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Chronik des Jazzclub Zoom15
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Damit fing alles an: Hersbrucker Zeitung, Mittwoch 06. Januar 1965
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- Eine ausführliche Chronik in gedruckter Form ist
fertig!! Es gibt sie zum erneuten Treffen am
28.07.2007. -

Näheres im Forum!
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Ostbahn-Keller
mit Eingang 20.07.1968
Zeichnung ©
Hartmut Sobaglo
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Wandgemälde
Ostbahn-Keller
Zeichnung ©
Hartmut Sobaglo
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Hersbrucker Zeitung, Montag, 20. September
1965 Nummer
218
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Wo man am Vorabend der Wahl nicht von diesem Ereignis sprach
Im Jazzclub »Zoom
15«
Es ist keine Bildungslücke, wenn man diesen Namen nicht deuten kann, aber
recht interessant, jene bunte Gesellschaft kennen zu lernen - 12 Stufen im "Untergrund"
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HERSBRUCK (hm).
Wird am Vorabend der Bundestagswahl irgendwo in Hersbruck nicht von der Wahl gesprochen? - Diese Frage führte uns am
Samstag in die Straßen der Stadt. Es regnete leicht. Das grobe Pflaster des menschenleeren Unteren Markts schimmerte im
Licht der hellen Schaufenster. Vor dem Haus Nr. 15 stand ein junger Mann: Rollkragenpulli, schwarze Schifferhose und
sichtlich kein Taschengeld für den Friseur. Aber er nahm, als wir ihn ansprachen, höflich die Hände aus den
Taschen und wußte auch, wo man an diesem Abend nicht von der Wahl sprach: Zwölf Jahrhundertealte, ausgetretene
Steinstufen unter dem Pflaster, auf dem wir standen, im "Jazzclub Zoom 15". dem er angehört und in dem wir Minuten
später landeten.
Es ist keine Bildungslücke, nicht zu wissen, was "Zoom 15" heißt. Es schadet aber auch nichts, etwas von diesem von
manchem vielleicht geschmähten "Club" mit dem etwas geheimnisvollen Namen zu wissen. Nun; "Zoom" heißt englisch
etwa "emporreißen" und die 15 ist einfach die Hausnummer des Anwesens, in dem sich der Jazzkeller befindet.
Der junge Mann hat ein Zeichen geklingelt. Vom Gang des Hauses geht es mit eingezogenem Kopf eine halsbrecherische
Kellertreppe hinab. Das Treppenlicht hat nur kurz aufgeleuchtet; die Lampe läuft nämlich auf den Hauszähler
und die jungen Leute möchten keine unnötigen Spesen machen. Hinter einer plakatbeschlagenen Brettertür
dröhnt ein Plattenspieler. Wir treten in ein etwa. zehn Meter langes und gut vier Meter breites Gewölbe. Kahler
Ziegelboden, an den Wänden baumeln Jugendstilbilder, ein ausgedienter Feuerwehrhelm, ein verrostetes Visier von einer
alten Ritterrüstung; auf einem Piano, auf dem sicher schon um die Jahrhundertwende das "Ännchen von Tharau"
gespielt wurde und das auch so klingt, als sei es um jene Zeit das letzte Mal gestimmt worden, schaut ein griechischer
Jünglingskopf sinnend in die Ferne, als suche er in dieser Umgebung vergeblich das klassische Zeitalter. Die gelbe
Neonröhre konkurriert mit etwa einem Dutzend Kerzen in Löchern der uralten Mauern oder auf leeren Flaschen. Von
ihnen zucken unruhige Schatten über das Gestein und über die bunte Gesellschaft, die hier - auf alten Sofas, deren
Sprungfedern teilweise schon unter der Last eines Einquartierungssoldaten des 70er Krieges brachen, und in Polstersesseln,
die bei der "Abfuhr sperriger Güter" noch einmal davon gekommen waren - in Gruppen zusammensitzt und mitwippend der
Jazzplatte lauscht, sich um ein Buch schart oder über einen Film diskutiert.
