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Jazzprogramm
SWR2 im Januar 2007
Montag, 1. Januar, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime entfällt
Mittwoch, 3. Januar, 19.05 – 20.00 Uhr
Jazz Session: „30 Jahrhundertaufnahmen des Jazz“
Charles Mingus: „The Black Saint And The Sinner Lady“
und John Coltrane: „A Love Supreme“
Von Harry Lachner
Charles Mingus' „The Black Saint And The Sinner Lady“ und John Coltrane „A Love
Supreme“ gehören zu den wichtigsten Aufnahmen im Jazz. Beide sind fast zur
selben Zeit entstanden: Mitte der sechziger Jahre; beiden Alben überschreiten in
je anderer Weise die verfestigten Konventionen des Jazz ihrer Zeit. Obwohl sie
nicht dem Free-Jazz-Konzept eines Ornette Coleman folgen, verwirklichen sie doch
den Freiheitsbegriff und den Ausdruck größtmögli-cher Individualität. Mingus im
komplexen Kontext einer großen Besetzung, Coltrane dagegen im bewährten
Quartett-Format. Diese beiden Produktionen verhalten sich zueinander wie die
sprichwörtlichen zwei Seiten einer Medaille: Mingus erkundet die dunklen Seiten
der Existenz, Coltrane strebt mit Macht ans Licht seiner privaten
Erleuchtungssuche.
Donnerstag, 4. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Günther Huesmann
Auch im neuen Programmschema von SWR2 wird das NOWJazz Magazin regelmäßig über
Neues aus der Welt des Jazz berichten. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung
Informa-tionen über bevorstehende Events, Rezensionen über wichtige Festivals,
Buchbesprechun-gen und jede Menge brandneuer CDs. Nur die Zeit hat sich
geändert: Das Magazin ist jetzt am ersten Donnerstag jeden Monats von 23.03 Uhr
bis 24.00 Uhr zu hören. Geplant ist im Januar ein Bericht über das „Dutch Jazz
Meeting“ in Amsterdam.
Freitag, 5. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Low Tide Digitals“ (3)
Neuigkeiten bei Rune Grammofon
Von Thomas Loewner
Rune Grammofon ist wieder da. Dabei war das Label aus Oslo nie richtig weg. Doch
seitdem ECM Records nicht mehr den Deutschland-Vertrieb für die norwegischen
Kollegen macht, waren die Veröffentlichungen einige Zeit aus dem öffentlichen
Blickfeld verschwunden. Dabei hatten beide Partner voneinander profitiert: Für
ECM war es eine gute Gelegenheit, seinen an skandinavischen Titeln ohnehin schon
reichen Katalog abzurunden; und für Rune Kristoffer-sen und sein Label hätte es
kaum einen besseren Start auf dem deutschen Markt geben können, genießt ECM doch
einen Aufmerksamkeits-Bonus, der seinesgleichen sucht. Mitt-lerweile ist Rune
Grammofon wieder „in festen Händen“: Cargo Records ist jetzt der neue
Vertriebspartner für Deutschland. Die Veröffentlichungen der letzten Zeit
zeigen, dass die Norweger unbeirrt ihren Kurs fortgeführt haben und nach wie vor
ein Garant sind für aufre-gende Musik im Spannungsfeld von Elektronik,
Improvisation und sogar von Pop.
Sonntag, 7. Januar, 19.32 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Spotlight On Teddy Edwards
Von Werner Wunderlich
Zu den ganz großen Tenorsaxophonisten zählte er nicht, doch ziemlich nahe hinter
denen platzierten ihn die Kritiker auf der Rangliste. Teddy Edwards (1924 –
2003) nahm sich sowohl Coleman Hawkins als auch Lester Young zu Vorbildern,
erweiterte deren Ideen jedoch um einige Bebop-Varianten. Erstes Aufsehen erregte
sein Spiel in der kleinen Band von dem Trompeter Howard McGhee. Neben vielen
anderen holten ihn Enny Carter sowie das Team von Clifford Brown und Max Roach
ins Studio. Und Milt Jackson nahm ihn sogar mit auf eine Japan-Tournee.
