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Ensemble Chanchala The Day the Swallows came Klangräume 3085 Mit „Spirit of the house“ haben der Flötist Charles Davis und das Ensemble Chanchala einen Weg eingeschlagen, den sie nun mit „The Days the Swallows came“ konsequent fortsetzen. Die Verbindung des multiphonen Jazz mit der arabischen Rhythmik und den indischen Stimmungen. So beginnt die CD natürlich mit einer Raga und der Titel „Almost Raga“ zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Einspielung. Ob nun rein percussiv auf den Tablas und Tonkrügen wie in „Banjaran“, das Sandip Bhattacharya mit einem Sprechgesang einleitet, ob melodiös swingend wie in „Mein Hang zum Elfter“ oder mit der im Vibrato schwebenden Bassflöte in „Waiting“ – die fernöstliche Exotik bestimmt die Stimmung der Stücke, wobei die Jazzimprovisation die strenge Formensprache der indischen Ragas aufbricht. Ein steter Wechsel zwischen ruhiger Melancholie und drängender Vitalität belebt die Musik des Ensembles. Buba Davis-Sproll sorgt mit dem feinen Saitenklang der Tanpura, der bundlosen Langhalslaute, für einen durchlaufenden Grundton. So entsteht eine vielfarbige Tonwelt mit kammermusikalischem Timbre und fernöstlicher Tiefe, die Charles Davis mit seinen Flöten grenzüberschreitend auslotet. „Chanchala“ bedeutet in der Hindu-Sprache so viel wie hüpfen, springen, flackern, aber auch rastlos, wie die Suche nach neuen Klangerfahrungen. Dies gilt für „Tuva Hang“, wenn der Percussionist Andieh Merk im OM-Tradition die Bass-Stimme grummeln lässt oder für „Kiwani, wenn Davis seine sanften Flötenlinien über der Tanpura-Basis entfaltet – leicht wie der Flug der Schwalben - und die Mitmusiker mit steigender Intensität und Tempo einsteigen. „The Day the Swallows came“ fasziniert mit einem insgesamt meditativen und rhythmischen sowie melodischen Charakter von nicht beschreibbarer Eindringlichkeit. Das ist eine Musik, in die sich der Zuhörer völlig versenken kann. Klaus Mümpfer |
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Thomas Siffling Kitchen Music Jazz `n` Arts JnA 3407 Siffling-Knödel, Perlhuhnbrüstchen, Blue Note Gumbo – Das Begleitheft zur neuen CD des Trompeters Thomas Siffling enthält statt Texten zur Musik Rezepte für feine Kost. So hat der Siffling-Fan gegenüber seiner Partnerin eine gute Ausrede, wenn er die Silberscheibe kauft. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten von guter Küche und guter Musik. Beide erhalten ihren Reiz von auserlesenen Zutaten, seien es nun die Gewürze oder die Musiker. Und beides fügt sich voller Harmonie, scheinbar leicht und vollkommmen, wenn die Zubereitung stimmt. Auf „Kitchen Music“ trifft dies alles zu. Das eingespielte Trio mit dem Trompeter und Flügelhornisten, dem Bassisten Jens Loh und dem Schlagzeuger Markus Faller präsentiert Gourmet-Kost für den Freund des modernen Jazz zwischen Cool und Bebop, in einigen Stücken gewürzt mit Elektronik, ein wenig Wah-Wah, Loop und Hall, Scratches und Geräusch-Einspielungen – unterstützend, aber nicht aufdringlich. Es mutet fast wie Ironie an, dass ausgerechnet die Komposition „die Leichtigkeit des Seins“ eben nicht so leicht und schwebend erklingt wie etwa die „Entspannung im Dampfbad“ oder die Loh-Komposition „Jakob´s world“. “Er ist sich treu geblieben“, kommentiert ein befreundeter Musiker und Bigband-Leader spontan. In der Tat färbt Thomas Siffling sein Spiel mit der Poesie, die so typisch für ihn ist. Loh zupft auf seinem Bass spannungssteigernde, raffinierte, harmonische Linien und Faller ist derjenige, der immer wieder für groovenden Drive sorgt. Das alles klingt so leicht und elegant und ist doch voller Dichte und Intensität. Dass diese Mixtur sich gut verkaufen lässt, weiß Siffling. Dass zudem Xavier Naidoo in „Kugelblids“ einen deutschen Text dazu rappt, dient sicher auch der Verkaufsförderung. Künstlerisch zwingend ist dieser Einsatz aber nicht. Von diesem Einwand abgesehen, darf die Kitchen-Music nicht nur zum marinierten Lamm auf Couscous aus dem Siffling-Rezeptbuch uneingeschränkt empfohlen werden. Klaus Mümpfer |
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Peter Bolte Keeping JazzHausMusik JHM 155 CD Wie Sheets flattern die Tonkaskaden in rasenden Läufen aus dem Altsaxophon, überblasen und expressiv. Dann wiederum fließen singende Linien, lyrisch fast, aus dem Instrument. Peter Bolte ist ein technisch virtuoser und künstlerisch äußerst kreativer Musiker. Kongenialer Partner ist ihm bei seinen Ausflügen im zeitgenössischen Jazz der SWR-Jazzpreisträger Achim Kaufmann am Piano mit seinen mal perlenden, dann wiederum in Akkordreihungen frei pulsierenden Läufen. Eher im Hintergrund, aber solide stützend und immer wieder treibend bilden die beiden Amerikaner Paul Imm am Bass und Alan Jones am Schlagzeug die rhythmische Basis. „Köln 100“ ist eines der Up-Tempo-Stücke mit den attackierenden Stakkati auf dem Saxophon und schnellen Piano-Läufen aus flirrenden Tontrauben, das folgende „Keeping“ dagegen eher relaxed im melodischen Bereich. Bolte scheint in im trügerischen Titel „Sweetness in the dark“ geradezu vor Energie zu bersten, bläst intensiv und zupackend. Kaufmanns Finger gleiten mit schneller Eleganz im filigranen Spiel über die Tasten. Das Stück enthält verhaltene und retardierende Passagen eingebettet in den voraneilenden Fluss. „3rd ending“ wiederum eröffnet nahezu balladesk, um später in den höchsten Tonlagen des Saxophons zu verweilen und zu einem verspielten Pianolauf überzuwechseln. Ein abwechslungsreiches Spiel über acht Eigenkompositionen belegt die Eigenständigkeit und künstlerische Reife Boltes und seiner Mitmusiker. „Keeping“ ist eine hörenswerte CD, die auch bei mehrmaligem intensiven Anhören immer wieder überrascht und nie langweilt. Klaus Mümpfer |
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Bernd Lhotzky & Chris Hopkins Tandem EOSP 4504 2 Im pulsierenden Leben des New Yorker Stadtteils Harlem hatte sich während der Mittzwanziger des vorigen Jahrhunderts in der Nachfolge des Ragtime der Harlem Stride als ein Piano-Stil entwickelt, bei dem während der Improvisation über einer harmonischen Basis die linke Hand beständig zwischen Basston und Akkord wechselt. James P. Johnson, Willi „The Lion“ Smith und Fats Waller zählen zu den bekanntesten Vertretern des Stride Pianos. Von Smith stammt denn auch die Komposition „Finger Buster“ mit jenen typischen hüpfenden Passagen, die stets von schnellen, perlenden, kurzen Läufen unterbrochen werden und mit der die Pianisten Bernd Lhotzky sowie Chris Hopkins den Stride-Stil weiterhin pflegen. Wenn auch diese Form des Klaviersolospiels für Zuhörer, die kein Faible dafür haben, auf Dauer ein wenig eintönig klingt, Lhotzky und Hopkins bringen Abwechslung ins Programm, indem sie zwischen schnellen Stücken wie Richard Rogers „Everything I´ve Got Belongs To You“ und einer langsamen, dunkel timbrierten sowie von typischen Verschleppungen und Moods Duke Ellingtons geprägten „Black Tan Fantasy“ wechseln. Wobei insbesondere im letzteren Stück durch das Duo-Spiel zusätzliche Reize entstehen. Insgesamt fehlt der Aufnahme trotz der einfühlsamen stilistischen Sauberkeit und dem sicheren Gespür für Swing die notwendige Club-Atmosphäre. Die CD wirkt klinisch gereinigt und ist wohl eher etwas für die gepflegte Sammlung des Piano-Jazz-Fans. Klaus Mümpfer |
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Buchbesprechung: Ernst Burger Erroll Garner Leben und Kunst eines genialen Pianisten ConBrio-Verlag, Regensburg, 220 Seiten, 49,90 Euro, ISBN 3932 5818 14 „Erroll Garner war ein Gigant unter den Jazzpianisten“, sagt ganz ohne Neid ein Kollege, der Pianist Billy Taylor. „Es gibt kaum einen, der Errolls Level erreichen konnte, vielleicht Tatum, aber Erroll war eine Klasse für sich“,urteilt auch Dave Brubeck über die Tastenkünstler, dessen Spiel mit den unglaubliche rhythmischen Spannungen und melodischen Feelings legendär geblieben sind. Über diesen Erroll Garner ist jetzt erstmalig in deutscher Sprache eine Biografie erschienen, die vor allem wegen ihrer großformatigen, prachtvollen Bilddokumentation ins Auge fällt. Ernst Burger, ein Münchner Musikschriftsteller und Pianist, hat äußerst penibel und detailversessen recherchiert, die Archive von Zeitungen und Fachzeitschriften geplündert und nicht gezählte Platten gehört, bevor er die Lebensgeschichte des Pianisten mit dem orchestralen Sound von 1921 bis 1942 in Blöcken sowie anschließend Jahr für Jahr bis zu Garners Tod 1977 ausführlich beschreibt. Wie eingehend Burger sich mit dem musikalischen Wirken befasst hat, belegt etwa die Aussage, dass der Künstler am 6. Februar 1957 im Columbia Studio 16 Stücke eingespielt hat, von denen ein Drittel bis heute unveröffentlicht ist. Das macht den Leser und Garner-Fan neugierig auf (hoffentlich) noch zu erwartende, technisch aufbereitete Pressungen. Unterhaltsam ist das Kapitel über „Garner als Mensch“, einschließlich der bekannten Tatsache, dass der Künstler ein begabter Zeichner und beidhändig tätiger Virtuose war. Die ausführliche und trotz aller Genauigkeit keineswegs langweilige Lebensbeschreibung wird illustriert durch 215 Fotos, auf denen dem Betrachter neben Garner natürlich eine ganze Reihe weiterer Größen des Jazz begegnen. Bei der Fülle ließ es sich jedoch nicht vermeiden, dass eine Reihe Konzertaufnahmen vom Motiv her wie Doubletten wirken. Interessanter fast als der Lebenslauf, der in gröberem Raster auch in Lexika nachzulesen ist, sind die Bemerkungen des Autors über Garners Spielweise und Klaviertechnik, die in manchen Passagen musiktheoretische Kenntnisse voraussetzen. Damit die Bewertung des Klavier-Giganten mit der prägnanten Linken nicht zu sehr aufs Subjektive beschränkt bleibt, fügt Burger auf gut 30 Seiten die Urteile anderer Musiker, Kritiker und Jazzimpressarios an und ergänzt das Ganze durch eine ausführliche Discographie – auch diese konsequenterweise mit Abbildungen der Plattenhüllen samt Titeln. Zuguterletzt ist dem vorzüglichen Buch noch eine CD beigefügt, die ausgewählte Aufnahmen aus den Jahren 1946 bis 1955 enthält – darunter Interpretationen, die der Autor zu seinen Lieblingsstücken zählt. Klaus Mümpfer |
