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SWR 2 Jazzprogramm - Mai 2007

 

Dienstag, 1. Mai, 19.35 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
„Heiße Pralinen“
Aufnahmen mit den „Chocolate Dandies“
Von Werner Wunderlich

Große Konzerte gaben sie nie, und auf Tourneen durch amerikanische Ballsäle gingen sie auch nicht, die „Chocolate Dandies“, vielmehr arbeiteten sie ausschließlich in Plattenstudios zusammen. Und besonders auf Süßigkeiten erpicht waren sie wohl auch nicht – der Bandname deutet eher diskret und ironisch auf die Hautfarbe der Musiker hin, unter denen Benny Carter eine führende und prägende Rolle übernommen hatte. In den frühen 30er Jahren und 1940 entstanden ein paar herrlich swingende Aufnahmen, für deren Qualität neben Carter auch Coleman Hawkins, Teddy Wilson, Roy Eldridge, John Kirby und einige andere sorgten.


Mittwoch, 2. Mai, 19.05 – 20.00 Uhr
Jazz Session: Aus dem Archiv
Eric Dolphy 1961 bei der Berliner Funkausstellung
Am Mikrophon: Gerd Filtgen

Mit seinen zukunftweisenden Improvisationen blieb der Multi-Instrumentalist Eric Dolphy ein Außenseiter. Die Engagements als Sideman in den Bands solch starker Persönlichkeiten wie Charles Mingus oder John Coltrane ließen seine ausgefallenen Beiträge noch intensiver leuchten. Ähnliches lässt sich auch über das Konzert des Eric Dolphy Quintetts 1961 bei der Rundfunk- und Fernsehausstellung in Berlin sagen. Die bewegten Diskurse, die sich Dolphy mit dem Trompeter Benny Bailey und dem Pianisten Pepsi Auer in „Hot House“ liefert, zählen immer noch zu den spannendsten Versionen des Bop-Themen-Klassikers.


Donnerstag, 3. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Thomas Loewner

Auch im neuen Programmschema von SWR2 wird das NOWJazz Magazin regelmäßig über Neues aus der Welt des Jazz berichten. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über wichtige Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. Nur die Zeit hat sich geändert: Das Magazin ist in der Regel am ersten Donnerstag jeden Monats von 23.03 Uhr bis 24.00 Uhr zu hören.


Freitag, 4. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Ein doppeltes Jubiläum
Seit 25 Jahren besteht die „Wiener Musikgalerie“, deren Initiator Franz Koglmann 60 wird
Von Nina Polaschegg

Vor 25 Jahren lag die Musikstadt Wien noch im Dämmern – zumindest was die Aktivitäten im Bereich zeitgenössischen Komponierens oder auch den Jazz betrifft. Franz Koglmann und Ingrid Karl waren einsame Vorreiter, als sie 1982 die „Wiener Musikgalerie“ gründeten, Festivals veranstalteten, Schriften veröffentlichten und Workshops mit namhaften Jazzmusikern organisierten. Bill Dixon, Gimmy Giuffre, Anthony Braxton, Morton Feldman – solch verschiedene Musiker wurden unter einem Dach vereint. Franz Koglmann selbst steht als Trompeter für die Entwicklung eines eigenen Stils, eines „Third Stream“, in dem er den Jazz mit der europäischen Moderne vereint. Für die Wiener Musikszene und eine ganze Reihe von Improvisatoren der jüngeren Generation boten seine musikalischen Entwicklungen und die Veranstaltungen der „Wiener Musikgalerie“ zudem einen unerschöpflichen Reichtum an Anregungen auf dem Weg, eine eigene musikalische Identität zu entwickeln.


Sonntag, 6. Mai, 19.16 – 20.00 Uhr
„The Polish Folk Explosion“ (nach dem Hörspiel)
Der Bassist Vitold Rek u.a. mit Albert Mangelsdorff und Charlie Mariano
Von Werner Wunderlich

Der seit vielen Jahren in Deutschland lebende Bassist Vitold Rek hat die Verbindung zu seiner südpolnischen Heimat nie verloren. In seinem Spiel und in seinen Kompositionen ist die musikalische Folklore der Gegend um seine Geburtsstadt Rzeszów stets lebendig geblieben. Im Sommer 2001 verwirklichte er sein Projekt „The Polish Folk Explosion“, das Jazz und polnische Volksmusik überzeugend und erfolgreich zusammenführte. Die eine Seite vertraten Albert Mangelsdorff, Charlie Mariano, John Tchicai und Gilbert Matthews, für die andere trat die sechsköpfige „Kapela Resviana“ an, mit Gesang, Violine, Klarinette und Dulcimer. Vitold Rek stellte „The Polish Jazz Explosion“ live auf deutschen Bühnen vor und hielt das Projekt auf einem viel beachteten Album fest.