Es sieht alles ein wenig verrucht aus; aber es ist nur "habitus", ein bißchen trotziger Avantgardismus, wie der Aufzug
mancher der rund 20 Mädchen und jungen Burschen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Die Mädchen tragen ohne
Ausnahme lange Hose, bequeme Mokassins und Pullover, die jungen Männer Blue jeans und Pulli, aber auch korrekte
Anzüge-mit Binder. Die oder jenen hat man schon im adretten Schulschlußfeierkleid oder dunkelblauen Anzug und
weißen Kragen im Schülerorchester der
Oberrealschule oder im Chor gesehen" oder au£ dem Sportplatz unter den Ersten eines Wettkampfs.
Was zieht sie hierher? Wir fragen. "Es gefällt uns einfach hier!" - "Diese Musik geht unseren Eltern vielleicht auf den
Wecker, deshalb hören wir sie uns hier an!" - "Jeder von uns besitzt nur einige Platten davon, wenn wir sie aber
zusammenlegen, haben wir eine ganz ; schöne Sammlung!" - "Hier kostet der Aufenthalt nichts!" - Das sind einige der
Antworten. Tatsächlich schont hier jeder seinen Taschengeld-Etat. Es gibt nichts zu trinken - es sei, man legt einmal
für einen Kasten Cola zusammen. Es wird nicht getanzt. Man tauscht Bücher aus, liest sich " Nonsensverse" oder
Ringelnatz vor oder hört sich Georg Kreisler'sche Unsinnigkeiten mit Sinn an. Da liegen Bücher: Weyrauch "Deutsche
Lyrik seit 1945" oder "Jazz - Gesicht einer Musik". Man "verzapft" auch zwischendurch Sprüche wechselnden geistigen
Niveaus, wie jenen, der - mit Kerzenrauch an die Wand gemalt - sich ein bißchen verschämt hinter einer Sessellehne
verbirgt: "Ein Schweißfuß kommt selten allein" oder jenen auf einem größeren Bruchstein in der
Gewölbedecke,. der ebenfalls mit Kerzenruß als "Der Stein der Weisen" bezeichnet ist. Manche rauchen. Auch die
vielleicht etwas über 16 jährige, die sich gerade -- noch etwas unsicher - über die Tropfkerze auf der Flasche
vor ihr auf dem Boden beugt und den Glimmstengel anbrennt, den Rauch aber gleich wieder fortbläst.
Auch die beiden Väter, die hier nacheinander einmal urplötzlich aufgetaucht waren - die Eltern wissen, so wurde
versichert, wo sich die Mädchen und Burschen aufhalten - hatten zwar über das "Miljöh" geschmunzelt, aber
nichts beanstandet. Die jungen Leute laden auch spontan eventuelle Kritiker ihres "Freizeitgestaltungsstils" ein, sie im
Keller zu besuchen. Als wir fragen, ob wir fotografieren dürfen, bejahen alle gelassen. Niemand von ihnen will sich oder
sein Tun verbergen.
Untereinander kennen sie sich oft nur mit dem Vornamen: Michael, Bernd, Günther, Harald, Reiner, Gisela, Ilse, Gris,
Lisi, Edith, Ruth; sie sind Schüler oder junge Leute in der Berufsausbildung. Was ihre Väter sind, das wissen sie
voneinander meist nicht. Es interessiert sie auch garnicht. Der andere ist auch ein Jazz-Fan, mit ihm läßt sich
über das Fotografieren fachsimpeln, der ist Sportfanatiker, jener versteht etwas von moderner Graphik - das genügt.
Denn sie haben alle auch andere, durchaus "normale" Interessen: Briefmarkensammeln, Sporteln, Fotografieren; einer musiziert.
Er hämmert hier einen Schlager auf dem. erst in jüngerer Zeit erworbenen Klavier, für dessen Transport in den
Keller fünf der steinernen Stufen mühevoll ausgebaut aber von einem Fachmann in ihrem Kreis wieder eingesetzt
wurden.:
Zwischendurch klingelt es immer wieder einmal. "Besuch" kommt; junge Leute aus dem zweiten, dem schon länger
existierenden Jazz-Keller unter dem Spitalturm. Auch einige vom "Zoom 15" schwingen sich gegen ½ 10 Uhr auf ihren vor
dem Haus angebundenen "Drahtesel", um dem anderen Keller noch einen Besuch abzustatten. Dort spielt heute eine
Nürnberger "Band".
"Zapfenstreich" ist hier meist gegen 23 Uhr; die jüngeren gehen allerdings, schon gegen 22 Uhr.
