
Bisher Unerhörtes im Münchner Radio: Basement Jazz auf M94.5
Basement Jazz heißt eine immer noch junge Sendung auf AFK M94.5,
zumindest wenn man sie mit der Geschichte des Münchner Aus- und
Fortbildungskanals vergleicht – ein Radiosender, der längst
selbst eine Institution ist und im Juli sein 14-jähriges
Bestehen feiern darf. Nun feiert Basement Jazz am Mittwoch, den
7. Juli 2010 mit einer aufwendigen Spezialsendung selbst
Geburtstag, und zwar den ersten.
Ein Jahr Sendung bei einem Aus- und Fortbildungsradio wirkt auf
den ersten Blick nicht spektakulär. Doch Martin Bürkl und Daniel
Geßner, die Köpfe hinter dem Jazzprogramm, setzen von Anfang an
alles daran, professionellen Ansprüchen gerecht zu werden. „Wir
wollen den Jazz nicht nur den Bildungswellen der
Öffentlich-Rechtlichen überlassen“, sagen die beiden
Verantwortlichen, selbst beide Studenten. Der Zugang zum Jazz
fehle vielen jungen Leuten auch deshalb, weil er oft als elitäre
„Ernste Musik“ gedacht wird. Oder als das genaue Gegenteil:
seichte Fahrstuhlmusik. Solche Vorurteile wollen sie durch
spannende und unverkrampfte Sendungen beim relativ jungen
Publikum von M94.5 abbauen.
Dass Jazz überhaupt beim „Studentenradio“ vorkommt, ist ja nicht
selbstverständlich. Überwiegend findet bei M94.5 Indie und
Elektro-Pop seinen Platz. Aber der Sender agiert schon immer
selbstbewusst an Konventionen vorbei. So stießen Bürkl und
Geßner in der Redaktion auf offene Ohren, als sie 2009 mit viel
Enthusiasmus das Sendungsformat Basement Jazz auf die Beine
stellten. Seither werden intensiv Kontakte zu Plattenfirmen und
Promotern geknüpft.
Die Besprechung von aktuellen Aufnahmen ist aber
nicht alles: Einmal im Monat picken sie sich ein Thema
oder einen Musiker heraus und bohren tiefer; das Ergebnis kann
dabei ganz unterschiedlich ausfallen: 120 Minuten über „Kind of
Blue“, die meistverkaufte Jazzplatte von Miles Davis, eine
fingierte Live-Sendung vom Münchner Christkindlmarkt, oder ein
Poetry-Jazz-Slam zusammen mit jungen Dichtern und Musikern im
kleinsten Sendestudio Münchens. Dazu kommen regelmäßige
Kartenverlosungen für Konzerte in München, bei denen der
Schwerpunkt nicht umsonst auf konventionsfeindlichen Jazzbands
mit klangvollen Namen wie „Mostly Other People Do the Killing“
liegt.
Wenn man die Redakteure fragt, wo sie mit Basement Jazz hin
wollen, bekommt man ambitionierte Ziele zu hören: „Eine
Bühnen-Version von unserem Projekt Poetry & Jazz, ein eigener
Clubabend. Nach dem Studium vielleicht eine Anstellung als
Jazzjournalist.“ Es würde ihnen aber vorerst reichen, wenn sie
noch mehr Leute davon überzeugen könnten, „dass Jazz in
Wirklichkeit ganz und gar nicht verstaubt ist“.
Am Mittwoch, den 7. Juli 2010 gibt es von 22 bis 24 Uhr wieder
Basement Jazz auf M94.5. Anlässlich des Geburtstags mit einer
großangelegten Verlosung der CD-Highlights aus 12
Sendungsmonaten. Außerdem gibt es Karten für den Jazzclub
Unterfahrt zu gewinnen und Live-Improvisationen von Jakob
Guglhör an Cello und Gesangsmikrofon.
Empfang in München: UKW 94.5 Mhz und Kabel 94,9 Mhz oder als
Internetstream unter
www.m945.de