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Lajos Dudas Artistry In Duo Jazz sick records 0005014 JS Kritiker nannten den 1941 in Budapest geborenen Lajos Dudas einst den „Innovator der Klarinette im modernen Gewand“. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe exzellenter junger Klarinettisten, die die Klangsuche auf dem Instrument weiter getrieben haben. Doch Dudas ist mit seinem eigenständigen, stilüberschreitenden Spiel unter ihnen allen stets herauszuhören. Der inzwischen 65-Jährige hat nie die klassische Schulung verleugnet und auf eine ebenso überzeugende wie geschmacksichere und emotionale Weise die Klassik mit dem Jazz verbunden und das Instrument dabei zugleich von den formalen Zwängen beider Musikkulturen befreit. Duos verlangen in ihrer Intimität und Transparenz eine besondere Qualität der Kommunikation. Dudas hat stets die kleinen Formationen vom Duo bis zum Quartett gepflegt. Zu seinem Geburtstag blickt er nach eigenen Worten zurück und legt eine CD auf, die ihn im Jahr 1985 in musikalischen Interaktionen mit dem Vibraphonisten Tommy Vig, zehn Jahre später im Duo mit dem Bassisten Balazs Berges und schließlich 2005 mit dem Gitarristen Philipp van Endert präsentiert. In allen Aufnahmen faszinieren das filigrane Zusammenspiel, die klaren und transparenten Klänge, der Wechsel von nervösen, schnellen Läufen und langsamen, sanften Passagen sowie die Geschlossenheit der Improvisationen. Bei aller Freiheit wirken die Stücke stets melodiös, flüssig, gelöst sowie elegant – eben zeitlos schön. Klaus Mümpfer |
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Julie Spencer / Gernot Blume Out Of The Stillness Klangwelt Musikverlag SBP8 Gernot Blume / Julie Spencer and Colored Fish Lost And Found SBP CD 002 Die Kompositionen der heiligen Hildegard von Bingen entstanden aus ihrem Glauben, dass die Musik die wahre Brücke zur himmlischen Harmonie sei. Getragene Melodien überzeugen durch reine Frauenstimmen auf einem Fundament instrumentaler Grundakkorde ¬ so wie es die amerikanische Marimbaphon-Spielerin und Sängerin Julie Spencer sowie der Multi-Instrumentalist Gernot Blume bereits im einleitenden „The Seer“ der CD „Out Of The Stillness“ nachvollziehen. In kühnen Kompositionen gibt es eine vollendete Symbiose von meditativ-tänzerischen und percussiven Interpretationen sowie den flächig-folkloristschen Sounds der beiden in Bingen lebenden Künstler. Notenketten perlen aus dem Marimbaphon, es entstehen mystische und exotische Stimmungen mit Mandoline, Sitar und Violine zur rhythmischen Untermalung der Tablas. Wahrhaft engelsgleiche Vokalisen und ein vergeistigter Sprechgesang erzeugen getragen und schwebend sakrale Impressionen, tänzerisch beschwingt assoziieren Instrumentalparts mit Dudelsack oder Akkordeon gälische und verwandte Folklore sowie mittelalterliche Musik. Fast immer werden die Melodien über einem Bassfundament geführt, das mit exotischen Instrumenten wie dem Didgeridoo oder der Shruti-Box erzeugt wird. Harmonieverfremdungen kennzeichnen die „Stätten der Läuterung“. Das Treffen des Balafon genannten afrikanischen Holzxylophons, von Bass-Trommel, Kuhglocken, Tambourin sowie bolivianischer Flöte und Kontrabass malen das musikalische Bild von der Erschaffung der Welt. Inspiriert von den Visionen der Hildegard von Bingen und den Miniaturen zu ihren theologischen Schriften haben Julie Spencer und Gernot Blume einen Dialog über die Grenzen der Zeit und musikalischen Kategorien hinweg geschaffen. World-Jazz in weiten Sinn. Ebenfalls alle Kategorien sprengend, spielen Gernot Blume und Julie Spencer mit dem Duo „Colored Fish“, dem Drummer Dan Morris sowie Pedro Eustache an Flöten, Tenorsaxophon und Bassklarinette, auf der CD „Lost And Found“. Der Zuhörer stößt auf ein schönes
melodisches und swingendes „Affirmation“, aber auch auf einen Harmonien
aufbrechenden freien und pulsierenden „Black Box Blues“: im ersten die
singende Bassklarinette zu Synthesizer und elektronischem Bass, im
Letzteren mit Tenorsaxophon, Percussion und Akkordeon. Dazwischen
präsentiert Blume „Images“, eine Impression auf einer Kirchenorgel, die
mit Vogelzwitschern Sommer assoziiert, oder Spencer „Green Second
Flashing“ ein Solostück auf dem Marimbaphon, dem Hauptinstrument der
„Ausnahmekünstlerin“, und wiederum Blume mit einer folkloristischen
Solokomposition „Anjou“ auf der Konzertgitarre. In „Being“ schließlich
verschmilzt Blume die modalen Klangfarben der Nordindischen Sitar mit
westlichen Harmonien – mit Bassflöte, Percussion, Sitar, Synthesizer und
Marimba. Das Überraschende ist, dass diese Zusammenstellung keineswegs
beliebig wirkt, sondern in ihrer musikalischen Vielfalt eine logische
Einheit bewahrt. Klaus Mümpfer |
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Christof Sänger Reflections on Art Tatum Laika Records/Rough Trade, Katalog-Nr. 3510223.2 Zu seiner Zeit wirkte Art Tatums brillante Technik sensationell und Klassikfreunde schätzten seinen kultivierten Anschlag. Tatums Blindheit ließ in ihm ein sicheres und äußerst präzises Gefühl für Time reifen. Alles in allem war er kein Revolutionär, eher ein Vollender. Die „Schönheit des Klangs, der fortschrittliche Gebrauch der Harmoniebildung und die polyphonen Strukturen“ begeistern auch den Wiesbadener Pianisten Christof Sänger. Art Tatum sei einer der größten und am weitesten entwickelten Jazzpianisten findet Sänger, der nach eigenem Bekenntnis seit langer Zeit über ein Tatum-Projekt nachdachte und den 50. Todestag des großen Vorbildes zum Anlass nahm, um ihm eine CD zu widmen, auf der er nur zwei kurze Kompositionen für „A“ und „T“ schreibt, ansonsten aber Standards auf seine eigenständige und nichtsdestotrotz reflektive Weise interpretiert. Dass seit weit mehr als zehn Jahren Energie, Präzision und Rasanz auch Sängers Wahrzeichen sind, erleichtert ihm die Umsetzung seiner Vorstellungen. Sänger huldigt dem legendären Pianisten, versucht klugerweise aber erst gar nicht, seinen Übervater zu kopieren, was verhindert, dass er notgedrungen scheitern müsste. So entstand eine CD, die wie auch der Pianist selbst, eher der swingenden Tradition als der Modernität verpflichtet ist. Aber die technische Brillanz und Musikalität Sängers mit seinen virtuosen perlenden Läufen, den markanten Verschleppungen und Gegenläufigkeiten faszinieren. Insofern sind Sängers Reflektionen über Art Tatum zeitlos. Klaus Mümpfer |
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Nils Wogram Root 70 Fahrvergnügen Intuition Root 70 heißt die Gruppe um den Posaunisten Nils Wogram, mit dabei sind Hayden Chisholm (as, b-cl), Matt Penman (b) und Jochen Rückert (dr). Die aktuelle CD “Fahrvergnügen” ist erschienen bei Intuition. Geht es nach dem Cover der CD geht es weniger ums Vergnügen an der Fahrt als vielmehr um den Zusammenbau des Automobils. Überträgt man es auf die Musik, so stimmt beides: die Stücke - alle aus Nils Wograms Feder - sind sorgfältig durchkomponiert. Die Themen werden häufig von Posaune und Saxophon dicht geführt oder gleich unisono präsentiert - extrem präzise, trotzdem lebhaft und oft mit einem von Jochen Rückert fein ziselierten, schwingendem Schlagzeug vorangetrieben und akzentuiert. Der Neuseeländer Chisholm erinnert mit seiner Spielweise an Lee Konitz und auch Nils Wogram spielt auf dieser Scheibe eine “distinguierte” Posaune. Hier kommt in vielen Titeln das Fahrvergnügen ins Spiel: tatsächlich hat die Musik oft einen weich dahingleitenden Charakter entsprechend dem Gefühl am Steuer eines Autos, wenn man auf einer gemütlichen Tour durch den Odenwald fährt. Ein lässiges Dahintreiben ohne Hast und Eile, eine fließende Musik - und dann wieder ein spritziges Fegen durch enge Kurven, wie in “The Myth”. Inspiriert sind Wograms Kompositionen ebenso von Johann Sebastian Bach wie von Charlie Parker. Im ersten Stück der CD, “Breathing” spielt die Gruppe nichts anderes als einen modernen Choral, mit exquisiten Dissonanzen. “Time Flies” und einige andere Stücke sind unüberhörbar vom Geiste Charlie Parkers beseelt. Ein feines Werk des Quartetts, bitte kaufen. |
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Echoes of Swing 4 Jokers in the Pack EOSP4505 2 So muss es wohl in Harlem in den 30er oder 40er Jahren des 20. Jahrhunderts geklungen haben – und dennoch wiederum nicht. Die vier Musiker von „Echoes of Swing“ graben die alten Noten aus, spielen im Sinne des originären Swing jener Zeit und dennoch bergen die Stücke viele reizvolle Überraschungen, sei es in kurzfristigen Verfremdungen des Themas, in unerwarteten harmonischen Wendungen oder Abwandlungen des Metrums. Die Ballade „Some other Spring“ wird auf eine erfrischende Weise mit dem Piano eingeleitet, treffend die schnelle und nervöse Version des „Royal Garden Blues“, mitreißend die Rhythmen des „Tunesian Trail“oder in anderer Weise „Crêpe Muzette“. Ein wenig zu sentimental wirkt der Gesang von Colin Dawson in „June in January“, gefühlvoll und ohne Übertreibung hingegen Billy Strayhorns „Lament für Jeanette“. Bernd Lhotzky besticht mit seinem Stride-Piano, Chris Hopkins mit beseeltem Altsaxophon, Colin Dawson am stärksten mit der gedämpften Trompeter und Oliver Mewes mit sensiblem Trommelspiel, das auch den Bass ersetzt. Diese Produktion termingerecht zum zehnjährigen Bestehen des stilsicheren und technisch versierten Quartetts wird vor allem die Freunde des traditionellen Jazz ansprechen. Klaus Mümpfer |