Zurück bleiben niedergebrannte Kerzen, ein paar Wachsflecken auf dem alten Sofa - worüber niemand schimpft - ein
bißchen blauer Dunst und "Adam", der Griechenjüngling ("der erste und einzige Gipskopf im Keller", wie er
respektlos genannt wird). Vielleicht hätte er sich im Laufe des Abends, wenn der Plattenspieler lief, gelegentlich gerne
die Ohren zugehalten, aber er besteht nur aus Kopf. Vielleicht wackelt er damit auch ein wenig auf dem alten Klavier,
während er ins Dunkel träumt, und denkt sich; "Nein, diese heutige Jugend!?" Aber am nächsten Samstag ist er
doch wieder ganz froh in ihrer bunten Gesellschaft.
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Unterer
Markt 15
18.09.1965
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Unterer Markt 15, Noris City
Stompers (15.04.1967)
Hanno Kohl, tb.
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Keller
Unterer Markt 15
(30.07.67)
Zeichnung ©Hartmut Sobaglo
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Dixie-GmbH. 2.12.1967 mit Connie Wagner
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Fasching - Dixie-GmbH. 17.02.1968
Connie
Wagner
Gunther Kohl
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Fasching 17.02.1968
Dixie-GmbH.
mit Sigi Karbe und
Geri (Quinn) Baggott
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Mitgliedskarte (Unterer Markt 15)

Mitgliedskarte (Ostbahn - man beachte die inflationäre Beitragsentwicklung!)
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Mitgliedskarte Ostbahn

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Von links: M. Gölling, J. Gründer, H. Habel, H. Hummer, G. Tobisch, H. Thiel. Von hinten: R.
Neugebauer.
NZ Nr. 74 - Seite 13 - Vier-Jahres-Feier 1969
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Ostbahn-Keller
Zeichnung ©Hartmut Sobaglo
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| Seit vier Jahren besteht in Hersbruck der Jazzclub "Zoom 15" eine private
Vereinigung junger Leute. Ihr großes Ziel ist es, den Jazz auch in der Provinz
populär zu machen. In einem Kellergewölbe, das die Clubmitglieder selbst bemalt und eingerichtet haben, treffen sie
sich jeden Samstagabend. Außer Schallplatten ist dann natürlich auch die „Hausband“ zu hören. Auf
Kämmen, einer alten Vase, einem Waschbrett und einem Banjo wird Musik gemacht. Sogar im Nürnberger Jazzstudio am
Paniersplatz war die Gruppe einmal zu Gast. Foto:
Bruckner |
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02. oder
09.08.1969 hinten: G. Tobisch H. Thiel
Vorne: M.
Gölling H.
Hummer J. Gründer
Ganz vorne: R.
Löhner
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Hinten: G.
Tobisch H. Thiel G. Frank
Vorne: F.
Degel J. Nowak W. Adler B.
Hoffmann
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Treffpunkt zahlreicher Jazzfans ist
jeden Samstag abend, der Jazzkeller "Zoom 15", der heuer sein vierjähriges Bestehen begehen konnte. In dieser Zeit
entwickelten sich die plattenlauschenden Jazzfreunde zu fähigen Do-it-yourself-Musikern. Unser linkes Bild zeigt die
sogenannte Hausband in vollem Einsatz: die beiden Außenmänner blasen auf mit Papier umwickelten Haarkämmen,
während der mittlere "Musiker" seine "Jug" bläst; das ist ein gewöhnlicher Tonkrug, in dessen Öffnung er
rhythmisch hineinpustet. Im Hintergrund sitzen, von den anderen Spielern verdeckt, der Schlagzeuger, der mit seinen mit
Fingerhüten besteckten Fingern auf ein Waschbrett schlägt, und der einzige Spieler, der ein "echtes" Instrument
hat, nämlich ein Banjo. Von Zeit zu Zeit kommen auch auswärtige Bands als Gäste in den Hersbrucker Jazzkeller,
wie hier (Bild rechts) eine Band aus Nürnberg. Deren Spieler sind besser ausgestattet als die einheimischen. Mit zwei
Banjos; Klarinette, Trompete, Schlagzeug, Klavier und einer Tuba machen sie flotten
Jazz. Selbst zu einer solchen Band zu werden, ist das nächste Ziel der Hersbrucker Hausmusiker: jede Woche treffen sie
sich einmal auf dem Boden des Banjospielers, um verschiedene Instrumente zu üben. Die Nerven seiner Eltern und der
Nachbarn werden dabei gewiß einer Geduldsprobe unterzogen, die sich hoffentlich aber lohnen wird, wenn die Band fit ist
zu einem Auftritt in der Öffentlichkeit.
