 Washington ist besser als sein Ruf. Wer
natürlich im "Zentrum" des
Regierungsviertels um die Mall herum nach
Nachtleben Ausschau hält, wird bestenfalls auf
den Straßenstrich stoßen. Auch von den
"Vororten" hat man, vielleicht mit
Ausnahme von Bethesda in Maryland und Alexandria
in Virginia, nicht viel zu erwarten. Dies sind Städte für sich, in
denen die Angestellten von Regierung, Militär
und nationalen Konzernzentralen ihre Eigenheime
haben. Die dortigen Bewohner wollen mit der
abgehalfterten Innenstadt mit ihrer Armut und
ihren Drogenproblemen nichts zu schaffen haben.
Und zum Teil haben sie recht. DC ist die
Hauptstadt des Rauschgifts und der Morde, selbst
der Bürgermeister ist ein bekannter
Kokainschnupfer. Crack und Weed sind leichter
erhältlich als Bier und Wein. Wer mit einem Bier
auf der Straße angetroffen wird, verbringt
obligatorisch eine Nacht im Gefängnis.
Jugendliche unter 16 Jahren haben ab 22 Uhr
Ausgangssperre! Faustregel: Northeast und
Southeast Washington meiden. Wie überall sagt
einem auch hier der gesunde Menschenverstand wie
weit man gehen kann.
Aber der District hat noch mehr zu bieten als
protzige Regierungsgebäude und heruntergekommene
Slums. Ein internationales Flair geprägt sowohl
durch Einwanderer aus Afrika, Asien und
Lateinamerika als auch Studenten, Wissenschaftler
(z.B. vom NIH, dem größte Forschungsinstitut
der Welt), Mitarbeiter internationaler
Organisationen und Konzerne und natürlich auch
jeder Menge Touristen. Und die wollen sich
schließlich auch mal amüsieren.
Für Musik/Jazzfans interessant: in der
Hauptstadt gibt es Organisationen der
verschiedensten Art, die Kultur fördern. Das
bedeutet, daß ständig irgendwo
z.T.hochkarätige Konzerte für wenig/kein Geld
angeboten werden, in Amerika eher ungewöhnlich.
Nur zwei Beispiele: 4th of July Jazz Konzerte auf
dem Freedom Plaza im Rahmen des jazzart festivals und
die Konzerte in der National Gallery, Sonntags 19
Uhr - fast ausschließlich Klassik, aber das
passt auch zur Wanddekoration von Rembrandt und
Rubens.
Allgemeine Veranstaltungshinweise findet man am
Besten im kostenlosen CityPaper, erscheint Donnerstags,
desweiteren in der Wochenendausgabe der Washington Post oder
im Washingtonian. 
Georgetown:
(Wisconsin Ave, M-street westlich RockCreek
Parkway)
"Historisches" Stadtviertel, Georgetown
University, Schickimickiviertel, hier fährt der
betuchte Senatoren/Börsenmakler/Manager-Sohn am
Wochenende sein BMW-Cabrio spaziern. Viele
(teure) Restaurants, mehrere Jazz- und
Blueskneipen. In einer kleinen Nebenstraße: Blues Alley [1073 Rear Wisconsin
Ave,(202)337-4141], Club im Stil der
"großen" New Yorker mit sehr gutem
Programm für sehr viel $$$.
Etwas außerhalb
Georgetowns in Richtung Weißes Haus das
altehrwürdige One
Step Down [2517
Pennsylvania Ave, (202)955-7141] . Guter Mix aus
lokalen und regionalen Musikern,vernünftige
Preise. Ebenso am Rande Georgetowns:

Das Kennedy Center. Ähnlich dem Lincoln Center in
NY eigentlich eher den "höheren
"Künsten geweiht, gibt es hier doch ein
einigermaßen regelmäßiges und ambitioniertes
Jazzprogramm unter der Leitung von Billy Taylor.
Eine der wenigen Lokalitäten an der Ostküste,
wo man auch mal experimentellen und europäischen
Jazz zu hören bekommt. Vernünftige Preise.
Dupont circle:
Gay Washington, Kneipen, Cafes, Plattenläden
etc., keine Clubs mit regulärem Programm, aber
in einigen Kneipen wie z.B dem "Food for thought" ständig Amateure, lokale
Musiker.
Adams Morgan:
(18th street + Columbia Rd)
Die höchste Dichte äthiopischer Restaurants
außerhalb Addis Abebas!
Überall Musik, lokale Musiker, viel Reggae; Jazz
u.a. im Cafe
Lautrec [2431
18th, (202)265-6436 oft Latin, Samba], felix [2406 18th, (202)483-3549, eher
rockig]. Adams Morgan Festival im September.
U-street:
Schnittpunkt von weißem und schwarzem
Washington. Klassischer Jazz wird gelegentlich im
Lincoln Theater [1215 U-street] mit sehr guten
Musikern bei vernünftigen Eintrittspreisen
gepflegt. Ansonsten ist hier das Reich des Rock-
und v.a. Acid- und HipHop Jazz. Große Clubs: 9:30 club , [815 V-street, (202)3-930-930]
Rock, Pop, selten (Rock-, Acid-)Jazz, $$$; Black Cat [1831 14th-street,
(202)667-7960] gelegentlich Jazz, Rockjazz,
Acidjazz, $$; etwas kleiner: State of the Union: [1357 U-street, (202)588-8810]
regelmäßig Jazz und Acid-, HipHop- jazz, $;
sonst vor allem am Wochenende viel live music in
verschiedenen Kneipen.
Verstreutes:
The Nest at the Willard Hotel [1401
Pennsylvania Ave, (202)628-9100], Gehobenes Hotel
Nähe Weißes Haus, gutes bis sehr gutes
Programm, nicht billig, aber in Anbetracht der
Lokalität noch erschwinglich.
Twins Lounge [5516 Colorado Av,
(202)882-2523]: Netter JazzClub, lokale und
regionale Musiker, etwas abgelegen, leider auch
nicht billig.
Takoma Station: riesige Drinks; Jazz und
anderes, i.A. lokale und regionale Musiker, ab
und an auch mal ein Marsalis oder Freddy Hubbard;
erschwinglich, keine Gegend zum Spazierengehen.
Gelegentliche Konzerte in den Auditorien der
George Washington und District of Columbia
Universitäten;
The Burps: In Alexandria ist das Birchmere [3701 Mt Vernon Ave,
(703)549-7500] ein größerer Club mit
gelegentlich Jazz, ansonsten verschiedene
Jazzkneipen in Oldtown; In Bethesda das Twist+Shout [4800 Auburn Ave,
(301)652-3383], meistens eher Square Dance als
Jazz;
empfehlenswert im Sommer: Wolf Trap Open Air Gelände mit
gelegentlichem Jazz und Blues [orange line nach
Vienna + shuttle bus].
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