich finde das gut (lacht)
– das macht Bewegung...
Eine technische Frage: Du spielst eine
Vierteltontrompete und auch Hayden Chisholm ist ja ein Vierteltonkünstler.
Vielleicht ein paar Worte zu diesem Konzept? Ist das mehr als eine
Modeerscheinung?
Keine Ahnung.
Dumme Frage?
Nein, nein gute Frage. Ich weiß nicht, ich stecke ja immer in etwas drin und
sehe nicht so sehr, was um mich herum passiert. Ich hatte dieses Instrument
gekriegt. Das hatte der Franz Weber aus Inzell am Chiemsee gebaut, für einen
Freund von ihm mit einer arabischen Freundin mit der er arbeiten wollte. Dann
hat es so lange gedauert bis das Instrument fertig war, dass sich die beiden
bereits getrennt hatten und dann wollte er dieses Instrument am Arsch nicht mehr
haben. Ich habe das zufällig gehört, von einem Kollegen, und habe angerufen und
er hat sie mir verkauft. Ich glaube er hatte sie dann damals in eine Plastiktüte
gepackt und geschickt, und ich hatte den Eindruck, dass er wollte, dass die
kaputt geht. Nein, sie kam an und so kam ich zu diesem Instrument. Ich habe dann
lange Zeit herum probiert.
Ich habe keinen richtigen Ansatz gefunden wie ich Vierteltöne spielen konnte.
Ich war damals sehr mit neuer Musik beschäftigt, der abstrakten Musik, ich
dachte so im Frequenzdenken aber es ist mir nicht gelungen, weil ich doch mein
Herz für die Musik brauche. Den Kopf schon aber zuerst das Herz und dann den
Kopf. Und dann habe ich mit den Arabern, mit ein paar Freunden, palästinensische
und arabische Musik gemacht und habe langsam begonnen zu hören. Ich wollte
zuerst nicht in den ethnischen Bereich gehen, weil, wenn man so etwas macht, das
bleibt dann hängen. Ich wollte diesen Einfluss nicht, sondern wollte sozusagen
das Intellektuelle aus der neuen Musik – so hatte ich mir das gedacht. Das hat
dann nicht funktioniert und ich bin in die Ethnomusik gegangen und habe dann ein
paar Töne gelernt, die ich wirklich höre.

Im Vierteltonbereich… mit Hayden, so alle paar Jahre haben wir uns getroffen,
Hayden und der Nils Wogram. Mit denen habe ich gespielt, vor ein paar Jahren,
der Frank Gratkowski hat mich damals eingeladen - das sind alles ehrenwerte
Kollegen, das sind echt Supertypen – tja, so hat es sich ergeben. Hayden ist ja
eine ganz andere Generation und Nils, die sind da einfach so reingegangen. Und
dem Hayden zuzuhören, wie er das so macht, das ist echt außergewöhnlich. Der
Hayden, der kommt noch einmal ganz groß raus, das hoffe ich zumindest für ihn.
Man hat den Eindruck, obwohl manche Leute ja
lange in diesem Zustand verharren. Es ist auch schwierig…
…außerdem: Was heißt schon „groß rauskommen“… sein jetziges Leben ist schon groß
raus...
Wohl wahr. Gestern Abend hat er ein Solo
gespielt, das habe ich gedacht „Charlie Parker, zieh dich warm an“…
Ja – wow – also jetzt in diesen fünf Tagen Proben er hat es wirklich - hmmmm –
super gemacht, und er war bei der Aufführung am besten von all den Tagen – er
hat so gut gespielt. Am liebsten wäre es mir ich könnte überhaupt nur zuhören.
Eine andere Frage – weg von Saalfelden. In
Wien gibt es ja seit einiger Zeit die Jazzwerkstatt Wien. Hast Du dazu auch
einen Bezug?
Ja, ja ich habe 20 Jahre unterrichtet in der früheren Musikhochschule, danach an
der Universität für Musik und Darstellende Künste. Da waren ganz viele: Ich habe
20 Jahre gearbeitet und ich glaube die Hälfte war bei mir zu irgendwelchen
Arrangement- oder Improvisationskursen: Ja, die sind super. Weltklasse. Es ist
eine total gute Chance.
Man weiß nie, was zehn Jahre später ist. Es gibt Generationen, da gibt es
überhaupt keine Bildung; wie es war bei Puschnig in dieser Generation - da sind
nur vier, fünf übrig geblieben. Der Wolfgang Reisinger, Wolfgang Mitterer
natürlich und ein paar mehr noch, aber das sind die „Heights“. Und in meiner
Generation fast niemand, Wolfgang Muthspiel, Christian Muthspiel, meine alten
Schulfreunde und so…
Bei denen (FS: Jazzwerkstatt) ist es so, die sind jetzt etwa 50 Leute.
