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Peanuts Hucko
(der mit Glenn Miller in der Army spielte)



...mit Clark Terry


Joe Jackson

Udo Lindenberg

Big Band Schwäbisch Hall (die auf der Treppe spielen
wird)
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Schwäbisch Hall.
Beliebt sind seine Melodien immer noch, seine
Schallplatten werden nach siebzig Jahren weiterhin
bestens verkauft: Glenn Millers Ruhm bleibt unsterblich.
Udo Lindenberg ließ bekanntlich auf die bekannte Melodie
von „Chattanooga Choo Choo" seinen „Sonderzug nach
Pankow" abfahren, für der Show-Star Joe Jackson war
„Tuxedo Junction", ebenfalls ein der Eisenbahn
gewidmetes Stück, wieder ein Renner. Allerorten
imitieren heutzutage mehr oder weniger lizenzierte
Revival-Bands den berühmten Glenn-Miller-Sound. Und die
Schwäbisch Haller Freilichtspiele bringen jetzt “Glenn
Miller – Ein Leben für den Swing” auf die Treppe. Die
Premiere der von Intendant Christoph Biermeier und
seinem Dramaturgen Georg Kistner sowohl geschriebenen
als auch erfundenen Revue ist auf den 17. Juli 2008
angesetzt. Für die Musik wird dann die Big Band
Schwäbisch Hall unter der Leitung des Posaunisten Armin
Scheibeck sorgen.
Der Name Glenn Miller gerät seit Jahren mit schöner
Regelmäßigkeit in die Boulevard-Schlagzeilen. Eine
Sonntagszeitung tischte beispielsweise eine neue Version
von Millers Tod auf. Mitte Dezember 1944 soll nicht ein
Flugzeugabsturz über dem Ärmelkanal dem Leben des
Posaunisten und Bandleaders ein Ende gesetzt haben,
sondern eine Krankheit.
Glenn Miller soll diesem Gazettenbericht zufolge - ganz
unheroisch - in England an Lungenkrebs verstorben sein.
Die amerikanische Army, für die der Posaunist mit seiner
Big Band aufmunternde Unterhaltungsmusik spielte, habe
mit der Legende vom verschollenen Flieger ihm und seiner
Fangemeinde einen würdigen Abgang vortäuschen wollen.
Hatten die Alliierten in der Endphase des Zweiten
Weltkriegs wirklich nichts Wichtigeres zu tun, als einen
angeblich schwer kranken Bandleader in ein Flugzeug
steigen zu lassen, um ihn bei einer heimlichen
Zwischenlandung wieder in ein Hospital zu bringen, wo
er, diesem Bericht zufolge, gleich am nächsten Tag
gestorben sein soll? Dann wurde mal eine Story
verbreitet, Glenn Miller habe in den Armen einer
Prostituierten den Tod gefunden. Vielleicht war es aber
wirklich so, dass der kommerziell erfolgreiche
Swing-Mann wirklich im Flieger verschied – durch
„friendly fire”. Bomberpiloten hätten, so wird
neuerdings spekuliert, vom Rückflug aus Deutschland
nicht mehr benötigte Munition über dem Ärmelkanal
abgeworfen, wobei diese versehentlich das Flugzeug von
Glenn Miller samt Besatzung vernichtete.
Was lag daher näher, als mal einen Jazzer zu befragen,
der schon 1934 mit dem damals noch nicht so populären
Mann aus Iowa musizierte?
Anfang März 1983 trat der Klarinettist Johnny Mince
(1912–1997) zusammen mit „The Great Eight" der
Swing-Epoche im Beethovensaal der Stuttgarter
Liederhalle auf. Als Spielpartner standen ihm so
bedeutende Künstler wie der Benny-Goodman-Pianist Teddy
Wilson und der trickreiche Trompeter Clark Terry zur
Seite. Da nutzte ich die Gelegenheit zu einem
ausführlichen und kurzweiligen Gespräch. Zunächst
erzählte mir Johnny Mince, wie er Miller kennenlernte.
Als Johnny Mince nämlich ein halbes Jahrhundert zuvor in
New York den Broadway hinuntergeschlendert sei, habe er
zufällig den Big-Band-Boss Tommy Dorsey getroffen.
Dieser wollte ihn flugs als Vertreter für seinen
Klarinette spielenden Bruder Jimmy anheuern. In
wörtlicher Rede und schauspielerisch gekonnt wiederholte
mir Mince das, was der Trompeter und Posaunist Dorsey
ihm zurief: „Johnny, was machst du hier? Es ist fünf
Uhr, und wir fangen um acht Uhr an. Besorge dir einen
Smoking, bring deine Klarinette und dein Saxophon mit
und ersetze meinen Bruder Jimmy!"
Der damals 22-jährige Johnny Mince war mächtig
aufgeregt, dass er für dieses bedeutende Jazz-Orchester
engagiert wurde und informierte mich weiter: „In der
Band war Glenn Miller der Posaunist und Arrangeur. Nach
zwei Wochen kam Jimmy zurück, und ich wurde entlassen.
