
SWR 2 Jazzprogramm August 2010
Montag, 2. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Von der Eleganz des Swing
Erinnerungen an den Jazzgeiger Stéphane Grappelli
Von Bert Noglik
Der Weltstar der Jazzvioline begann seine Laufbahn als Pianist
in kleinen Kinos und Hinter-höfen von Paris. Durch
Grammophonplatten kam er mit einer Musik in Berührung, die ihn
von Anfang an faszinierte: Jazz. In seinem Wunsch, ein „Art
Tatum auf der Geige“ zu wer-den, also den amerikanischen Hot
Jazz auf einem Instrument zu intonieren, das zu den Ikonen der
europäischen Musikkultur zählt, liegt ein Schlüssel für seine
Eigenständigkeit. Bereits Anfang der dreißiger Jahre traf er mit
dem Gitarristen Django Reinhardt zusammen, einem Manouche,
beheimatet in der Kultur des fahrenden Volkes, der französischen
Sinti. Aus der gemeinsamen Begeisterung für Swing auf
Saiteninstrumenten erwuchs das „Quin-tette du Hot Club de
France“ – jene Gruppe mit Violine, Solo-Gitarre und drei
Gitarristen, die einen ersten wesentlichen Beitrag Europas zur
Weltsprache des Jazz leistete. In der Sen-dungen kommen Musiker
zu Wort, die mit Grappelli gespielt haben, Jüngere, die ihm
nach-streben, sowie der Maestro selbst mit Auszügen aus einem
Interview, das in seinen letzten Lebensjahren entstanden ist.
Sonntag, 8. August, 19.17 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Beans & Rice
Soulige Hausmannskost u. a. mit den Saxophonisten Hank
Crawford und Stanley Turrentine
Von Gerd Filtgen
Eine gute Mahlzeit hält bekanntlich Leib und Seele zusammen.
Dazu muss jedoch nicht immer unbedingt die Feinschmeckerküche
bemüht werden. Hausmannskost erfüllt – mitunter sogar noch
besser – den gleichen Zweck. Wenn es um musikalische
Spezialitäten geht, verraten Hank Crawford, Stanley Turrentine
und andere ein paar Rezepte aus ihrem Soul-Jazz-Kochbuch. Es
gibt nicht nur „Cornbread“ und „Red Beans & Rice“: Sogar
gewöhnungs-bedürftige Gerichte wie „Chitlins Con Carne“ –
sozusagen eine Fleischorgie – bekommen einen derartig
mitreißenden Groove, dass sich auch passionierte Vegetarier
nicht entziehen können.
Montag, 9. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Ein Loblied auf den Tiefenrausch
Das Basssaxophon im Jazz
Von Günther Huesmann
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Basssaxophon kaum etwas
anderes als eine exotische Show-Attraktion, reif für den Zirkus
und die Revue-Nummern der Vaudeville-Shows. Dann aber kam Adrian
Rollini und gab dem Instrument eine Perspektive. Er spielte in
den 1920er und -30er Jahren auf dem „Monstrum“ flüssige, modern
anmutende Jazzlinien, die ihrer Zeit weit voraus waren. Seitdem
hat das Bassaxophon in der improvisierten Musik einen festen
Platz, geben immer mehr Musiker dem robusten Tieftöner ein
persönliches Gesicht.
Sonntag, 15. August, Jazz nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Montag, 16. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Jazz, Ambient, Dub
Ein Blick in die vielfältige Welt des Bassisten und
Produzenten Bill Laswell
Von Harry Lachner
Ob Free Jazz, Rock, Disco, Funk, Ambient, Weltmusik oder Dub:
kaum ein Feld, auf dem Bill Laswell nicht zu finden ist. Seine
Experimentierlust, die er Ende der siebziger Jahre zunächst mit
der Band „Material“ dokumentierte, ließ ihn sämtliche
Gegensätze, Stilanimositäten oder Berührungsängste ignorieren.
Bei ihm steht die rohe Energie von „Last Exit“ (mit Peter
Brötzmann) ganz selbstverständlich neben verhallten
Klangerfindungen, die er aus Songs des Reggae-Stars Bob Marley
gestaltet. Sein Oeuvre ist mittlerweile unüberschaubar, er
dürfte auf mehreren Hundert Produktionen präsent sein. Natürlich
gerät ihm nicht jede Veröffentlichung zum Meisterwerk – aber das
ist auch gar nicht seine Absicht. Oft scheint es ihm zu genügen,
eine originelle Idee in die Welt zu setzen, einen Anstoß zu
liefern, um sich dann sofort wieder einem andersgearteten
Projekt zu widmen. Bill Laswell kultiviert eine besondere Art
der „Sound-Kultur“: Rhythmus und Klang sind für ihn die beiden
entscheiden-den Momente – und weniger die im Jazz gründende
Improvisation. Ein Musiker jedenfalls, der aus den scheinbaren
inneren Widersprüchen einer bis ins Detail segmentierten
Stil-Landschaft seine Antriebskraft für neue Ansätze und
Fusions-Experimente bezieht.