Montag, 8. Januar, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: „Maghrebinische Klanggeschichten“
Zur „Orientalisierung“ des Jazz
Von Bert Noglik
Bereits in den vierziger Jahren reizte Jazzmusiker wie Dizzy Gillespie das
orientalische Kolorit. John Coltrane suchte später, auch im Zusammenhang mit
einer Konzentration auf spirituellen Universalien, die Nähe zu arabischen und
indischen Klangwelten. In den sechzi-ger Jahren kam es zu Projekten wie „Night
And Noon In Tunisia“ mit George Gruntz und Beduinenmusikern. Der Pianist Randy
Weston lebte längere Zeit in Marokko und arbeitete mit Gnawa-Musikern zusammen.
Ornette Coleman begab sich auf eine Reise zu den Master Musicians of Joujouka.
In der Gegenwart verzweigen sich die Wege, nicht zuletzt dank der
grenzüberschreitenden Aktivitäten von Musikern wie Rabih-Abou Khalil, Dhafer
Youssef und Anouar Brahem. Das Spektrum reicht von feinsten kammermusikalischen
Klängen über die Magie der Sufi-Ekstasen bis zur Verschmelzung von
Ethno-Traditionen und Electronics. Den Ideologen eines „clash of civilizations“
trotzend, gibt es in Jazz und improvisierter Musik einen zunehmenden Austausch
von westlicher und orientalischer Kultur jenseits der Folklore-Klischees.
Mittwoch, 10. Januar, 19.05 – 20.00 Uhr
Jazz Session: Aus dem Archiv
Jimmy Giuffre mit seinem Trio 1961 in Stuttgart
Am Mikrophon: Günther Huesmann
Sein Flirt mit den Ideen des „Third Stream Jazz“ – der versuchten Fusion
zwischen kompo-nierter, „klassischer“ Musik und Jazz – war noch nicht vorbei, da
gründete der amerikanische Klarinettist und Saxophonist Jimmy Giuffre ein
bemerkenswertes Trio. Mit dieser Formation sollte sich Giuffre für seine, wie er
sie nannte, „new developments of feeling“ mehr Freiräume erspielen als mit all
seinen zuvor gemachten Experimenten. Gemeinsam mit dem Pianisten Paul Bley und
dem Bassisten Steve Swallow forderte Giuffre die herkömmliche Rollenvertei-lung
zwischen Solist und Rhythmusgruppe heraus. Zusammen schufen sie einen luftigen,
ambitionierten Kammerjazz voller Subtilitäten und Freiheiten, die dem „small
group jazz“ neue Wege wiesen. Die Aufnahmen aus dem Archiv des vormaligen SDR,
die 1961 bei einem „Treffpunkt Jazz“-Konzert in Stuttgart entstanden sind,
zählen zum Besten, was dieses außergewöhnliche Trio eingespielt hat.
Donnerstag, 11. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Eine sanfte Wilde“
Die tschechische Geigerin Iva Bittovà
Von Harry Lachner
Leise ist ihre Musik, zart und zerbrechlich – und dennoch kann diese Musik
selbst ein großes Festivalpublikum (wie etwa in Moers) zum Verstummen bringen.
Gleichermaßen beeinflusst von der Folklore, dem Jazz und der Klassik, erkundet
die tschechische Geigerin und Sänge-rin Iva Bittovà die Grenzfälle, an denen all
diese Elemente zusammenfinden. Von Bartók-Kompositionen bis zur freien
Improvisation reicht die Palette ihrer Aufnahmen, in denen sie sich als
einfühlsame, sensible, aber auch sehr selbstbewusste Künstlerin zeigt. Nicht
zuletzt deshalb hat Bittovà in einigen Projekten von Fred Frith mitgewirkt, dem
experimentierfreu-digsten Gitarristen der frei improvisierenden Szene neben
Derek Bailey. Dieses Porträt zeichnet die Stationen ihrer Entwicklung nach – und
stellt die Frage nach dem Einfluss der Folklore auf den zeitgenössischen
europäischen Jazz.