Montag, 7. Mai, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Die Newport Story
Zur Entwicklung eines großen Festivals
Von Günther Huesmann

Als die Kunstmäzene Elaine und Louis Lorillard vor über 50 Jahren in Newport, Rhode Island ein Jazzfestival aus der Taufe hoben, konnten sie nicht ahnen, was sie bewirken würden. Das erste kontinuierlich stattfindende Jazz-Festival öffnete neue Dimensionen in der Präsentation improvisierter Musik und wurde zum Vorbild für hunderte Nachahmer. Beim Newport Jazz Festival wurde – durch die Beiträge von Duke Ellington, Miles Davis, Thelonious Monk und vielen anderen - Musikgeschichte geschrieben.


Mittwoch, 9. Mai, 19.05 – 20.00 -Uhr
Jazz Session: 30 Jahrhundertaufnahmen des Jazz
Cecil Taylor: „Conquistador“ und das Anthony Braxton Quartet (Dortmund) 1976
Von Bert Noglik

Mit der 1966 veröffentlichten Platte „Conquistador!“ demonstrierte der Pianist Cecil Taylor einen hochentwickelten Indivdualstil in einem von ihm geprägten Gruppenkontext. Der eigene, mit der Abkehr von einer Unterhaltungsfunktion einhergehende Kunstanspruch, verbunden mit der Offenheit für Einflüsse aus der Musik der europäischen Moderne bei gleichzeitigem Insistieren auf die Verwurzelung in der afroamerikanischen Tradition führte Taylor zu einer Klangsprache, die den Jazz seiner Zeit radikal neu definierte. Wie die Musik auf dem Album mit Cecil Taylor thematisiert auch das 1976 mitgeschnittene Konzert des Quartetts um den Saxophonisten und Klarinettisten Anthony Braxton die Integration von Komposition und Improvisation, wobei Braxton seine Vorgaben als „eine große Plattform aus stabilen Logiken“ begreift, auf deren Grundlage die Musiker in der Lage sein sollen, nach den „Gesetzen der architektonischen Strukturen zu improvisieren und zu interagieren.“


Donnerstag, 10. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr

NOWJazz: Post-Rock oder Post-Jazz?
Die Experimente der Gruppe „Tortoise“
Von Harry Lachner

Langsame Bewegungen, eine gelassene Haltung: So präsentierte sich Mitte der neunziger Jahre die amerikanische Band „Tortoise“, deren Musik man flugs zum trendsetzenden „Post-Rock“ erklärte. Einerseits erfüllte sie die Voraussetzungen der Rockmusik mit ihrem gitarrenbetonten Klang, andererseits ging sie jedoch weit über die klassische Songform des Rock hinaus. Von Anfang an kam der Improvisation eine entscheidende Rolle zu – und deren Wurzeln lagen eher im Jazz als in der endlosen Variation von Rock-Phrasen. Anklänge an die Canterbury-Szene sind in der Musik von „Tortoise“ ebenso zu spüren wie die Wiederholungszwänge der Minimal Music. Bis heute nimmt die Band eine Ausnahmestellung ein: als Vermittlungsagent zwischen Rock-Emphase und kluger Improvisationsmusik.


Freitag, 11. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Avant-Rock oder Soft-Jazz?
Die digitalen Experimente von Ekkehard Ehlers
Von Julia Neupert

Seine Musik kann man in Kunsthallen hören, in Theatern, Clubs oder WG-Küchen. Ekkehard Ehlers interessiert sich für Neue Musik genauso wie für Jazz, Ballett, Pop und sagt: „Das Zärtliche an meiner Musik ist: Demut vor der schieren musikalischen Freiheit.“ Seine Demut klingt manchmal opulent romantisch, manchmal spröde analytisch und manchmal krachend extrovertiert. Ehlers arbeitet mit Samples von Charles Ives bis Albert Aylers, benutzt Idiome und Klischees – aber immer ist klar: Er arbeitet tatsächlich mit den Dingen. Sucht nach dem bestimmten Detail, das die Musik in diesem Moment für ihn spannend macht und interpretiert es dann mit einer Art distanzierter Hingabe, die nichts mit „Cover“ oder „Remixes“ zu tun hat. Eher hört man bei dem studierten Philosophen ein digitales Nach-Sinnen über das Besondere an einem Akkord, einer Klangfärbung oder einer rhythmischen Struktur: „Ich will Musik, die an Dinge erinnert, die verloren gehen. Sich verlierende exakte Bewegungen.“