Bilder: R.
Löhner
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1969 - Im
Hintergrund die Noris City Stompers, vorne von links: S. Karbe, B. Clemens, G. Koffler, W. Schärdel, E. Birr, F.
Unger.
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1969
Zu erkennen sind: im Hintergrund H.Thiel, vorne B.Clemens, G."Insch"Koffler,
W. Schärdel, H. Maul
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23.02.1971
Noris City Stompers
Mitte: C. Angermann, rechts. W. Zeltner
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Aufgenommen im Zoom15, anlässlich eines Auftritts beim "Ball der
Werbung" am 12.11.1971
Hinten: H. Thiel, H. Habel, H. Datzer, G. Tobisch
Vorne: M. Gölling, J. Gründer, H. Hummer
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Hersbrucker Zeitung, 1970
Eindrücke von einem Besuch im Hersbrucker Jazz-Club »Zoom I5«
Keller-Kinder 1970
Was lockt sie, ihr behagliches Zuhause gegen eine „Wohnhöhle" zu tauschen
Ausbruch aus dem allzu sterilen Wohlstandsalltag? - Versuch einer Deutung
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HERSBRUCK (hm). Es begann wie
bei Durbridge, dessen zweite Krimi-Fortsetzung um die gleiche Stunde über die Mattscheiben flimmerte: "Wie ein Blitz"
erhellten die Scheinwerfer unseres Wagens plötzlich ein am Wegrand querstehendes Auto. Aber das Vehikel hatte nur die
harmlose Aufgabe, mit einem an seiner Seite angebrachten Schild zu bitten: "Im Hof keine Autos abstellen!" Das Schild war ein
Anhaltspunkt; wo aber sollten wir den Jazzkeller "Zoom 15" nun wirklich finden, zu dessen Besuch uns Zoom-Anhänger
eingeladen hatten, weil der Keller, gern besuchter Treffpunkt junger Leute, allen Unkenrufen zum Trotz nun schon fünf
Jahre besteht?
Aber kein Unkenruf in der stillen Nacht wies uns den Weg. Wir drehten langsam in dem dunklen "Off Limits "-Hof eine Runde und
holperten dann den Feldweg, der uns von der Ostbahnstraße weggeführt hatte, noch weiter nach Westen. Mit einem Mal
trafen die Scheinwerfer, die den leichten Nebel durchbohrten, wieder eine Autokarosserie, dann eine zweite, und
schließlich zeigte eine ganze Reihe solch blecherner Buckel vom fahrbaren Untersatz Marke "Eigenbau" bis zum rasanten
roten Renner an, daß wir wohl am Ziel waren. Da tat sich auch schon unter einer trüben Lampe, die gerade noch auf
die Buchstaben "Zoom 15" an altem Gemäuer leuchteten, eine hölzerne Tür auf, und hinter zwei bärtigen
jungen Männern quollen Licht und Lärm in die Nacht heraus.
Mit einem dumpfen Schlag des glücklicherweise noch durch den Hut geschützten Kopfes gegen den für erwachsene
Erwachsene zu niedrigen Türstock aus soliden Ziegeln zahlen wir "Eintritt". Ein paar Schritte über wacklige Bretter
und dann stehen wir, unter einen neuen Türrahmen gebückt, am oberen Ende einer besseren, weil breiteren und
hoffentlich tragfähigeren "Hühnerstiege" und blicken hinab in einen brodelnden Vulkan. Am Fuße der
"Hühnerstiege" faucht ein Bunkerofen wie eine auf den Kopf gestellte Saturn-5-Rakete kurz nach dem Zünden Hitze in
den Raum, aus einer Ecke hämmert Jazz gegen unseren vom Türrahmenrammstoß noch brummenden Kopf und unter uns
lagern, hocken, stehen, unterhalten sich auf etwa 100 Quadratmeter Platz rund 150 teils langmähnige, teils bärtige,
und die meisten in abenteuerlichen Aufzügen steckende junge Leute.