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Gunnel Mauritzon Silhuette, Music by Lars Gullin Laika-Records/Rough Trade 3510220.2 Lars Gullin, schwedischer Komponist und Baritonsaxophonist, der leider im Alter von 48 Jahren schon 1976 verstarb, habe in seiner stilistisch eigenständigen Verbindung von Folkore und Jazz „die Melancholie der Unendlichkeit“ ausgedrückt, bestätigen nicht nur seine Bewunderer. Sein warmer und subtiler Ton auf dem Instrument war von mitreißender Ausdrucksstärke und Sensibilität. Gunnel Mauritzon, eine klassisch ausgebildete Gotländerin mit Faible für Folklore ist schon vor zehn Jahren beim Graben in der Tradition ihrer Heimat auf den Jazzmusiker Lars Gullin gestoßen und hat 1996 seine Kompositionen mit einem Ensemble eingespielt, das die mystische Kraft und Eindringlichkeit der Gullin-Kompositionen auch in den Neu-Interpretationen mit einfühlsamem Gespür trifft. Zwar spielt Sanders Hagberg nicht so cool vibratolos und kultiviert wie Gullin, doch seine extrovertierte Expression steht in reizvollem Kontrast zu der klaren und reinen Stimme der Folksängerin. In den instrumentalen Parts verleihen die Musiker mit Ola Bäckström (Violine), Hans Eriksson (Bass), Johan Lövcrantz (Schlagzeug, Percussion), Roger Tallroth (Gitarre, Bouzouki), Richard Aström (Piano, Keyboards) und Hagberg den Kompositionen rhythmisch und melodisch eine Magie, die den Zuhörer in Trance versetzen kann. Filigrane Violin-Klänge werden durch eine vibratoreichen Flöten-Sequenz abgelöst, perlende Läufe lösen sich aus dem Piano, die Percussion setzt sanfte Akzente, dann wiederum füllt die Gruppe den Sound mit expressiver Wucht, die den Körper zum Schwingen bringt. Und über allem schwebt die wundervolle Stimme von Gunnel Mauritzon. „Silhuette“, der jetzt von Laika-Records neu aufgelegte Tribut Mauritzons an den großen Lars Gullin kann ebenso süchtig machen wie der Komponist und Saxophonist selbst es konnte. Klaus Mümpfer |
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Spaniol 4 Loon Klangraum-Records KRR 031 Der Zuhörer sollte sich von der Leichtigkeit des musikalischen Seins auf dieser CD des Quartetts von Frank Spaniol nicht täuschen lassen. Hat der Saxophonist schon mit seiner Einspielung „Acoustic Jazz“ bewiesen, dass akustischer Jazz in der Bebop-Tradition durchaus frisch und zeitgemäß klingen kann, so setzt er mit der neuen CD „Loon“ dies fort, aber bereichert mit ungewöhnlichen Sounds auf dem Saxophon wie im Opener „Another One“, mit feinen, harmonisch reizvollen Bass-Soli wie in „Newark Experience, pulsierendem Schlagzeug sowie ebenso perlenden wie verqueren Piano-Läufen. Die vertrackten Kompositionen stammen überwiegend aus der Feder Spaniols, andere vom Bassisten Markus Bodenseh, dem Pianisten Ulf Kleiner und der Schlagzeuger Sebastian Merk. Spaniol beherrscht die Bandbreite des Saxophonspiels von der Sonorität Coleman Hawkins bis zum hellen Aufschrei eines Wayne Shorter. Die Musik swingt auch ohne konventionell durchlaufendem Beat, steckt voller Energie und Spielfreude, was durch den homogenen Gruppensound des Quartetts gefördert wird. Es sind die kleinen Interaktionen von Saxophon mit Piano oder Bass und das flexibel reagierende Schlagzeug, die überzeugen. Zwar klingt die Musik vertraut, dennoch - siehe oben - steckt sie voller überraschender Klangfarben und rhythmischer Wendungen. Mal balladesk, mal nervös flatternd, mal einfach funky swingend – wie in „Medion Swing“ mit schnellen Piano-Läufen und straight marschierendem Bass - oder groovend. „Loon“ ist kein anstrengend aufregender, sondern ein leichtfüßiger, eingängiger Modern-Jazz mit Aha-Effekten und viel Spielwitz. Klaus Mümpfer |
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Memellow Headin´ South Laika-Records / Rough Trade 3510211.2 Swingender Easy-Listening-Jazz, der gefällig ins Ohr geht, aber nicht unbedingt im Gedächtnis haften bleibt. Das ist es, was das Schweizer Ensemble „memellow“ in die Rillen der CD „Headin´ South“ gepresst hat. Ohne Zweifel beherrschen die Musiker um den Gitarristen und Komponisten Urs Bachthaler allesamt ihre Instrumente und ihr Metier – was besonders für den Saxophonisten Alex Hendriksen und den Pianisten Walter Jauslin gilt, die mit heißem Rohr und verschleppten Rhythmen etwa in „Saltis Wamba“ auffallen. Ansonsten reißen Gimmicks wie die eingespielten Stimmengewirrfetzen, die hübsche Intro mit Drums und Bass in „Leaving Traces“ oder der Franko-Rap in „Leaving Traces – vocal remix“ die Musik nicht aus dem Riesen-Angebot gleichartiger und gleich guter swingender Jazzeinspielungen heraus. Wie gesagt: gute Qualität, leicht zu konsumieren, aber keineswegs aufregend. Klaus Mümpfer |
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hr-Bigband feat. Bill Ramsey Here´s To Life – Here´s To Joe hr-music.de hrmj 0031-06 „Er brachte den Blues vom Land in die Stadt“, sagt die Sängerin Cassandra Wilson über ihren 1999 verstorbenen Kollegen Joe Williams. Und seinen kultivierten Sound beschreibt sie mit dem Lob, dass alles gut durchdacht und perfekt ausgeführt sei, noch bevor Joe Williams den Mund öffne. All dies trifft auch auf den Sänger-Entertainer Bill Ramsey zu. Während Joe Williams einst mit seinen Songs den Sound des Count Basie Orchesters bereicherte, steht hinter Ramsey die hr-Bigband mit einem ebenso präzisen und zupackenden Klangkörper. Bandleader Achim Keller, der gerade erst mit „Pictures At An Exhibition / Echoes Of Aranjuez“ ungewöhnliche, atmosphärisch dichte Klangbilder malte, trifft mit seinen einfühlsamen und zugleich kraftstrotzenden Arrangements auch die Stimmung der Basie-Williams-Kooperationen. Wie Williams ist auch Ramsey nicht nur ein Shouter – so im Opener „Alright, Ok, You Win“, sondern auch ein sensibler Balladen-Interpret – so in „Everything Must Change“ oder „In The Eyes Of Children“. Und das alles klingt völlig unangestrengt, natürlich und souverän. Die CD ist einerseits ein Tribut Ramseys an den Kollegen Joe Williams, mit dem er seit Anfang der 70er Jahre eng befreundet war. Sie ist andererseits ein Tribut der hr-Bigband an Bill Ramsey, der dieses Jahr den 75. Geburtstag feierte und mit dem Dutzend mitreißender Songs beweist, dass er seine Stimme nach wie vor auch vor einer kraftvollen Bigband bravourös einsetzen kann. Treffend deshalb auch der Schlusstitel: „Everyday I Have The Blues“ – ein Blues, der kein Kind von Traurigkeit ist. Klaus Mümpfer |
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Colored Wolf blue.sing Mood CD 6772 Der Blues-Freund fühlt sich an die inzwischen legendären Blues-Festivals in Lahnstein versetzt, wo die Sänger-Gitarristen aus Amerika das Publikum mit ihren Blues-Nummern mitrissen. Schneller und aufreizender Chicago-Blues, schleppender Blues aus dem Mississippi-Delta, großstädtischer und ländlicher Blues. Der Stuttgarter Bluesikant Wolfgang Kallert, genannt Colored Wolf, bringt genau diese Stimmung rüber. Mit kehligem Gesang, ausdrucksstarker Intonation und sensibler Interpretation nimmt er sich der Klassiker von Robert Johnson, Otis Spann oder Memphis Slim an, singt auf seine Weise Bob Dylans „Highway 61 revisited“ und vor allem einige Balladen von Joni Mitchell. Am Besten jedoch liegen ihm Songs wie „Sweet Home Chicago“, „Beer drinking woman“ und gemeinsam mit einem bluesgetränkten und doch perlenden Piano-Part Wolfgang Dauners das „Trouble in mind“. In dieses Stück könnte man sich versenken und nie mehr rauskommen. Verstärkt wird das erdige Blues-Feeling durch die Mundharmonika von Michel Roth. Leider ist über Kallert wenig Biografisches sowohl im Text zur CD als auch im Internet zu erfahren. Auf der Homepage gibt es derzeit nur einige Hörproben – doch wüsste der Blues-Fan gerne ein wenig mehr, als dass er in regionalen Konzerten auftritt oder Schriftsteller musikalisch begleitet. Der Sänger und Gitarrist, so der Höreindruck, zählt derzeit zu den herausragenden deutschen Blues-Interpreten. Klaus Mümpfer |
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Hasler / Hanschel / Pastior frösche und teebeutel Foolish Music 211 006