Sonntag, 13. Mai, 19.28 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
„Mr. Sunshine“ – der Pianist Monty Alexander
Von Gerd Filtgen

In den vergangenen Jahren kehrte Monty Alexander immer wieder zu den musikalischen Quellen seiner Heimat Jamaika zurück. Als Teenager hatte der Pianist in den Clubs von Kingston die Anfänge des Ska miterlebt. Die damals auf der Insel populäre, am Rhythm’n’Blues und am Soul orientierte Musik, bei der die Rhythmusgruppe durch satte Blechbläser-Riffs besonders hervorstach, zählt zu den Vorstufen des Reggae. Mit einem gehörigen Schuss Gospel und Blues bringt Alexander einen ähnlich schweißtreibenden Groove in sein swingendes Pianospiel ein.


Montag, 14. Mai, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Jenseits der Stile – der Saxophonist John Surman
Von Harry Lachner

Nur wenige Musiker haben es so gut wie John Surman verstanden, aus dem Stilpluralismus, den zahlreichen Verweisen und Anspielungen einen identifizierbaren Personalstil zu entwickeln. Im Lauf der Jahre begegnete man dem britischen Saxophonisten im Kontext frei improvisierter Musik – genauso wie im sorgsam ausgetüftelten Bläsersatz bei Gil Evans. Man kann seine ausgefallenen Klangschichtungen mit der Mehrspurtechnik bewundern und Parallelen zur Minimal Music ziehen oder den versonnenen Folklore-Motiven aus seiner Heimat Cornwall nachlauschen. Doch nicht die einzelnen Elemente sind es, die John Surman zu einem der wichtigen und zweifellos eigenständigsten Saxophonisten des europäischen Jazz machen, es ist vielmehr die Mühelosigkeit, mit der er diese Elemente zu verbinden und in präzisen Klangbildern zu bündeln versteht.


Mittwoch, 16. Mai, 19.05 – 20.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Mit Präzision und Witz
Drummer John Hollenbeck mit dem „Claudia Quintet“
zur Eröffnung des neuen Karlsruher Jazzclubs
Am Mikrophon: Reinhard Kager

Nur wenige Gehminuten vom „Tollhaus“ entfernt, bezieht der Jazzclub Karlsruhe Ende April ein neues Domizil: einen architektonisch aufwändig restaurierten Gasthof an der Durlacher Allee/Ecke Schlachthausgasse. Für das Eröffnungsfest hat der Jazzclub Karlsruhe in Kooperation mit der Jazzredaktion von SWR2 ein kleines, viertägiges Festival zusammengestellt. Einen der Höhepunkte dieses Programms markiert der Auftritt des Schlagzeugers John Hollenbeck, der am 30. April mit seinem – nach dem ältesten Fan benannten – „Claudia Quintet“ gastieren wird. Dahinter verbergen sich so hochkarätige Musiker wie der Saxophonist Chris Speed, der Vibraphonist Matt Moran, der Akkordeonist Ted Reichman und der Bassist Drew Gress. Allein die Besetzung lässt ungewöhnliche Klangfarben erwarten. Hollenbeck, dessen breite Palette von subtilen minimalistischen Mustern bis zum satt swingenden Groove reicht, ist ein Meister im Zusammenfügen unterschiedlicher Stile. Auf jähe Stimmungswechsel darf man also gefasst sein.


Donnerstag, 17. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Der Drummer als Multiplikator
Eric Schaefer im Gespräch mit Günther Huesmann

Eric Schafer, Jahrgang 1976, zählt zu den phantasievollsten und vielseitigsten Schlagzeugern der jüngeren europäischen Jazzszene. Ob im Piano-Trio „em“ mit dem Pianisten Michael Wollny, in der Band „Nickendes Perlgras“ oder im Gitarren-Trio „Johnny La Marmara“ – der in Berlin lebende Schlagzeuger überzeugt als ein Rhythmus-Katalysator, den Gegensätze, Extreme und Brüche nicht schrecken, sondern zu Rhythmen von großer Konzentration und Spannkraft herausfordern. Dabei hilft ihm die Tatsache ganz außerordentlich, dass er auch als Komponist zu überzeugen weiss.