"Lasterhöhle" könnte jetzt einer denken, der hier kehrtmacht und wieder in die Nacht hinaus verschwindet. Aber da
winken sie herauf, lachend, machen höflich Platz, sagen "Bitte schön" und man erkennt sie nach und nach: die
langaufgeschossenen freundlichen Jungen aus der Nachbarschaft, die bei der Begegnung auf der Straße manchmal noch
knicksenden, immer heiteren Töchter des Herrn ...... den schlaksigen Sohn "aus guter Familie", die "höhere
Tochter", wie man sie früher einmal charakterisiert hätte.
Während wir uns durch die Gruppen zu einer winzigen, noch freien Insel hindurchschieben, über der Kaiser Franz
Joseph in Farbe und Goldrahmen wacht und wohlwollend den jungen Mann betrachtet, der den Bart wie er trägt, fragen wir
uns, was sie wohl hierher führt? Was sie veranlaßt, ihr bestimmt gemütliches, gepflegtes Zuhause gegen diesen
"Apachenkeller" zu tauschen; ihre schicken, sonst mit sicherem Selbstbewußtsein durch den Tag getragenen modischen
Kleidchen im Schrank hängen zu lassen, alte Jeans anzuziehen und einen Pullover, der von der letzten
Winterhilfswerkssammlung übriggeblieben zu sein scheint; das Haar gekonnt unfrisiert zu lassen, ihr Cola aus der Flasche
zu trinken? Nur, um sich mit Gleichaltrigen zu treffen? Das kann man auch im Cafe, in der Eisdiele, beim Sport. Um sich
unkontrolliert austoben zu können? Dazu nehmen sie unsere Anwesenheit zu selbstsicher, mit zu heiterer Gelassenheit hin.
Hätten sie etwas zu verbergen. würden sie uns wahrscheinlich als Störenfried betrachten. Nichts dergleichen.
Ein paar Jahre jünger und noch ein paar Haare mehr auf dem Kopf und wir würden einfach untergehen, so viel und so
wenig beachtet, wie jede und jeder andere in dieser "Konservendose".
Zuhauf sollten sie nach der Einladung ihrer Clubmanager zu ihrem kleinen Keller-Jubiläum, dem 5. Jahrestag ihrer
Gründung, kommen. Und zuhauf waren sie gekommen, aus Hersbruck, dem Landkreis und aus den Landkreisen Lauf und
Sulzbach-Rosenberg. Neben den Colaflaschen stehen heute auch Bierflaschen auf den "Tischen", wobei unter dieser
Möbelbezeichnung alles zu verstehen ist, was einen handtellergroßen Abstellplatz bietet. Bei der Gründung des
Kellers - er etablierte sich erst in einem Tiefgeschoß am Unteren Markt und trägt von dort her noch die Hausnummer
15 - war Alkoholausgabe verpönt. Das scheint, wenig stens für diesen Abend, anders geworden zu sein. Es gehört
wohl ein bißchen zum Feiern. Plötzlich versteht man in diesem Trubel eine Frage des Gegenübers, ohne daß
dieser schreit. Und da merkt man, daß die "Noris-City-Stompers", eine mit dem "Zoom" seit seiner Gründung eng
verbundene Band aus sympathischen Jazzmusikanten, eine kleine Pause gemacht haben. Aber gleich stampft der
Zugposaunenbläser mit dem Fuß wieder den "Einsatz-Count-down" auf die Dielen, daß der Boden schwankt. Und alle
ringsum, ob sie sich gerade über Autos oder die Rolling Stones unterhalten, wippen und zucken im Rhythmus mit. Hier ist
vielleicht eine Antwort auf die Frage, weshalb sie sich hier treffen: um einmal Jazzmusik hören zu können, ohne
daß der Nachbar gegen die Wand oder Onkel Oskar gegen die Decke klopfen. Aber diese Antwort allein reicht wohl nicht.