Freitag, 12. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Die Rückkehr des Magiers“
Neues vom New Yorker Produzenten Kip Hanrahan
Von Thomas Loewner
Bereits mit seinem Debüt „Coup de tête“ im Jahr 1981 setzte der New Yorker
Produzent Kip Hanrahan einen starken Akzent in der Musikszene – und das sollte
die nächsten knapp zwanzig Jahre auch so bleiben. Mit seiner „Neighbourhood
music“, wie sie der Kritiker Bob Blumenthal einmal beschrieb, schuf Hanrahan
seinen ganz eigenen musikalischen Kosmos. Seine Aufnahmesessions waren immer ein
Tummelplatz für zahlreiche Musiker der New Yorker Szenen: Salsamusiker trafen
dort auf Vertreter der Downtown-Szene oder auf so gestandene Leute wie Teo
Macero, den berühmten Produzenten von Miles Davis und Saxo-phonisten von Charles
Mingus. Dazu wurden die Besetzungslisten der Platten Kip Hanrahans durch Namen
so illustrer Gäste wie Charles Neville oder Sting ergänzt. Einige Zeit war es
aber ruhig geworden um Kip Hanrahan und sein Label „American Clavé“. Jetzt ist
er mit gleich drei neuen Veröffentlichungen wieder zurück: darunter auch ein
neues Lebenszeichen seiner All-Star-Band „Conjure“, die Texte von Ishmael Reed
vertont hat.
Sonntag, 14. Januar, 19.31 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
„Kings Of Boogie Woogie“
Von Gerd Filtgen
Sich ständig wiederholende und dadurch hypnotisch wirkende, „rollende“
Bassfiguren kenn-zeichnen den Boogie Woogie ebenso wie melodische
Ausschmückungen, die dem Blues-schema folgen. Ursprünglich war die in den 30-er
Jahren des vergangenen Jahrhunderts populär gewordene Instrumentalmusik eine
Domäne von Solo-Pianisten. Darauf blieb sie jedoch nicht beschränkt: In der
Folgezeit verliehen die mitreißenden Boogie-Woogie-Klänge vielen Platten des
Swing, Rhythm’n’Blues, Rock’n’Roll und der Popmusik erst den richtigen Schwung.
Mit authentischen Aufnahmen demonstrieren die „Kings“ des Genres, wie Pinetop
Smith, Albert Ammons, Meade „Lux“ Lewis und Pete Johnson, dass ihre historischen
Ein-spielungen nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben.
Montag, 15. Januar, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: „Der Klang des Nordens“ – Klischee und Wirklichkeit
Von Harry Lachner
Bei „Jazz aus Norwegen und Umgebung“ assoziiert man gemeinhin neben Musikern wie
Jan Garbarek, Terje Rypdal oder Arild Andersen zunächst eine Reihe visueller
Klischees – vom „Fjord-Sound“ ist oft beim Publikum und selbst in der Kritik die
Rede, vom „Klang der Weite“ und Ähnlichem. Man kann es sich einfach machen und
diese Weite, die Kargheit oder die Zerklüftungen der norwegischen Landschaft in
schlichte Relation zur Musik setzen. Die Ästhetik eines Jan Garbarek
beispielsweise, die er konsequent über die Jahre hinweg immer weiter verfeinert
hat, lädt gerade dazu ein, eine solch vordergründige Parallele aufzustellen.
Dadurch entsteht ein Rückkoppelungseffekt, bei dem das eine jeweils das andere
erklärt. Norwegische und finnische Bands wie „RinneRadio“ oder die jungen
Elektronik-Experimentalisten enthüllen dieses Abziehbild jedoch als eine
PR-Strategie, die sich seit den 70-er Jahren erfolgreich behauptet, im Grunde
aber immer schon unzutreffend war.