Freitag, 18. Mai, 23.07 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Bert Noglik

Das neue Sendeschema von SWR2 brachte auch eine neue Jazzsendung hervor: Mit dem NOWJazz Update, das als Nachfolger für das NOWJazz Prisma kreiert wurde und zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Freitagsschiene platziert ist, steht nun ein weiterer Sendeplatz zur Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik zur Verfügung. Das Update erlaubt es den Moderatoren, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Aber auch kleine Portraits von Nachwuchskünstlern sollen Platz finden in dieser Sendung, in der die SWR2-Jazzautoren gleichsam eine „Wild Card“ erhalten: Was gespielt wird, entscheiden sie selbst erst kurz vor dem Sendetermin.



Sonntag, 20. Mai, 19.34 – 20.00 (nach dem Hörspiel)
„Walk On“
Der Bassist Ray Brown als Sideman und Leader
Von Gerd Filtgen

In seiner gesamten Karriere war Ray Browns Bassspiel immer ein Garant für gutes Timing, saubere Intonation und einen prächtigen Ton. Die strukturschaffenden Linien des viel beschäftigten Musikers finden sich zu Bebop-Glanzzeiten ebenso wie in gediegenen Main¬stream-Sessions jüngeren Datums. Jedoch erst im fortgeschrittenen Alter konnte der gefragte Sideman sich stärker als Leader auf eigene Projekte einlassen mit jüngeren Musikern wie den Pianisten Geoff Keezer und Benny Green.


Montag, 21. Mai, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: „Djangos Erben“ (2)
Aktuelle Trends der Musik des Balkan im Jazz
Von Thomas Loewner

Django Reinhardt war der erste europäische Jazzmusiker, der weltweit Erfolg hatte, ohne dabei amerikanische Vorbilder zu kopieren. Reinhardt entstammte einer Sinti-Familie, und diese Herkunft hatte auch die Musik des Gitarristen maßgeblich beeinflusst. Django Reinhardts „Gypsy Swing“ hinterließ einen nachhaltigen Eindruck in der Jazzwelt, der bis heute anhält: Unzählige Gitarristen arbeiteten und arbeiten daran, sein Erbe am Leben zu halten. Doch Reinhardts Pioniertaten haben sich noch auf viel breiterer Ebene ausgewirkt: Bei der Emanzipation des europäischen vom amerikanischen Jazz spielte die Musik des Balkans auch später ein große Rolle und hat bis heute nichts an Bedeutung verloren. Viele erfolgreiche, aus den Balkanländern stammende Jazzmusiker haben in den letzten Jahren überzeugende Wege gefunden, ihre musikalischen Wurzeln mit den Ausdrucksmitteln des Jazz zu verbinden, darunter unter anderen der Pianist Bojan Zulfikarpašić oder der rumänische Saxophonist Nicolas Simion. Selbst Musiker aus den USA haben die Reize entdeckt, die die Musik Osteuropas im Jazzkontext bietet. Erinnert sei etwa an Projekte wie „Charms Of The Night Sky“ von dem New Yorker Trompeter Dave Douglas.


Mittwoch, 23. Mai, 19.05 Uhr
Jazz Session entfällt

Donnerstag, 24. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Midnight Sounds“
Burnt Friedmans neueste Grooves
von Harry Lachner

Der Griff zu Pseudonymen, unter denen heute viele Musiker - besonders aus dem Bereich der Elektronik - ihre Platten aufnehmen, repräsentiert mehr als nur ein listiges Verwirrspiel. Vielmehr stellt diese Praxis das Prinzip Identität selbst in Frage. Der Kölner Vibraphonist, Elektroniker und Keyboarder Burnt Friedman (alias Bernd Friedmann) veröffentlichte Arbeiten unter Projektnamen wie "Some More Crime", "Flanger", "Drome" oder "Non Place Urban Field". Besonders seine Aufnahmen mit "Flanger" streifen auf eine ironische, verspielte Weise die Nähe zum Jazz - ganz so, als wolle er hier die Identitätsfrage für ein ganzes Genre aufwerfen: die Neuinszenierung einer vergangenen Unschuld. Ganz anders dagegen erscheinen seine beiden Alben mit dem Präzisionsschlagzeuger Jaki Liebezeit. Es sind kleine Kompendien ins Sachen rhythmischer Raffinesse und verblüffender Komplexität.