Sinn nimmt, Sinn gibt – Sinn – Unsinn – Freisinn. Jazz und Freijazz. Free Jazz und Free Poetik. Hasler und Hanschel und Pastior. Collagen des Dadaismus. Klangpoesie und Wortgesang. Die Stimmakrobatik der Sängerin Gabriele Hasler weist schon immer über den Jazzgesang hinaus. Die Gedichte Oskar Pastiors müssen laut aufgesagt werden – sind eher Hörichte als Gedichte. Und all das ist auf faszinierende Weise nachzuvollziehen auf der neuen CD der Sängerin, des Poeten und des Jazz-Saxophonisten Roger Hanschel. Aufs Innigste verbunden sind die kammermusikalisch freien Improvisationen Hanschels mit den Vokalisen und Laut-Wort-Fetzen Haslers oder der Sängerin Stimmakrobatik mit den Wort- und Silbenspielereien Pastiors, der für seine Durchquerung der Sprache in diesem Jahr den Büchnerpreis entgegen nehmen wird. Zwei Seiten einer Ton-Sprache sind „tschirp konson“, ein solo, in dem Gabriele Hasler zirpt und girrt und gurrt, sowie „tschrip sakson“, in dem Roger Hanschel sein Instrument vibrato-flirrend sowie in Ton- und Akkord-Fetzen singen und stöhnen lässt. Rachenlaute im Kehlkopf der Sängerin, Endlosschleifen sinnfreier, freisinniger Poesie des Lyrikers. Sein erstes Gedicht „Jalousien aufgemacht – Jalousien zugemacht“ – Pastior war damals vier Jahre jung – ist der Ausgangspunkt einer der sprachkünstlerischen Wortspielereien, die der Dichter zwischen den musikalischen Ausflügen auf seine eigene mitreißende Weise vorträgt – in rot, und gelb und grün und blau und schwarz und weiß. Die sensible Kommunikation dreier außergewöhnlicher Künstler ermöglicht eine erfrischende CD.Klaus Mümpfer |
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Torsten Krill´s frimfram collective Reality Music / Vol. 2 frimfram production ff 04 Kaputte und heile Grooves, schöne und schräge Melodien, Harmonien, die provozieren, Vibrationen, die aufreiben. Aspekte, mit denen der Schlagzeuger Torsten Krill seine eigenes Verständnis von „reality music“ zu beschreiben versucht. Eine Entdeckungsreise durch den Musikdschungel dieser Welt ist es in der Tat, was Krill gemeinsam mit Carsten Netz an Saxophon, Klarinette und Flöte, der Gitarrist Jo Ambros und der Kontrabassist Uwe Lange in 18 Kompositionen durchmisst. Das reicht von swingender Lyrik und verspielten Melodielinien, einer klassischen, akustischen Bass-Intro und zartem Single-Note-Spiel auf der Gitarre in „Wink des Glücks“, über coole, schwebende Sounds im kurzen „Winter“ sowie singenden Saxophon-Läufen und brasilianischen Samba-Rhythmen in „Mika“ oder einem melodischen, swingenden „Avishai“ bis zu attackierenden Sound-Collagen mit Geräusch-Fetzen mit Stimm-Einspielungen in „Alte Heulsuse“ oder Free-Explosionen des Saxophons vor rasenden Schlagzeug-Drives samt Unisono-Kollektiven in „Jule im Mai“. Dennoch folgt das breite Spektrum der musikalischen Aussagen und der Stile glücklicherweise nicht dem Prinzip der Beliebigkeit, sondern dient sowohl im Gesamtkonzept, wie auch innerhalb der Kompositionen (so wiederum bei „Jule im Mai“) dem Spannungsaufbau und einer Logik der Abwechslung. Belebt werden die Stücke zudem von einem hintergründigen Humor, wie er sich schon in den Titeln (etwa „Hallo, Herr Zeitgeist“, „Bye-bye, Herr Zeitgeist“ oder „Der Molch auf Reisen“) wiederfindet sowie von überraschenden Wendungen. Torsten Krill ist dieses Jahr Träger des Jazzpreises des Landes Baden-Württemberg, das damit auch seine Tätigkeit als Produzent und Gründer des frimfram-Labels anerkennt. Er hätte den Preis aber auch schon allein als Komponist und Musiker verdient. Klaus Mümpfer |
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Big Brazz Pack Crime Time Rodenstein records ROD 26 Chris Perschke´s Slide-O-Mania Shark Race Rodenstein-Records ROD 23 Schräge Harmonien, Sirenengeheul auf den Instrumenten, Alarmstimmung. Doch dannschälen sich plötzlich bekannte Melodien auf neue und ungewohnte Weise aus dem Chaos. It´s „Crime Time“ bei „Big Brazz Pack“, jener Formation mit dem satten Bläsersatz aus je vier Posaunen, Trompeten und Holzblasinstrumenten sowie einer exzellenten Rhythmusgruppe - und unter der Leitung des Posaunisten Chris Perschke, der gerade den Jazzpreis des Jazzclubs Rheinhessen gewonnen hat. Mit Crime Time präsentiert „Big Brazz Pack“ auf ihre Weise die Titelmelodien aus zehn Krimi-Serien von diesseits und jenseits des Ozeans – eigensinnig und erfrischend arrangiert von den Band-Mitgliedern Martin Schmitt, Chris Perschke und Jens Hunstein. „Kommissar Maigret“ tanzt im Musette-Walzertakt mit einem faszinierenden Bass-Solo, „Starsky & Hutch“ ermitteln funky und mit einem groovenden Schlagzeug-Ausflug, in das „Love Theme“ aus „Godfather“ ist ein perlender, latin-beeiflusster und leicht verschleppter Piano-Lauf eingebettet. Natürlich darf bei der Interpretation von Krimi-Themen auch die Hammond-Orgel nicht fehlen, die bei Big Brazz Pack vor allem im Thema von „Magnum“ brilliert. Und dass die Band nicht an Doldingers Ohrwurm vom „Tatort“ vorbeikommt ist Herausforderung und Glanzlicht zugleich. Wenn der Autor des PR-Textes zu Crime-Time fragt, warum die Stücke nicht schon immer so gespielt wurden, ist dies nicht ganz abwegig. „Shark Race“ von Chris Perschke´s „Slide-O-Mania“ kann durchaus doppeldeutig übersetzt werden, denn die Musik ist zupackend wie ein Fisch der Rasse der Haie, läuft aber auch flott wie ein Wettrennen von Gaunern. Fünf Posaunisten mit dem Leiter der Formation an der Lead-Posaune und einer Rhythmusgruppe mit dem einfallsreichen Pianisten Ernst Seitz präsentieren ausgefeilte Satzarbeit mit raffinierten Klangfarben und groovenden Rhythmen. Mal melancholisch und lyrisch wie in in der Ballade „Bee Lee“, dann wieder attackierend mit Latin-Einflüssen wie in „Chili Kiss“, mit Sounds experimentierend wie in „Ground Control“ oder funky treibend wie im Titel-Stück „Shark Race“. „Slide-O-Mania“ bewegt sich zwar immer im Mainstream, aber doch mit der Fähigkeit, auch frei spielen zu können. Die Individualität der fünf Posaunisten und die stete Rückbesinnung auf das Piano als verbindendes Instrument sowie die solide Basis mit dem Bassisten Florian Werther und dem Schlagzeuger Florian Hermann machen den besonderen Reiz dieser Einspielung aus. Klaus Mümpfer |
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Steve Coleman and Five Elements Weaving Symbolics Label Bleu (rough trade) Das Erstaunlichste an Steve Colemans Musik waren zunächst die hoch komplexen, dennoch groovenden Rhythmen und die Kunst, zu diesen rhythmischen Geflechten mit solcher Leichtigkeit und Schlüssigkeit zu improvisieren. Mittlerweile enthält seine Musik immer wieder auch äußerst vielschichtige, sich ständig wandelnde harmonische Gewebe, die durch ein Zusammenspiel mehrerer Improvisatoren entstehen. Auf seiner neuesten CD „Weaving Symbolics“ ist seine Musik in vielfacher Hinsicht hoch komplex und kunstvoll "gewoben". Sie schillert in großartiger Vielfalt und erreicht eine außerordentliche Klarheit. Die CD beginnt mit Steve Colemans allererster Kunst der Gestaltung: mit seiner Kunst der Improvisation, die bereits in jungen Jahren wegen seines besonderen Geschicks hervorstach, in sich verschränkte, „drehende“ Melodie-Linien mit verblüffendem Bewegungsgefühl und großer Eleganz hervorzubringen. Die Solo-Improvisation des ersten Stückes der CD „Weaving Symbolics“ gibt einen ersten Eindruck davon, wie sehr diese Kunst nun ausgereift ist: Mit der Natürlichkeit eines Liedes und der Helligkeit und Wärme von Sonnenstrahlen entwickelt sich seine Improvisation, bis sie bei einer Melodie anlangt, die das Thema des Stückes bildet – eine einfache Melodie mit einer durchdringenden Wirkung, wie sich später in weiteren Versionen dieses Stückes mit dem Titel „Ritual“ zeigt. Dieses „Ritual“ taucht nämlich 5 Mal (jeweils mit anderer Besetzung) auf und teilt das gesamte (auf 2 CDs verteilte) Werk in 5 Abschnitte. Eine weitere Komposition ist in 3 Versionen enthalten: „Triad Mutations“ – jede Version voller berauschender Lebensfreude, getragen von einem Sound, der an die sonnige Atmosphäre Brasiliens denken lässt, wo die Musik aufgenommen wurde. Gerade dieses Stück macht deutlich, wie sehr in Steve Colemans Musik Komplexität ein Ergebnis gesteigerter Lebendigkeit ist. Bei 2 Titeln spielt Steve Coleman in einem ungewöhnlich traditionellen Jazz-Kontext: im Trio mit Jeff „Tain“ Watts, der als ausgezeichneter Schlagzeuger einer früheren Wynton-Marsalis-Band bekannt wurde. Diese Trio-Aufnahmen ergeben jedoch in keiner Weise einen Bruch, sondern repräsentieren eine der Verbindungen der Steve-Coleman-Musik zu verschiedenen Musik-Traditionen, die zum Teil auch weit außerhalb des Jazz liegen. In „Tehu Six“ sind Elemente des „freies“ Spiels zu hören, in „Gregorian“ europäische Einflüsse und in „Li Bai“ asiatische. All diese Verbindungen zu unterschiedlichen Stilen und Musik-Kulturen sind aber nur Facetten und Erweiterungen der stets unverkennbar eigenständigen Musik Steve Colemans. Eine spezielle Art der Stimmung, die seit seinen frühen Aufnahmen immer wieder in einzelnen Stücken auftaucht, gibt dem Stück „Trigrams“ einen besonderen Reiz: ein gebremstes, entspanntes Dahin-Fließen in gedämpften Farben mit starkem Groove. - Noch langsamer fließt „Circle Weaving Thirteen“, in vielen einzelnen Strängen, die sich überschneiden, zeitweise vereinen, sich wieder teilen und insgesamt einen Strom aus teils ziemlich schrägen, spannungsvollen, aber auch wohltuenden Klängen bilden. In „Numerology“ ist das (primär improvisierte) Spiel mit einer großen Vielfalt von Harmonien noch extremer, oft voller Reibung, aber immer wieder auch (gerade durch den Kontrast) wohlklingend und durch eine meditative, sakrale Atmosphäre berührend. Die CDs „Weaving Symbolics“ brauchen wohl häufiges Hören über längere Zeit, um den besonderen Reiz dieser Musik in ihren vielen Räumen und Winkeln zu entdecken. Diese Musik ist eben nicht einfach und es ist eine gewisse Toleranz gegenüber Schrägem erforderlich, um auch den Zauber der schwierigen Stücke zu entdecken. Z.B. beginnt „Tetragramm“ mit einem irritierenden Gesang (als würde er die verrückt gewordene Orphelia in „Hamlet“ darstellen), gleich darauf setzt jedoch ein massiver Groove ein und gibt den abgehobenen, ätherischen Klängen eine