Ich sagte dann Glenn Miller, dass ich arbeitslos sei. Er
zeigte mir eine Liste der Leute, die er für die neue
Band von Ray Noble ausgesucht hatte - ich war dabei.
Eines Tages hielt er uns beim Warmspielen die Partitur
eines Musikstücks unter die Nase.. ." Johnny Mince sang
mir die Melodie vor: die romantisch-einschmeichelnde
„Moonlight Serenade".
Glenn Miller hatte sie für seinen Unterricht bei dem
Komponisten und Musiktheoretiker Joseph Schillinger
geschrieben und wollte hören, wie die “Moonlight
Serenade” wirklich klingt. Es war das erste Mal, dass
der spätere Millionen-Hit ertönte. Und Johnny Mince
fühlte sich richtig stolz, dass er davon die allererste
Aufnahme mit Miller gemacht hatte.
Was hielt Johnny Mince von den Gerüchten, Glenn Miller
sei nicht mit dem Flugzeug abgestürzt, sondern an
Lungenkrebs gestorben? Er wunderte sich: „Ich kann das
überhaupt nicht glauben. Glenn Miller ging es nicht
schlecht. Er wollte nach Frankreich gehen, um für die
Arbeit seiner Band dort Unterbringungsmöglichkeiten zu
erkunden. Er war ein guter Bandleader, der sich sehr um
das Wohl seiner Musiker kümmerte. Er startete bei sehr
schlechtem Wetter und fühlte sich wohl!"
Mit dem Klarinettisten Peanuts Hucko und dem
Saxophonisten Al Klink, die in Millers Army Band
mitwirkten, habe er gesprochen. Diese erwähnten nichts
von einer etwaigen Krankheit ihres Chefs. Schließlich
ergebe es auch keinen Sinn, dass Glenn Miller in ein
Flugzeug gestiegen sei, nur um zu sterben. So das
Resümee von Johnny Mince.
In diesem Punkt scheint der 1953 gedrehte Film „The
Glenn Miller Story" (mit James Stewart als
Hauptdarsteller) also doch noch der Wirklichkeit zu
entsprechen. Freilich sind viele andere Episoden darin
reine Fiktion und nicht authentisch. Beispielsweise soll
der typische Glenn-Miller-Sound erst 1938/39 „erfunden"
worden sein, als sich der Lead-Trompeter sich zufällig
einen Zahn ausgeschlagen habe und deshalb ausgefallen
sei. Im Hollywood-Schinken wird gezeigt, wie Glenn
Miller angeblich die Trompetenstimme in einer
nächtlichen Kraftanstrengung umgehend für die Klarinette
transponierte. Dies ist absoluter Blödsinn, da Trompete
und Klarinette ja normalerweise B-Instrumente sind und
somit ohnehin von den selben Notenblättern spielen
können.
Johnny Mince - die Haare des damals 70-Jährigen waren
noch füllig und schwarz, und auch das Gesicht des agilen
Musikers ähnelte dem des seinerzeitigen
USA-Präsidenten-Darstellers Ronald Reagan - fragte mich,
ob ich an einer anderen guten Geschichte interessiert
sei, und er schoss gleich los: „In der Ray Noble Band
hatten wir eine Probe von Glenn Millers Arrangements.
Pee Wee Erwin blies normalerweise die hohe Trompete über
dem Saxofonsatz. Doch er war an diesem Tag krank und
nicht da. So sagte Glenn Miller zu mir: ,Könntest du
nicht den Part von Pee Wee übernehmen? Du kannst ja die
gleichen Noten verwenden.' Er hörte das, und er bekam
die Idee, die Klarinette führen zu lassen.” Der berühmte
und unverwechselbare Glenn-Miller-Sound war geboren...
Außerdem erinnerte sich Johnny Mince: „Als Glenn Miller
dann seine eigene Band hatte, wollte er den gleichen
Sound. Er fragte mich, ob ich dabei mitmachen wolle. Er
bot mir einen Vertrag an, nach dem ich 25 Prozent der
Schallplatteneinnahmen bekommen sollte. Ich bat um
Bedenkzeit. Eine Woche später erklärte ich ihm, ich
könne das nicht tun. Er war sauer. Ich dachte: Warum
soll ich etwas mit Miller machen? Wer, zum Teufel, ist
Glenn Miller? Das ist der Grund, warum ich heute kein
Millionär bin!"
Johnny Mince lachte dabei, die Selbstvorwürfe konnte er
zu Lebzeiten wohl überwinden. Von New York aus schickte
mir der alte Herr noch einen feinsäuberlichst
handgeschriebenen Brief, in dem er um die Zusendung des
Originalnegativs eines Fotos bat, das ich von ihm
gemacht hatte. 1990 wollte ich eigentlich meinen
geschätzten Klarinetten-Kollegen in in der
Ostküsten-Metropole treffen, doch irgendwie klappte es
nicht. John Henry Muenzenberger, der allererste
Klarinettist von Glenn Miller, starb dann 1997 –
85-jährig. Die Millionen hätte er sowieso nicht mit ins
Grab nehmen können…
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