Vielleicht ist ihr Hiersein wirklich ein Ausbruch aus unserem allzu perfektionierten, allzu sterilen Wohlstandsalltag, ein
symbolisches Fesselnsprengen. Verhaltensforscher und Psychologen wissen, daß Menschen - Kinder wie Erwachsene -die sich
nie einmal austoben können, die nie auf harmlose Art ihren natürlichen Aggressionstrieb abreagieren können,
die immer "Haltung bewahren", oft einen seelischen Knacks davontragen, eines Tages unter Neurosen leiden werden.
Nun ist es möglicherweise doch zu hoch gegriffen, Verhaltensforschung und Psychologie zu bemühen; vielleicht -
nein, ganz sicher - sind unter den fast 150 Mädchen und jungen Männern auch welche, die sich nur in eines der
alten, zersessenen Sofas kuscheln wollen (von denen sich der über dem scheppernden Klavier hängende "eiserne"
Kanzler Bismarck sichtlich mit Grausen wendet), um dem Freund oder der Freundin nahe zu sein, mit jener beglückenden
Zärtlichkeit, die früher den Gymnasiasten mit blütenweißem Kragen den Mut fassen ließ, das
Händchen des darob errötenden, knackfrisch gebügelten Pensionatstöchterleins zu ergreifen. Nur sind die
Zeichen der Zuneigung offener geworden; ehrlicher, so werden die einen sagen, unverschämter die anderen.
"Zu unserer Zeit hat es sowas nicht gegeben!" wird von manchem da entrüstet festgestellt. Aber kann man "unsere" Zeit
mit der heutigen überhaupt vergleichen. "Unsere Zeit" hat auch nicht überall so entzaubernd die anatomische
Landschaft zur Schau gestellt und an Zeitschriftenständen und in Auslagen Gefühlszustandsanalysen und
Bettverhaltungs-maßregeln gegeben, wie es die heutige tut - was die Jugend nicht zu verantworten hat; da sind ihr die
Erwachsenen Vor-Bild. Man muß dann schon sehr inkonsequent sein, wenn man die auf die Lüsternheit der
Erwachsenenwelt spekulierende vielzitierte "Eskalation des Sex" (oft gerne) billigt, von der Jugend aber Puritanismus
verlangt.
Möglich, daß solche Ansicht Traum neben der Wirklichkeit ist, jener Zustand, über den zwei Studentinnen an
einem Tisch philosophieren, die "sich für diesen Kreis nun fast schon zu alt fühlen", die aber zu der flotten Feier
kamen, weil sie vor fünf Jahren Mitgründerinnen waren. Soll man einen Menschen aus seinen unrealen Träumereien
in die Wirklichkeit reißen oder nicht, das ist die von ihnen diskutierte Frage, die wohl auch an diesem Abend
unbeantwortet bleibt. Auf der "Hühnerstiege" sitzt einer und zeichnet einen der Mädchenköpfe da unten, ein
anderer Mädchenkopf sieht ihm, an seine Schulter gelehnt, versonnen zu. Ein Paar tanzt spontan. Man hat ihm einen
Quadratmeter Platz gemacht. Es ist Jazz-Akrobatik, was sie da tanzen. Am Ende rühren sich ein paar Hände und dann
verschluckt der sich schließende Kreis die zwei wieder. Jetzt schart sich eine Gruppe um die "hauseigene" Band. Auf
einem Waschbrett, einem Plastikstreifen und mit einem Tonkrug wird ganz passable Begleitmusik zu einer vom Klavier
fortgeführten Melodie gemacht. Man merkt den Akteuren den Spaß an der Freud an.
*
"Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?", fragt die "höhere Tochter" hinter der "Bar" mit heißem,
fröhlichem Gesicht, in das ein paar Haarsträhnen hereinhängen, während sie Gläser spült und mit
einem Lappen die Spuren eines umgeschütteten Getränks tilgt. Morgen werden wir sie auf der Straße
wiedertreffen als eine Verwandelte im roten Knautschlackmantel, mit modischer weiter langer Hose, der Tasche am angewinkelten
Arm und damenhaft gemessenem Gegengruß. - Sind wir nicht alle mehr oder weniger geschickte Komödianten in diesem
"großen Welttheater"? Dieser Gedanke begleitet uns, während wir mit unseren mühsam wieder zusammengesuchten
Sachen über die Hühnerstiege hinauf von dieser, nur einer seiner bunten Bühnen in die Nacht hinaus zum Wagen
stolpern und ihn durch die Feldwegfurchen zur Straße würgen, die in den Alltag zurückführt.