Freitag, 25. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Improvisieren am südlichen Breitengrad
Das kreative „Duo 48nord“ aus München
Von Nina Polaschegg

Der 48. Breitengrad schrammt südlich knapp an München vorbei. Weshalb „48nord“ zur Chiffre eines Münchener Duos wurde: Der E-Gitarrist Ulrich Müller und der Kontrabassist Siegfried Rössert sammelten ihre musikalischen Erfahrungen ursprünglich im Jazz und im Rock, was aber allenfalls als Background in ihrer gegenwärtigen Musik durchschimmert, die man wohl eher in die Rubrik des experimentellen Improvisierens einordnen muss. Für beide Musiker ist zudem die Elektronik ein wichtiges Instrumentarium, mit dem sie die Klänge von Gitarre und Bass bearbeiten und verfremden. Das unzertrennbare Duo „48nord“ produziert auch Musik für Hörspiele und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition. Zahlreiche Projekte mit anderen Musikern, wie etwa die mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Posaunisten, Elektroniker und Komponisten George Lewis, erweiterten den Horizont ihrer Arbeit.


Sonntag, 27. Mai, 19.29 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Small Groups – Count Basie 1950-1952
Von Werner Wunderlich

Manchmal veranlassen ökonomische Überlegungen erfolgreiche Bandleader, ihre großen Formationen aufzugeben und mit kleineren Gruppen Ohren und Herzen der Zuhörer und Plattenkäufer – und damit auch deren Geldbörsen – zu öffnen. Als das Publikum zunehmend den neuen Bebop gegenüber dem bis dahin dominierenden Swing vorzog, stellte Count Basie Anfang der 50er Jahre kleine und wirtschaftlich ergiebigere Bands zusammen, in denen jedoch weiterhin die vertraute Basie-Handschrift den Ton angab. Renommierte Musiker – unter ihnen Klarinettist Buddy DeFranco, Tenorist Wardell Gray und Trompeter Clark Terry – sorgten 1950 für höchste Qualität; 1952 lud Basie den Pianisten Oscar Peterson zu Comboaufnahmen ein und setzte sich selbst an die Orgel.


Montag, 28. Mai, 15.05 Uhr
Jazztime entfällt

Montag, 28. Mai, 19.31 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Aus Kuba in die internationale Jazzwelt
Der Saxophonist Paquito D’Rivera
Von Werner Wunderlich

Paquito D’Rivera, 1948 in Havanna geboren, war als Saxophonist, Flötist und Klarinettist der führende Solist der Band „Irakere“, die von Kuba aus die musikalische Botschaft der Antillen-Insel in die Welt tragen sollte. Die kulturpolitische Gängelei der kubanischen Funktionäre widerstrebte ihm zutiefst, und während einer der Auslandstourneen setzte sich Paquito 1980 in Madrid von „Irakere“ und dem Sozialismus ab, bat um amerikanisches Asyl und machte fortan sein Glück in der freien Welt. Gefeierte internationale Gastspiele und eine lange Reihe von Alben mit eigenen Gruppen stehen auf seinem Konto, ebenso der ihm 1991 verliehene „Lifetime Achievement Award“ für seine Verdienste um die Latin Music und 1997 ein Grammy für seine CD „Portraits Of Cuba“.


Mittwoch, 30. Mai, 19.05 Uhr
Jazz Session entfällt

Donnerstag, 31. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: „Kein bisschen leise“
Das „Globe Unity Orchestra“ zum 40-Jahr-Jubiläum beim JazzFest Berlin 2006
Am Mikrophon: Reinhard Kager

Alles wurde bestens vorbereitet. Dort, wo es seinerzeit auch begann: in den Studios des SWR, der – in Gestalt des damaligen SWF-Redakteurs Joachim Ernst Berendt – maßgeblich an der Gründung des „Globe Unity Orchestra“ beteiligt war. Das mittlerweile fünfzehnköpfige Ensemble über vierzig Jahre lang am Leben erhalten zu haben, ist freilich das große Verdienst Alexander von Schlippenbachs. Der soeben mit dem SWR-Jazzpreis ausgezeichnete Pianist war es auch, der die Proben des „Globe Unity“ vor dem großen Auftritt beim JazzFest Berlin geleitet hatte. Und damit die Basis schuf für ein fabelhaftes Konzert, bei dem sich die – im Durchschnittsalter schon an die sechzig Jahre schrammenden – Musiker mit geradezu jugendlich-feurigem Elan präsentierten. Die Crème de la crème der internationalen Improvisationsszene war in diesem „Globe Unity“ versammelt. Pars pro toto erwähnt seien George Lewis mit einem fulminant gleitenden Posaunensolo, Evan Parker mit seinen endlos scheinenden Circular Breathings am Saxophon, Kenny Wheeler mit seinem melodisch funkelnden Flügelhornsolo, Axel Dörner mit seinem groovig gehauchten Trompetensolo und natürlich Alexander von Schlippenbach, dessen kluge Arrangements diesem Abend den formalen Halt sicherten.


Weitere Informationen im Netz:
www.swr2.de/jazz

 

 


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