Sonntag, 22. August, 19.19 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Pet Songs
Allerlei Tiere inspirieren die Jazzmusiker
Von Werner Wunderlich
Ob sie nun als Schmusefreunde daheim oder bei Spaziergängen
ihren Herrchen oder Frauchen allerlei Freude bereiten oder als
gefiederte Wesen zu so manchen Kompositionen anregen – etliche
Jazzer haben ein Herz für Tiere und lassen das in ihrem Spiel
anklingen. So widmete Pianist David Benoit seiner Katze ein
Stück, und Posaunist Bob Brookmeyer denkt an seine Schildkröte.
Montag, 23. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Doppeldoppelmoppel
Vom Reiz der Kombination gleicher Instrumente u.a. mit dem
Rova Saxophone Quartet, Peter Herberts Basssextett und Lucas
Nigglis Percussion Quartet
Von Nina Polaschegg
„Doppelmoppel“, das ist ein Bandname der Brüder Conrad und
Johannes Bauer. Die beiden Posaunisten spielen zusammen mit zwei
Gitarristen. Als Namensgeber der Sendung werden sie natürlich zu
hören sein. Vor allem aber geht es um noch größere Besetzungen
mit immer denselben Instrumenten: Saxophonen, Kontrabässen,
Perkussionsinstrumenten. Doppel-Doppel-Moppel. Was ist der Reiz
an solch scheinbar einfärbigen Kombinationen? „Ihre Vielfalt!“,
mag man als simple Antwort geben – aber auch die klangfarblichen
Mischungen und Abstufungen, die sich aus denselben
instrumentalen Grundfarben ergeben können. Und nicht zuletzt ist
es oft auch die Lust und Herausforderung, Melodie und
Begleitung, Rhyth-mus und klangfarblichen Background mit
denselben Instrumenten zu gestalten.
Sonntag, 29. August
Jazz nach dem Hörspiel entfällt
Montag, 30. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Prayers To The East
Der Saxophonist Yusef Lateef
Von Thomas Loewner
Yusef Lateef ist ein Jazzmusiker mit vielen Facetten. Er ist
nicht nur ein hervorragender Tenorsaxophonist, der dem Hard Bop
eine unverwechselbare Stimme verliehen hat. Bereits während der
1950er Jahre begann er, seinen musikalischen Horizont stetig zu
erweitern. Den Ausgangspunkt bildete ein Flötenstudium in
Detroit. Über die Flöte fand Lateef Zugang zur Musik des
Orients, die schon bald deutliche Spuren auf seinen Platten
hinterließ. Wenig später kamen weitere Instrumente wie die Oboe
oder das ursprünglich im arabischen Raum beheimatete
Rohrblatt-Instrument Argol hinzu, die diese Tendenzen in Lateefs
Musik noch weiter verstärkten. Das alles passierte noch vor
1960. Somit hat Yusef Lateef schon zu einer Zeit World-Music
gespielt, als dieser Begriff offiziell noch gar nicht
existierte...
Zusätzliche Jazz-Sendung in SWR2:
Samstag, 7. August, 09.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Instrumentale Jazzgeschichten (7)
Das Schlagzeug
Von Thomas Loewner
Das Schlagzeug ist der Dreh- und Angelpunkt (fast) jeder
Jazzband. Diese Auffassung ist seit den Anfängen des Jazz
unumstritten. Doch obwohl unter Jazzern jederzeit Einigkeit über
die große Bedeutung des Drumsets herrschte, hat sich die Rolle
des Schlagzeugers im Laufe der Jahre stark gewandelt. Drumsets
wurden erweitert, um die Klangvielfalt zu erhö-hen, und es
entwickelte sich eine Spielweise, bei der die rhythmische und
melodische Ebene einer Band viel enger miteinander verknüpft
sind.
Anmerkung zum Sommer-Programm
Vom 17. Juli bis zum 12. September wird es das „ARD-Radio
Festival“ geben. Am späten Abend (20.05 – 24.00 Uhr) erwartet
Sie dann ein gemeinsam von den Kulturwel-len der ARD gestaltetes
Programm. Aus diesem Grund entfallen alle SWR2-Jazzsendungen,
die üblicherweise in dieser Zeit zu hören sind. Stattdessen ist
von 23.30 – 24.00 Uhr eine vom WDR organisierte tägliche
Jazz-Sendung geplant, an der auch SWR-Autoren beteiligt sind.
www.swr2.de/jazz