Frühjahr 1970, Ostbahn-Keller
Zeichnung © Hartmut Sobaglo
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Montag, 13. März 1972 - Hersbrucker Zeitung
HERSBRUCK STADT UND
LAND
Gleich
zweimal innerhalb 12 Stunden brachen im Landkreis Hersbruck Brände aus
Feuerlohe über
Hersbruck-Ostbahn
Der große Schramm'sche Hopfenstadel wurde,
einschließlich des Beatkellers "Zoom", ein Raub der Flammen - Schaden: etwa 150 000 DM -
In Pommelsbrunn brannte Schneidsäge der Weidenmühle fast völlig aus - Durch zündelnde Kinder
verursacht?
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Flammen schlagen aus dem Seltengiebel des
großen Schramm'schen Hopfenstadels im Ostbahn-Stadtteil (links). Um ein weiteres Umsichgreifen des Feuers zu verhindern,
gehen einige Wehrmänner über die Motordrehleiter zum Innenangriff vor (rechts).
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HERSBRUCK (ep). Zweimal Innerhalb zwölf Stunden
ertönte am Wochenende im Landkreis Hersbruck Feueralarm.
Am Samstag gegen
17.30 Uhr brach im Anwesen der Weidenmühle in Pommelsbrunn ein Brand aus, bei dem das zu dem Anwesen gehörende
Sägewerk fast völlig eingeäschert wurde.
Erheblich
größeren Schaden verursachte ein Feuer in Hersbruck-Ostbahn, das am frühen Sonntagmorgen das weitläufige
Hopfenlagergebäude der Hopfenhandlung Schramm & Söhne zum größten Teil
zerstörte.
Kurz nachdem gegen
4.50 Uhr der Brand im Schramm'schen Hopfenstadel entdeckt worden war, schlug das Feuer bereits aus dem Dachstuhl. Im Nu stand, weithin sichtbar, eine Feuerlohe über dem westlichen
Ostbahnstadtteil.
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Noch am Sonntag vormittag
mußten Wehrmänner das immer wieder aufglimmende Gebälk löschen.
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Das Feuer hatte im westlichen Teil des Gebäudes, in dem sich der Beatkeller
„Zoom 15" befindet, seinen Ausgang genommen — ob von unten nach oben oder umgekehrt, müssen erst die
Untersuchungen ergeben. Der Brand breitete sich entgegen der Windrichtung nach Osten aus, weil er in den alten Holzböden
mit dem darauf lagernden Hopfenmehl gute Nahrung fand.
Die Hersbrucker Feuerwehr war rasch zur Stelle. In konzentriertem Einsatz gelang es ihr unter
der Leitung des stellvertretenden Kommandanten Kopp, das angrenzende Hopfenaufbereitungsgebäude und das Wohnhaus
abzuriegeln. Zu diesem Zweck wurde auch ein Innenangriff mit der Motordrehleiter
gestartet, über sie stiegen mehrere Männer in eine Dachluke ein, um das Feuer zu bekämpfen, das sich unter dem
hier noch unbeschädigten Dach auf dem Holzboden weiterfraß.
Alle Fahrzeuge der Stützpunktfeuerwehr waren im Einsatz. Mit sieben Strahlrohren gingen die
Männer gegen das Feuer vor, wobei manchem in der Kälte die Uniform gefror — denn ausgerechnet in dieser Nacht
war der Winter mit Eis und Schnee zurückgekehrt! Als wegen des forcierten Einsatzes der Wasserzufluß nicht mehr
ausreichte, schaltete der städtische Wasserwart den Tiefbrunnen an der „Stech" ein und pumpte von dort aus Wasser
in die Leitung.
Der heftige Ostwind fachte zwar die Flammen an, er sorgte jedoch auch dafür, daß das Feuer sich nicht weiter
nach Osten ausbreitete. Dort lagerten im gleichen Gebäude beträchtliche Folienvorräte, die dem Feuer neues
„Futter" gegeben hätten.
Der größte Teil des Gebäudes, einschließlich des „Zoom", brannte
vollständig aus. Der Schaden beträgt schätzungsweise 150
000 DM.
Die
Ermittlungen über die Brandursache werden von der Kriminalaußenstelle Schwabach geführt.
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