«Don Chento Jazz» - ein Grund
mehr, Kaliningrad zu lieben!
Das letzte Juli-Wochenende in Kaliningrad stand ganz im
Zeichen Jazz-Musik vom Feinsten. Internationale Stars und
blutige Anfänger rangen um die Gunst des Publikums auf der neuen
Freiluftbühne.
Hinab zum Bach von der Königin-Luisenkirche führt der Weg zum
Gesangsfeld, dessen Tribünen etwa anderthalb Tausend Zuschauern
Platz bieten. Doch am 27, 28 und ganz besonders am 29. Juli
waren nicht nur die Sitzplätze, sondern auch die ganze
Grünfläche rund um die Bühne voll – Kaliningrader kamen mit
Freunden und Kindern, um dem internationalen Jazz-Festival „Don
Chento Jazz“ beizuwohnen. Insgesamt sollen es mehr als 4 Tausend
gewesen sein.
Bewundernswert waren die Gigs der anerkannten Weltstars des
Jazz: Victor Bailey, ehedem Bass-Gitarre der geradezu legendären
Formation „The Weather Report“ trat auf zusammen mit
Bas-Klarinette und Saxofonisten Bennie Maupin sowie Schlagzeugen
Lenny White (alle aus USA). Doch auch ein polnisches Trio „Adam
Wendt Power Band“ erreichte beim Publikum herzlichen Empfang
dank perfekter Verbindung von klassischen Jazz-Rhythmen mit
elektronisch angehauchten Klängen. Die Lokalmatadoren „Middle
Band“ mit ihren Interpretationen von Evergreens der großen
Big-Ladies-Ära haben sich ebenfalls tapfer geschlagen – sie
eröffneten das Festival am ersten Tag. Junge Litauer „Saules
Kliosas“ gingen sogar von der Bühne runter zu ihrem Publikum und
ernteten dafür ensprechenden Applaus.
Das vielschichtige Programm zielte auf verschiedene Generationen
der Musikliebhaber. Klassischer Jazz – für die, na ja, Seniors,
Night-Jazz-Disco mit „Sa(e)xy Spree“, einem litauischen Projekt
mit Gesang, Saxofon und DJ – fürs junge Volk. Im Stadtzentrum,
nahe des Drama-Theaters konnten Kaliningrader Musiker ihre Kunst
auf der freien Bühne präsentieren. Das passte sehr gut zum
Stadtfest, das ebenfalls an den Tagen gefeiert wurde.
Wladimir Katzman, Gründer und Präsident des „Don Chento Jazz“:
"Es ist fast wie ein Kind für mich, ein Teil von mir. Es gibt
Sachen im Leben, die man bewusst angeht: Lebensunterhalt
verdienen, Reisen. Doch dieses Festival… In den vergangenen zwei
Jahren hat es sich in meinem Unterbewusstsein fest verwurzelt“.
Begonnen hat „Don Chento Jazz“ im Jahre 2006, als Katzman,
Inhaber einer Pizzeria-Kette und selbst guter Kenner der
Jazz-Musik, ein positives Zeichen in Kaliningrad setzen wollte.
Absolute Stars des ersten Festivals wurden „The Manhattan
Transfer“ (USA). Die ersten Sommer-Konzerte dauerten nur zwei
Tage, ihnen folgten kleinere Performances und Klubabende. „Don
Chento“ förderte Nachwuchstalente, indem in der
Schostakowitsch-Musikschule ein Wettbewerb für junge
Jazz-Interpreten ausgerufen wurde.
Andrej Lewchenko, Producer des „Don Chento Jazz“:
"Zum ersten Mal wurde ein solches Festival mit allem, was dazu
gehört, allein und ausschließlich von Kaliningradern finanziert,
organisiert und technisch versorgt. Alle früheren Feste, vom
Stadtjubiläum 2005 bis zum Kunst-Marathon „Baltijskije Sezony“
oder „Luftbrücke Khrabrovo“ mit Scorpions und Joe Cocker, hatten
entweder föderalen Finanzhalt oder litauische Organisation
dahinter. Unser „Don Chento Jazz“ ist das erste Produkt
europäischer Qualität, das vollständig Kaliningrader Herkunft
ist – für uns ein großer Grund, stolz zu sein. Mein Gefühl sagt,
dass die Stadt ein solches Festival braucht.“
Natürlich gab es zahlreiche Sponsoren, Medienpartner und
Förderer. Eines der Ziele der Organisatoren ist es, die Musik
rund um die Ostsee vorzustellen. Generalkonsulate Litauens,
Polens sowie die deutsche Generalvertretung in Kaliningrad haben
zum Erfolg maßgeblich beigetragen. Die deutschen Stil-Ikonen „De
Phazz“ wurden zur Finale des dreitägigen Musikfestes mit einem
Feuerwerk und riesigem Jübel-Schrei empfangen.
Dr. Guido Herz, Generalkonsul Deutschlands in Kaliningrad:
" Das Don-Chento-Jazz-Festival war eines der herausragenden
Kulturereignisse in diesem Jahr in Kaliningrad. Es stimmte
alles: die Musik, die Organisation, die Stimmung und sogar das
Wetter. Ich kann die Initiatoren nur beglückwünschen. Das
Festival ist jetzt schon zu einem Anziehungspunkt weit über
Kaliningrad hinaus geworden. Dass es zum zweiten Mal
hintereinander stattgefunden hat, lässt mich hoffen, dass es zu
einer festen Institution im Kaliningrader Sommer wird.“
Russland, Litauen, Polen, Deutschland, USA, sogar Cuba
(polnisch-cubanische Latino-Band Rei Ceballo & Calle Sol),
Israel (vertreten durch brillantes Tevet Sela Quartet) und
Grossbritannien (fetziges Jazz-Pop-Duo Touch`N´Go), vereint im
Zeichen der Kunst – wenn das kein gutes Beispiel der political
corrrectness ist! Sogar das Wetter, sonst eher mürrisch drauf,
hat den Kaliningrader ihren Spaß gegönnt und während der
Konzerte keinen Tropfen abgelassen. Trotzdem waren die
schwarz-weißen Regeschirme mit dem Festival-Logo der
Verkaufsrenner.
Das Festival ist vorbei, doch auf der Homepage
www.jazzfestival.ru mehren sich bereits Einträge mit den
Zuschauerwünschen für das „Don Chento jazz“-2008. Man darf
gespannt sein…