Mittwoch, 17. Januar, 19.05 – 20.00 Uhr
Jazz Session: „30 Jahrhundertaufnahmen des Jazz“
Charlie Parker (und Dizzy Gillespie): „The Quintet Live At Massey Hall“
und Miles Davis: „A Kind Of Blue“
Von Bert Noglik
Das Konzert, das im Mai 1953 in der Massey Hall von Toronto aufgezeichnet wurde,
vereinte einige der führenden Musiker des Bebop. Der Altsaxophonist Charlie
Parker und der Trompe-ter Dizzy Gillespie liefen zur Hochform auf und
brillierten mit Soli, die das Spannungsverhält-nis ihrer Individualstile
erlebbar machen. Mit treibender Rhythmik, reibungsvollen Harmonien und
improvisatorischen Melodiefindungen demonstrieren sie gemeinsam mit Bud Powell,
Charles Mingus und Max Roach den Anspruch des Jazz der Moderne. – Miles Davis’
1959 eingespieltes Meisterwerk „Kind Of Blue“ erweckt hingegen den Eindruck
schwebender Zeitlosigkeit. Nicht mehr die hitzigen Gefechte des Bebop, sondern
gelassen-geniale Interak-tionen, die sich auf modalen Skalen entfalten und den
gemeinsamen Nenner im Atmosphäri-schen finden, bestimmen das Geschehen, zu dem
neben Miles Davis auch John Coltrane, Julian „Cannonball“ Adderley und Bill
Evans maßgeblich beitragen.
Donnerstag, 18. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session:
Höhepunkte vom Jazzfestival in Saalfelden (1)
Experimentelle Projekte mit Lorenz Raabs „Zoë“ und dem Lucien Dubuis Trio
featuring Marc Ribot
Am Mikrophon: Reinhard Kager
Viele zweifelten daran, doch jetzt ist das Saalfeldener Jazzfestival wieder da:
Nach einer einjährigen Zwangspause, entstanden durch ein vom geschassten
künstlerischen Leiter, Gerhard Eder, erwirtschaftetes Defizit von rund 350.000
Euro, gelang dem traditionsreichen Festival im Salzburger Land Ende August ein
erfolgreicher Relaunch. Unter etwas geänder-ten Bedingungen, denn auf die
Zeltlandschaft am Stadtrand wurde aus Kostengründen verzichtet. Als neuer
Spielort dient nun der – bedeutend wärmere, wenngleich wesentlich kleinere –
Kongresshaussaal im Zentrum Saalfeldens. Gleich geblieben ist jedoch der Mut des
Festivals, dessen neue Leiter, Michaela Mayer und Mario Steidl, den rund 1200
Zuhörern mit „Zoë“ um den Trompeter Lorenz Raab und mit Marc Ribots ätzenden
Gitarrenklängen im Trio von Lucien Dubuis durchaus anspruchsvolle Kost
kredenzten.
Freitag, 19. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Suche nach dem Detail“
Zur Ästhetik der Stille in der improvisierten Musik
Von Nina Polaschegg
Stille, oder besser gesagt: Pausen, leise Klänge und Geräusche spielen in
einigen Strömun-gen der improvisierten Musik eine große Rolle. Schon seit Ende
der 60-er Jahre beschäftig-ten sich die Improvisatoren der Gruppe AMM – wie
Keith Rowe, Eddie Prévost oder John Tilbury –, angeregt durch ihren Kollegen
Cornelius Cardew, den einstigen Assistenten Karlheinz Stockhausens, mit der
Ästhetik von John Cage, mit fernöstlicher Philosophie und damit auch mit dem
Phänomen der angeblichen „Stille“. In den 90-er Jahren waren es dann Musiker in
Berlin, Wien, Tokyo und anderenorts, die eine eigenen, radikale Ästhetik
ausbilde-ten und sich auf wenige, meist sehr leise gespielte, mit Pausen
durchsetzte Klänge und Geräusche konzentrierten. „Einen Klang oder ein Geräusch
unter dem Mikroskop betrach-ten“, so hat dies einmal der Bassist Werner
Dafeldecker beschrieben. Vom Power Play des Free Jazz zum Reduktionismus.