stabile Basis, über der Steve Coleman dann einen coolen Tanz am Saxofon hinlegt – bis das irritierende Thema zurückkommt, nun schon ein wenig vertrauter … „Weaving Symbolics“ enthält überwiegend eine hochgradig abstrakte, komplexe Musik, die aber gleichzeitig immer wieder bestechend natürlich, stimmig und klar ist. Ihre Abstraktheit bedeutet nie Gefühlsarmut, sondern verstärkt vielmehr den Ausdruck eindringlicher Stimmungen. Allerdings sind das kaum Stimmungen, die man in einem erholungsbedürftigen Zustand aufsucht oder die als Hintergrund bei anderen Tätigkeiten angenehm wären. Es braucht eine geistige Verfassung, die Lust auf eine mitunter wirklich abenteuerliche Entdeckungsreise zulässt – auf eine Entdeckungsreise, die sich jenseits verwirrender Momente lohnen kann, denn hinter dem, was sie einem abverlangt, hält sie eine besondere Schönheit bereit. Eine Schönheit, die in Form von Rhythmen, Bewegungsgefühl, Sound, bezaubernden Strukturen und Verläufen … tatsächlich existiert – im Gegensatz zu manch anderer Musik, hinter deren Schwierigkeit solche Qualitäten nicht zu finden sind. Beide CDs sind auf der Rückseite DVDs mit Video-Aufnahmen. Auf einer ist nach einem kurzen Gespräch zu sehen, wie Steve Coleman nur mit Schlagzeug-Begleitung über „Little Willie Leaps“ (Miles Davis) lang und intensiv improvisiert. Es wird die Verbindung zur Jazz-Tradition deutlich und ihn spielen zu sehen, bringt einem seine Improvisations-Weise näher. - Auf der anderen DVD spricht er über die Musik der „Weaving Symbolics“-CDs. ZUR SYMBOLIK: Die Gliederung der CDs in 5 Abschnitte und in 2er und 3er Gruppen ergeben die Zahlenverhältnisse des „Goldenen Schnitts“. Aus den Titeln der Stücke und den Erläuterungen Steve Colemans wird deutlich, dass diese Musik zu einem guten Teil von Zahlen-„Magie“, Astrologie, Esoterik usw. inspiriert ist. - Steve Coleman weist im Begleitheft der CD jedoch darauf hin, dass es nicht so etwas wie ein „Verstehen“ der musikalischen Symbolik gibt. Es sei in dieser Musik nichts Tiefer-Gehendes zu finden als das Erleben des Hörers selbst. Zum In-sich-Gehen wolle die Musik anregen. - Für einen Zugang zu dieser Musik ist eine Beschäftigung mit den Ideen, die Steve Coleman inspirieren, also genauso unwesentlich wie etwa eine Beschäftigung mit christlichen Lehren für einen Zugang zur Musik von Johann Sebastian Bach. THEORETISCHE GEDANKEN ZUR SYMBOLIK: Mathematik und Naturwissenschaften konstruieren gedankliche Regelwerke (Modelle), um die Natur zu erfassen, was aber immer nur ansatzweise gelingt. Denn unsere geistigen Möglichkeiten sind zu begrenzt. Die gedanklichen Modelle haben zwangsläufig immer die typischen Strukturen der menschlichen Art zu denken. Darüber kommt man nicht hinaus. Auf diese Weise spiegeln all die mathematischen und naturwissenschaftlichen Gedanken zugleich die menschliche Art des Denkens wider – und nicht nur die Art des Denken: der enorme Einsatz, der zu den Erkenntnissen geführt hat, stammt aus Faszination, also aus intensiven Gefühlen, mit denen all diese Ideen verbunden sind. Schönheit ist ein wesentlicher Motor und
das ergibt eine Verbindung zur Kunst. Ein Wissenschaftspublizist sagt:
Mathematiker hätten offenbar ein besonderes Verständnis für die
mathematischen Zeichen. „Wahrscheinlich entdecken sie darin Symbole. Und
das Symbolische regt nicht nur ihren Verstand an, sondern ihr ganzes
Wesen, ihr Gefühl … Kriterien für Schönheit in den Naturwissenschaften
sind zum Beispiel Symmetrie oder Einfachheit. Einsteins E=mc2
ist allein dadurch ästhetisch, dass es nur fünf Symbole hat … Oder
nehmen Sie die Doppelhelix-Struktur: unser Erbgut in Form einer
symmetrischen Spirale! … Ich denke, dass man ohne Sinn für die
Naturschönheit kein Naturforscher wird.“ Mit diesem wissenschaftlichen Streben
scheint Steve Colemans Weg eng verwandt zu sein. Dass manches, was ihn
inspiriert, als „irrational“ erscheint, sich also naturwissenschaftlich
nicht bewährt, ist unwesentlich, denn es geht ja um Musik und in
musikalischer Hinsicht bewährt sich sein Zugang zur „Natur“ sehr wohl.
Vor allem, weil die Musik die „Natur“ des menschlichen Erlebens
abbildet, noch überzeugender als es auch die Naturwissenschaften tun. Manfred Mayer |
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Manfred Bründl´s Silent Bass Respect Laika 3510212.2 Wenn ein Bandleader, der Bass spielt, seine Gruppe “Silent Bass” nennt, und zugleich extrovertierte und expressive Mitmusiker um sich schart, dann zeugt dies von Souveränität und Einfühlsamkeit gleichermaßen. Dem Bassisten Manfred Bründl ist beides zueigen. „respect“ nennt er seine neue CD mit dem Saxophonisten Hugo Read, dem Pianisten Achim Kaufmann und dem Schlagzeuger Jo Thönes. Zu hören sind elf Kompositionen, die Bründl berühmten Persönlichkeiten gewidmet hat und bei der er vom Jazz aus in die kulturelle Umgebung schaut: Leonardo da Vinci und Ernest Hemingway sind ebenso vertreten wie Anton Webern und Gustav Mahler, aber auch Nelson Mandela und Charles-Édouard Le Corbusier, dem er ein wunderschönes, harmonisch reizvolles Bass-Solo gewidmet hat. Swingend und melodisch mit gradlinigem Bass, singendem Sopransaxophon und perlendem Piano gibt das Quartett eher sanft da Vinci die Ehre, frei pulsierend und expressiv attackierend wie in vielen Stücken widmen sie Ernest Hemingway eine nahezu chaotische Aufmerksamkeit, Assoziationen zur afrikanischen Hymnik mit ihren Ostinati kennzeichnet die Ehrerbietung für Nelson Mandela. In bester Bop-Manier atmet „Only U“ mit der Spiritualität von John Coltrane und Arnold Schönberg ist eine Sound-Collage mit nervösen Akkordsplittern sowie Single-Note Trauben zugedacht. Respekt, aber auch befreiendes Selbstbewusstsein prägt diese aufregende CD, in der der Bass zwar leise, dennoch unüberhörbar in den komplexen Kompositionen die Interaktionen zusammenhält. Klaus Mümpfer |
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Happy Birthday – Jubiläums-Edition 20 Jahre Landes Jugend Jazz Orchester Hessen WD 2205 Herb Geller, Bob Mintzer und Ack van Rooyen sind Gäste des Landesjugendjazzorchesters Hessen – doch es bedarf genauen Hinhörens, um die Stars unter den glänzenden Solisten des musikalischen Nachwuchses herauszufinden. Die jugendliche Big Band unter der Leitung von Wolfgang Diefenbach spielen absolut professionell: präzise in der Satzarbeit, differenziert in der Dynamik, expressiv im Ausdruck, drivend im Swing und vor allem ohne jeglichen Bruch im Zusammenspiel. Beeindruckend ist so die gefühlvolle und dynamische Begleitung der Sängerin Madeline Bell in „Try a little Tenderness“, während die Band mit der Vokalistin Dee Daniels in „Don´t get around much anymore“ eine der seltenen Unsicherheiten im Kollektiv erkennen lässt. Mit eleganter Leichtigkeit tragen die jungen Musiker Klassiker wie „Take the A´Train“ vor, glänzen mit strahlenden Blechbläsersätzen und runden Reed-Tutti aber auch in Kompositionen der Gäste und in eigenen Stücken. Ob nun fetzig und groovend wie in „Spinning Wheel“ und „Techno Pop“ oder gefühlvoll mit seelenvollen Moods bei „Georgia on my mind“ mit den beiden Sängerinnen und den drei Gastsolisten, das Jugendorchester zeigt stets hohe Disziplin verbunden mit Spielfreude und sicherer Instrumentenbeherrschung. Beim Live-Mitschnitt des Jubiläumskonzertes in Wiesbaden sprang der Funke auch aufs Publikum über. So inspirierte die Reaktion der begeisterten Zuhörer offensichtlich zusätzlich den Spielwitz der Band. 1985 hatte der Dirigent und Arrangeur Wolfgang Diefenbach das Landes Jugend Jazz Orchester gegründet und trotz der naturgemäß wechselnden Besetzungen einen kompakten Klangkörper geschaffen, der auch schwierige Stücke glanzvoll meistert. Die vorliegende CD belegt, warum das LJJO Hessen als eine der besten Jugend-Bigbands gilt. Klaus Mümpfer |
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hr-Bigband Pictures of an Exhibition / Echoes of Aranjuez hrmj 029-05 Die hr-Bingband ist bekannt für ihre glänzenden Solisten sowie für ihre geschliffenen und präzisen Kollektive mit fetziger Satzarbeit. Jörg Achim Keller hat als Leiter des Orchesters mit straffer Hand viel zum homogenen Klangbild selbst in komplexen sinfonischen Arrangements beigetragen. Mit der Umsetzung von Mussorgskys Klaviersuite „Bilder einer Ausstellung“ in der Bearbeitung der Jazzfassung von Clare und Brent Fischer wird die Frankfurter Bigband ihrem Ruf gerecht. Flächige Sounds mit reizvollen Klanfarben bestechen ebenso wie die solistischen Leistungen. Gleiches gilt für die Bearbeitung des 1939 von Joaquin Rodrigo komponierten „Concierto of Aranjuez“ unter der Leitung des Dirigenten Bill Holman. Manche Passagen bleiben ganz nahe am Original, dann wieder wagt das Orchester Verfremdungen bis zu freien Kollektiven. Mit sanften Soli lullt Jörg Reiter auf dem Piano ein, mit expressiven und zugleich sonoren Läufen nimmt Wilson de Oliviera auf dem Tenorsaxophon gefangen. Auf diese beiden Instrumente sowie auf Flügelhorn und einige akzentuierte Schlagzeugeinlagen setzt Holman, der ganz auf die Gitarre verzichtet. In seinem eigenständigen Arrangierstil hat er zudem, wie Jürgen Schwab in den Liner-Notes anmerkt, den drei Sätzen einen vierten hinzugefügt. Wer sich für zeitgenössischen sinfonischen Jazz interessiert, ist mit der hr-Bigband vorzüglich bedient. Sie zeigt, wie ausgezeichnete Solisten mit Disziplin und unter kompetenter Leitung raffiniert ausgefeilte und komplizierte sowie vielschichtige Arrangements souverän meistern.
