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 Samstag, 4. August 2007
HZ
– Kultur Seite3
Wo
die Musik vom Waschbrett und aus der Weinflasche kommt
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HERSBRUCK
— Die „Jean Baptistes
Jug Band" rief und viele kamen. Weit über 200 jung gebliebene
Freunde und Fans des ehemaligen Hersbrucker Jazzclubs „Zoom
15" trafen sich am Wochenende beim „Planken" in
Altensittenbach (Gasthaus Scharrer), um sich gemeinsam an den 35.
Jahrestag des durch einen Brand hervorgerufenen abrupten Endes dieser
Kult-lnstitution zu erinnern. Der überdachte Garten war an
diesem regnerischen Abend ein idealer Platz, um den
Dixie-Klängen der „Jug Band" - bei der auch
frühere Bandmitglieder zu Waschbrett oder dem namensgebenden
„Jug" (eine bauchige Weinflasche, rechts) griffen - zu
lauschen, ein Tänzchen zu wagen oder einfach in alten
Erinnerungen zu schwelgen. Letzteres fiel diesmal besonders leicht, weil die lang
erwartete „Keller-Chronik" endlich käuflich zu
erwerben war. Wie zu erwarten, war der Absatz reißend und so
war die erste Auflage des
reich bebilderten Büchleins mit dem
Titel „7 Jahre, die es in sich hatten" im Laufe des Abends
fast vollständig verkauft. Bereits am Freitag Abend hatten
sich einige der extra zu diesem Anlass bis aus Andalusien angereisten
„Keller-Freunde" am Michelsberg getroffen, um das Wiedersehen
zu feiern. Sonntag Mittag endete das inzwischen schon traditionelle
Jubiläumstreffen mit einer gemeinsamen Wanderung nach Kleedorf
und einem deftigen fränkischen Mittagessen. Danach
verabschiedeten sich fast alle mit den Worten: „Auf
Wiedersehen beim
nächsten Mal, spätestens
in fünf Jahren!" Fotos:
H. Schreyer
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Mittwoch,
30. Juni
2004
HZ/Seite
3
KULTUR
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Neuauflage
des "Memorial Weekends" der Jug
Band
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HERSBRUCK - Vor zwei Jahren
haben sie das Gedenken an den legendä
„schend
gefeiert - die
„an
Baptistes Jug Band. Und weil
damals
zwar viele ehemalige und
neue Fans zum „Planken" nach Altensittenbach
gepilgert waren, aber eben
lä
das
„hand.
Wer also auf mitreiklänge abfährt oder
schon immer einmal
wissen wollte, wie
der
„ auf dem Kamm geblasen klingt, sollte
sich am Samstag, 3. Juli, nichts
anderes vornehmen: Ab 19 Uhr lassen
die
Hersbrucker Kult-Jazzer im
Garten des Gasthauses Scharrer - in wechselnder Besetzung
- die Tasten, Saiten,
Waschbretter und Flaschen
glühen.
Wem das noch nicht reicht,
kann
die Jug Band schon am Freitag ab
19
Uhr im Garten des
Restaurants
„cherwerkstätte) genießen.
Und am
Sonntag lä
„
Meister-Jugger Michael Gölling zu einer Wanderung ein, deren
Ziel und
Startort er erst am Samstag
ausbaldowert. fcp/Foto:
Privat
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Mittwoch,
7. Juli
2004
HZ/Seite
3
KULTUR
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Meister des Jazz:
Klarinettist
„Mitch Sauer", Bassist
Peter Zagel,
Waschbrett-Virtuose
Eberhard Brodisch und die
beiden
Frontmänner
der
„Jean Baptistes Jug
Band", Jeff
Gründer
und Michael Gölling (v. links) verzauberten ihre Fans mit
kultigen Klängen der 20-er und 30-er Jahre.
Fotos: Porta
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Kultjazz
aus der
Flasche
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„Jean
Baptistes Jug Band"
begeisterte Fans mit swingenden
Melodien
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ALTENSITTENBACH
- Eins ist
sicher:
Petrus ist kein Jazzfan.