Verstummen die freien Improvisatoren am Ende ganz? Nein, wie in dieser NOWJazz
Sendung zu hören sein wird.
Sonntag, 21. Januar, 19.26 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
„Goin’ By Train“: Eisenbahnthemen im Jazz
Von Werner Wunderlich
Für die Erschließung der Weiten Nordamerikas war die Eisenbahn ein wichtiges
Verkehrs-mittel. Oft fand sie einen Platz nicht nur in der Literatur, sondern
auch in der Musik. Etliche Jazzmusiker nahmen sich des Themas an. Angeheizt von
Glenn Miller, dampfte der „Chatta-nooga Choo Choo“ durch die Lande, Louis
Armstrong und Sidney Bechet trauern, dass ihnen der Zug Nummer „219“ ihre
Liebste entführte, während George Benson in den Kurzzug, den „Little Train“
einsteigt. Auch der Regionalverkehr wird berücksichtigt, denn Billy Strayhorns
„A-Train“ fährt direkt nach Harlem. Verspätungen sind allerdings ausgeschlossen:
Denn die Jazzmusiker spielen stets „in time“.
Montag, 22. Januar, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: „Village Vanguard“
Klassische Aufnahmen aus dem legendären Club im Wandel der Zeit
Von Gerd Filtgen
Die Namen von New Yorker Clubs wie „Birdland“, „Five Spot“, „Cafe Society“ und
„Royal Roost“ sind mit legendären Platteneinspielungen verbunden. In diese Reihe
gehört auch das „Village Vanguard“, das bereits 1935 seine Pforten öffnete und
auch heute noch eine der wichtigsten Adressen für improvisierte Musik ist.
Magische Momente, die sich zu Stunden addieren, kommen im täglichen Leben so gut
wie nie vor. Das „Village Vanguard“ ist aber eine Stätte, wo so etwas passieren
kann. Ein Indiz dafür sind die dort aufgezeichneten Sessions von Sonny Rollins,
John Coltrane und Bill Evans, deren Langspielplatten aus dem „Village Vanguard“
zu den Sternstunden des Jazz zählen. Dass sich an der inspirierenden Atmosphäre
der legendären Spielstätte wenig geändert hat, belegen aber auch in jüngster
Zeit entstandene Aufnahmen von den beiden Saxophonisten Joe Lovano und Chris
Potter und von dem Pianisten Jason Moran.
Mittwoch, 24. Januar, 19.05 – 20.00 Uhr
Jazz Session: Höhepunkte vom Jazzfestival in Saalfelden (2)
Wiederentdeckte Songs mit Dafnis Prietos „Absolute Quintet“,
Max Nagls „Market Rasen“ und Jason Moran’s „Bandwagon“
Am Mikrophon: Reinhard Kager
Die klassischen Jazzbesetzungen waren diesmal eher eine Seltenheit beim
gelungenen Relaunch des Jazzfestivals in Saalfelden. Überraschend stark war die
Dominanz von hochka-rätigem Rock- und Fusionjazz. In diesem Kontext nahmen sich
die akustischen Projekte von dem Drummer Dafnis Prieto, dem Saxophonisten Max
Nagl und dem Pianisten Jason Moran als willkommene kammerjazzmusikalische
Abwechslungen aus. So unterschiedlich ihre Konzerte auch waren: Während Prieto,
unter tatkräftiger Mithilfe von Henry Threadgill, gekonnt eine
multi-stilistische, an Songs orientierte Suite spielte, orientierte sich Max
Nagl – ohne eine einzige gesungene Phrase zu verwenden – am Oeuvre des
legendären „Soft Machine“-Drummers und -Sängers Robert Wyatt. Jason Moran
wiederum warf einen lustvol-len Blick auf die Jazztradition, um diese aus
heutiger Sicht wiederzuentdecken.
