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SACHSENHEIM/WEIKERSHEIM.
Wenn das Jugendjazzorchester von Baden-Württemberg jeweils in den
Oster- und Herbstferien seine obligatorischen Arbeitsphasen abhält,
hat man meist ein öffentliches Konzert als unmittelbares Ziel. Jetzt
diente in der Musikalischen Bildungsstätte Schloss Weikersheim
jedoch eine CD-Aufnahme als große Motivation. Dazu kam von den
renommierten Ludwigsburger Bauer-Studios mit mobilem Equipment der
einfühlsame Toningenieur Thomas Schmidt angereist, der schon oft
jugendliche Jazzer vor seinen Mikrofonen postierte.
Die allererste Platte machte die stets rotierende Newcomers-Big-Band
übrigens vor genau 25 Jahren – damals noch eine schwarze
Vinylscheibe. Diese Dokumentation entstand bei der dritten
Arbeitsphase Mitte April 1982 an der Bundesakademie in Trossingen.
Schon beim Urbeginn des vom Landesmusikrat getragenen Klangkörpers
fungierten als versierte Bandleader der Posaunist Jiggs Whigham und
der Saxofonist Bernd Konrad. Der Amerikaner Jiggs Haydn Whigham galt
zu dieser Zeit noch als der einzige Jazz-Professor Deutschlands -
mittlerweile ist er mit vielen swingenden akademischen Würdenträgern
umgeben, darunter auch Bernd Konrad, der ansonsten „solo“ das
baden-württembergische Jugendjazzorchester anführt.

Speziell betreute Bernd Konrad nun erneut die Saxofonisten und gab
den Bläserkollegen wertvolle Tipps mit auf den musikalischen
Lebensweg – beispielsweise den „Trick“ mit der Zirkularatmung,
welche wirklich endlos lange Töne und Phrasen erlaubt. Jiggs Whigham
machte seinem Posaunensatz klar, wie wichtig die Traditionen sind:
Die von afrikanischen Quellen stammende Jazz-Rhythmik die Weltmusik
allgemein und die Personalstile von Posaunenlegenden wie Jack
Teagarden und Tommy Dorsey.

Für die Rhythmusgruppe zuständig war der Gitarrist Frank Kuruc,
Christian Mayers unterrichtete die Trompeter und Anika Koese
kümmerte sich um die drei Vokalistinnen, unter ihnen Agnes Lepp aus
Sachsenheim-Spielberg.
Die 1985 geborene Allround-Künstlerin singt heutzutage Mezzosopran
und studiert derzeit Jazzgesang in Nürnberg. Schon im Alter von 9
Jahren lernte Agnes Lipp bei Matthias Leucht das Saxofonspiel, mit
15 erhielt sie ganz ordentlich klassischen Klavier- und
Gesangsunterricht. Ihre instrumentalen Fertigkeiten konnte sie dann
in der Big Band des Ludwigsburger Goethe-Gymnasiums unter Beweis
stellen.
Jetzt,
in Weikersheim, war es für sie „eine schöne Erfahrung, mit
Gleichaltrigen Musik zu machen“. Besonders angetan zeigte sich Agnes
Lepp von ihren Jazz-Lehrmeistern: „Super Dozenten, bei denen man
sehr viel lernen kann!“.
Als gemeinsames Ziel stand eine möglichst perfekte CD-Aufnahme samt
kreativen Einzelleistungen fest. Für die Silberscheibe ausgesucht
wurde eine bunte Mischung von vertrauten aber auch neuen Stücken:
Joe Zawinuls „Birdland“ in einem Arrangement von Roger Holmes,
„Artistry Jumps“ des progressiven Bandbosses Stan Kenton, der
Calypso „St. Thomas“ des Saxofonisten Sonny Rollins in einer Fassung
von Bill Holman, die von Mark Taylor orchestrierte Bossa-Nova-Nummer
„Chega De Saudade“ des Brasilianers Antonio Carlos Jobim sowie aus
südwestdeutschen Landen „An hellen Tagen“ von Rainer Tempel.
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