Heftige
Windböen, Regeng„Jean
Baptistes Jug Band"
musste kurzfristig aus dem
lauschigen
„Planken"-Biergar- ten in den
Scharrer-Saal
ausweichen. Der Stimmung tat der Ortswechsel
freilich keinen
Abbruch.
Wenn
Michael Gölling, der zurück gekehrte
„Frontman" der Hersbrucker Jazz-Oldtimer, ans Mikrophon
tritt, bereiten sich die Fans schon auf den nächsten
herzhaften Lacher vor. Ob er nun den Titel „Sweet Georgia
Brown" in den „süßen Brauns Schorsch"
umtauft oder Jeff Gründer — den anderen
Kamm-Virtuosen der Band — zum Hirtenruf („soll aus
Stöppach stammen") bittet, die Zuschauer haben ihren
Spaß.
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Natürlich auch an der Musik des Septelts,
das in den ehrwürdigen Scharrer-Saal flugs das swingende
Lebensgefühl der 20er und
30-er Jahre zaubert.
Während Michael „Mitch" Sauer eifrig zwischen den
Klarinetten, Saxophonen und Tuben aus seinem
außergewöhnlichen Sammelsurium an Blasinstrumenten
wechselt, Harald „Stulle" Thiel sowohl Banjo- als auch
Gitarrensaiten bearbeitet und Georg Haselbek die Finger auf dem Piano
wirbeln lässt, sind die Instrumente der übrigen
Mitglieder alle Marke Eigenbau.
Eberhard
Brodisch bringt mit seinen Solos auf dem Waschbrett (samt kleinen
Becken, Ratsche und Hupe) die Zuhörer noch jedes Mal zum
Johlen. Da steht auch Peter Zagel mit
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seinen
Künsten am aus einem Besenstiel und Holzkiste zusammen
gezimmerten Zupfbass nicht nach.
Doch
die uneingeschränkten „Stars" der Jazzcombo sind
Gründer und Gölling. Nicht nur, weil die beiden am
vorderen Rand der Bühne die meisten Blicke auf sich
ziehen, sondern auch weil ihre
„Instrumente", mit Seidenpapier überzogene
Kämme, den unverkennbaren Sound der seit 35 Jahren nicht
müde werdenden Jazzer prägen. Höhepunkte
eines jeden Auftritts sind die wenigen Augenblicke, da die beiden zum
Taufpaten der Band greifen — eine voluminöse,
bauchige Weinflasche (Jug) — und ihm dumpf
wummernde Laute entlocken.
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Manchen Zuhörern freilich sind diese
komischen Musikinstrumente schlicht egal, ihnen reicht es schon, den
mal mitreißenden, mal melancholischen Melodien
zuzuhören. Ob rasend schneller „Tiger Rag", sich
klagend dahin schleppender „Black Snake Blues", George
Gershwins „Oh, Lady be good", Duke Ellingtons
„Saturday Night Function" oder „mal was
Japanisches" (Gölling) wie „Nagasaki" —
die Feierabend-Vollblutmusiker wechseln spielerisch
leicht
zwischen frühem New
Orleans Jazz, Chicago Jazz und Swing.
Und sehen dabei trotz grauer
Mähne und einiger Falten bei weitem nicht wie
„Affen" aus, wenn auch eines ihrer Stücke genau das
nahe legt: ,,You're bound to look like a monkey when you get old".
KLAUS PORTA
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ZEITREISE:
"Jean Baptiste" rief und alle kamen - zu einem Wochenende in Gedenken
an den legendären Jazzkeller "Zoom 15". Was Hersbrucks Eltern
einst fast so sehr fürchteten wie der Teufel das Weihwasser,
ist ihren Kindern noch heute beinahe heilig. Wie sonst ist zu
erklären, dass über 150 gestandene Manns- und
Weibsbilder aus ganz Deutschland vom 21. bis 23. Juni in
ihre alte
Heimat pilgerten, um beim Treffen mit Freunden von damals in
Erinnerungen an den 1972 abgebrannten Jazzclub auf der Ostbahn zu
schwelgen. Um das ein bisschen leichter zu machen, lieferte .Jean
Baptistes Jug Band", die zugleich ihren 30. Geburtstag nachholte, die
passenden Töne - in einer zuvor nie erlebten Besetzung mit
zehn aktuellen und ehemaligen Bandmitgliedern.