Donnnerstag, 25. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz entfällt
Freitag, 26. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Günther Huesmann
Das neue Sendeschema von SWR2 brachte auch eine neue Jazzsendung hervor: Mit dem
NOWJazz Update, das als Nachfolger für das NOWJazz Prisma kreiert wurde und
zumin-dest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen
Freitagsschiene platziert werden wird, steht nun ein weiterer Sendeplatz zur
Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik zur Verfügung. Das
Update erlaubt es den Moderatoren, besonders wichtige Neuerscheinungen
eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin mög-lich ist. Aber auch
kleine Portraits von Nachwuchskünstlern sollen Platz finden in dieser Sendung,
in der die SWR2-Jazzautoren gleichsam eine „Wild Card“ erhalten: Was gespielt
wird, entscheiden sie selbst erst kurz vor dem Sendetermin.
Sonntag, 28. Januar, 19.35 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
„Jubilee Stomp“: Traditional Jazz Made In Great Britain
Von Gerd Filtgen
Gegen Ende der fünfziger Jahre schallten fröhliche Dixieland Sounds vom
britischen Insel-reich zum europäischen Festland herüber. Nicht nur hierzulande
erfreuten sich Themen wie „Petite Fleur“ und „Wild Cat Blues“ großer Beliebtheit
und drangen sogar in die damals noch als Schlagerparade bezeichneten Charts vor.
Angezettelt hatten das die „großen Drei“ des britischen Traditional Jazz, deren
Familiennamen mit dem Buchstaben ,B' beginnt. Zu dem Triumvirat gehörten der
Posaunist Chris Barber, der Klarinettist Mr. Acker Bilk und der Trompeter Kenny
Ball. Mit ihren Bands, deren Konzert-Repertoire aus einer sorgsam dosier-ten
Mischung kommerziell orientierter Stücke, Originals und Themen aus dem Fundus
des New Orleans Jazz bestand, sorgten sie immer für gute Stimmung und lösten
einen regel-rechten Boom ihnen nacheifernder Bands aus.
Montag, 29. Januar, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Versonnene Soli
Keith Jarretts jüngstes Carnegie Hall Concert
Von Julia Neupert
In der Carnegie Hall in New York gibt es drei Säle: den kleinen Kammermusiksaal,
einen größeren Kinosaal und das Isaac-Stern-Auditorium, in dem 2.800 Menschen
Platz finden. 2.801 Menschen waren es am 26. September 2005, denn einer saß auf
der Bühne und spielte Klavier: Keith Jarrett. Vor einiger Zeit hatte er noch
beteuert, nie wieder Soloabende geben zu wollen, aber irgendwie kann er es doch
nicht lassen. Konzentriert und reduziert – denn Keith Jarretts Soli müssen
neuerdings nicht mehr rauschhafte Langstreckenimprovisa-tionen sein: „Wenn ich
anfange zu spielen und merke nach eineinhalb Minuten, das Stück ist vorbei, höre
ich auf. Es ist die Freiheit aufzuhören, wenn Aufhören die richtige Lösung ist.”
Mittwoch, 31. Januar, 19.05 – 20.00 Uhr
Jazz Session: Höhepunkte vom Jazzfestival in Saalfelden (3)
Rockjazz mit Bobby Previte’s „Coalition Of The Willing“, „Gutbucket” und
“Ahleuchatistas”
Am Mikrophon: Reinhard Kager
Rockjazz feierte ein ziemlich lautstarkes Revival beim Jazzfestival in
Saalfelden. Obgleich das Wort 'Wiederbelebung' eigentlich nicht wirklich
zutreffend ist. Denn was vor allem die jungen amerikanischen Musiker von
„Gutbucket“ und „Ahleuchatistas“ spielen, lässt sich in alten Rockkategorien
kaum noch fassen. Da sind Techno-Beats und DJ-Loops, Industrial-Grunge und
Progressive Metal mindestens ebenso wichtig wie die guten, alten Rockbeats.
Diese führt noch am ehesten der Drummer Bobby Previte weiter, dessen „Coalition
Of The Willing“ die Musik der heißen siebziger Jahre unversehens ins Heute
transferierte.
Weitere Informationen finden Sie im Internet:
www.swr2.de/jazz
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