
Der
in Worms lebende Saxophonist Gary Fuhrmann wird in diesem Jahr den
mit 5000 Euro dotierten Wormser Jazzpreis entgegennehmen. „Der
Preisträger überzeugt mit den Aufnahmen seiner Debüt-CD „G-Zone“ als
herausragender Instrumentalist auf hohem technischen Niveau: einmal
durch sein kraftvolles, temperamentvolles und konsequentes
Tenorsaxophonspiel, andererseits durch sein lyrisches und sensibles
Spiel auf dem Sopransaxophon“, begründet die Jury ihre Entscheidung.
„Obwohl G-Zone stilistisch an den Hardbop angelehnt ist, lässt Gary
Fuhrmann auch seine Freude am Experimentellen sowie seine
Beeinflussung durch John Coltrane erkennen.“ Diese Vielseitigkeit
spiegele sich auch in seinen Kompositionen und Arrangements wider.
Florian Gerster hat den von ihm gestifteten Preis beim
Preisträgerkonzert Ende Oktober im Wormser Lincoln Theater
überreicht. Fuhrmann präsentiert sich dort „klassisch“ mit seinem
beboporientierten Quartett sowie experimentell im Solo.
Fuhrmanns CD „G-Zone“ wurde als besonders förderungswürdig in die
Reihe „Next Generations“ aufgenommen. Die zweite wurde Anfang dieses
Jahres von dem Berliner Gitarristen Frank Möbus coproduziert. Gary
Fuhrmann bereitet daneben derzeit eine Solo-Einspielung
„Furmann-elektrisch“ sowie Konzerte mit DJ Philipp Barth und dem
Schlagzeuger Marco Bruckdorfer vor, die sich im experimentellen
Grenzbereich des zeitgenössischen Jazz bewegen. Fuhrmann nutzt dabei
die Klangmöglichkeiten von elektronischen Effektgeräten, von Delays,
Loops und Samples, die er in Mehrspuraufnahmen mit akustischem Spiel
der Saxophone kombiniert. Parallel dazu laufen neue
Bebop-orientierte Einspielungen mit seinem Quintett (mit dem
Trompeter Martin Auer, Rainer Böhm am Klavier, Matthias Nowak am
Bass und Rene Marx am Schlagzeug) und dem in der Besetzung offenen
Ensemble „Psychiatrio“, mit dem der Preisträger beim Festival „Worms
Jazz & Joy 2008“ begeisterte.
Eines der Charakteristika in den Kompositionen Gary Fuhrmanns sind
neben dem Bebop die Einflüsse klassisch-romantischer sowie Alter
Musik, der E-Avantgarde und der „Elektroniker“. Die klassischen
Einflüsse lassen sich jedoch nicht als tonale Kopien, sondern eher
als Stimmungen wahrnehmen. Das Konzept „Psychiatrio“ basiert auf
Freiheit und spontanen Interaktionen. Das Einzige, was der Zuhörer
erwarten darf, ist das Unerwartete.
Gary Fuhrmann erhielt seit seinem neunten Lebensjahr als Stipendiat
klassischen Gitarren- und Klarinettenunterricht. Seit dem 15.
Lebensjahr interessiert er sich für den Jazz und spielte schließlich
ein Jahr lang in der Phoenix-Foundation“, dem rheinland-pfälzischen
Jugendjazzorchester, Baritonsaxophon. Von 1999 bis 2003 studierte
Fuhrmann bei Jürgen Seefelder und Johannes Enders an der Staatlichen
Hochschule für Musik in Mannheim. 2005 siedelt der junge Musiker für
18 Monate – seine Mutter ist Französin – nach Paris über. 2007 kehrt
er nach Deutschland zurück, lässt sich bei zwei Besuchen in New York
von der dortigen Szene inspirieren und findet sich schließlich in
Worms in einem guten Netzwerk mit Musikern aus den Rhein-Neckar und
Rhein-Main-Region wieder. Derzeit lehrt Fuhrmann Saxophon,
Musiktheorie und Jazzensemble an der städtischen Jugendmusikschule
in Worms.
Der Wormser Jazzpreis wird 2009 zum vierten Mal verliehen. Die
vorhergehenden Preisträger waren die Pianistin Anke Helfrich, der
Saxophonist Steffen Weber und der Posaunist Christof Thewes. Die
Kandidaten werden von den Mitgliedern einer Jury vorgeschlagen. Ihr
gehören der Stifter Florian Gerster, für die organisierende
Jazzinitiative BlueNite deren Vorsitzender Volker Wengert, der
Kulturbeauftragte der Stadt Worms, Volker Galle, der Journalist und
Fotograf Klaus Mümpfer sowie die vorhergehenden Preisträger Steffen
Weber und Christof Thewes an.
Foto: Klaus Mümpfer