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Christian Mück

Kaunas, Allee

Mike Hennesey

Bernd Konrad




Ron Carter
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KARLSRUHE/KAUNAS.
Seit 1981 existiert das Jugendjazzorchester
Baden-Württemberg, und seither stießen die
Auslandstourneen, die mehrmals durch Schwarzafrika und
Südostasien führten, bei den swingenden Talenten auf
große Resonanz. Ende April stand für die von Professor
Bernd Konrad geleitete Big Band ein Kurztrip nach
Litauen zum dortigen Festival „Kaunas Jazz“ auf dem
Plan.
Der in Karlsruhe ansässige und von Wolfgang Gönnenwein
präsidierte Landesmusikrat bezahlte die Flugkosten, der
örtliche Veranstalter den Transfer Vilnius-Kaunas,
Unterkunft und Logis.
Sofort nach der Litauens Loslösung von der Sowjetunion
wurde 1991 in Kaunas, der mit 365 000 Einwohnern
zweitgrößten Stadt des südlichsten Baltenstaates, ein
Jazzfestival ins Leben gerufen. Der Jazz-Begriff wird
hier sehr weit gefasst, und das Publikum gleicht bei dem
alljährlichen Event keineswegs einem Rentnertreff. Die
Jugend ist voll da und integriert – auf den Podien und
in den Auditorien.
Freilich sorgen naturgemäß amerikanische Superstars
immer wieder für die Hauptattraktionen. In den Vorjahren
gastierten u.a. Elvin Jones, Charles Lloyd und John
Scofield bei „Kaunas Jazz“, jetzt wurden der 1937
geborene Kontrabassist Ron Carter und nochmals der
Gitarrist Al di Meola verpflichtet.
Die Hauptkonzerte liefen erneut über die Bühne vom „VDU
koncertų salė“ innerhalb der Universität,
Feuchtfröhliche Nachfeiern und kreative Sessions fanden
im Club „Combo“ statt, sogar in der Synagoge erklang
Musik.
Am lautesten und am turbulentesten ging es freilich auf
dem neben dem Kriegsmuseum gelegenen „Vienybės Platz“
her. Zu nächtlichen Stunden gab es hyperaktiver HipHop,
Funk, Rap und Rock aus Estland und Litauen, zudem eine
Jazz-Modeschau samt Feuerwerk.
Am sonnigen Samstagnachmittag kamen jedoch auch
dezentere Töne zu ihrem Recht. Bei freiem Eintritt und
zwangloser Atmosphäre durften da die Newcomers vom
deutschen Südwesten aufspielen. Ein fulminanter Start
mit dem Cole-Porter-Standard „Begin The Beguin“, mal
eine coole Ballade wie das vom Bandmitglied Tobias
Becker arrangierte Stück „All The Way“ - bis zur
fetzigen Zugabe „Diggin’ On James Brown“.
Kompakter Big-Big-Sound, angereichert mit exzellenten
Soli. Da gab es zu guter Letzt begeisterten Beifall von
der UNO, genauer vom „UNO Jazz Ensemble“. Die an der
Universität im amerikanischen Bundesstaat Nebraska
ansässige Formation konzertierte direkt nach dem
Jugendjazzorchester.
Als sich Bandleader Bernd Konrad anschließend in einem
Straßencafe mit einem spendierten Glas Weißwein erholte,
schlenderte Litauens Kulturminister Jonas Jucas vorbei
und lobte dessen Ensemble ausdrücklich. Ähnlich
begeistert war auch der englische Pianist und
„Billboard“-Redakteur Mike Hennessey.
Das Fazit von Bernd Konrad: „Ich fand die Tour
wunderschön, obgleich sie sehr kurz war. Auf die Jungs
kann man sich verlassen. Wir haben nicht viel geprobt,
und es gab durchweg neue Stücke. Ich arbeite gerne mit
diesen Leuten – schade, dass sie jetzt nach zwei Jahren
auseinander gehen.“. Und außerdem: Bernd Konrad weilte
erstmals im Land seiner Großmutter, einer Litauerin.
Ganze 36 Stunden hielten sich Konrad und die
aufgeweckten Besten vom Südwesten in Kaunas auf. Zum
Schlafen sind da die Kids kaum gekommen. Da schlummerten
diese inniglich auf der Rückfahrt zum Flughafen in
Vilnius. Stolz dürfen alle sein, dass sie während ihrer
Darbietung „live“ auf einer riesigen LED-Wand zu sehen
waren. Ungeduldig wird jetzt eine – sicherlich wieder
flott geschnittene - DVD erwartet, auf der „Kaunas Jazz
2008“ dokumentiert wird – mitsamt dem Gastspiel des
Jugendjazzorchesters Baden-Württemberg.
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