Ich kenne sie alle – nein, von den 50 kenne ich wahrscheinlich 40 sehr, sehr
genau. Die machen das wahnsinnig gut und ich hoffe, dass da mehr als fünf übrig
bleiben, weißt du. Irgendwann wird es dann echt eng, wenn es um das „Eigene“
geht. In den Kollektiven ist es immer sehr nett aber was dann echt über bleibt,
an Essenz im Kompositorischen, im Klang, in der Musik, im Können, im Spirit, da
hoffe ich doch sehr für alle. Weil: das wäre für Wien wahnsinnig gut.
Meine Generation waren seit den 80ern die erste „Ausgebildeten“ – mit ganz
schlechten Lehrbedingungen. In Graz ist eine Schule gewesen, die haben ja alles
selbst erfunden, das waren zwei, drei Leute und die meisten haben ihre
Lehrmethoden selbst erfunden. Da wäre es gescheiter gewesen, ein Buch zu lesen,
das muss ich ehrlich sagen. Also, was an meiner Lippe verbrochen wurde - ...das
waren echte Dilettanten.
Meine Generation, die haben das dann gelernt und ich habe selbst 20 Jahre
unterrichtet und das genau mit verfolgt. Auch im pädagogischen Austausch - ich
bin immer sehr viel getourt - das heißt wir haben nichts selbst erfunden sondern
aufgenommen, was wir echt gesehen haben. Das war ja auch nicht nur bei uns so,
sondern seit den 80ern allgemein.
1981 gab es in Hilversum eine Schule und in Graz. Und dann kam Köln und jetzt
gibt es in jedem Bezirksdorf eine Jazz-Schule. Es gibt ja keine Jobs, keine
Clubs, es gibt kein Publikum eigentlich. Ja, das heißt sie müssten alle
irgendwie zuhause spielen – das ist ja keine Musik!
Insofern finde ich diese Bewegung OK. Wenn wir alle zuhause sitzen, ein jeder
da, ist‘s blöd aber wenn wir gemeinsam zuhause sitzen und einen Schritt weiter
gehen, dann hat man die Jazzwerkstatt. Dann gehen wir alle raus und jeder bringt
zwei Freunde mit und dann sind wir hundert und hundert ist voll.
Ich bin froh, dass die etwas machen und so wundere ich mich nicht, das finde ich
ganz normal. Wenn’s nicht wäre - wir würden es nicht vermissen, wir würden uns
nicht wundern, aber wie es so ist, empfinde ich das total logisch und so kann
man endlich mal etwas Positives sagen.

Zu dem „positiv sagen“, zur Jazzausbildung.
Das kam ja jetzt so rüber, dass es letztlich eine gute Sache ist. Aber wie sieht
es mit dem „Spirit“ aus, denn du angesprochen hast – den lernt man dort doch
nicht. Wie finde der "Output" der Jazzstudiengänge denn zu diesem Spirit?
Für die Hasenfüße ist das sowieso nichts, die gehen in die Schule und üben alles
und haben am Ende ihren Schein. Miles Davis, übrigens, hat auch studiert. Ganz
viele, Dave Liebman, alle, alle, nein, nicht alle aber ganz viele und fast alle
Maler haben studiert, weißt du - und dann gibt’s dann die, die zuhause malen und
alle anpissen und dann gibt es die „Echten“.
Ich finde es so: Je mehr es gibt, desto mehr Chancen hat das Ganze. Und die, die
dann nur mit „ihrem Schein“ herumlaufen, na ja, die waren immer schon egal. Ich
finde je mehr es gibt, desto besser. Es ist ja so: Niemandem bleibt es erspart,
die Entscheidung, nein, es gibt nicht mal eine Entscheidung finde ich, sondern:
"ist" man, wächst in einem was, was ich wieder gehen lasse oder nicht?
Je mehr Bildung, desto mehr wird verstanden, desto mehr übersieht man keine
Talente mehr. An jeder Ecke gibt’s jetzt einen Trompetenlehrer. Und wenn ich das
bei einem nicht gut finde, dann kann ich den Nächsten probieren und nicht nur
einen gibt’s - und das ist ein Wappler*, wie wir bei uns sagen, sondern es gibt
dann hunderte und die Möglichkeit den Richtigen zu finden, die richtige
Begleitung für ein paar Jahre, das sehe ich total positiv. Als Ex-Pädagoge ich
habe mir natürlich diese Fragen über 20 Jahre gestellt… Nein, letztendlich ist
es super. Und die Wappler, die braucht man manchmal, um zu sagen „Aaah – so
geht’s nicht“. Das ist total geil, ja (lacht).
Wir zählen eigentlich nur die, „die an der Wand hängen“ und das sind lauter
Individuelle, die haben alle sehr viel gelernt, wie der Charlie Parker. Wir
wissen wie sehr er den Schönberg und das alles geliebt hat. Das heißt: diese
Bildung! Und wenn man jedem alles erklärt, naja, dann hat er alles im
Kopf.
Aber wir wissen auch: die Kunst und die Musik und die Tiefe und den Spirit, das
kann man nicht lernen. „Cool“ kann man nicht lernen.“
*Österreichisches Schimpfwort für Personen, die vorgeben kompetent und fähig zu
sein, in Wirklichkeit aber komplett unfähig sind