Trompeter im Höhenrausch

Am
23. August verstarb in Kalifornien der kanadische Jazztrompeter
Maynard Ferguson im Alter von 78 Jahren. Er war dort wegen Nieren-
und Leberproblemen in ein Krankenhaus eingeliefert worden und erlitt
dann noch eine Infektion. Der Blechbläser machte sich besonders
einen Namen als Höhenspezialist – wie zuvor schon beispielsweise Cat
Anderson. Mit seiner „Big Bop Nouveau Band“ war Ferguson auch häufig
in Europa zu hören.
Als erfahrener Entertainer galt Maynard Ferguson fürwahr, ein
Trompeter im steten Höhenrausch. Äußerlich gab er geradezu eine
barocke Figur ab, ein Kraftprotz, der gerne Spitzentöne erschallen
ließ. Allerdings verbrauchten seine akrobatischen Aktionen viel
Lippen- und Zungenkraft, und so währten seine bläserischen Einsätze
relativ kurz und wurden mit einem in der Luft ausgeführten
Trompeten-Looping oder einem erlösenden Urschrei abgeschlossen.
Etwas weicher stieß Ferguson dagegen ins weiter dimensionierte
Flügelhorn. Fast hyperaktiv tänzelte er auf den Bühnen der Welt hin
und her, hinter ihm bis ins hohe Alter eine rockend-swingender
Klangkörper mit verblüffender Präzision. Samba, Flamenco, Blues,
Beat, Fusion als auch Duke Ellington und Dizzy Gillespie dominierten
stilistisch da seine Musik.
Die Trompetenkarriere des am 4. Mai 1928 in Montreal geborenen
Trompeters begann schon in seiner Teenager-Zeit. Mit 13 Jahren trat
er bereits als Solist im Radio auf, mit 17 gründete er seine eigene
Big Band. Sein Handwerk perfektionierte er u.a. in den Orchestern
von Count Basie, Stan Kenton, Charlie Barnett und Jimmy Dorsey.
Übrigens: Maynard Ferguson hat mir schon viele Schmerzen und
Arztkosten erspart. In der der Vor-Walkman-Ära nahm ich zum neuen
Zahnarzt einen klobigen Cassettenrecorder mit und ließ mir vom Band
die allerhöchsten Ferguson-Trompeten in die Ohren dröhnen – eine
willkommene Ablenkung vom schrillen Turbo-Bohrer. Schmerzfrei ohne
Medizin, nur von der „Droge“ Musik subjektiv betäubt…
(August 2006)
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Text und Photographie von
Hans Kumpf