Klaus Mümpfer |
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Anke Helfrich Trio feat. Roy Hargrove Better Times Ahead Double Moon DMCRH 21053 Wenn Anke Helfrich in die Tasten greift, dann weiß der Jazzfan, was ihn erwartet: eine ungeheuer swingende Musik mit zeitgenössischen Einsprengseln, ein Jazz, der reine Freude bereitet. Und so beginnt die neue CD mit „Movin´In“, einem Thema im 5/4-Takt, das den Trio-Mitgliedern reichlich Raum für solistische Vorstellungen bietet. Das balladeske „My Ship“ aus der Feder von Kurt Weill und Ira Gershwin leitet die Pianistin mit einem verträumt klingenden Solo ein,bevor nach einer kurzen Überleitung Bassist Martin Gjakonovski und Drummer Dejan Terzic mit leichtfüßigem Latin-Touch hinzukommen. In starkem Kontrast dazu steht „Der Turm“, eine Helfrich-Komposition, in der der Trompeter Roy Hargrove über einer pulsierenden Basis aus Piano, Bass und Drums sowie im Duo mit Helfrich ein sich aus Hardbop entwickelndes ekstatisches Free-Solo bläst. Stakkati im Up-Tempo vor einer kurzen Beruhigung und der Rückkehr zum Thema. Dass das Trio mit Hargrove - dieses Mal mit Flügelhorn - auch in leisen und melodischen Kompositionen als homogener Klangkörper bestehen kann, belegt „Thanks for beeing here“, ein Stück, das cool und sinnlich zugleich, zart und verspielt sowie mit einem harmonisch reizvoll verzierten Bass-Solo und sanftem Spiel auf Trommeln und Becken einlullt. Funky wiederum erklingt das Titel-Stück „Better Times Ahead“ in der Trio-Besetzung. Als expressives Up-Tempo-Stück interpretiert das Quartett Monks „I Mean You“, in dem Anke Helfrich ihrem musikalischen Vorbild Tribut zollt. Mit der anschließenden „Miniatur An-ma.de“, dem fast surrealen Klangfarbenspiel aus Single-Note-Trauben, gestrichenem Bass und rasselnder Percussion belegt die Weinheimer Pianistin ihre Vielseitigkeit, die keine Beliebigkeit ist, sondern stilsichere Bewegung im zeitgenössischen Jazz. Mit ihrem Trio und dem Gast bleibt sie stets der amerikanischen Tradition verbunden, in die sie die europäische Freiheit einbindet. So entsteht eine Musik, die bis zum letzten Ton gefangen nimmt. Die
CD wird Anfang Mai 2006 veröffentlicht. Klaus Mümpfer |
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Mariano & Vitold Rek feat. Peter Reiter Cathedral Taso Music Production TMP CD 611 Sakrale Klänge auf der Orgel, ein choralartig singendes Saxophon und ein melodisch gestrichener sowie warm und erdig gezupfter Kontrabass – das sind die Zutaten für eine wunderbare Einspielung unter dem Leittitel „Cathedral“.Die einführende Komposition des Bassisten Vitold Rek, „Elexir“, lebt ganz von dieser Stimmung, der nachfolgende „Love Song“ ist geprägt durch die der menschlichen Stimme so eng verwandte Spielweise des Saxophonisten Charlie Mariano sowie das volksliedhaft schlichte, aber harmonisch raffinierte Bass-Solo Reks – wobei beides von den zurückhaltenden sanften Orgelklängen Peter Reiters unterlegt wird. „Voices“ assoziiert in der Tat mit gestrichenem, sich wellenförmig bewegenden Bass und den Saxophonfetzen ein Stimmengewirr, das irgendwo verklingt. Mariano hat bereits Weltmusik gespielt, als dieser Begriff noch nicht verbreitet war, und Rek hat die Folklore seiner polnischen Heimat so sehr verinnerlicht, dass sie mehr oder weniger dominierend in all seinen Kompositionen zu Tage tritt. Die dieser Folklore immanente Stimmung passt ideal zur Spielweise Marianos und die Seelenverwandtschaft des Bassisten sowie des Saxophonisten hat schon bei früheren Einspielungen befruchtend gewirkt. Reiter fügt sich mit seinem auf klassischer Ausbildung basierenden Orgelspiel nahtlos ein. Dass in dieser Kombination aus komponierten Teilen und Improvisation zudem Elemente neuer Musik und des freien Jazz mit einfließen, wie etwa in „In Temptation“, fällt kaum auf, verleiht den Stücken aber einen besonderen Reiz. Dieses Duo von hell timbrierten Saxophon und harmonisch aufregend gezupftem Bass ist ein musikalsicehs Kleinod. Insgesamt bleibt die CD swingend und melodisch in Erinnerung – ein Eindruck, zu dem natürlich auch die eigenwilligen Interpretationen von „“Ain´t Misbehavin´“ und „Memories of You“ beitragen.
Klaus Mümpfer |
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ImmerGrünJazzTett Frauen sind keine Engel Lucifer Records LC 08136 Das ist keineswegs “aus Versehen Jazz”, wie das Wiesbadener ImmerGrünJazzTett bei der Präsentation mit marktorientierter Bescheidenheit Glauben machen möchte. Dass Frauen keine Engel sind, wie der Titelsong treffend konstatiert, wird man der Sängerin Jutta Waldeck unbenommen abnehmen. So verrucht und zugleich naiv interpretiert sie Evergreens aus den 30er und 40er Jahren des inzwischen vergangenen Jahrhunderts – für die ältere Generation unvergessliche Evergreens - sowie einige neue Eigenkompositionen im gleichen Stil. Swing, Bossas und moderne Grooves verbinden sich zu einem reizvollen Wiederhören mit bekannten Melodien, die Sängerinnen wie Marika Röck und Marlene Dietrich bekannt gemacht haben. Diese Rückbesinnung auf deutsche Schlager im Jazzgewand ist gewagt, erfrischend und keineswegs peinlich. Das gilt für ein Wiederhören mit „Für eine Nacht voller Seligkeit“ über „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ bis zu „Ich brech`die Herzen der stolzesten Frau`n“. Ihren mehr als nur nostalgischen Reiz verdanken die Lieder den geglückten Arrangements, den exzellenten Musikern – Torsten Kamps (Saxophon, Flöte), Hermann Kock (Schlagzeug), Thomas Langer (Gitarre) und Götz Ommert (Bass) – sowie dem guten Geschmack und der stilsicheren Phrasierung Jutta Waldecks. Diese ausdrucksstarke und anpassungsfähige Stimme sollte man öfter hören. Natürlich ist die jazzige Gratwanderung des ImmerGrünJazzTetts nichts für das breite Publikum. Die Musik hat eine eng umrissene Zielgruppe, die sie allerdings voll zufrieden stellen dürfte.
Klaus Mümpfer |
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Dejan Terzic Underground Bezug: www.dejanterzic.com Der in Weinheim lebende und in Mainz als Dozent lehrende Schlagzeuger Dejan Terzic stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, einem Staat der nicht mehr existiert. Wenn man seine nationale Identität nicht mehr in der Politik findet, dann umso stärker in der Musik, sagt Terzic und hat die Folklore der Heimat in den Mittelpunkt seiner neuen CD gestellt. Dass die Besinnung und folkloristische Tradition aber nicht gleichbedeutend mit Volkstümelei sein muss, belegt schon das erste Stück „Sunet Oro“ mit seinem expressiven Saxophonsound, dem gleißenden Gitarrensolo sowie der pulsierenden Percussion. Gewiss, es gibt auch ruhige und lyrische Bearbeitungen wie „Ruzica“, die mit Klarinette, Bass, Gitarre und Schlagzeug viel von der Schwermut der Volksweisen vom Balkan, ihrer Melodiosität und tänzerischen Leichtigkeit vermitteln. In der Regel aber prallen ethnologisch gebundene Tradition und zeitgenössischer Jazz in aufregenden Reibungen aufeinander. Dass diese einander befruchtende Symbiose so mitreißend gelingt, ist nicht nur der Kreativität Terzic´s, sondern auch den ausgezeichneten Mitmusikern zu verdanken. An erster Stelle dem Saxophonisten und Klarinettisten Chris Speed, der zwischen verklärten Klarinettenläufen und aggressiven Saxophon-Sheets pendelt, dem Bassisten Mark Helias, der mit erdigem Spiel die anderen immer wieder ans Fundament fesselt, in seinem Con-Arco-Spiel - etwa in „Da Dapp“ - mit Free-Sound-Effekten die Klangspielereien von Gitarre und Klarinette einleitet. Frank Möbus an der Gitarre zeigt vor allem in „Everybody tells me“ nervös pulsierende Gitarrenläufe, ziseliert in dem swingenderen „Aven Ivenda“ perlende Single-Note-Linien, die er mit Akkordgriffen abschließt. Die ganze Bandbreite der Ausdruckskraft dieser Musik zeigt sich in der Terzic-Komposition „Balkan Roundtrip“ mit dem stetigen Wechsel von Intensität, Tempo und Metrum, den Free-Ausbrüchen des Saxophons, dem treibenden Pulse des Schlagzeugs und dem Up-Tempo-Lauf auf der Gitarre, ein Geflecht, das wiederum vom Bass zusammengehalten wird. – und so prägt die folkloristische Stimmung nur noch untergründig die Stimmung. Dejan Terzic hat sich bei diesem CD-Projekt von Emir Kusturica´s Film „Underground“ inspirieren lassen, der den Zerfall Jugoslawiens schildert. Ich kenne den Streifen nicht. Dejan Terzic´s Musik jedenfalls, ist ein würdiger Nachruf auf eine Heimat, die zwar politisch nicht mehr existiert, aber in der musikalischen Tradition - und in dieser jazzigen Interpretation - weiterlebt.
