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Die Priorität der
absoluten Improvisation
Bauer/Nozati/van Hove jazzten in der Dieselstraße
| Esslingen. Ein intensives
Aufeinanderhören, nie aufhörende Intensität - dies bestimmt das
avantgardistische Improvisieren eines Trios mit Künstlern aus drei
Ländern. Der deutsche Posaunist Johannes Bauer, die französische
Vokalistin Annick Nozati und der belgische Pianist Fred van Hove zeigten
bei ihrem Gastspiel im Esslinger Kulturzentrum "Dieselstraße
26" keinerlei Verständigungsschwierigkeiten. Freilich: bei dem
völlig von Noten und "Head-Arrangements" losgelösten Jazzen
der freien Art kam auch Einförmigkeit und Eintönigkeit auf.
Weniger umfassend und weitreichend waren hingegen die Aktionen von Annick Nozati, die nach Tätigkeiten in der Bildenden Kunst und im Theater relativ spät zur Musik stieß. Bei ihr sind nun Parallelen zu der im Jazz heimisch gewordenen asiatischen Stimmkünstlerin Sainkho Namtchylak auszumachen, wenn sie schroff obertonreiche Laute ansetzt und exotisch-folkloristisch intoniert. Bei aufgeregten Monologen in einer imaginären Sprache und Liedern ohne Worte erinnert sie an die Amerikanerin Lauren Newton mit Wohnsitz Tübingen. Traurige Litanei wider diabolisches Geschrei - Szenisches, Gestik und Performance dominierten vor urmusikalischer Ausdrucksfähigkeit. Nicht jedes Konzert kann zum Ereignis der Spitzenklasse gereichen. Beim absoluten Improvisieren gehen die Künstler eben immer ein Risiko ein. Aber die Lust auf Interaktion und Kommunikation lohnt stets dieses Wagnis. Nicht ohne Grund wird Fred van Hove im Programmheft zitiert: "Das wunderbare und schreckliche Gefühl ist, dass man in der nächsten Sekunde auf die Nase fallen oder in den Himmel steigen kann." |
Hans Kumpf, Oktober 1999
Text & Photographie
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