HZ
31.12.2002
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Und alle,
alle kamen.
Bericht einer Besucherin des
Zoom 15 Jubiläums.
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"Es
begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus
ausging, dass alle Welt sich schätzen ließe", so
lautet der Beginn der Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Daran
fühlte ich mich, mitten im Sommer, am vergangenen Wochenende
erinnert. Nur hieß der Kaiser nicht Augustus, sondern
"Stulle" (bürgerlich: Harald Thiel) und es ging nicht um eine
Volkszählung, sondern um das Zoom-15-Jubiläum.
Aber: Alle Welt kam oder aus aller Welt kamen welche. Unter anderen
auch ich, herbeigeeilt aus dem Hessenland, wohin es mich verschlagen
hat; andere konkurrierten mit Städten wie Hamburg, Berlin oder
Konstanz.
Zum 30. Jahrestag des Brandes des Jazzclubs Zoom 15 hatten wir, alles
Ehemalige, keine Mühen und Kosten gescheut - und ich habe es
auch nicht bereut. Ganz im Gegenteil, meine nostalgische Ader, die mich
immer wieder in mein Heimatstädtchen zurückholt, kam
voll auf ihre Kosten.
Am Freitagabend traf sich der harte Kern bereits in der
Michelsberggaststätte und beim ersten
erfreut-erstaunten Ausruf "die Löhners Rosi", war ich wieder
die und 35 Jahre jünger. Was bekam ich nicht alles
für Geschichten im Laufe des langen Abends aufgetischt!
Über mich selbst und andere Anwesende. Man riss sich schier um
die drei mitgebrachten Fotoalben, um alte Erinnerungen auch visuell
aufzufrischen
oder, wie in meinem Falle, sich nachweisen zu lassen, dass man nicht ab
der Geburtsstunde des Zoom 15 dabei war, sondern erst später
dazugestoßen war.
Man erzählte Anekdoten wie die, dass ich mir mit einem
Designerfeuerzeug von Michels Weihnachtsgabentisch, das ich
für einen Diagucker gehalten hatte und zum Reinschauen ans
Auge hielt, beinahe eine schlimme Verletzung zugezogen hätte,
wenn nicht ein Gruppenmitglied, das nicht wie die anderen dachte "so
blöd kann die doch gar nicht sein", mir das Ding rechtzeitig
aus der Hand geschlagen hätte, bevor ich die Flamme
auslöste. Einmal konfrontiert mit meiner damaligen(?)
Naivität waren die Schleusen geöffnet und es reihten
sich weitere Geschichten aneinander. Erstaunlich war es, zu entdecken,
welch unterschiedliche Speicher wir haben: man erzählte mir
Begebenheiten über mich, die mir völlig aus der
Erinnerung entschwunden waren und ich konnte anderen Erlebnisse mit
ihnen berichten, die ihnen nicht mehr bewusst waren. Anderen erging es
ebenso und wir genossen dieses Schwelgen in alten Erinnerungen auf
zweifache Art: einmal durch den Lustgewinn des Erzählens und
Zuhörens und zum zweiten durch das Basteln einer Art neuen
Selbstbildes, nach dem Motto "so war ich mal" oder "so bin ich?".
Am nächsten Tag, dem Samstag, sparte ich den anberaumten
Frühschoppen aus, zumal die Nacht in "Hemingways Bar", nicht
in Casablanca sondern in der Gartenstraße, spät
geendet hatte. Dass dieser Früh- zu einem
Spät-Schoppen ausgeartet war, konnte ich an einigen
schwankenden Personen unschwer erkennen, die mir begegneten als ich
nachmittags zum Scharrer nach Altensittenbach fuhr.