Klaus Mümpfer |
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FUN-Jazzquartett & Jill Gaylord Moods MAXtunes,Taunusstein “Moods“ ist ein ebenso treffender Titel für diese Einspielung wie der Name FUN-Jazzquartett das Spiel des Saxophonisten Paolo Fornara, des Pianisten Joe Flinners, des Bassisten Markus Hofmann und des Schlagzeugers Günter Gessinger charakterisiert. Für die passenden “Moods" sorgt zusätzlichJill Gaylord. Sie besticht mit faszinierender Jazzphrasierung sowie dem rauen Timbre des Blues. Die im Hauptstrom des Jazz angesiedelten Kompositionen werden geprägt von dem mal bebophaft attackierenden, oft aber lyrisch singenden Spiel Fornaras auf dem Saxophon sowie dem ausdrucksstarken Gesang Gaylords, der etwa in “Thursday“ fast schon zu dramatisch von die Opernausbildung der Sängerin beeinflusst wird. Mitreißend indessen interpretiert der Gast des Quartetts den “Seven Day Blues“ oder scattet stilsicher zu den exotischen Rhythmen und Harmonien in “FUNtastic Peloponnes“ Typisch für Integration der Sängerin in das Quartett ist der Unisono-Part mit demSaxophonisten im swingenden “Just Fun“. Bassist Hofmann zupft sein Instrument sanft in “Ulla“, trocken-erdig in anderen Kompositionen. Gessinger trommelt flexibel und mit percussiver Einfühlsamkeit. Flinner wiederum kann in expressiven Soli Free-Jazz-Elemente aufnehmen, unterstreicht die Stimmungen auf dieser CD vor allem aber mitperlenden Single-Note-Linien, schnellen boppenden Läufen. Insgesamt legt FUN eine CD mit dem Mut zu Schönheit und Harmonie vor, die man durchaus öfter anhören kann.
Klaus Mümpfer |
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Friedel Keim Das große Buch der Trompete Schott-Verlag Mainz ED 9863, 42,95 Euro, ISBN 3-7057-0530-4 Wer noch nie von einer Büchsentrompete oder einer Stocktrompete gehört hat, wer nicht die Frage nach den „gewichtigsten“ Trompetern beantworten kann, der sollte unbedingt zu Friedel Keims großem Trompetenbuch greifen und die Seiten 262 sowie 240 aufschlagen. Es mag wohl an der Mainzer Lebensart liegen, dass die Wissenschaft nicht bierernst betrieben, sondern mit Kuriositäten und sogar Musikerwitzen und Cartoons angereichert wird. Doch neben solch unterhaltsamen Kapiteln liegt der Schwerpunkt des vorliegenden, genau 864 Seiten umfassenden Werkes auf den insgesamt 2043 Trompeter-Kurzbiografien, die der Mainzer Autor in einer bewundernswerten, jahrelangen Fleißarbeit zusammengetragen hat. Bei seinen Recherchen ist es Friedel Keim sogar gelungen, an Daten von früheren Hoftrompetern zu gelangen, die bisher selbst in einschlägigen wissenschaftlichen Werken nicht erwähnt wurden. Der Autor, selbst über viele Jahre Trompeter und Bandleader, ist – und da hat seine Ehefrau recht - ein detailversessener Vollständigkeitsfanatiker. Dass deshalb irgendwann ein Ergänzungsband folgen muss, hat der Keim schon angekündigt. „Das große Buch der Trompete“ fußt auf dem Trompeter-Taschenbuch, das im selben Verlag erschienen war und dessen Erfolg Friedel Keim so viele Zuschriften und Anregungen bescherte, dass eine Erweiterung unausweichlich schien. Und so sind nun dem lexikalischen Teil mit den Biografien von Trompetern aus der E- und der U-Musik sowie dem Jazz einige Kapitel vorgeschaltet, in denen Keim der Geschichte des Instruments vor allem in der Barockzeit nachgeht, amüsant vom Blasen in hohen Lagen erzählt, über die Trompete im Film, Fernsehen und in der Literatur berichtet. Dass der Wissbegierige auf der Suche nach einem bestimmten Jazz-Trompeter erst im Kapitel „Trompeter des Jazz“ und dann vielleicht noch unter den “Kurzbiografien der Jazztrompeter“ nachschlagen muss, irritiert im ersten Moment, doch man gewöhnt sich dran. Die Arbeit, die hinter diesem aufwändigen Werk steckt, rechtfertigt jedenfalls dessen Einschätzung als „Bibel für Trompeter“.
Klaus Mümpfer |
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Hofmann / Wangenheim / Schönborn Inside Rodenstein Records ROD 27 Im Forschungsreaktor fr2 in Karlsruhe nahmen die drei Musiker Tobias Hofmann (tp,flgh,e-gitarre,e-piano), Ulrich Wangenheim (fl, sxs) und Olaf Schönborn (ss,as) die CD "Inside" auf. Unterstützt bei einigen Stücken von einem Streichquartet (Andrea Göpfert, viol / Steffen Hamm, viol / Michael Fenton, viola / Wolfgang Kursawe, cello) und Jan Ingenhaag als Percussionisten. Natürlich erinnert das jeden, der die Platte kennt, an das - vom Aufnahmeort her gesehen natürlich politisch korrektere - Werk "Vor der Flut". Damals hatten einige Jazzgrößen in einem Wasserspeicher mit einer sensationellen Akustik schon mit Sound und Raum gespielt. Die akustischen Bedingungen sind im Reaktor ähnlich, wenn auch nicht ganz so spektakulär. Immerhin 13 Sekunden hallt der Klang in dem hohen runden Raum nach. Kein Wunder, daß Tobi Hofmann sich darum bemühte dort Musik einzuspielen. Die Musiker hatten nur wenige notierte Phrasen in die graue Halle getragen - eingespielt wurde die Improvisation im Raum. Ein herausfordernder Raumklang, verleitend zum Spiel mit weit gespannten Bögen in nuancierten Klangfarben. Die Musik ist nicht allein vom Umgang mit den außergewöhnlichen akustischen Bedingungen geprägt sondern reagiert auch auf die Funktion des Gebäudes. Ein Titel wie "Dunkelunten" der mit Wasser, "waterphone" und "Reaktorplatten" als Percussion eingespielt wird, drückt das reine Gefühl des Unbehagens gegenüber Kernenergie subtiler aus als Worte das könnten und im nachfolgenden "Böser Traum" wird die Katastrophe eines "was wäre wenn" schon einmal akustisch vorweggenommen. So eindeutig werde die "dunklen Seiten" des Reaktors aber selten musikalisch greifbar. Typischer sind die leicht melancholischen, mit Respekt vor dem Raum entworfenen Klanggemälde. Oft nur auf einfachen patterns basierend, mit einem Ostinato Thema unterlegt, reflektieren sie auf überzeugende Weise den umgebenden Raum und sind gleichermaßen seine authentische Beschreibung. Eine schöne Platte. Auch wegen der gelungenen Schwarz-Weiß-Fotografie und dem Layout der CD von Jan Ingenhaag. Das sähe man gern größer - wieder einmal ein Grund dem LP-Format nachzutrauern. fs |
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Barbara Dennerlein Duo 10th Anniversary „It´s Magic” Bebab 250972 Zehn Jahre schon währt die musikalische Zusammenarbeit der Organistin Barbara Dennerlein und des Percussionisten Daniel Messina. Eine Zeit, in der die beiden Künstler ein traumhaft sicheres sowie äußerst sensibles, aufeinander eingehendes Spiel entwickeln konnte. Angesichts der von überraschenden Wechsel in Tempo- und Metrum gekennzeichneten Stücke Dennerleins bedarf es in der Tat eines flexiblen und technisch versierten Percussionisten, wenn die Musik nicht auseinandertriften soll. „Longing“, das aus der Solo-CD „Spiritual Movements“ entnommen wurde, ist ein Paradebeispiel dafür. Ein ruhiger Einstieg von sakraler Stimmung und hymnischem Gesang Messinas mit Intensitätssteigerungen und ein mehrfacher Wechsel des Metrums bevor das Stücke traditionell zu swingen anfängt, die Hammond B3 über einer Percussionsbasis quirlig perlt, schneller werdend groovt, sich mit voller Klangfülle entfaltet, im Duo treibend marschiert, um sich schließlich wieder zurückzunehmen und getragen, das Thema aufgreifend, ins wiederum hymnische Finale gleitet. Swing und Groove kennzeichnen alle schnelleren Kompositionen Dennerleins. Unaufdringlich, aber dienlich ist rhythmische Teppich Messinas, auf dem die Münchnerin ihre behändes Spiel auf den Tasten mit retardierenden und Up-Tempo-Zwischengriffen anreichert, in Stücken wie „In the house“ Spannungen mit ostinaten Melodiekürzeln erzeugt und mit ihrer modifizierten Hammond einen straight marschierenden Kontrabass simuliert. Dass sich virtuose Tasten- und Pedalarbeit mit Soundtüfteleien aufregend verbinden, belegen schnelle Stücke wie „Swing the blondes“, in dem Dennerlein auf Hammond und Synthesizer eine ganze Band zu ersetzen scheint. Am emotionalsten spricht die Organistin den Zuhörer mit ihren Blues-Interpretationen an. Sie besitzt ein ungeheures Feeling für diese schleppenden verschleppten Rhythmen und die bluesigen Sounds – und was schon auf der Kirchenorgel aufrührend mitreißend klingt, kann sie auf der Hammond mit ihren ungezählten Klangmöglichkeiten noch ausbauen: mit schnellen Tontrauben der Rechten über einem durchlaufenden Beat der Pedale und des Schlagzeugs sowie der vollen, treibenden Kraft der Orgel. Der Titel der Jubiläums-CD verspricht nicht zu viel. „It´s magic“ was das Duo in diesem Live-Konzert am 29.Oktober 2004 in Berlin vor einem offensichtlich begeisterten Publikum eingespielt hat. Da verzeiht man Barbara Dennerlein gerne die Mitmach-Masche bei „Make it spicy“.
