Disziplin zu Dritt mit zwiespältigen Eindrücken
Zwei Trios sollten für den SWR „Hypnotic Grooves“ kreieren

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In den Vorjahren
propagierte SWR-Jazz-Redakteur Reinhard Kager für seine
„NOWJazz Sessions“ anlässlich der Donaueschinger
Musiktagen vor allem Electronics mit Laptops und
Turntables samt Samples und Loops. Heuer waren nun
„Hypnotic Grooves“ angesagt. Rhythmisches und Fußwippen
dürfen auch (wieder) im freien Jazz sein. Beim
Doppelkonzert wurde Zwiespältiges ohrenfällig.
In der Sporthalle der Gewerblichen Schulen trat zunächst
die seit zwei Jahrzehnten eingespielte Formation „The
Necks“ aus Australien an. Zunächst ein konventionell
besetztes Piano-Trio, das aber eine ganz individuelle
Musik praktiziert. In der Tradition der „minimal music“
von Steve Reich und Terry Riley improvisieren der
Pianist Chris Abrahams, Bassist Lloyd Swanton und
Drummer Tony Buck filigran mit kleinsten Fortschreitung
in Melodie und Rhythmus.
Mehr statische Ruhe als vorwärts drängender Prozess.
Doch nach einem meditativen Anfang mit deutlichem „easy
listening“-Charakter entwickelte sich beim
Spätabendkonzert über eine dreiviertel Stunde lang ein
breit angelegtes Crescendo der Intensität. All dies in
kommunikativ enger Interaktion und ohne jegliche
solistische Extravaganzen. Kein plumpes Stampf-Metrum
kam da heraus – stattdessen hörte man eine Musik, die
intellektuell faszinierend wirkte.
Disziplin zu Dritt ohne Lizenz für Soloeskapaden auch
beim nachfolgenden Ensemble. „Can“-Schlagzeuger Jaki
Liebezeit, der vor vierzig Jahren gar mit den
Jazz-Avantgardisten Manfred Schoof und Alexander von
Schlippenbach musizierte, hat sich in Köln nun mit dem
Keyboarder und Elektroniker Bernd Friedmann alias „Burnt
Friedman“ zusammen getan. Allzu simpel kamen in
Donaueschingen dessen elektronische Machenschaften daher
und erinnerten altbacken an die Neue Deutsche Welle mit
Sephan Remmlers Trio-Hit „Da da da“. Jaki Liebezeit,
inzwischen 70, agierte wie ein stoischer Roboter und
trommelte maschinenhaft. Nichts mit „swing“ und „drive“.
Der neuseeländische Gast Hayden Chisholm des rheinischen
Duo-Projekts „Secret Rhythms“ hätte mit Klarinette und
Melodica elastische und „menschliche“ Momente einbringen
können. Dies sah das Konzept allerdings nicht vor. So
blieb es beim ermüdenden Kontinuum in stets gleicher
Lautstärke.
Auch die beiden Gastkommentatoren des SWR konnten im
Anschluss an die „live“-Übertragung nur wenig Gutes an
dieser deutsch-neuseeländischen Kooperation finden.
Ansonsten waren bei auch bei anderen Konzerten der
Novitätenmesse jazzige Anklänge zu vernehmen. In der
Eröffnungsperformance stieß der Komponist Dror Feiler,
ein in Schweden lebender Israeli derart bruitistisch in
sein Sopranino, dass selbst so ein
Schönklangszertrümmerer wie Peter Brötzmann in dessen
wildesten Free-Jazz-Jahren noch getoppt wurde. Yann
Robin ließ in seinem Opus „Art Of Metal“ seinen
französischen Landsmann Alain Billard auf der
Kontrabassklarinette trickreich schnalzen und aggressiv
rotzen. Kurze und schöne Blues-Phrasen schrieb hingegen
der nun 82-jährige Ben Johnston (USA) in seinem ansonsten
sehr mikrotonalen Orchesterwerk „Quintet For Groups“
zwei Solo-Geigern im die Noten.

Jaki Liebzeit

Dror Feiler

Alain Billard

Ben Johnston

Reinhard Karger
(Oktober 2008)
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Text und Photographie von
Hans Kumpf