Da mir ein Nürnberger Auto die letzte Parklücke
ungeniert vor der Nase wegschnappte, konnte ich dem soeben abfahrenden
Gefährt mit der spielenden Jean Baptistes Jug Band nur
traurig-bedauernd nachschauen. Ein kleiner Trost war dann die
Begegnung mit den betreffenden Nürnbergern, die sich nicht als
aggressive Parkplatzraudis, sondern als liebe, alte Bekannte entpuppten
- alt halt auch in dem Sinne, als sie nicht einmal registriert hatten,
dass ich gleichzeitig hatte einparken wollen, wie sie
glaubwürdig versicherten.
In dem herrlich eingewachsenen und daher schattigen Biergarten der
Scharrerschen Gaststätte herrschte bereits ein lebhaftes
Treiben. Das Ausschauhalten nach bekannten Gesichtern fiel nicht schwer
und alsbald war ich mit verstrickt in die gängigen W-Fragen
: Wer bist du? (falls jemand sich stark
verändert hatte). Wo lebst du? Wie
lebst du (solo oder liiert)? Was machst/arbeitest
du? Wie viele Kinder hast du? Nicht fragen brauchte
man, warum jemand gekommen war und genau das bot die gemeinsame Basis,
auf der die alte Vertrautheit schnellstens aufblühte.
Bei mir bedeutete dies, dass ich mit einer ehemaligen
Nachhilfeschülerin deren verstorbener Mutter gedachte, die mir
öfter während solcher Unterrichtsstunden ein kleines
Glas Sherry hingestellt hatte. Ob sie mir dadurch die Arbeit
versüßen oder durch den Alkohol
erträglicher machen wollte, das kann ich sie leider nicht mehr
fragen. Ihre Tochter jedenfalls bezeugte mir noch heute Dankbarkeit,
obgleich ich mir keinen Verdienst an dem anmaße, was aus ihr
geworden ist (Lehrerin!).
Großen Lacherfolg erzielte ein alter Bekannter, als er
beschrieb, wie seinerzeit er und sein Freund nachts mit einer
Obstleiter durch Hersbruck geschlichen waren, um nach bayrischer Sitte
zu fensterln und dass sie erfolglos von dannen ziehen mussten, da sie
versäumt hatten mein Zimmerfenster zu erkunden. Bei einer
Brigitte hätten sie mehr Glück gehabt - aber wohl
auch nur im Finden des rechten Fensters. Ich fühlte mich
dadurch an ein nächtliches Gesangsduett erinnert, das ich mit
Jean Baptiste, der damals noch der Hummer war, über den Teich
vor dem Jazzkeller auf der Ostbahn schmetterte: "In der Nacht um halbe
ze-ehne, schleicht der Hintertupfer Be-ene kammerfesterlnd zu der
Ma-a-a-ari und der Mond scheint bleich und kasig..."
Ein ehemaliger Klassenkamerad verwickelte mich in ein Gespräch
über die Philosophie (die auch sein Metier geworden ist) des
Epikur und deren Weiterwirken bis zu Thomas von Aquin, über
die Wirkung von Emotionen in Belangen wie Umweltbelastung und das
vermeintliche Versagen der Psychologie (mein Metier) in diesem
Zusammenhang und schließlich über die
Entstehungsgeschichte unseres eigenen Jazzclubs im Spittaltorkeller.
Wir eruierten gemeinsam die Musiker der damaligen Band, mokierten uns
über die dortigen Strom- und Wasserverhältnisse und
über andere Verhältnisse, sprich
Beziehungsgeschichten. Da ich seinerzeit mit für die Bar im
Jazzkeller zuständig gewesen war, oblag mir auch die
Säuberung der Gläser und Aschenbecher.
Fließendes Wasser gab es dort unten nicht, so schleppte ich
alles zu mir nach Hause in die Schulgasse, was bald auf Protest bei
meiner Mutter stieß, die sich "des ganze stinkerte Zeich"
verbat. Erst als ich mir angewöhnte, im Spitalbrunnen einen
Vorwaschgang der abgestandenen Gläser einzulegen, hatte sie
nichts mehr einzuwenden.
Mit unserem Abitur 1966 endete diese Ära und ging für
mich, die ich bereits besuchsweise dort aufgetaucht war und in meiner
jüngeren Schwester eine Vorhut hatte, nahtlos in den
Zoomkeller am Unteren Markt über.