Klaus Mümpfer |
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Gaby Schenke´s Second Edit: Getting Serious Eigenlabel Gaby Schenke (www.gaby-schenke.de) Nach “Take 2” mit der Pianistin Beatrice Kahl (und Gästen) legt die Saxophonistin Gaby Schenke jetzt eine CD mit Quintett-Besetzung vor, die nicht nur ebenso mitreißend swingt, sondern noch betonter treibend groovt. Und diesen Groove hat sie einer offensichtlich idealen Besetzung zu verdanken: die schönen melodischen und harmonisch interessanten Linien von Andreas Edelmann auf dem Kontrabass, die latin-inspirierten Bravourstückchen des Percussionisten Nené Vásquez und das flexible Trommelspiel des Schlagzeugers Ralf Jackowski. Tonangebend bleiben nach wie vor Beatrice Kahl mit ihrem perlenden und zugleich rhythmisch verzwickten Pianospiel und vor allem Gaby Schenke selbst mit ihren weit ausschwingenden, kantablen Saxophonläufen, die mal lyrisch verträumt, dann wieder bebopmäßig attackierend erklingen. Typisch für dieses Zusammenspiel ist das poetische und zugleich pulsierende „Good Morning“. Eine impressionistische und pastellöse Intro, ein Percussionsteil sowie eine expressive Saxophonpassage mit leicht überblasenen Phrasen – alles passt zusammen. Gleiches gilt für die „September-Suite“, in die eines jener bestechenden ästhetischen Bass-Soli eingebettet ist. Das Up-Tempo-Stück „Turnaround“ fällt gegenüber den restlichen Kompositionen etwas ab. Dagegen spricht das nachfolgende „Inner Search“ wiederum Emotionen an – und reizvoll ist das abschließende „A little ¾“ mit dem singenden Sopransaxophon und der groovenden Percussion. Die Saxophonistin aus Hannover hat mit dieser Gruppe und ausschließlich eigenen Kompositionen einen originären und ansprechenden Sound im Hauptstrom des Jazz gefunden, der einen großen Kreis unter den Jazzfreunden anspricht –
Klaus Mümpfer |
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Tracy Chapman: Where You Live Natürlich steht ihre Debüt-CD auch bei mir noch irgendwo im Regal, gute 17 Jahre alt und von "Revolution" bis zu "Fast Car" haben sich Songs ins individuelle wie ins kollektive Gedächtnis gegraben. „Where You Live“ ist das mittlerweile siebte Studioalbum der Sängerin und es hat sich nicht viel geändert. Schon das Cover ist wie in den guten alten Zeiten. Die Haare sind zwar länger aber es ist der gleiche scheue Blick zur Seite, die gleiche Art von bewußt unscharfer Fotografie. Und auch musikalisch hat sich nicht viel geändert. Folk-Pop, die leicht jammerklakige Stimme, die geschmackvollen akustischen Arrangements. Noch ruhiger die meisten der Songs als vor vielen Jahren, viele Details erschließen sich erst beim zweiten hören. Angenehm, eine Konstante in einer unruhigen Welt und wie meint meine Bekannte: "nach einem stressigen Tag mit kreischenden Kindern genau die richtige Platte". fs |
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Heinz Sauer /
Michael Wollny: Melancholia Daß er auf dieser Duo-CD mit einem ebenbürtigen, wenn auch rund 50 Jahre jüngeren Pianisten zusammenspielt, findet glücklicherweise zurecht fast immer gebührend Erwähnung. Im Grunde findet sich auf dieser CD nichts bahnbrechend Neues – aber was heißt das schon bei einem, der seit Jahrzehnten auf allerhöchstem Niveau musiziert und dessen eindringliche Saxophonstimme zum eigenständigsten gehört was auf dem Tenorsaxophon zu hören ist. Brüchig und rau, in den höheren Lagen manchmal gepresst und überblasen ist Sauers Ton; wie mühsam gebändigte Schreie wirken einige dieser oft nur wenige Minuten langen Miniaturen. Es gibt viele Gründe Musik zu spielen: Geld machen, Menschen unterhalten, Spaß haben... - bei kaum einem Musiker wirkt das Musik machen allerdings so existenziell wie bei Sauer. Um Unterhaltung seiner Hörer geht es im nicht – mit jedem Ton gibt er etwas von seiner Seele preis. fs |
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Joachim-Ernst Berendt liest Rainer Maria Rilke:
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Dieter Ilg & Charlie Mariano / Due Dieter Ilg ist einer der begehrtesten Bassisten der Republik, war in unzähligen Formationen als Sideman und mit eigenen Gruppen tätig. Die Entstehungsgeschichte von „In Due“ mag man sich so vorstellen: „Charlie, komm lass und eine CD in meinem Studio aufnehmen. Wir machen uns einen schönen Nachmittag im Studio und abends koche ich etwas Leckeres...“ Wie lange die Session dann tatsächlich dauerte, weiß ich nicht aber die Aufnahmen haben ganz locker für zwei CDs gereicht. Zwei Freunde spielen wenige Standards und eine runde Mischung aus Eigenkompositionen in intimen Duo-Dialogen; musikalische Kommunikation auf höchstem Niveau. fs |
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Hans Koller Free Sound
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Bill Ramsey / Jean-Louis Rassinfosse
Klaus Mümpfer |
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Water Music (Colin Dunwoodie, Frank Willi Schmidt, Günter Bozem) DAD 008 (Dadoua/Indigo) Ein Vogel zwitschert, Regentropfen fallen, Wasser rauscht. Ein gestrichener Kontrabass in den tiefsten Lagen zaubert mystische Stimmung, die Bassklarinette schwingt periodisch, die Percussion treibt in wechselnden Metren. Dann wieder spielt die Flöte eine reizvolle Melodie über einem ostinaten Bass-Grundton. Der Percussionist greift zu ausgefallenen Klangkörpern wie Waterdrums und Cajones. Die Flöte umspielt auf einem „Strange place“ die straight geführten Basslinien. Im „Wadi“ scheint es einen afrikanischen Tanz der Percussion mit dem Bass zu geben, in dem das Saxophon melodisch den Ton angibt. Die Musik weckt tausenderlei Assoziationen. Klangfarben fügen sich zu einem collageartigen Gemälde zusammen. Von einem Fluss, dem Niger, der sich träge durch den afrikanischen Dschungel wälzt, an manchen Stellen an den Ufern plätschernd in Wellen anrollt. „Water Music“ nennt sich das Trio mit dem schottischen Multiinstrumentalisten Colin Dunwoodie, dem Mainzer Schlagzeuger Günter Bozem und dem Frankfurter Bassisten Frank Willi Schmidt. „Water Music“ ist auch der Titel dieser Einspielung mit 17 abwechslungsreichen, originellen und ausgefallenen Short-Storys, die inspiriert sind von jenen mitreißenden Schilderungen, mit denen der Romancier T.C. Boyle die abenteuerliche Geschichte des schottischen Arztes Mungo Park bei der Erforschung des Niger nachvollzieht. Dunwoodie und Bozem, die bereits mit den Klang-Experimenten des Rothengrund Art Ensembles oder beim Film-Musik-Projekt Metropolis gezeigt haben, zu welchen Überraschungen Jazz-Interpretationen fähig sind, kosten die Klangsuche in Water Music voll aus – auch wenn die Kompositionen von einigen Ausflügen in den freien Jazz abgesehen, durchaus im Hauptstrom fließen. Dass Schmidt unter anderem auch die singende Säge ohne peinliche Effekhascherei zur Färbung nutzt, rundet das Bild ab.
Klaus Mümpfer |
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Hannes Claus Quartett meets Nairobi City Ensemble
Klaus Mümpfer |
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Daniel Messina Trio Buenos Aires Affairs Mulatina Records MR-3703 Man kann diese Einspielung durchaus als ein Liebes-Verhältnis zu Buenos Aires auffassen – jener Stadt in Südamerika, wo die Musik der Welt zusammenkommt. Und das musikalische Kind, das diesem Verhältnis entspringt, ist wiederum so liebenswert, dass man sich nicht von ihm trennen mag. Der aus Argentinien stammende und in Deutschland lebende Schlagzeuger Daniel Messina besitzt ein seltenes Geschick, lateinamerikanische Rhythmik und Folklore mit dem Swing des Jazz zu verbinden. Wie schon auf „El sol sale“ lässt er auch auf seiner neuen CD „Buenos Aires Affairs“ die Becken unter zartem Besenstrich vibrieren, treibt mit dem Double-Bass-Spiel den Groove voran und nutzt die Fülle der Felle für rasende Trommelwirbel oder beinhartes Powerplay. Und dennoch wirkt das Solo-Spiel Messinas – wie in „La rabia“ - stets leicht, federnd, fast elegant und nie aufdringlich. Selbst schlicht wirkende und doch raffinierte Percussionsfiguren, wie in „El sueno del pipe“ nach dem kraftvollen Piano mit den verschleppenden Akkordgriffen beeindruckt. Thomas Rotter zupft dazu in „La rabia“ eine knochentrockene, durchlaufende Bass-Grundlinie, kann aber auch wie in „Tan solo un amor“ oder später in „La rabia“ zarte, lyrische Melodien auf den Saiten anreißen. Tonangebend in dem Trio ist jedoch neben Messina der dem Jazz am stärksten verbundene Pianist Ull Möck. Er hatte mit seinem unheimlich swingenden Spiel mit perlenden Läufen, sperrigen Gegenläufigkeiten und Akkordschichtungen schon auf seiner eigenen CD „Handling“ beeindruckt. Bei Messina spielt er diese Fähigkeiten voll aus – vom Hochgeschwindigkeitslauf bis zum hingetupften Single-Note-Spiel. Schließlich kommt in „La rabia“und in „El sueno del pipe“ Gustavo Battistessa mit seinem Bandoneon hinzu, um den Latin-Sound genretypisch abzurunden. Ob nun in lyrisch verspielten Stücken wie „De nuevo esa palabra“ mit den perlenden Piano-Läufen oder in schnellen und kraftvoll treibenden Kompositionen, das Trio-Spiel weist auf eine Seelenverwandtschaft der Musiker hin, die traumhafte Interaktionen erlaubt – und darauf, wie sehr der Komponist Messina sich in leichtfüßigen Rhythmen und eingängigen Melodien wohl fühlt.
Klaus Mümpfer |
fs=Frank Schindelbeck