Mittlerweile war die ambulante Zoomband von ihrer Stadtrundfahrt
zurückgekehrt und ich bedauerte, dass die versprochene
Nostalgietour zu den ehemaligen Stätten ihres Wirkens nicht
mehr stattfand. Verband mich doch zur letzten, leider 1972 abgebrannten
Heimstätte des Zoom 15 weit mehr als dieser allein: In dem
betreffenden Anwesen, nahe am Ostbahnhof, war meine beste Freundin
beheimatet und ich hatte dort viele Schulnachmittage verbracht,
offiziell immer zum gemeinsamen Lernen, wofür uns Gerdas
Mutter Honigbrote und Limo in die
Veranda
brachte, wenn uns bei Mathe die Köpfe rauchten. Oft hatten wir
uns aber lieber zu den Johannisbeeren in den Gemüsegarten oder
zum Entspannen in den antikisierten Pavillon im sogenannten Park
verzogen. Vielleicht war es deshalb besser für mich, diesen
dem Erdboden gleich gemachten Ort meiner Erinnerungen nicht mehr
aufzusuchen, weil Wehmut meine fröhlich-aufgekratzte Stimmung
getrübt hätte.
Beim
Scharrer war mittlerweile noch mehr Betrieb, ständig trafen
neue Leute ein, der Bürgermeister, Wolfgang Plattmeier, allen aus alten Zeiten wohl
vertraut, sprach Grußworte und die Band formierte sich zu
größt möglicher Besetzung. Alle ehmaligen
Bandmitglieder gesellten sich zu denen der aktuellen Jean Baptistes Jug
Band, so dass die "Bühne" schier barst und
alle spielten mit Inbrunst und Spaß. Per kleiner
Zwischeneinlagen erfuhren wir, wie es
zu
der Namensgebung der Band gekommen war, nämlich durch die
Übernahme des Namens "Jean Baptiste" von einer Hausinschrift
in in einem Ort in der Oberpfalz, den man während einer
Radtour begeistert für den Jug Bläser (obwohl der
Hermann Hummer heißt) und dann auch für die Band
übernahm. Es scheint sich keiner gewehrt zu haben und so blieb
dieser Name.
Souverän
eine Polizeikontrolle passierend, fuhr ich spät aber
nüchtern in mein Quartier und lieferte neue, alte Bekannte im
"Adler" ab, die dort Zimmer hatten.
Zum Ausklang dieses prall gefüllten Wochenendes versammelten
sich so Unersättliche in Sachen Nostalgie wie ich sonntags um
11 Uhr am Plärrer, um im Konvoi nach Arzloe zu
fahren und von dort nach Waizenfeld zum "Taubers Hans", der Stammkneipe
des Zoom 15, zu wandern. Trotz angeregter Gespräche nahm ich
die herrliche Landschaft wahr und die Hitze gern in
Kauf. Die lange nicht mehr gesehenen Hopfengärten
ließen ganz alte Kindheitsbilder wach werden, als im Hof
meines Elternhauses die Hopfenzupfer saßen und von den
angefahrenen Ranken die Dolden in aufgespannte Säcke zupften
und mich Dreikäsehoch auf den Schoß nahmen, wenn sie
sich zum Vespern an die aufgestellten Tische setzten. Wenn ich meine,
dass damals im Hof auch gesungen wurde, kann das wahr sein oder meinem
Wunschdenken entspringen.
In der Wirtschaft in Waizenfeld konnte die Küche kaum der
angeforderten Menge an Klößen gerecht werden
-
ein aus Hamburg angereister Unersättlicher war erst nach
dreien zufrieden.
Als es gegen vier Uhr ans Abschiednehmen ging, wurde Aufschub
erzwingend darüber philosophiert, wie hart es uns ankomme, aus
der wohltuenden, Schutz vermittelnden Gemeinschaft wieder
hinausgestoßen zu werden in das Einzelschicksal in einer
feindlichen Welt. Fällt Ihnen dabei auch, wie mir, "die
Vertreibung aus dem Paradies" ein?
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Rosemarie Schröder
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Hersbrucker
Zeitung, 24.06.1988
Keine ganz „normale“
Band
Die Jean
Baptiste's Jug Band feierte 20.
Geburtstag mit alten und neuen
Freunden
HERSBRUCK (ma)-Ihren 20. Geburtstag feierte am
Samstag die "Jean Baptiste's Jug Band" mit einem großen
"Familienfest" in Volkert's Biergarten. Die Band, die aus dem Umfeld
der ehemaligen Hersbrucker Jazzkeller hervorging, unterhielt ihre
Freunde von Mittag an bis spät in die Nacht.
"Jean
Baptiste's Jug Band" darf man sich keinesfalls als normale Jazzband
vorstellen. Als solche brauchte sie zumindest herkömmliche
Instrumente, die sich die Mitglieder bei der Gründung nicht
leisten konnten. Die Altemativmusiker machten aus der Not eine Tugend
und blasen bis heute mit Ausnahme von Dosenöffnern auf allem,
was ein Haushalt hergibt und im Luftzug einigermaßen einen
Ton erzeugt. Die Ausstattung reicht vom Kamm bis zum Trichter.
Der
Namenspatron "Jean" hatte natürlich ein besonderes Schmankerl
zu bieten: Er improvisierte auf einer Weinflasche, die er wegen des
besseren Klangbildes vorher wahrscheinlich selbst geleert hatte.
Offensichtlich war ihm jedoch der erreichte "Sound" noch nicht gut
genug, denn er tauschte nach ein paar Takten seine Weinflasche beim
Wirt gegen ein professionelles Drei-Liter-Kaliber.
Auch
der Bassist hatte kein Instrument im herkömmlichen Sinn: Er
spielte auf einem Bindfaden, der an der Instrumentenkiste der Band
befestigt war. Gespannt wurde der Faden mit einem Besenstiel. Als
"normaler" Bassist konnte man sich nur wundern, denn das Ding hatte
einen überraschend angenehmen Klang. Die restliche Besetzung
ist schnell aufgezählt: ein "Sauerphon" (eine etwas kleine
Tuba), Banjo, Waschbrett für die Percussion und Klavier..
Die
Musik klang entsprechend. Die "Jean Baptiste's Jug Band" darf mit Recht
behaupten, sie hätte ihren eigenen Sound gefunden. Dieser ist
ein Gemisch aus Schnarren, Quäken und Klappern, unterstrichen
durch die Klänge von Banjo und Piano. Für manchen ist
sie hart an der Grenze zum Lärm. Doch die meisten
reißt es mit, wenn Jean ein beherztes Solo in seine Flasche
pustet.
Getreu
dem Motto "Der Aufwand lohnt die Mühe" gab die Band zwei
Kleinkonzerte für Nicht-Jazzfans unter der Hersbrucker
Bevölkerung. Die Musiker nahmen auf einem kleinen Lkw Platz
und fuhren laut musizierend durch die Stadt. Tournee-Haltepunkte der
ersten Fahrt:
hinter
dem Rathaus und, damit die Wasserratten nicht zu kurz kommen, beim
Strudelbad. Ein weiteres "Open-Air" wurde auf dem Seitenstreifen der
Nürnberger Straße veranstaltet, allerdings nur, bis
der Hut eines Musikers geborgen war, der im Eifer des Gefechtes
über.Bord gegangen war. Um 15.30 Uhr startete die zweite
Reise, die zum ehemaligen "Zoom 15" führte.
Abends
stand schließlich das große Festkonzert auf dem
Programm. Die Band verteilte Preise an für sie wichtige Leute,
bekam eine goldene Schallplatte und machte viel Musik. Viele der
früheren Mitglieder waren zum Fest gekommen und legten noch
einmal an „ihrem" Instrument los. Ganz entging die Gruppe
jedoch nicht den Konventionen eines normalen Jubiläums: wie
bei jedem solchen Geburtstag war Landrat Klaus Hartmann anwesend, am
Samstag allerdings nur als stiller Genießer von Jazz und
Weißwurst.
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